Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1932)
- Date
- 1932-06-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 24 Der «Israelit 9. Juni 1932 nischen Komzet, dem die Schuld an den Zuständen zugeschrieben wird, die eine Massenabwanderung der jüdischen Kolonisten zur Folge hatten, sollen durchgreifende Aenderungen vor sich gehen. Der ukrainische Komzet wird nicht mehr unabhängig arbeiten, sondern sein ganzes Gebühren wird einer strengen Kontrolle durch die Zentralverwaltung von Moskau unterliegen. Die ukrainische kommunistische Partei hielt eine außerordentliche Sitzung ab, in der beschlossen wurde, die Zentralregierung zu ersuchen, sofort 500 Pferde und 15 Traktoren nach Kalinindorf zu entsenden, damit die Frühjahrsanbaukampagne dort vor dem Zusammenbruch gerettet werde. Gleichzeitig wird das Zentralexekutivkomitee der Sowjetukraine ersucht, den jetzigen Sowjet des Rayons Kalinindorf abzusetzen und zur Verantwortung zu ziehen und eine spezielle Kommission mit der Untersuchung der Ursachen des Zusammenbruchs des Kalinindorfer Siedlungswerks zu betreuen. Die Kommission soll auch Vorschlägen, was zu unternehmen ist, um die abgewanderten Juden zu ihrem Boden zurückzubringen. Eine von Komzet herausgegebene offizielle Information stellt fest, daß von 1916 jüdischen Familien, die noch i. I. 1931 in Kalinindorf lebten (vorher waren es über 2000 jüdische Familien), heute nur noch 350Familien auf ihrem Boden ausharren. Und selbst diese dürften ihre Felder verlassen, wenn ihnen nicht sofort Hilfe gebracht wird. Wie die Zeitung „Emeß" mitteilt, wurden zwei höhere Beamte des Kalinindorfer Rayons als die Urheber des Planes, Kalinindorf seines jüdischen Charakters zu entkleiden, entlassen. Die kommunistische Partei des Payons erklärt offiziell, daß sie von diesem Plan abrückt. Die Partei schritt an die Mobilisierung der kommunistischen jüdischen Jugend für eine intensive Feldarbeit zwecks Rettung der Frühjahrskampagne. Rumänien. Reorganisation der transsylvanischen Orthodoxie. Cluj-Klausenburg, 3. Juni. Oberrabbiner Albert Wesel, der von dem vor kurzem in Dej stattgefundenen Kongreß der transsylvanischen Orthodoxie zum Präsidenten der orthodoxen Landeskanzlei gewählt worden ist, äußerte sich vor Vertretern der Presse über die nach der Verlegung der Landeskanzlei nach Klausenburg beabsichtigten Maßnahmen zur Reorganisierung des Verbandes der thoratreuen Juden. Oberrabbiner Wesel erklärte, er beabsichtige die Einführung neuer Besteuerungsformen, insbesondere werde in Zukunft von allen orthodoxen Gemeinden die Gabella zur Erhaltung der Landeskanzlei abzuliefern sein. Das Zentralbüro der Orthodoxie soll derartig reformiert werden, daß es imstande fei, als Vertretung der stärksten jüdisch-reugwsen Gruppe die Interessen auch der übrigen jüdischen Kulte in Fragen der staatlichen Subvention für Schulen und Gemeinden, der Organisation und Bezahlung der Gemeindebeamten, in Fragen des Kultusgesetzes, der Jeschiwoth und der Befreiung der jüdischen Schüler von schriftlichen Arbeiten an Sabbattagen — ein in Rumänien noch immer unerfülltes jüdisches Postulat — wahrzunehmen.; Valästina Die Verteilung der Palästina-Zertifikate. Jerusalem, 6. Juni. Die Exekutive der Jewish Agency hat die ihr von der Regierung für das laufende Halbjahr auf Grund der Arbeiter-Schedule zur Verfügung gestellten 2100 Zertifikate für Palästina-Einwanderer auf die einzelnen Länder wie folgt verteilt: Für Polen wurden 980, für Rumänien 131, für Litauen 70, für Rußland 60, für die Jemeniten-Flüchtlinge in Aden 70, für Deutschland 48, für Lettland 40, für