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Der Israelit · 1932-06-09 · Heft 24 (9.6.1932) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 24 (9.6.1932)
Date
1932-06-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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9. Juni 1932 Der I s r a e l i t Nr. 24 Seite 7 fertigt er nachträglich mit der Behauptung, daß die Juden ihre nichtjüdischen Nachbarn ausbeuteten.,— Also hat es mit der Wiederkehr der Juden nach Spanien noch seine Schwierigkeiten. Lettland. Not unter den lettländischen Juden. Riga, 1. Juni. Die steigende Not unter den jüdischen Arbeitslosen in Riga hat zur Bildung eines jüdischen Komitees für A r b e i t s l o s e n f ü r s o r g e geführt. Unter dem Vorsitz des agudistifchen Deputierten Rabbiner M. Dubin wurde eine Liste der zu unterstützenden Arbeitslosen aufgestellt. Es hat sich dann die Notwendigkeit ergeben, diese Liste noch einmal durchzuprüfen, aus diesem Grunde wurde die Arbeitslosenunterstützung für einige Tage eingestellt. Darüber herrschte große Aufregung unter den Arbeitslosen. Etwa 400 Arbeitslose, Männer, Frauen und Kinder, stürmten in die Wohnung des Oberrabbiners S a k, wo das Arbeitslosenkomitee sich versammelt hatte, und forderten sofortige Hilfe. Polizei drängte die Arbeitslosen aus der Wohnung hinaus und stellte vor derselben eine Wache auf. Das Arbeitslosenkomitee setzte in der Wohnung von Rabbiner Sak die Beratungen fort. Polen. Die Frredhofsfrage in Warschau. Warschau, 2. Juni. In einer erneuten Sitzung der Kehillaverwaltung wurden alle Reduktionspläne, einschließlich der Gehaltskürzungen der Beamten, angenommen und werden zur Durchführung gebracht. Ebenso wurde das Friedhofsbudget angenommen. Wie bekannt, hatte die frühere Verwaltung für 600.000 Zloty einen Platz angekauft, der sich für den Zweck nicht eignet. Man müßte noch eine gleiche Summe auswerfen, um den Sumpfboden auszutrocknen. Statt dessen sind im Budget 100.000 Zloty vorgesehen für die Instandsetzung alten geeigneten Geländes, das Eigentum der Gemeinde ist. So reiht sich auch diese Maßnahme in die große Linie der Sparpolitik der derzeitigen Verwaltung ein. Judenverfolgung in Posen. — Synagogenschändung in Polnisch-Gberschlesien. War sch au, 4. Juni. Der in Posen erscheinende „Kurjer Poznanski" teilt mit: Auf dem Jahrmarkt in Pniew, Distrikt Posen, hatten jüdische Kaufleute in großer Zahl ihre Waren ausgestellt. Ueber den Jahrmarkt schritt ein Geistlicher im Ornat, der einem Sterbenden die letzte Tröstung bringen wollte. Alle Bauern knieten nieder, eine jüdische Händlerin soll aber eine abfällige Aeußerung getan haben. Die Bauern gerieten darob in eine solche Erregung, daß die Juden trotz Enigreifens der Polizei binnen einer halben Stunde die Stadt räumen mußten. — Wie die ITA. erfährt, ist die Mitteilung über eine jüdische Provokation erfunden. In dem Städtchen Tarnowskie Gurie, Polnisch-Oberschlesien, wurde in der Nacht das Innere der Synagoge zerstört und beschmutzt, nachdem vorher Fensterscheiben und Türen eingeschlagen wurden. Es ist bezeichnend, daß polnische Kreise erklären, die Tat hätten nicht Polen, sondern deutsche Hitlerleute verübt. Ein sonderbarer Militärrabbiner. Warschau, 7. Juni. Was man alles von den von der nationalassimilatorischen Front erstrebten „gebildeten" offiziellen Rabbinern gewärtig sein kann, beweist der Fall von „Rabbiner" Steinberg, der jetzt in Warschau und in Polen viel von sich reden macht. An Stelle von Militärrabbiner Raab, der nach Brest versetzt wurde, kam nach Warschau der bisherige Grodnoer Militärrabbiner Steinberg. Seine erste Tat war, anläßlich einer Militärfeier in der Synagoge auf D f ch i k a im Zusammenhang mit der Vereidigung der jüdischen Rekruten in Anwesenheit der hohen Militärbehörden eine gepfefferte Moralrede an die jüdischen Soldaten und die Juden überhaupt zu halten; in dem Sinne etwa, daß sie träge im Dienst seien und sich gerne Feiertage bereiten, um sich vor der Dienstarbeit zu drücken. Wie oft, sagte er mit Emphase, kämen Mütter zu ihm, um Die Woche. Berlin. Vor kurzem ist