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Der Israelit · 1932-06-09 · Heft 24 (9.6.1932) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 24 (9.6.1932)
Date
1932-06-09
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Seite 2 Nr. 7 Der Israelit Blätter 9. Juni 1932' erfüllen, wenn auch die Länder des Westens durch Männer von Einfluß, Verständnis, Thorakunde und Tatkraft vertreten sind. Roch einmal follen die Grundfragen durchgesprochen, hierauf aber sofort zur vorläufigen Konstituierung und zur praktischen Arbeit geschritten werden, auf daß alsdann in möglichst kurzer Jurist in allen Ländern der Diaspora Ortsgruppen der Organisation erstehen und auf dem Wege allgemeiner Wahlen ihr definitiver Ausbau und die endgültige Bildung ihrer Organe vollzogen werde. Vicht aus eigener Machtvollkommenheit, sondern gedrängt von dem Willen derer, die sich als die wahrhaften Vertreter der Tauroh und somit die berufenen Führer von bbs binun betrachten dürfen, haben wir bis dahin die vorläufige Führung der Geschäfte übernommen. Möchte die Versammlung in Kattowitz es verstehen, aus allen Ländern der Zerstreuung die besten und würdigsten Männer auszuwählen, denen die heilige Sache der Gesamtheit anvertraut werden kann. Wir bitten Sie daher, uns freundlichst Ihr Lrscheinen in Kattowitz zuzusagen, woraus wir Ihnen Zeit und Ort der Versammlung rechtzeitig bekannt geben werden. Auch ist uns evtl, die Angabe weiterer einflußreicher Gesinnungsgenossen in Ihrem Kreise, deren Einladung rätlich erscheint, erwünscht. Die Gesamtzahl der Teilnehmer soll, um eine intime Beratung zu ermöglichen, 200 nicht überschreiten. Wir fügen gleichzeitig eine hebräische Einladung zu Ihrer Information hier bei. Mit vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Dr. Salomon Breuer, Frankfurt a. M. Oberrabbiner Dr. W. Feilchenfeld, Posen. Isar Halevy, Hamburg. Rector Dr. D. Hoffmann, Berlin. Das provisorische Romitee: Kommerzienrat Louis Feist, Vorsitzender, Frankfurt a. M. Jacob Rosenbeim, stellvertr. Vorsitzender, Frankfurt a. M. Dr. Abraham Hirsch, stellvertr. Vorsitzender, Halberstadt. Jacob Strauß, Schriftführer, Frankfurt a. M. M. Abrahams, Haag. Simon Ältmann, Paris. Aron Auerbach, Hamburg. Dr. med. Simon Bamberger, Frankfurt a. M. Alexander Tarlebach, Lübeck. Rabbiner Dr. 2l. Lohn, Basel. Jacob S. Cisemann, Antwerpen. Dr. med. I. Feuchtwanger, Frankfurt a. M. Kom.-R. Siegmund Fränkel, München. David Gestettner, London. Abraham Grünbaum, Rürnberg. Dr. phil. I. Heinemann, Frankfurt a. M. Aron Kober, Breslau. Paul Lehmann, Halle a. S. M. 21. Loeb, Berlin. Georg Herrnann Loewy, Rawitsch. Max Mannes, Zürich. Kom.-R. George Marx, Königsberg. Wolf Möller, Altona/ Dr. med. S. Oppenheimer, Frankfurt a. M. Moritz Posen, Berlin. Dr. phil. Jonas Simon, Heidelberg. Adolf Stern, Frankfurt a. M. Baruch Stern, Frankfurt a. M. Siegfried Wiener, Kattowitz G.-S. Leo Wreschner, Frankfurt a. M. Dr. Cd. Liberfeld, Vorsitzender des „Verbandes der Sabbatfreunde", Berlin. pincus pleßner, Vorsitzender des „Bundes gesetzestreuer Iugendvereine", Posen. Aus den Kattowiher Reden. Die Vorversammlung. Aus der Rede des Herrn Rabbiner Dr. A. Cohn ^"Xi-Bafel: Wie lange sollen uns die Marken der Länder scheiden, sollen die von Mißtrauen und Uebelwollen zeugenden Ramen „pollak" und „Tatsch" hüben und drüben erklingen, warum sollen nicht über die trennenden Grenzpfähle hinweg die frommen Juden des Ostens und des Westens sich die Hände reichen zu gemeinsamem Lunde, da wir doch fühlen m iiblv ■um« ttnt* wir sind eines Blutes und eines Stammes, da wir doch wissen,- ums ö’nx vor allem mxan ll'NX' da sich doch bei uns