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Der Israelit · 1932-06-09 · Heft 24 (9.6.1932) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 24 (9.6.1932)
Date
1932-06-09
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Seite 6 Nr. 7 Der Israelit Blütter 9. Juni 1932 Blick in die Weite. (Zum 10 jährigen Bestehen der paualer Agudas Iisroel.) Von Wolf S. Jacobson in Berlin. Diese Wochen, da wir die Erinnerung an die kattowitzer Eründungstage zwar nicht festlich begehen, dazu sind die Zeiten zu schwer, wohl aber liebevoll und dankbar pflegen, sind für unsere Freunde, die Paualei Agudas Iisroel Polens, doppeltem Gedenken geweiht: dem Siwan 5672, da die Mutterorganisation, unsere Agudas Iisroel gegründel wurde, dein Slwail 5682, da sie ihre eigene Organisation schufen. Wir glauben, daß es ratsam ist, und, was entscheidender ins Gewicht fällt, daß es agudistischer Einstellung entspricht, wenn wir gerade in dieser Nummer, die die deutsche Landesorganisation zur Erinnerung an Kattowitz herausgibt, auf den Gedenktag der polnischen P. A. I. Hinweisen. I. Wenn in deutschen Landen üiclc, allzuviele von einem Stillstand der agudistischen Bewegung, von innerer Erstarrung, von Ermüdung sprechen, dann ist dies in vielen Fällen eine Folge jener Blickenge, die aus voragudistlscher Zell zurückgeblieben ist und die 20 Jahre Agudas Iisroel noch nicht beheben konnten. Damals entfaltete man auf dem von den Großen der deutschen Orthodoxie gelegten Grunde innerhalb der deutschen Grenzen ein breites, in den bevorzugten Gemeinden, die jenen Männern Gründung und Blüte verdankten, auch tiefes Leben. Man bewährte über die Landesgrenzen hinaus sich wohl auch großzügig und freudig als Geber und Förderer, betrachtete im Grunde aber doch seine eigene, die deutsche Orthodoxie als die allein richtige und tonangebende. Eine Folge jener Blickengc ist's, das; man leider auch heute noch Fragen und Probleme der deutschen Iudenheit für die Kern- und Grundfragen der Gesamtheit hält und beispielsweise dem großen Geschehen im jüdischen Osten kühl bis ans Herz hinan gegenübersteht. Diese Enge und Einseitigkeit, die nur das Leben bei uns, und darum der Stillstand, nicht aber auch das Leben draußen, und darum den Fortschritt, sieht, sie ist Mitursache jener Agudomüdigkeit, die zu der agudistischen Lebendigkeit in Osteuropa, auch dort, wo es sich erst um agudistisches Werden handelt, in einem für uns nicht sehr ehrenvollen Gegensatz steht. Der Ruf nach „Aktivismus" ertönt im Westen, ertönt hier mit gutem Recht — im Osten heißt Aguöismus — Aktivismus, wer hier, unter den Jugendlichen zumal, Agudist ist, ist Aktivist. Diesem Aktivismus erblühten zielbewusste Arbeit in den Gemeinden und in ihrer Leitung, Zeire Aguöas Iisroel, Bes Iakauw und Bnaus-Bewegung, — eine reiche und gute Literatur, eine vorzüglich geleitete Tageszeitung, treffliche Monatsschriften, um Einiges aus dem vielen, weiten Kreisen bei uns noch völlig Unbekannten zu nennen — ihm erblübte auch P. A. I. Cs ist also ratsam, in diesen Crneuerungstagen an Kattowitz, zu dem die weitsichtigsten und weitherzigsten Männer der deutschen Orthodoxie aufrrefen, den Blick dorthin zu lenken, wo rüstige Kräfte sinnvoll walten, wo Leistung sich an Leistung fügt, wo Widerstände nicht mutlos machen, sondern höhere Energien wecken, wo Wirtschaftsnot nicht die Tatkraft ertötet, sondern belebt, wo Kritik nur gesunde Zukost zum Brot der Agudoarbeit, nicht aber diese selber bedeutet. Solch ein Blick in die Weile, nach dem Osten soll unseren Müden Ermunterung, unseren Mutlosen Belebung, unseren Kritikern den Maßstab für ihr —-handeln bringen. II. Diese Enge des Blickes, sie ist schädlich, ungesund, sie ist überdies durch und durch unagudistisch. Man mag die Idee des Agudismus, den Sinn der Agudas Iisroel wie immer begründen, sie mit theoretischen Erörterungen oder mehr unter praktischen Gesichtspunkten untermauern, wenn der Gedanke und das Bewußtsein vom Klal Iisroel, von unserem jüdischen klal Iisroel — dieser Begriff nicht als ausgehöhlte Phrase, sondern als blutvoUc Lebendigkeit erfaßt — hierbei nicht in den Mittelpunkt gestellt wird, dann mag die Logik noch so zwingend, das Arbeitsprogramin noch so umfassend sein — Agudas Iisroel ist man nicht gerecht geworden. Wenn beispielsweise Freunde, die sich gute Agudtsten nennen, sich darüber beschweren, daß diese „Blätter der deutschen A. I." viel zu viel Berichte über das agudistische Leben in andern Ländern bringen, dann haben sie, mögen sic einzelne Formen agudistischer Arbeit noch so verdienstvoll und erfolgreich pflegen, u. C. des wahren Agudismus eben nur einen hauch, nicht aber ihn in seiner ganzen Fülle und Tiefe verspürt. Wer von Agudas Iisroel nur die Bereitung und Erleichterung des eigenen Weges fordert, sie als Brücke