mit den Umbauarbeiten für das 5. Altersheim der I üdischen Gemeinde in Cöpenick begonnen worden. Dort, wo bisher das Heim des deutsch-israelitischen Gemeindebundes untergebracht war, soll jetzt ein der Neuzeit entsprechendes, mit allem notwendigen Komfort versehenes Altersheim entstehen. Die Anstalt wird 60 Betten enthalten. — Gemeinsam mit der Berufsberatung der Jüdischen Gemeinde und dem Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände konnte das Jugendpflegedezernat der Jüdischen Gemeinde Anfang Mai ein zweites Jugendheim in Charlottenburg, Goethestraße 10, eröffnen, das in erster Linie für Jugendliche vorgesehen ist, die nach der Schulentlassung noch keine Lehrstellung gefunden haben. Paris. Dem vom Führer der sozialistisch-radikalen Partei in Frankreich, Edouard Herriot, gebildeten neuen französischen Kabinett gehören zwei Juden als Minister an: Leon Mayer übernahm das Portefeuille der Handelsflotte und Senator Alexander Israel das Unterstaatssekretariat im Ministerpräsidium.. London. Im Unterhause teilte Sir- Samuel Hoare mit, er habe aus Aden telegraphisch eine Liste von 25 verletzten Juden erhalten; ob die übrigen Verletzten Juden oder Araber wären, sei ihm nicht bekannt. Inzwischen habe er vom Polizeikommissar in Aden telegraphisch die Mitteilung erhalten, daß die Lage dort normal sei. — Aus Anlaß des auf den 3. Juni fallenden Geburtstages des Königs Georg von England wurde Dr. Robert Mond, Bruder des verstorbenen Lord Melchett (Alfred Mond), in den Ritterstand erhoben. Die Ehrung wurde Robert Mond für seine Verdienste als Präsident der Faraday-Gesellschast zuteil. Die Liste der aus Anlaß des Geburtstages des Königs Geadelten enthält noch die Namen eines anderen Juden, Leonard Benjamin Franklins, Schwagers von Sir Herbert Samuel. Rom. Bei der Flugzeugkatastrophe in der Nähe der Stadt Veroli, 100 Kilometer von Rom entfernt, bei der das von Kapitän Goulette gesteuerte Flugzeug zertrümmert wurde, sind zwei jüdische Passagiere, Louis Lang- W i l l a r d und seine Gattin, ums Leben gekommen, nachdem sie einige Tage vorher als Passagiere des Dampfers „Georges Philippar" bei dem Untergang des Schiffes gerettet worden waren. Louis Lang-Willard war Vertreter des Pariser Bankhauses Leon Dreyfus in Shanghai. Die Bevölkerung der Stadt Veroli wollte für die Verunglückten einen Trauerg'ttesdienft in der katholischen Kirche veranstalten, der G'ttesdienst unterblieb aber, nachdem der französische Botschafter in Rom dem Magistrat mitgeteilt hatte, daß die Verunglückten jü d i s ch e n Glaubens waren. Ihre Leichen wurden dann der Jüdischen Gemeinde übergeben. Sofia. In Sofia wurde eine nationalsozialistische Partei nach Hitler'schem Muster gegründet. Der Führer der Partei, Christo Kuntscheff, hat eine Zeitlang in Deutschland gelebt, um, wie er sagt, „Hitlers Lehre" zu studieren. In der Gründungsversammlung legte Kuntscheff das Programm der neuen Partei dar, das sich ungefähr mit dem Hitler-Programm deckt. — Dieser Tage hat hier ein großer Prozeß gegen antisemitische Terroristen begonnen. Es handelt sich um die Terrorakte und Ueberfälle, die im Dezember vorigen Jahres gegen Juden, besonders gegen den „Makkabi", von langer Hand vorbereitet wurden. Wilna. Im Zusammenhang mit den Wilnaer Prozessen, die sich bekanntlich statt gegen die Huligans g e - gen die Juden richteten, wird nun auch ein Prozeß gegen Dr. W i g o d z k i, den Präsidenten der Wilnaer Gemeinde, angestrengt. Wigodzki, der in einem Artikel das Urteil des Gerichtes einer scharfen Kritik unterzogen hat, wird Herabsetzung des Ansehens des Gerichtes vorgeworfen. Saloniki. Die 19 jüdischen Soldaten, die unter der Beschuldigung kommunistischer Umtriebe vor ein Kriegsgericht gestellt wurden, wurden allesamt f r e i gesprochen. Tel-Awiw. Im Alter von 62 Jahren verstarb in Tel-Awiw der bekannte hebräische Dichter, Publizist und Pädagoge S. Ben Zion (Pseudonym von Simcha Ben- Zion Guttmann). Jerusalem. Arabische Dorfbewohner griffen eine revisionistische Arbeitergruppe, die mit dem Pflügen eines 400 Dunam großen Feldes in der Nähe der Kolonie N a t