Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 24 (9.6.1932)
- Date
- 1932-06-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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De r I s r a e'l i t 9. Juni 1932 i> e rß e nhrend geben ifern, >ffen. f> in Z im isher esetzt statteihen i ni Tatunb ONLerst hre was sott l e var- MUL nent :llen eihe verbracht geunage Leben 5eit gen Zur eiß u - der >ie, enese iti-;!" S, t: ju er )s it ts [5 a,;u i- ). und die Hoffnung auf den baldigen Machtantritt schon gezeitigt haben, zeigt zur Genüge das wachsende Register der Friedhofsschändungen. vom j?ande wird uns in Briefen berichtet, daß sich in Dörfern und Kleinstädten Hessens Juden abends nicht mehr ohne'weiteres auf die Straße hinauswagen, aber auch bei Tag vor Ueberfällen nicht sicher sind. Die Zukunft liegt im Dunkeln. was können wir Juden dagegen tun? Lin führendes zionistisches Llatt meint, „das deutsche Judentum sollte jetzt aus den Kinderträumen erwachen und einsehen, daß nur ein selbstbewußtes, organisiertes Judentum, das sein jüdisches Schicksal bejaht und ihm stolz begegnet, den Prüfungen des Augenblicks gewachsen sein kann." was das im Zionismus organisierte Judentum — denn so ist es doch gemeint — zur Abwendung der Gefahren heute tun könnte, ist rätselhaft. Unsere Feinde werden das kollektive Bekenntnis der deutschen Juden zum jüdischen Rationalismus mit Dank akzeptieren und zu den „Boxheimer Dokumenten" tun, die die Grundlage ihrer Iudenpolitik bilden, womit wir ganz gewiß,nicht sagen wollen, daß wir aus 'Angst vor diesen Herrschaften unser Judentum verleugnen sollten. Fm Gegenteil sollten wir uns jetzt, angesichts der Gefahren, mit aller Kraft an unser Judentum klammern, aber nicht mit nationalen Phrasen, sondern in Glauben und Tat zur offenbarten Sinaiwahrheit stehen; uns zu dem Volke G'ttes bekennen, dem es cmferlegt ist, unter Leiden und Prüfungen, auch, und erst recht bei einer Schicksalswende der Menschheit und Völker die G'tteslehre von Recht und Liebe in uns wie in einer Arche Roahs durch die Sturmflut zu tragen und in eine bessere Zeit hinüberzuretten. .cpapiHz? irax bv x^x Mb px 11x1 Wandlungen in Amerika. Die.Wirtschaftskrise in Amerika ist ein Problem der weltjudenheit. Cs ist angebracht, über die Ursachen und Auswirkungen dieser Krisis ein paar Worte zu sagen. Aus der in diesen Tagen in p h i l a d e l p h i a abgehaltenen Konferenz für j ü ö i s ch e s 0 z i a I e Fürsorge in A merika wußte Dr. R u b i n 0 w , der Leiter des „Lne Lrith", von einer M a s s e n n 0 t zu sprechen, vom Großhandel ist unter den Juden Amerikas eine starke Abwanderung zum Kleinhandel, zur Landwirtschaft und zur Industriearbeit zu merken. Der Kleinhandel liegt aber infolge der wirtschaftlichen Revolution ganz darnieder, die Landwirtschaft wird in rapider weise mechanisiert, wodurch die Menschenhände immer entbehrlicher werden. In der Industrie steigt die Arbeitslosigkeit mit jedem Tage. Dabei ,werden die Juden bei Anstellunwar, affin ,opm rechtete sie sich aus und kehrte zurück zu den heimatlichen Gefilden, von denen sie auch vernommen, daß die Not wieder gewichen, iss nrr '■» ips »2 weil G'tt sein Volk bedachte. IV. Was Ruth zum Idealbild des jüdischen Weibes erhebt, das ist ihre Treue im allgemeinen und fm besonder,: ihr Vertrauen zu ihrer Schwiegermutter. Diese ersehnt neues Glück und neue Hoffnung für die, die sich ihr unter Preisgabe ihrer ganzen Vergangenheit für alle Zeit in Innigkeit angeschlossen. Sie will Boas der Ruth als Gatten verbinden und ersinnt einen Plan, der zu diesem Ziele führen soll. Züchtigkeit, des Weibes höchste Tugend und Zier, ist auch Ruth eigen. Sie hört, was ihre Schwiegermutter ihr anrä,t. Es wird ihr gewiß nicht leicht, zuzustimmen. Sie überwindet jedoch alle Zweifel und Bedenken und verspricht: Nffsrr 'VK 'inKi, iffK Va alles was du sprichst — du denkst dabei ja nur an mein Glück — will ich tun. In schlichter Gewandung, um ja nicht auszusallen, geht sie