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Der Israelit · 1932-06-23 · Heft 26 (23.6.1932) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 26 (23.6.1932)
Date
1932-06-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 26 Der Israelit 23. Juni 1VZ2 gespeist, brannte gegenüber. Das gab, als die Herren von der Synagoge kamen, eine Abendstimmung voll heiliger Andacht. Was ist es doch um den Frieden der G'tteskinder! Wie feierlich ernst der Herr Hofrat die Festzeit nahm! Er arbeitete selbst jedes Jahr mit seinem Philipp am Aufbau der «Sukko; er trug dann die schmückenden Bilder herbei. Er saß in der Hütte, wie bei seinem Fürsten ehedem, in der Hofgala: Escarpins mit breiten, silbernen Schließen, schwarze seidene Strümpfe, ebensolche Kniehosen, ein frackartiger Rock und ein seidenes Käppchen bekleideten die noch rüstige Gestalt. Auch die Gemahlin hatte ein schwarzseidenes Kleid mit weißen Spitzen. Die Weihe des Sabbat senkte sich auf unsere Seelen. Kein Lärm störte von draußen her: dies ist das Schöne kleiner Orte gegenüber der seelenlosen Unrast der Großstadt. Sabbat verklang. Der Friede blieb. Am Sonntag erlebten wir dann die trauliche Gemütlichkeit des gewohnten Kreises. Es war das ersichtliche Bestreben eines Jeden, seinen Anteil beizutragen. Der Hofrat wußte so herzlich zu erzählen von Sukkoherlebnissen, daß die Stunden enteilten, ohne daß man es gewahr wurde. Wir baten auch den Rabbiner, uns die Sterne zu erklären. Wie wundervoll ist doch dieser Teil der Schöpfung! Wie reihen sich die Gestirne, wie fließen durcheinander ihre Bahnen! Mit neuen Kenntnissen und Erkenntnissen gingen wir zur Ruhe. Im stillen Zimmer aber dachte ich noch lange des Wortes: Einst wird der Tag kommen, wo die Frommen aller Völker vereint mit Israel Festzeit feiern in der Sukkoh beim Ewigen . . . (Die Entdeckung von Mzpa. der Krönungsstadt König Sauls.) Wie bereits gemeldet, behauptet die Expedition Professor Bades aus Berkeley, Kalifornien, auf dem Hügel Tel-en-Nasbah, ein paar Kilometer nördlich von Jerusalem, die Stadt Mizpa des Stammes Benjamin, die Stadt, in der nach der Bibel der Prophet Samuel Saul zum König gekrönt hatte, ausgegraben zu haben. Durch einen wichtigen Fund wird diese Annahme bestätigt und gleichzeitig ein Stück des biblischen Berichtes über die Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar beglaubigt. Im Buch der Könige II, 25, 23, und bei Jeremias heißt es, daß ein Hauptmann des Königs Zidkijahus, Jaasania, beim Fall der heiligen Stadt den Babyloniern entkam und sich erst später in Mizpa dem dort von Nebukadnezar eingesetzten jüdischen Gouverneur Gedalja unterwarf. Pros. Bade hat jetzt bei Ausgrabung der westlichen Metropolis auf Tel-en-Nasbeh in einem Grabe ein Siegel gefunden, das in althebräischer Schrift, wie sie bis zum babylonischen Exil in Brauch war, die Inschrift enthält: „Gehört Jaasania, dem Diener des Königs." Damit ist nach Ansicht Prof. Bades die schon auf Grund vieler Funde — darunter ein Gefäß mit der Inschrift „Mizpa" — von ihm ausgestellte Behauptung bestätigt, daß die auf Tel-en-Nasbeh ausgegrabene Stadt das biblische Mizpa ist. Die Expedition ist jetzt dabei, ein großes öffentliches Gebäude nahe dem eben aufgedeckten östlichen Stadttor freizulegen. Nach Ansicht Prof. Bades ist Mizpa eine der interessantesten biblischen Ausgrabungen in Palästina. Rinderecke. Der Olbaum. Zn unserer heutigen Haftoroh sind drei wichtige fruchttragende Bäume erwähnt! der IDcinfrocf, der Feigenbaum und der Gelbaum. Der Wcinftock ist unstreitig der Beliebteste unter ihnen und Ihr wißt, das; er zu allen Zeiten eine große Rolle gespielt hat. Aber der Aelteste und Geeinteste unter den Fruchtbäumen war doch bestimmt der Gelbaum. Ihr müßt nur an die Gleichnisredc des Iotham, des Sohnes von Gideon, denken. In dieser Fabel, die Ihr doch alle fcnnt; suchen die Bäume sich einen König und wenden sich natürlich zuerst an den Gelbauin; erscheint ihnen am würdigsten, der König der Bäume zu werden. Der Gelbaum ist aber auch wirklich