Oesterreich 21, für Amerika 26, für die Tschechoslowakei 35, für Griechenland 15, für die Türkei 24, und für andere Länder je 10 oder weniger Zertifikate reserviert; der Rest wird auf bereits eingewanderte Touristen, die sich zum dauernden Aufenthalt in Palästina entschlossen haben, verrechnet. Die Verwaltung und Rontrolle des hebräischen Schulwesens. Jerusalem, 2. Juni.! Unter dem Vorsitz von M. M. U s s i s ch k i n fand am Montag abend eine Sitzung des Waad Leumi statt, die der Frage des Uebergangs der Verwaltung des hebräischen Schulwesens in Palästina und der Kontrolle über das Schulwesen von der Jewish.Agency zum Waad Leumi gewidmet war. Die Kommission zur Prüfung der Erziehungsfrage erstattete ihren Bericht und unterbreitete ihre Vorschläge. Sie empfahl die Uebernahme der Verwaltung des Schulsystems und der Kontrolle über das hebräische Schulwesen durch den Waad Leumi unter gewissen Bedingungen. Eine dieser Bedingungen ist, daß die Jewish Agency in den kommenden drei Schuljahren jährlich 40.000 Pfund zum Unterrichtsbudget beitrage. Dr. Chaim Arlosoroff, der im Namen der Jewish Agency sprach, stimmte allen von der Kommission gemachten Vorschlägen zu, erklärte aber, daß die Jewish Agency nur die Verpflichtung übernehmen könne, in den kommenden drei Schuljahren jährlich 30.000 Pfund zum Unterrichtsbudget beizutragen. Ein endgültiger Beschluß ist noch nicht gefaßt worden, doch scheint es sicher, daß die Vorschläge der Kommission vom Waad Leumi und der Jewish Agency angenommen werden müssen. Amerika. Das amerikanisch-orthodoxe Judentum vereinigt sich. N e w y o r k, 1. Juni. Der Verband der orthodoxen Juden, der sich vor einiger Zeit um die „Jeschiwo von Rabbi Jizchok Elchonon" gebildet hat, tritt in den Tageszeitungen mit einem flammenden Aufruf an alle orthodoxen Synagogen und Bethäuser heran, sich zu vereinigen im Kampfe für die Thora und Religion. Zu drei Vierteln, heißt es im Aufruf, ist die jüdische Bevölkerung im Lande orthodox gesinnt. Und dennoch ist die Orthodoxie schwach und hilflos, weil die Einigkeit fehlt, weil jede Schule, jede Kehilla isoliert dasteht. Drei Millionen Juden wollen Kaschrus, drei Millionen Juden zahlen für das Kaschruth, bekommen es aber nicht, weil ihre Stimme die Stimme von Einzelnen ist. Sie bauen jüdische Anstalten, geben Geld her für Institutionen der Jüdischkeit, die Iüdischkeit ist aber eine zweifelhafte, weil der Wunsch danach nicht von einer vereinigten Volkstribüne kommt. Man spendet Gelder für das Heiligtum und sie werden für das „goldene Kalb" verwendet, weil Einzelne nichts dagegen machen können. Die Reformer, die nur ein Häuflein ausmachen, bilden, weil organisiert, eine Macht, die sich sogar anmaßt, im Namen der Majorität zu sprechen. Alle Welt weiß, daß das nicht zutrifft und dennoch sieht die Welt in den Konferenzen der Reformer die legitime Vertetung des amerikanischen Judentums. Das ist die Macht der Organisation. Und das Schlimmste: Unsere Kinder werden von der Presse der Linken mitgerissen. Unsere Schulen sind bald kinderlos. Noch weiter die Hände in den Schoß zu legen, wäre so viel, wie den Untergangsprozeß des Judentums in Amerika befchleu- Der Verband beruft eine Konferenz ein, auf der die Basis für die vereinigten orthodoxen Gemeinden festgelegt werden soll. Wir wünschen den Bestrebungen vollen Erfolg. Die jüdische Rinderfürsorge in Osteuropa. Newyork, 6. Juni. Der europäische Direktor des American Joint Distribution Committee Dr. Bernhard Kahn sandte an die Leitung des Joint in Amerika ein Telegramm, in welchem er dringend um die außerordentliche Uebertveifung