das Wort bewährt: ni'N2n na *px^> nbn mson vrv Kbr daß die mxd \ ein einigendes, festes und starkes Band um uns schlingen? Ein Freund in Rußland erklärte einmal den traurigen Zwiespalt zwischen Ost- und Westjuden mit einem Gleichnis. Zwei Brüder wohnten in einem Hause, führten aber getrennte Haushaltungen, „warum vereinigt Ihr Luch nicht," so fragt man sie, zu gemeinsamer Lebenshaltung?" Sie antworteten: „Der eine von uns ißt gerne „fleischding", der andere „milchding", diese verschiedenen Reigungen trennen uns von einander". Dennoch aber führte endlich die Rot der Zeit sie zusammen, und veranlaßte sie, sich in einander zu schicken und auf einander Rücksicht zu nehmen. In Ost-Curopa steht die Thora im Mittelpunkt des jüdischen Lebens, wie es sein soll. In West-Europa herrscht auch in den Kreisen der Frommen Kultur und Bildung, welche die Juden des Ostens als die Ouelle des Abfalls von der Thora betrachten. Daher der traurige Zwiespalt, der die thoratreuen Juden in verschiedene Lager teilt. Wäre es nicht hohe Zeit, daß die Juden des Ostens und des Westens sich einander nähern, einander zu verstehen, einander zu stützen suchen in dem schweren Kampfe, den sie beide führen müssen gegen die Geister der Leugnung und Verneinung, der Vernichtung und Zerstörung der Religion? In einer Zeit, wie sie kritischer und gefährlicher die mehrtausendjährige Geschichte des jüdischen Volkes nicht kennt, kann keinem wahrhaften Iehudi die Zersplitterung in den jüdischen Reihen gleichgültig sein. Wir, die thoratreuen Juden des Westens, wir brauchen Cure Hilfe, Ihr Brüder im Osten. Stärker, mächtiger als bei uns rauscht bei Euch die Ouelle der Tauroh. Wir aber wissen, daß die Tauroh das Lebenselement des jüdischen Volkes ist. Die griechische Sagenwelt erzählt von Antäus, einem.Riesen, welcher ein Sohn der Erde war und daher unbesiegbar blieb, weil ihm die Erde, seine Mutter, wenn er erschöpft und ermattet war, frische Kraft Zuströmen ließ. Da hob ihn sein Feind vom Erdboden empor, die Ouelle, aus der ihm Stärke zufloß, versiegte, er wurde schwach und erlag seinem Bedränger. Wir Juden gleichen jenem Helden der Sage. Die Tauroh ist die Ouelle unserer Kraft; wenn wir sie verlassen, werden wir schlaff und machtlos, und unser Untergang ist unvermeidlich. Durch die Agudas Iisroel, durch die innige Verbindung der Iehudim von Ost und West wird der Strom der Tauroh, der bei uns nicht genug stark fließt, wieder befruchtend und segensreich zu uns geleitet werden; unsere Jugend wird es wieder als ihr höchstes Ideal betrachten, in der Thora zu forschen, mwyVi TiawV, und die Verbindung mit den Hunöerttausenöen, ja, den Millionen der Söhne unseres Volkes, welche unserer Thora treu geblieben sind, wird uns, die wir in Westeuropa unfern verirrten Brüdern gegenüber leider nur eine kleine Minderheit bilden, Halt und Festigkeit geben und uns mit zuversichtlicher Hoffnung auf den endlichen Sieg der Wahrheit erfüllen. Aber auch Ihr, Ihr Freunde und Brüder aus dem Osten, werdet die thoratreuen Juden des Westens als Freunde, als Berater und Mitkämpfer wohl brauchen können in den Kämpfen für die Erhaltung der Thora, in dem Bemühen, das Heranwachsende Geschlecht von Irrtümern und einer falschen Aufklärung zu bewahren und die Begeisterung für unsere Heiligtümer in ihnen lebendig zu erhalten. Aus der Rede des Herrn Rabbiner Dr. C. Biberfeld, Berlin: Rachdem der Herr Vorredner ausgeführt, was wir mit der Aguda wollen, sei es meine Aufgabe, darzulegen, was wir dabei nicht wollen, wir wollen nicht das orthodoxe Judentum, und das ist ja das Judentum, — retten. Dazu wären wir nicht berufen und das wäre auch gar nicht