ein besonders wichtiger Baum für Crez Israel. Cr ist dort zu Hause und wurde erst von Palästina aus in den anderen Mittelmeerländern eingeführt. Cr ist der dankbarste Baunr, den man sich denken kann und es ist sehr lohnend, ihn anzupflanzen. Zuerst trägt er freilich lange Jahre nicht und er beansprucht viel Platz, um seine mächtigen Zweige ausbreiten zu können. Aber dafür genügt ihm sandiger Boden und spärliche Bewässerung. Cr kann eine monatelange Sommerdürre aushaltcn und doch bleiben seine Blätter iinmer grün und verdorren nicht, hat er einmal Früchte getragen, so weiß man, daß er auch die Kinder und Kindeskinder versorgen wird, denn er hat eine unverwüstliche Kraft und lebt Hunderte von Jahren! Ganz alte Gelbäume werden mit kleinen Steinmauern umgeben, daß ihnen der Regen nicht das Crdreich rund um die Wurzeln wegschwemmen kann und wenn so ein alter Dlivenbaum noch so knorrig dreinschaut und sein Stamm fast hohl geworden ist, so treibt er doch immer noch, seine Säfte in die Laubkrone und trägt einen Reichtum an Früchten! Besonders prunkvoll ist das Aussehen des Gelbaumes freilich nicht. Seine graugrünen Blätter wirken immer ein wenig unscheinbar und sehen aus, als ob sie staubig wären, so wie die Färbung der Weide bei uns, mit der der Delbaum äußerlich überhaupt Aehnlichkeit hat. Auch seine Früchte haben keine lachende Farbe und beleben das Aussehen des Baumes nicht. Trotzdem aber geben die Gelbäume ein schönes Landschaftsbild und passen sehr gut zur Art der palästinensischen Landschaft. Muß ein Delbaum trotz all seiner Widerstandsfähigkeit einmal gefällt werden, so eignet sich das schöngemasertc Holz vorzüglich zur Verarbeitung und Ihr alle kennt die schönen Holzgegenstänöc, die aus Glivenholz gefertigt wurden. Wichtiger als das ist freilich die Bedeutung des Gelbaums als Fruchtbaum; er liefert das berühmte und unübertroffene Glivenöl, das aus den reifen Früchten gepreßt wird. Die Gliven selbst werden auch genossen, doch inüssen wir uns erst ein wenig an ihren Geschmack gewöhnen. Ihre Größe ist für uns in allen Fällen maßgebend geworden, wo irgend etwas "jvns" groß sein soll. Das Glivenöl fand in alten Zeiten noch viel mehr Benützung als heute, von der Verwendung im Tempel und beim Salben der Priester und Könige wißt Ihr ja; aber darüber hinaus wurde das Del doch in jedem Hause gebraucht und war so wichtig wie irgend ein anderes Lebensmittel, denkt nur an das Krüglein der Witwe bei Clischa! Der Delzweig ist in späteren Zeiten ein Sinnbild des Friedens geworden. Das geht wohl auf jenes erste Gelbaumblatt zurück, das die Taube dem Roah brachte als Zeichen dafür, daß die schreckliche Zeit der Fluten vorüber war und der Frieden wieder in der Welt eingekehrt sei. Der Feigenbaum Cinst ging der römische Kaiser Hadrianus aus der Straße nach Tiberias an einem Garten vorbei und sah darinnen einen alten Mann von vielleicht hundert Jahren, der junge Schößlinge des Feigenbaumes einpflanzte. Da sprach Hadrianus: „Alter Mann, wenn du in deiner Jugend gearbeitet hast, so war es gut; aber mußt du dich in deinen alten Tagen noch so abmühen? Du kannst ja die Früchte deiner Arbeit doch nicht mehr genießen!" „Ich habe freilich in meiner Jugend gearbeitet," antwortete der Greis, „aber noch will ich mich nicht ausruhen, sondern möchte Weiterarbeiten, solange ich es kann. Wenn ich die Früchte dieses Feigenbaumes noch schauen darf, so werde ich sehr dankbar fein. Wenn ich aber den Lohn meiner Mühe nicht mehr erlebe, so mögen sich meine Kinder des Ertrages freuen — G'tt wird es machen, wie es gut in seinen Augen ist!" Da sprach Hadrian: „Solltest du cs wirklich erleben, daß diese junge Feigenpslanze Früchte trägt, so komme zu mir und lasse es mich wissen." Mit diesen Worten entfernte sich der Kaiser und der alte Mann fuhr unermüdlich fort in seiner Arbeit. Und es kam wirklich der Tag, an dem der Feigenbaum Früchte trug! Da nahm der uralte Mann einen Korb, füllte ihn mit Feigen und brachte sie dem Kaiser Hadrian, voll Crstaunen nahm der Kaiser die