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Der Israelit · 1932-06-16 · Heft 25 (16.6.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 25 (16.6.1932)
Date
1932-06-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 25 Der Is r a eIit 16. Juni 1932 stehendem einen gesetzlichen Anspruch darauf hat, daß den seinem Glaubensbekenntnis entspringenden Bedenken gebührend Rechnung getragen wird. Nochmals: Leichensteine in Bayern. München, 15. Juni. Man schreibt uns: Aus Leichensteinen werden Marksteine. Es soll also nun das Rabbinat Schwabach atomisiert werden. Man fragt: mußte es so kommen? Gab und gibt es nicht im Bereich der gegebenen Berhältnisse trotzdem die Möglichkeit, das Rabbinat zu erhalten? Wohlgemerkt, wir sprechen von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten, die ja heute Trumpf sind. Da haben die großen Stadtrabbinate in Fürth und Nürnberg eine recht große Anzahl von Anhängseln, darunter auch eine Anzahl recht wohlhabender Gemeinden. Wie wäre es, wenn man diese Gemeinden mit der altehrwürdigen Gemeinde Schwabach zu einem Ganzen vereinigen würde, um so die Erhaltung zu ermöglichen? Dabei soll natürlich die Autonomie der Gemeinden erhalten bleiben. Aber es ist nicht unmöglich, daß diese Gemeinden, mit geschichtlichem Sinn begabt, dieser Idee beipflichten. Was aber die Autonomie betrifft, so wäre noch ein Wörtlein zu sagen. Da gibt es eine Gemeinde — Namen nennen wir nicht —, die hat den sonderbaren Einsall, sie wolle im.'Falle der Auflösung Schwabachs den Rabbiner der „Separatisten" in Nürnberg zum geistlichen Oberhaupt küren. Darob ein gewaltiges Schütteln des Hauptes. Wir aber sind einfach neugierig, wie weit in diesem Falle der Gedanke der Autonomie der Gemeinde durchgesetzt werden wird. Luxemburg. 360 Auslandsjuden aus Luxemburg ausgewiesen. Luxemburg, 7. Juni. Auf Grund eines von der Gesetzgebenden Versammlung Luxemburgs i. I. 1920 beschlossenen und i. I. 1928 kundgegebenen, aber bisher faktisch nicht angewandten Gesetzes, wonach alle Ausländer, die länger als sechs Monate im Lande zu bleiben wünschen, bei den zuständigen Behörden um eine Aufenthaltserlaubnis ansuchsn müssen, wurden im April d. I. die in Luxemburg lebenden Ausländer von der Polizei aufgefordert, soweit sie im Lande zu bleiben wünschen, Gesuche um Aufenthaltserlaubnis einzureichen. Etwa 400 aus Osteuropa stammende Juden, von denen viele mit ihren Familien seit mehreren Jahren in Luxemburg leben, haben dieser Aufforderung entsprochen und solche Gesuche eingereicht. In den letzten Tagen erst haben 360 aus osteuropäischen Ländern stammende Juden die Mitteilung erhalten, daß ihre Gesuche zurückgewiesen wurden und daß sie das Territorium des Großherzogtums verlassen müssen. Eine Begründung dieses Entscheids wurde nicht gegeben; man nimmt an, daß die Maßnahme auf die antisemetifche Gesinnung der zuständigen Behörde zurückzufllhren ist. Nichtjüdische Ausländer wurden von der Ausweisungsaktion nicht betroffen. Die ausgewiesenen Juden haben ein Schutz-Komitee gebildet, das von Dr. Max R o f e n f e l d und R o u b e l geleitet wird. Das Schutz-Komitee plant, bei den zuständigen Behörden zu intervenieren und, falls eine solche Intervention erfolglos fein sollte, an die öffentliche Meinung des Inlandes und des Auslandes zu appellieren. Man nimmt ferner an, daß die polnische Regierung im Hinblick darauf, daß die Mehrheit der Ausgewiesenen polnische Staatsbürger sind, bei der Regierung des Großherzogtums im Sinne der Zurücknahme der Ausweisungsorder intervenieren wird. Polen. wiederum Jahrmarkt-Pogrome im pofener Land. Warschau, 7. Juni. Die Ueberfäl!