einer Geldsumme zur Errichtung bezw. Erhaltung von Sommerkolonien für jüdische Kinder in den, osteuropäischen Ländern ersucht. Dr. Bernhard Kahn, hebt hervor,, daß eine solche Aktion angesichts der gegenwärtigen mit? Worten fast nicht zu schildernden Notlage der jüdischerr Massen in den osteuropäischen Ländern, unter der am stärksten die Kinder zu leiden haben, unaufschiebbar und zur Rettung des jüdischen Nachwuchses unerläßlich ist.. Das Telegramm von Dr. Kahn hat in den führenden jüdischen Kreisen Amerikas stärksten Eindruck gemacht. Hias und die jüdische Arbeitslosenhilfe in Amerika. , N e w y o r k, 3. Juni. Der Präsident der Wanderer-Hilfs- und -chutzgesellschaft Hias of America, Abraham Herman, appelliert an die jüdischen Verbände in Amerika, sich der jüdischen Arbeitslosen in einem höheren Maße als bisher anzunehmen. Er berichtet, daß Hias in der Zeit vom 1. Januar bis 30. April d. I. 151.459 warme Mahlzeiten an arbeitslose jüdische Männer, Frauen und Kinder verabfolgt und in der gleichen Zeit 15.463 Nachtunterkünfte an Obdachlose gewährt hat. Unsere Hilfsquellen, schreibt Herman, sind erschöpft, wir haben keine Stiftungsfonds, auf die wir zurückgreifen könnten und sind auf freiwillige Spenden angewiesen. Sprechsaal. Zur Frage der Solidarttäk. Wir müssen über eine Sache berichten, die, so unglaublich sie auch klingt, dennoch wahr ist. Fast in jeder Nummer der nationalsozialistischen Presse finden wir einen Artikel oder eine Aufforderung, nicht beim Juden zu kaufen. Unsere Geschäftsleute, Handwerker, Hoteliers usw. können ein Lied davon singen, wie weit dieser Boykott sich schon ausgewirkt hat. Es wäre anzunehmen, daß auch die Juden aus dieser Sache gelernt haben, wird doch auch immer wieder in der jüdischen Presse betont, wie schwer es unter diesen Umständen die jüdische Geschäftswelt hat. Vor einigen Wochen tagte in Kassel eine Verbindung im jüdischen Studentenoerband des KC. Bekanntlich hat sich diese Organisation u. a. zur Aufgabe gestellt, auch den Antisemitismus zu bekämpfen. Man sollte nun glauben, daß für diese Tagung, an der ca. 40—50 Personen teilnahmen, das hiesige jüdische Hotel das geeignete Lokal gewesen wäre. Finden doch hier nicht nur größere jüdische Veranstaltungen statt, sondern auch nichtjüdische Organisationen wählen dieses Hotel oft zur Tagung. Was tut nun die obengenannte jüdische Verbindung? Ausgerechnet in einem Hotel findet ihre Veranstaltung statt, in welchem nicht nur nationalsozialistische Zusammenkünfte abgehalten werden, sondern das auch nach außen einen ausgesprochen nationalsozialistischen Anstrich hat. Es kann sehr gut möglich sein, daß zur selben Zeit, in der die KC.-Verbindung tagte, nebenan eine nationalsozialistische Veranstaltung gewesen ist, die sich mit der „Judenfrage" beschäftigte. Nicht genug damit, kein jüdisches Hotel zu benützen, fanden es die Herren auch für. richtig, ihr Essen im nichtjüdischen Hotel einzunehmen. Glauben sie, daß sie im Hotel Emanuel oder in der Pension Meier nicht mindestens so gutes Essen erhalten hätten als in den nichtjüdischen Pensionen? Auch hätte es den Herren, die immer wieder betonen, das Judentum fei nur „religiös" aufzufassen, sicher nichts geschadet, wenn sie einmal koscher gegessen hätten. Hatte diese Organisation keinen PHONK lebenöversicherung^geödlsch^f PHÖNIX in Wien V ertr agsgesellschaSt der Agudas' Jisroel W eltorgamsatlon Versichenragsbestand 1,7 Milliarden Mark Arbeitsgebiet der Gesellschaft: 19 europäische und außereuropäische Länder Direktion für das Deutsche Reich: Berlin W 9, Friedrich-Ebert»Straße 23, Phönix-Hans