Früchte aus den Händen des Greises und dankte ihm und ließ den Korb mit lauter Goldstücken füllen. Da verwunderten sich die Diener des Kaisers und fragten: „Warum bist du so gnädig zu diesem Juden?" Und Hadrian antwortete: „Seht Ihr denn nicht, daß der Schöpfer selbst diesen alten Mann ehrte? Warum sollte ich ihn dann nicht ehren?" Schont die Felder auf Euren Wanderungen! Ihr wißt alle, wie unrecht es ist, Getreidefelder zu betreten und doch sieht man immer wieder Fußspuren und geknickte Halme in einem Felde. Selbst an derartigen Stellen soll man nicht ins Getreide treten — dazu will ich Euch eine Geschichte erzählen. An einem heißen Sommertag ging einmal ein Rabbi aus einer staubigen Landstraße, die in einem großen Bogen zum nächsten Dorfe führte. Aergerlich über diesen Umweg sah er sich um und erblickte zu seiner angenehmen Ueberraschung einen schmalen Fußpfad, der quer durch ein großes Feld führte und den Weg sehr abzuschneiden schien. Natürlich ging er sofort auf den Fußweg und freute sich. Den Umweg zu sparen. Doch kaum war er ein paar Schritte gegangen, als ihn ein kleines Mädchen anrief: „Rabbi, Rabbi, was tust du da in dem Felde?" „Was ich tue? Ich gehe auf einem Wege durchs Feld, den "ludere vor mir schon gegangen sind!" „Freilich sind ihn andere Menschen vor dir gegangen," erwiderte das Mädchen, „aber wenn dein Vorgänger ein Dieb war, willst du in seinen Wegen wandeln? Der erste, der durch das Feld ging, um den Weg abzukürzen, knickte freilich nur ein paar Halme. Aber der nächste Wanderer, der des Weges kam, sah die Fußspuren und dachte, da ist ja schon jemand gegangen und tat es ihm nach. Schon war eine kleine Gaffe in das Feld getreten, der Nächste fand schon einen schmalen Pfad und nun gehst selbst du, Rabbi, achtlos durch das Getreidefeld und bedenkst nicht, was du damit tust!" Ganz rot vor Aufregung war das Mädchen bei seiner langen Rede geworden und nun fiel ihm auf einmal ein, der Rabbi konnte ihm seine Mahnrede vielleicht übelnehmen. Der Rabbi aber sprach: „Du hast recht, meine Tochter! Ich bin gedankenlos denen nachgegangen, die dem Felde Schaden zufügten. Ich will umkehren und von nun an immer an deine Worte denken." Jüdische Spiele. Beinahe hätte ich ganz an die Spiele vergessen, die ich Euch noch mitteilen wollte. Weil aber jetzt im Sommer sicher gar nicht so viel Gelegenheit zu derartigen Spielen vorhanden ist, höre ich jetzt damit auf, Euch von weiteren Spielen zu berichten und setze dies erst im Herbst wieder fort. III. Spielvorschlag. Es können so viel Kinder mitspielen, wie wollen. Zuerst setzen sich alle auf Stühle. Die Aelteste sängt an. Sie hat etwas in der Hand zum Werfen, z. V. einen Ball. Sie muß eine jüdische Geschichte erzählen. Mittendrin hört sie auf und wirft den Ball jemandem zu. Der muß dann weitererzählen. Wenn das Kind nicht weiter weiß, dann müssen die andern bis 3 zählen und wenn es dann noch nicht weiter weiß, dann muß es ein Pfand geben. Relein Meyer, Düsseldorf. A n m. d. R e d a k t i o n. Ein ähnliches Spiel für etwas größere Kinder: Einer fängt einen Poffuk an, wirft dann einem Linderen Ball oder Taschentuch zu und der Andere muß .den Poffuk vollenden. Wer es nicht kann, gibt ein Pfand. Rabbi Elischa baal knofaim. •d’djd m Einst lebte ein Mann, namens sevbrr- Er war ein besonders g'ttesfürchtiger Mann. Zu seiner Zeit war eine Judenverfolgung ausgebrochen, es war den Juden verboten, piwri zu legen. Aber yp’bR 'befolgte, trotz bestehender Lebensgefahr, das Verbot nicht und erfüllte die ms» doch. Als er mit den r^sn in der Hand über die Landstraße ging, wurde er von einem Verfolger angehalten und gefragt, was er in der Hand habe. vV'brr sagte: es sind ein Paar Taubenflügel und öffnete seine Hand — und siehe da, ein Wunder war geschehen: aus den r^sn find Taubenflügel geworden. Dieses große Wunder brachte ihm den Namen bpa pv'i>rr ->ai E. Hofmann. ANNONCEN-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURT Ai M. JETZT OSTENDSTR. 83

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