h a n i a , das dem Keren Kajemeth gehört, an. Dabei wurden acht Juden und zwei Araber verwundet. Elf Araber wurden verhaftet. mit dem Vorwände, ihre Söhne koscher essen zu lassen, sie für mehrere Stunden aus der Kaserne heimzuholen. Daß nur keiner und keine wage, drohte er, zu ihm mit solchen Anliegen zu kommen. . . . Die Aufregung über diese Rede, die schon einer Denunziation nahe kommt, ist so groß, daß sich auch die Kehillaverwaltung mit der Sache befaessn muh. Die Vorstände der Synagoge haben beschlossen, diesen rabbinischen Angeber nicht mehr über die Schwelle ihres G'tteshaufes zu lassen und auf Militärfeierlichkeiten unter seiner Leitung in ihrer Synagoge zu verzichten. Agudaleben in Lemberg. Lemberg, 2. Juni. In der hiesigen Agudas Jisroel macht sich in letzterer Zeit ein reges Leben bemerkbar. Viele Kommissionen mit eng umschriebenen Arbeitsplänen wurde gebildet und haben ihre Arbeit begonnen. Insbesondere die Kaschruthkommission unter Führung des rührigen Herrn Henich Aschkinasy arbeitet mit größter Energie. Die Versorgung mit Koscher-Milch ist in di'e Hand genommen. Das ganze Kaschruthwesen soll eine durchgreifende Reorganisation, wie sie gerade in Lemberg von größter Wichtigkeit ist, erfahren. Autzland. Verschärfung des Kampfes gegen die jüdische Religion. Minsk, 2. Juni. Die jüdische Sektion des Verbandes der Gottlosen Weißrußlands hat aus Anlaß des Beginns des zweiten Fünfjahrplans eine verschärfte Kampagne gegen die jüdische Religion eingeleitet. In den soeben herausgegebenen neuen Instruktionen wird eine strenge Kontrolle der jüdischen Artels (Heimarbeiterproduktionsgenossenschaften) zwecks „Ausrottung der religiösen Ueberreste in den Artels" gefordert. Einer gleichen Kontrolle sollen die jüdischen landwirtschaftlichen Kollektiven Weißrußlands unterzogen werden. Insbesondere sollen die jüdischen Frauen, die mehr noch als die Männer der Religion anhängen, ins Gebet genommen werden. Die Minsker jüdische Tageszeitung „Oktiabr" teilt mit, daß während des letzten Anti-Pesfach-Feldzuges 28 000 neue Mitglieder dem Gottlosenverband zugeführt werden konnten. Das Moskauer Regierungsorgan „Praoda" wirft dem Atheiften-Organ „Bezbozhnik" Lässigkeit in der Führung der antireligiösen Propaganda vor. (ITA.) Erleichterung der Nahrungslage der jüdischen Deklassierten in Rußland. Moskau, 1. ru-ni Amtlich wird mitgeteilt, daß alle jene sogenan! Deklassierten, die als frühere Händler kein Recht Huben, ordentliche Mitglieder einer Produktionsgenossenschaft zu sein und die darum nicht die Möglichkeit haben, sich Nahrungsmittel zu den für Arbeitende festgesetzten Preisen zu beschaffen, jetzt die Möglichkeit haben, sich den verschiedenen Kooperativen festgesetzten Preisen zu beziehen. Diese Verfügung bringt vielen Tausenden jüdischen Deklassierten, die bis jetzt Nahrungsmittel zu außerordentlich hohen Preisen sich beschaffen muhten und großem Elend preisgegeben waren, eine beträchtliche Erleichterung. Das Ernährungsproblem für die früheren jüdischen Händler und jetzigen Deklassierten scheint damit gelöst. (ITA.) (Dies scheint uns, auch wenn die Nachricht vollkomen korrekt ist, noch keineswegs der Fall zu sein, denn es ist nur von früheren Händlern die Rede, nicht aber von Rabbinen, Lehrern und sonstigen - Kultusbeamten, die am Hungertuch nagen, weil sie keine Brotkarten erhalten. Red.). Jüdischer Rayon Ralinindorf entvölkert. Moskau, 1. Juni. Aus einem soeben veröffentlichten Beschluß der kommunistischen Partei der Ukraine geht hervor, daß die Verwaltung des K a l i n i n d o r f e r Rayons erwogen hat, den Rayon Kalinindorf infolge der Abwanderung des größten Teils der jüdischen Kolonisten seines Charakters als spezifisch jüdischen Rayon zu entkleiden. Die offiziellen Regierungsstellen mißbilligen entschieden diesen Plan. Die Zentralverwaltung von Komzet (Regierungskommissionfür jüdische Landansiedlung und Industrialisierung) hat beschlossen, eine radikale Aenderung in der Führung des Kalinindorfer Rayons eintreten zu lassen. Im Beamtenstab des ukrai-

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