<r auf jüdische Händler in der Wojwodschaft Posen, die früher eine ständige Erscheinung waren, sind nun, nach einer Pause von etwa zwei Monaten, wieder an der Tagesordnung. Der Zentralverband der Kleinhändler in Warschau erhielt von seiner Ortsgruppe in Kalysz die Mitteilung, daß in Pniew, Wojwodschaft Posen, eine von Vincenti B o - guslawski, dem Sohn eines dortigen Hoteliers, geführte Huligan-Bande auf dem dortigen Marktplatz die jüdischen Händler überfallen, ihre Warenstände zerstört und die Waren geraubt hat. Pie Ortspolizei war zu Die Woche. Berlin. Vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten wird mitgeteilt: „Es war bisher nicht bekannt, daß der jüngste Kriegsteilnehmer des Krieges von 1870/71 ein Jude war, und zwar der Schlosserlehrling Michael Stolzenberg aus Königsberg i. Pr., der sich im Alter von 15:*/« Jahren sofort freiwillig meldete. Er wurde in das in Königsberg garnisonierende Jnfanterie-Negiment „Kronprinz" eingestellt, wobei ausdrücklich festgestellt wurde, daß Stolzenberg der jüngste Soldat der gesamten preußischen Armee war. Nach erfolgter Ausbildung ging er sogleich ins Feld, wo er an sämtlichen Schlachten und Gefechten des Regiments teilnahm. Michael Stolzenberg verstarb im Dezember 1913 in Königsberg. Riga. In Riga wurde vor einigen Tagen eine Schreckenstat verübt, die weiteste Kreise der Bevölkerung in Aufregung vrsetzt hat. In der Wohnungstür des Kaufmanns Leib S m u s chkin, Besitzers eines großen Konfektionshau- ' ses" erschossen Einbrecher die älteste Tochter, die 20jährige Gusta, eine Studentin, sodann die Gattin Smuschkins und deren 15jährige Tochter Anna, verletzten außerdem die greise Schwester Smuschkins, Frau Marie Daniler, lebensgefährlich und noch zwei andere Hausbewohner, Herrn Wunder und Frau Katz, schwer. Die Verbrecher entkamen in der allge- . meinen Aufregung. Saloniki. Der. jüdische Friedhof in Saloniki, der unterhalb des Stadions der griechischen Sportvereinigung „Hercule" gelegen ist,' wurde anläßlich einer Sportveranstaltung von Tausenden griechischen Zuschauern besetzt. Ein Teil der Umfassungsmauer des Friedhofs und etwa 50 Grabsteine wurde von den Eindringlingen teils mutwillig, teils durch das Hin und Her der sportbegeisterten Massen umgeworfen und zerstört. Der Präsident der Jüdischen Gemeinde hat bei den Behörden Protest gegen die Entweihung des Friedhofs eingelegt und für die Zukunft eine ständige Bewachung des Friedhofs gefordert, konstanlinopel. Die türkische Regierung hat die Litatuten der jüdischen Sportorganisation M a k k a b i in der Türkei nicht genehmigt und die Eröffnung jüdischer Sportklubs unter der Aegide des Makkabi verboten. Warschau. Der Heeresrabbiner des 36. polnischen Regiments, Major F r ä n k e l, und die Rabbiner Chaim P o s n e r und Jakob S i l b e r st e i n, die in der Warschauer Vorstadt Praga einer Feier der jüdischen Soldaten des Regiments beigewohnt hatten, wurden, als sie die Kaserne verlassen hatten, von Hutigans überfallen. Major Fränkel und Rabbi Silberstein wurden geschlagen und an den Bärten gezerrt. Jüdische Ein- » wohner von Praga, die den Angegriffenen zu 8 Hilfe kamen, wurden ebenfalls schwer miß- 8 handelt. Ein Feldwebel alarmierte die Wache I des 36. Regiments, die zwei der Huligans er- » griff und sie der Polizei übergab. Warschau. 8 Die polnische Regierung hät die Schaffung eines Konsulats der polnischen Republik in T e l - A w i w beschlossen und zum Leiter des Konsulats den jetzigen polnischen Handelsattache in Palästina, Dr. Bernhard Hausner, ernannt. In Tel-Awiw und näherer Umgebung leben über 26 000 polnische Juden. Dr. Bernhard Hausner gehörte in früheren. Jahren dem polnischen Sejm an und war Mitglied des Jüdischen Parlamentsklubs. Jerusalem. Es steht nun fest, daß der große Hafen von Haifa im Frühjahr 1933 vollendet sein wird. Die Einweihuno des Hafens wird in Gegenwart des Prince of Wales, der sein. Erscheinen zugesagt hat, der arabischen Herrscher und der europäischen Kommissare der Nachbarstaaten vor sich gehen. Mit der Einweihung des. Hafens wird eine große H a n d e l s a u s st e l l u n g verbunden sein. — In einer Höhle in der Nähe des arabischen Dorfes Beth Sahar wurde der Leichnam des feit 14 Tagen vermißten jüdischen Hausierers Joseph Levy, eines Sepharden, aufgefunden. Levy pflegte seinen Wanderhandel in diesem rein arabischen Gebiet auszuüben.. Eine int Dorfs Beth Sahar wohnhafte vierröpfige Beduinenfamilie wurde unter dem Verdacht, den Mord begangen zu haben, verhaftet. — Mit Rücksicht auf die schlechte Ernte ist der Zehent