nötig; denn wenn G'tt selbst uns verheißen hat: cmin ■’rvnn nxT '2X1 'IDV daß der Lund, den Cr mit uns in der Thora geschloffen habe, nie fein Ende finden werde, so brauchen wir kleine Menschen dafür keine Rettungsaktion zu veranstalten. Sondern uns und unsere Kinder wollen wir retten für das Judentum, damit es vn uns und ihnen nicht verloren gehe, das sei allein unsere, die Aufgabe der Orthodoxie. Wir wollen weiter nicht: unsere Kultur in die Länder des Ostens verpflanzen; das kann nicht laut genug betont und nicht oft genug wiederholt werden. Wir deutsche Orthodoxe sind uns dessen nur allzu gut bewußt, daß es uns wohl gelungen ist, die niLvrl wy» mit dem modernen Zeitgeist zu verbinden und den Rachweis zu erbringen, daß man aus der Höhe der Zeitkultur stehen und dennoch alle mx» ’pnp erfüllen könne. Aber nicht gelungen ist uns die Vermählung von pK •jn ns; min in dem wahren Sinne des Wortes, welcher darunter die souveräne Beherrschung und eindringende Kenntnis des Thorawortes und im verein damit eine ebenso restlose Durchdringung der Persönlichkeit mit allem Guten, Edlen und Schönen der Weltkultur versteht. Diese Erfahrung und Erkenntnis mahnt uns dringend genug, den versuch zu unterlassen, unser Kulturs^stem in jene Länder, wo b"T\ bie min noch ihre Pflegestätten hat, zu übertragen, und wir sollten gegen den verdacht geschützt sein, unsere Hand dazu zu bieten, daß dort die ewigen Güter der min gegen das vergängliche Gut der Erfolge auf materiellem Gebiete eingetauscht würden. Früher oder später — das sei unsere Hoffnung — wird auch dort eine modern-jüdische Kultur sich auftun, die diesen Ramen mit Recht verdient, weil sie, anders als die unfrige, die Kenntnis der Tauroh zur Voraussetzung und wiederum zum Endpunkt hat; aber unser Beruf sei es nie und nimmer, diesen Prozeß einzuleiten oder zu beeinflussen. — Zweierlei ist es, was wir unsere Brüder im Osten lehren können und lehren wollen. Erstens: die Kunst der Organisation, der Zusammenfassung der Einzelkräfte zur gedrungenen Einheit sowohl für Abwehr wie für positive Schaffenstätigkeit. Und zweitens: wir fürchten unsere Gegner nicht mehr, ihre Angriffe haben ihren Schrecken, den sie für unsere Vorfahren besaßen, verloren. Wir haben es gelernt, diesen Angriffen lege artis zu begegnen und auf den Schelm anderthalb zu setzen. Diese Künste bringen wir als Cingebringe in die Agudah. Unsere Brüder von jenseits der Grenze aber bringen besseres Gut mit, in dem reichen Tauroh-Schatz, den sie in ihren Größten und Großen besitzen. Davon wollen wir lernen und empfangen. Nicht als ob wir so weltfremde Optimisten wären, zu glauben, daß nun plötzlich ein Strom der Thorakenntnis in unsere Alten und Jungen hinüber fließen werde. Aber aus der Berührung mit den Kreisen, in denen die Tauroh noch geehrt, gehegt und gepflegt wird wie sie es verdient, wird doch unaufhaltsam auch in unseren Reihen wieder die Erkenntnis Lahn brechen, daß ein lebenskräftiges Judentum sich nur im Thorabesttz entwickeln könne, und aus dieser Erkenntnis wird die geschwundene Achtung vor den Trägern der Geräte der Tauroh erwachsen, und damit ist dann der Weg geebnet für eine Zeit, in der in die jüdischen Häuser wieder eine Atmosphäre der Tauroh einziehen wird, die das Selbstverständliche und vorauszufetzenöe auch wirklich überall antreffen läßt. Das nVö wird bios nr5?^ das miüp aber nicht. So unterliegen alle materiellen Potenzen dem Schicksal des Entstehens und Vorgehens; ewig und unveränderlich und unzerstörbar aber ist das geistige Rationalgut Iisroels, ist und bleibt feine minpx bau nX'3 T57.

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