Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1932)
- Date
- 1932-06-09
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 7 Seite 3 9. Juni 1932 Der Israelit B l ci) t t e r Die Hauptversammlung. Oie Eröffnungsrede bts Vorsitzenden Herrn Dr. Abraham Hirsch *?"XT, Halberstadt. Dr. Abraham Hirsch-Halberstadt eröffnet gegen IQ Uhr die Versammlung mit folgenden Worten: nrn.in xi.i 1112 irnp.i owb mim nnu?" /mtn m»*? uyam i2»'pi und gibt seiner herzlichen Freude Ausdrucks diesen Tag erlebt zu haben, da sich die Vertreter der Thora in stattlicher Zahl, unter ihnen hervorragende 0’2lX2' und zahlreiche Männer des praktischen Lebens zusammengesunden haben, um mitzuhelfen und mitzuraten bei der Gründung des großen Werkes, das wir zum heile des überlieferten Judentums unternehmen. Tin hohes Ziel ist es, das uns vorschwebt, wir wollen das, was jeder einzelne von uns in feinem privaten Leben verwirklicht, was jederzeit sein ernstestes Strebcit ist — ein Leben auf dem Boden von p",nn — auf alle Angelegenheiten des ^2, der jüdischen Gesamtheit übertragen, .1110 ist und bleibt unser Lebensideal, sie soll uns in allen unseren Arbeiten leiten, wir leben unserem Ideale in verschiedenen Ländern nach, der eine im Westen oder Osten, der andere im Süden oder Borden. Aber so verschiedenartig unsere äußere Lebensweise sein mag, wir wollen uns einig um unser Ideal scharen und wollen durch unsere Vereinigung das Iisroel-Ideal verwirklichen; darum nennen wir auch unsere Vereinigung mit Recht „Agudas Iisroel". wir kennen unter uns ln religiöser Hinsicht keine Deutschen, Galizier, Russen oder Ungarn; wir wollen das Große, Gemeinsame betonen, das unser Leben erfüllt und wollen fallen lassen, was uns scheidet, hinter uns, in allen nbian mxixstehen Millionen Gleichgesinnter. Das erfüllt uns mit Wut und stärkt unsere Kraft; das gibt uns halt und Vertrauen bei unserem Streben, gibt uns Rückhalt, wenn wir gezwungen sein sollen, zu kämpfen. Das alles gibt uns aber auch das Recht, mit hohen Hoffnungen in die Zukunft zu schauen und zu vertrauen, das; x-»Vi X0"57v2 unsere heutige Vccsanimlung zu glücklichem Erfolge führen und unser Ziel verwirklicht werden wird. Aus der Rede des Herrn Rabbiner Dr. Salomon Breuer b"XT Frankfurt a. 211. Als Mtunterzeichner der an Sie ergangenen Einladung zu dieser Versammlung fühle ich mich berechtigt, ja verpflichtet, Ihnen allen, die Sie von Rah und Fern hecbeigeeilt sind, um an unseren Beratungen teilzunehmen, herzlichst oi'^s? l*?V zuzurufen und Ihnen für Ihr freundliches Erscheinen aufrichtig zu danken. Cs ist eine erfreuliche, aber auch tiefernste Veranlassung, die uns hier zusammenführt. Es gilt, alle O'Xi' in der Diaspora zu einem Bunde zu vereinigen. nxivn nnnn pp nainV- Bereits vor nahezu 15 Jahren habe ich die Rotwendigkeit eines solchen Bundes gelegentlich einer in Frankfurt a. 2TI. stattgefundenen Versammlung nachdrücklichst betont. Zur Begründung dieser Rotwenöigkeit führte ich u. a. folgendes an: Als vor mehreren Dezennien die pariser Alliance Israelite Universelle gegründet wurde, da war es mein Schwiegervater Rabbiner Samson Raphael Hirsch b'^l der die Tendenz dieses Vereins aufs heftigste bekämpfte. Cr hat wohl damals nicht die Zustimmung Aller, wir meinen natürlich aller 0'Xl', gefunden, doch die Zeit und die ganz besonders in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen haben ihm Recht gegeben. Er hat sich als 1^12,1 ox ,1x11,1 odti bewährt. Inzwischen ist wiederum eine Art Weltorganisation unter dem bekannten Ramcn Zionismus ins Leben gerufen worden, die auf ihre Fahne „Rationaljuöentum ohne min" schrieb, wie nicht anders zu erwarten, wurde diese Bewegung von sämtlichen .11171.1 'Vna und von allen Q'221 mit geringen Ausnahmen als ip'sn Ni'22 verurteilt. Ich selbst habe keinen Anstand genommen, diese Bewegung in meinen öffentlichen Vorträgen als Blasphemie zu bezeichnen, habe keinen Anstand genommen, selbst den unter dem 21amen Misrachi sich anschließenden o-xi’ den Vorwurf von nms '12157 'i'V o-p'M» zu machen, worin mich übrigens der erst jüngst verstorbene Gaon oVyTm 0"N "chx '21 in Lodz in einem an mich gearteten Schreiben, das ich seinerzeit mit seiner Zustimmung im „Israelit" veröffentlichte, bestärkt hat. Andre verbände sind alsdann wie Pilze aus dem Boden geschossen, an deren Tätigkeit sich wiederum die wahrhaften O'Xi' aus religionsgesetzlichen Gründen nicht beteiligen konnten. Da ist denn gegen die Führer der Orthodoxie von der anderen Seite — und, wir können es nicht verhehlen, auch aus den Kreisen der O'Xi' heraus — der Vorwurf erhobest worden, daß sie nur kritisieren, negieren und opponieren könnten, jedoch ihrerseits für die Gesamtheit Israels keine positive Arbeit leisteten. Wenn ich nun auch der Ansicht bin, daß die 'Abwehr von Bestrebungen, die die Reinheit unserer ,12l»x gefährden, höchst positive Arbeit darstellt, so muß ich doch gestehen, der Vorwurf war und ist nicht ganz berechtigt, da durch die bloße Abwehrtätigkeit die vertetung zahlreicher vitaler Interessen Anderen überlassen bleiben mußte. Run aber frage ich, meine Herren, sollen wir wirklich weiter in dieser unverantwortlichen Passivität verharren und die vitalsten Interessen der Gesamtheit Israels solchen Händen anvertrauen, zu denen wir zu unserem großen Bedauern in religionsgesetzlicher Beziehung kein vertrauen haben können, haben dürfen? Als vor wenigen Jahren über unsere Brüder im Osten die fürchterlichsten mix herein brachen, da waren es wiederum die Anderen, die zur Rettung und Befreiung der armen Heimgesuchten an die Spitze traten. Gewiß, die Orthodoxen allerorts haben, soweit cs im Bereich ihrer Möglichkeit lag, mit Spenden zum großen Hilfswerk beigetragen; hatten sie aber auch die beruhigende Ueberzeugung, daß die Zwecke, die ihnen heilig sind, in erster Reibe dabei gefördert wurden? Fern fei es von uns, auch nur den leisesten verdacht zu hegen, daß auch nur ein Pfennig nicht für die erforderliche materielle Rnterstützung verwandt worden wäre! Rennen wir Orthodoxen aber nicht auch eine im Geiste unserer miax gedachte ideelle Unterstützung, die uns mindestens so hoch wie die materielle, ja noch höher steht, für die Ändere leider wenig oder gar kein Verständnis haben? Rur ein Beispiel möchten wir hier erwähnen. Unseren schwer heimgesuchten Brüdern in Kischinew fehlte es zu jener Zeit nicht nur an den notwendigsten Lebensmitteln, an Brot, an Kleidung usw., es fehlte ihnen auch an 1^25, da diese ihnen von grimmiger Feindeshand geraubt und vernichtet worden waren. Sie schrieen nicht nur nach Brot, sie flehten auch um j'bondafür erhielten sie keinen Pfennig. Ihr Rotschrei drang zu uns, auf unsere Veranlassung sandte ihnen die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" den erforderlichen Bedarf. Dürfen wir also, meine Herren, weiter aus der Ferne zuschauen und unsern Brüdern entgegengesetzter Richtung die Rolle der ^xiw' 'yma überlassen? Rein, und abermals nein! Wir müssen uns endlich einmal selbständig machen, uns einmal auf eigene Füße stellen und für unsere heiligste und teuerste Sache das Heft in die Hände nehmen. Erster und oberster Zweck der ^X12>' miax fei, das Selbständigkeitsbewußtsein in den Herzen aller epxt> zu wecken. Weine verehrten Herren, ich muß wohl gestehen, groß und schwer ist die Aufgabe, die wir uns gestellt, groß und fern das Ziel, das wir uns gesteckt, ungemein groß sind die Schwierigkeiten, die sich uns entgegentürmen. Doch das liegt in der Ratur der heiligen Sache, die wir erstreben, begründet, wir dürfen daher den Mut nicht verlieren. Lehren doch unsere Weisen 'im tmpnn1? nsio ®"wb x-my mo22 by Eine Vereinigung, die nicht das reinste ETfrV sich zum Ziel gesetzt, meinen unsere Weisen, kommt sehr leicht zustande, denn da ist alles einig, einig in dem Bestreben, dem ipty die notwendigen D'^ai zu verschaffen. Doch der endliche Sieg des nax kann nicht ansbleiben, und so hat eine solche Vereinigung keine Zukunft, g'ttlob mpno1? nsio px- Im