für dieses Jahr auf 1% Proz. herabgesetzt worden. — Der Mufti hat beim Völkerbund gegen die Beschlüsse der Internationalen Klagemauerkommission protestiert und ferner die Ausfolgung der Hedfchas-Efenbahn an die Moslems gefordert. spät und nicht mit der erforderlichen Energie eingeschritten. In der Mitteilung werden 15. jüdische Kleinhändler, die durch diesen Ueberfall um ihr gesamtes Hab und Gut gekommen sind, namentlich aufgezählt. In der ganzen Gegend wird antisemitisches Hetzmaterial in Massen verbreitet. Eine Abordnung des Kleinhändlerverbandes unter Führung des Präsidenten Sundelewicz sprach im Unterrichtsministerium vor und forderte, daß die Schuldigen in Pniew zur Verantwortung gezogen werden, daß die Märkte in der Wüjwodschaft Posen polizeilich bewacht werden und daß die Verfasser und Verbreiter der antisemitischen Hetzschriften, die der Behörde bekannt sind, zur Verantwortung gezogen werden. Seitens der Regierung wurde versprochen, eine Untersuchung durchzuführen und die Schuldigen zu bestrafen. Rutzland. „Cmcß" klagt, daß das jüdische religiöse Leben irr der Sowjetunion nicht auszurotten ist. Moskau, 12. Juni. „Emeß", das Hauptorgan der jüdischen Kommunisten Rußlands, führt Klage darüber, daß das jüdische religiöse Leben in den Ländern der Sowjetunion ungeachtet der Tätigkeit der Gottlosen-Klubs (Organisation „Apikojres") nicht auszurotten ist. Die von „Emeß" in die Provinz entsandte Untersuchungsbrigade hat u. a. festgestellt: Das in einen Arbeiterklub umgewandelte Beth Hamidrasch des „Lubawitscher Rebbe" (Rabbi Schneersohn, der nach Erduldung zahlreicher Verfolgungen in das Ausland ging) steht jetzt leer, da die jüdischen Arbeiter der Stadt Lubawitsch, die noch immer unter dem geistigen Enfluß des Rebbe stehen, aus Pietät das Klubhaus meiden. Die „Emeß"-Brigade, die den Distrikt Smolensk und einige andere Distrikte in' der Ukraine bereist hat, klagt ferner darüber, daß die „jiddische Kultur" sich im Niedergang befindet und daß die jüdischen Eltern ihre Kinder nicht in die jiddischen, sondern in die russischen Schulen schicken. Nirgendwo auf ihrer Reise hat die Brigade ein Exemplar des „Emeß" vorgefunden. Die Brigade stellt fest, daß selbst in den jüdischen Kollektiven die Religion stark verwurzelt ist. In vielen Kollektiven wird der Sabbat traditionell beobachtet, sind an den Türen der Wohnhäuser, ja sogar der sogenannten „roten Ecken" (Klubs, die ausschließlich kommunistischer Propaganda dienen sollen) „Mesusoth" angeschlagen. Zu Pessach wurden in allen Kollektiven Mazzoth gebacken. England. Die Veröffentlichung des French-Berichtes. London, 13. Juni. Das Colonial Office hat heute Nachmittag der Jewish Agency ein Exemplar des French-Berichtes übergeben und um Aeußerüng dazu gebeten. Ein weiteres Exemplar ist auch in Jerusalem der Jewish Agency sowie der arabischen Exekutive mit der gleichen Aufforderung übergeben worden. Eine Veröffentlichung wird nicht eher erfolgen, bis Agency und arabische Exekutive der Regierung ihre Bemerkungen^ zu dem Bericht übergeben haben werden. Alsdann wird das Colonial Office eine Darlegung seiner Politik in der Frage der Landmtwicklung' gleichzeitig mit dem French-Pericht veröffentlichen. Ob das Parlament zur Zeit geneigt fein wird,, die für die Landentwicklung erforderliche Anleihe von 2% Millionen Pfund zu bewilligen, wird bezweifelte Rumänien. Die rumänischen Juden im Wahlkampf. B u k a r e st, 13. Juni. Die Juden treten in drei Gruppen inden Wahlkampf ein: es bewerben sich um die Stimmen der jüdischen Wähler die Jüdische R e i ch s p a r t e i (Zionisten), die zionistisch-sozialistische Arbeiterpartei („Zeire Zion") und die Union rumänischer Juden (Richtung: etwa Deutscher Zentralverein). Die Union versucht mit allgemeinen politischen Gruppierungen in. ein Wahlbündnis einzutreten. Palästina. . Das Großkraftwerk am Jordan eröffnet. Jerusalem, 11. Juni. Das von Pinchas Rutenberg geschaffene elektrische Großkraftwerk in Abadieh, am Zusammenfluß des Jarmuk mit dem Jordan, dessen Errichtung 4% Jahre in

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