zum Leben seiner eigenen Brüder nicht braucht, ja, nicht einmal will, wer durch Agudas Iisroel nur die Bestätigung eigener Erkenntnisse und Bekenntnisse sucht, nicht aber auch seine Brüder — die Brüder in der ganzen Welt — der hat ihren Sinn nur halb, und darum gar nicht erkannt. Solche Enge des Erkennens muß nicht immer für Enge des Geistes zeugen — denn sie kann gewollt sein — immer aber zeugt sie für Enge des Herzens. Richtige agudistische Einstellung, ö. h. richtiges Erleben des vollen Sinnes unserer A. I. zwingt zu weltweiter Schau, die aber nicht nur eine Schau leerer, schnell sich verflüchtigender Reugierde sein darf, sondern tiefe, innerlich mitbewegte Teilnahme ist. Darum soll, sollte das 10jährige Bestehen der polnischen P. A. I. jeden Agudiften, auch jeden deutschen Agudiften angehen als sein Ereignis, fein Erlebnis; die große Freude unserer agudistischen Arbeiter in Polen sollte auch seine Herzensfreude fein: „Am Tage der Freude sei ganz in diese Freude versunken." (Kauheles VII, 14.) Denn wenn auch weiterhin der Westler nur sich selber kennte, und weiter nur der Oestler sich selber, jeder nur seine Art und seinen Wert, wenn die Brücke, die vor zwanzig Jahren geschlagen wurde. noch heute kaum begangen würde, dann hätten damals mnsonst nach Kattowitz gerufen die vier Großen der deutschen Orthodoxie: Salomon Breuer, Wolf Feilchenseld, Isac halev^ und David hoffmann s. A. Soll ihr gesegnetes Andenken auch im Herzen der deutschen Agudiften lebendig bleiben, dann müßte diese Brücke stets voll sein von einander ehrlich suchenden und darum ganz sich findenden Brüdern. HI. Das zehnjährige Bestehen der p. A. I. hat aber noch aus einem andern Grund alle Agudiften zu beschäftigen. Cr bekundet die siegende kraft der agudistischen Idee. Alle Aufgaben im Geist der min zu lösen, das ist inhaltlich die praktische Seite unseres Programms, so wie es ursprünglich in kattowitz formuliert wurde: b s; rrnrrm amTn wo bi isn ^s?sn mws rnm D’oa „Auf der Grundlage des jüdischen Gesetzes" Synagogen erbauen, Wikwoaus errichten, Thorastätten unterstützen, Wohlfahrt üben — sollte man von jüdischen Wcnschen eigentlich anderes voraussetzen? Und auch: „das jüdische Land dem jüdischen Volk im Einklang mit der jüdischen Lehre" bereiten zu wollen, sollte dies nicht selbstverständlich sein, wo es sich doch nur um ein von Juden durchzuführenöes, aus tiefsten jüdischen Ouellen gespeistes Streben handelt? Sollten Juden ihre Sache denn eigentlich anders als jüdisch überhaupt führen können?! Daß man aber auch den Kamps gegen Unterdrückung und Ausbeutung, den Kampf für einen gerechten Ausgleich zwischen Arbeit und Kapital by rinn v'v3nicht nur führen kann — dies ist selbstverständlich, denn „G'ttes Lehre ist vollkommen" — sondern auch führt, führt, obgleich der Unternehmer — und mag er sich auch manches Rial als orthodox bezeichnen — von m und vom minn rrn nichts wissen will, daß man der Wacht, der Wenschenmacht, das Recht, G'ttes Recht, gegenüber stellt und dieses, nur dieses für sich sprechen läßt, daß man dem -npi'-Idcal der min vertraut, mehr vertraut als den Losungen und Lösungen, die die andern Stanöesgenossen zur Erringung der gleichen Ziele versuchen, daß man da, wo es um die Existenz der Familie, ums tägliche Brot geht, sich ans Wort der min hält, dann auch, wenn der Partner Gleiches mit Gleichem — nicht vergilt, daß man auch im Ringen um wirtschaftliche Positionen oft in geradezu erschütterndem G'ttvertrauen bekennt und betätigt. „Wirf nur auf G'tt deine Last, Cr wird dich schon versorgen." (Psalm 56/25): Dies ist alles gelebter, im Alltag erprobter und darum ganzer, wahrst e r A g u d i s M u s. Weil p. 21. I. das agudistische höheziel in reinster Form verwirklicht, auch darum haben wir diesen Blick in die weite getan. Agudas Iisroel — klar in ihrer Ideologie, festgefügt in ihrer Organisation, erfolgreich bei der Lösung ihrer Aufgaben, beseelt durch warme klalverbunöenheit: was die Initiatoren von Kattowitz begonnen, mögen wir's vollenden helfen. Gedenket desKeren Hatorah Posischeck-Konlen: Landesdirektorium de« Keren Hatorah in Deutschland Hamburg Nr. 24753 (P. Sch. A. Hamburg). Keren Hatorah-Kommissariat Frankfurt a. M. Nr. 41666 (P. Sch. A. Frankfurt a.M Keren Hatorah-Kommissariat Nürnberg Nr. 18440 (P. Sch. A. Nürnberg) Keren Hatorah-Komraissariat Köln Nr 50131 (P. Sch. A. Köln) Keren Hatorah-Kommimriat Leipzig Nr, 70147 (P. Sch. A. Leipzig) Keren Hatorah-Kommissariat Berlin, P. Sch. A. Berlin Nr. 73 991 C, Salomon. Keren Hatorah-Kommiisariat Breslau, P. Sch. A. Breilau Nr. 60510 für Iwan Möller. Keren Hatorah-Kommiiiariat Hamburg P. Sch. A. Nr. 40953 für Dr. Julius Basel Keren Hatorah-Kommiisariat Kartsruhe Markus Stern Bankkonto Ignaz Ellern,

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