umgekehrten Verhältnis steht eine W"üb xvny .T022- Sie kommt anfänglich nur schwer, sehr schwer zustande. Da sind es die vielen oi27Vn-die das Gewissen der wahrhaften O'Xi' beunruhigen. Und wenn nun gar die Bewohner der verschiedensten Länder aller Weltteile sich zu einem Bunde vereinigen sollen, wie müssen sich erst da naturgemäß solche oipem ergeben. Hat doch jedes Land feine ü’2,12» und wird doch jedes Land, den herrschenden Verhältnissen und Zuständen entsprechend, verschiedenartig von seinen Führern und Lehrern geleitet. Wie leicht kann es da Vorkommen, daß das, was in einem Land als ppn angesehen werden muß, in einem anderen Lande als bipbp und umgekehrt, erscheint. Doch all diesen nwwn muß Rechnung getragen werden.- Cs muß jedem Land die Freiheit der Eigenart der religiösen Leitung und Führung überlassen werden, und schließlich sind es doch, Sie gestatten mir den Ausdruck, mindestens 90 Prozent, die uns in der Gemeinsamkeit unserer religiösen Empfindungen und Gesinnungen innig verbinden. Wenn demnach auch anfangs die Schwierigkeiten einer Vereinigung der O'Xi' noch sehr groß sein mögen, so wird sic doch am Ende bei Ernst und gutem willen, den wir gerade bei den O'Xi' aller Länder voraussetzen können, Zustandekommen: D''pnn^ ,121V- Aus der Rede des Herrn Rektor Dr. David Hoffmann bf,x^ Berlin. “p mbtz; X2 7I121X rni Äx pab. Ich begrüße Sie mit dem Spruche des heiligen Sängers n mnn 0212212 '1 dem X2.1 P12- Sie sind Männer, die man wie die Fürsten Israels ,112m 'X'ip (im 2'7i2) und ,1157,1 •’Xiip (im np) zu nennen hat, ungleich den Streit-Anstiftern omxi pidie umgekehrt: ,115m “>xnp (im 2-02) und 'X'ip (im mp) genannt werden. — 'xiip (Partie.) heißt „die Gerufenen", während -x'ip (SubstI „die Berufenen" sind 01'2x1 pi in ihrem Hochmut ließen sich laut als die Berufenen ausrufen, während sie tatsächlich nur durch die Revolution, welche diese unlauteren Elemente an die Oberfläche geschwemmt batte, gerufen waren, um Hauptrufer int Streite zu sein. Richt so die Fürsten Israels, die 0'i-a^n von 1221 ,ny». Sie sind in Wirklichkeit die Berufenen, aber in ihrer Bescheidenheit sprechen sie, nur dem Rufe zu folgen, obgleich sie sich nicht für berufen halten. Als solche ,1127,1 'X'lp begrüße ich diese Versammlung. Run wird uns im X"*?l p'D N"X die Mahnung. erteilt: o'p'ix 01572 riaybi O'iw 1102 2w'h i^'ox 1X2N nix1?»1?! 10X2N1? .IWI57 OX O'v'vn 0X272 l^.l1?! mix x'2'ty natyb nivv1? pix x*?x nnity» nr px Xiion 011257!?- _ Allein sowie bei den Opfern im heiligen Tempel nach Talmud om2T auch n»iz^ xano war, so kann ich dies auch bei dieser Versammlung voraussetzcn; denn auch wir befinden uns im G'tteshause ,iiew onay ,i2'2ty .11102 ppoisn j'2En'ty- Deshalb ist 1112 X2.1 durch P'v2» 0270 von Folgenden getrennt: „Gesegnet sei jeder, der gekommen ist (auch x»0v)- mit dem Rainen G'ttes, (der da 'V?E7 heißt, wie die 0-2.12 0212 schließt), denn wir segnen euch aus einem G'tteshause, in welchem die reine Absicht nnwb gleichsam garantiert ist. Dieser 'ibw ist den v'»20 -i'»!?0 eigentümlich. Während auf anderen Gebieten nur bei Einigkeit der Ansichten von 'ibw die Rede sein kann, bewahren die rrn auch bei Verschiedenheit der Meinungen den 1^27daher 'i!?ty O'nia N"0 sie haben auch da ri!?tywo sonst Unfriede herrscht, wenn sie nur 1'212 sind, sich bestreben zu bauen, und das Riedergerissene wieder Herstellen, dann sind die verschiedenen Ansichten . 0"n 'pbx '121 V?xi i^x- Das Referat Jacob Rosenheim. Hochgeehrte Versammlung! Rainens der provisorischen Komitees, das Sic eingcladen hat, soll ich Ihnen in kurzen Zügen die Idee und das p r 0 g r a m m der „Agudas Iisroel" zu entwickeln versuchen. Das zwingt mich, Ihre Rachsicht in doppelter Beziehung zu erbitten: ich werde manchem von Ihnen zuviel sagen und manchem zu w e n i g. Zuviel; denn die Gedanken, aus denen unsere „2lgudas Iisrocl" geboren ist, sind nicht künstlich erzeugt und wirken gerade darum nicht als unerhörte Offenbarungen — sie liegen in der Luft, die