des Weges, und erst hart vor dem Ziele hüllt sie sich in ihr 'Festtagsgewand, um wenigstens da zu tun mnvn rm,x *iffs Va> ganz wie ihr ihre Schwiegermutter gebeten. Edle Gesinnung weckt adle Taten. Der Roami-Plan reift seiner Verwirklichung entgegen. Mit Gaben reich beladen, aber auch voller Hoffnung und Zuversicht kehrt Ruth noch vor Tagesgrauen heim, von Noam, mit dem Rufe empfangen: nrr '» 'na Wer bist du meine Tochter?" Bist du die von mir gewünschte erstrebte Gattin meines Verwandten? ni» arm ffmn nV nffs ->ff« Va Nu- „Sie erzählte ihr alles, was ihr getan der Mann! — Sie konnte alles erzählen, brauchte nichts zu verschweigen, ein Ehrenzeugnis für sie und für Boas und ein Triumph für Noami, die sich nicht getäuscht. Ein Triumph aber auch für das unver- >gen, sogar in den geistigen Berufen, stets benachteiligt. Richt erfreulicher muten die Grüße an, die Dr. L 0 v i t s ch vom „Grt" und Dr. R. Goldman n von der Zionistischen Organisation aus Amerika bringen. Betroffen, so berichtet Lovitsch, wurde von der Wirtschaftskrists am meisten und am stärksten die Mittelschicht aus der Bekleidungs-, pelz- und Iuwelenbmnche. Schlimm daran seien auch die jüdischen Banken, die mit ihrem Zusammenbruch unzählige kleine jüdische Sparer mit ins Clend rissen. Alle von dieser Schicht in den guten Zeiten geschaffenen Institutionen ringen schwer um ihre Existenz, viele sind bereits zusammengebrochen. Daß die amerikanische Krisis eine Katastrophe für Osteuropa bedeutet, ist genugsam bekannt. Hunderttausende Familien in Litauen, polen und Rumänien, die früher von ihren verwandten in Amerika lebten, sind dem Hunger ausgesetzt. Daß in gleichem Tempo mit der Wirtschaftsnot der Antisemitism u s ansteigt, ist eine Erscheinung, die in ein anderes Kapitel hineingehört. Eine tiefe Tragödie bietet die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten Amerikas, seit hundert Jahren das Ziel aller jüdischen Emigration, nunmehr selbst A u s w a n d e r u n g s g e b i e t wird. Die Zionisten beeilen sich, diese Wandlung auszuwerten. Rachum G 0 l d m a n n hält es für sehr möglich, eine ziemlich beträchtliche Auswanderung amerikanischer Juden nach Palästina zu organisieren. Dieser Organisation bedürfe es kaum,- da während seiner Anwesenheit in Amerika bereits, ohne Anregung von außen, mehrere hundert Familien mit kleinem oder größerem Kapital nach Palästina ausgewandert sind. Die Dinge seien in Amerika für eine zionistische Erziehung der Jugend und der Massen sehr günstig. Wir sind eher der Meinung, daß bei dem derzeitigen Zwange der Juden Amerikas, in sich zu geben, bei der ihnen von den Verhältnissen aufgelegten Rast und Muße zum Rachdenken nach dem wilden jagenden Hasten von vielen Jahrzehnten, die versuche einer mehr positiv jüdischen Erziehung der Jugend und d e r M a s s e n weit mehr Erfolg versprechen würden, viele Symptome sprechen dafür. So lesen wir von einer unter der Parole „Zurück zur Synagoge!" von Dr. Eyrus A d l e r geleiteten neuen Bewegung in Amerika. Auf einer vor kurzem in Rewyork stattgefundenen Iahrestagung der Gesellschaft für jüdische Erziehung wurde festgestellt, daß sich bei aller wirtschaftlichen Rot die jüdischen religiösen Schulen durchaus behaupten. Die Zahl der Kinder, die religiösen Schulen zugeführt werden, wächst und es mehren sich auch die Stellen, die den unbemittelten Eltern die Mittel gewähren, ihren Kindern eine religiöse Erziehung' angeöeihen zu lassen. fälschte Judentum, das feine Bekenner in den Mantel der Reinheit und Heiligkeit hüllt. V. Des Boas edle Tat wird von allen als eine von G'tt gewollte und geheiligte in allen Tönen gepriesen. Boas stand nicht an erster Stelle, wo es galt ea’pnV inVna Vs? nan off „den Namen des Toten zu erhalten auf seinem Erbe." Dieses Recht oder diese Pflicht gebührte in erster Reihe einem andern. Die heilige Schrift verschweigt seinen Namen. Sie nennt ihn, denVKr, der der „Annehmer" hätte sein sollen, naVu nVv, einen gewissen Unbekannten. Sie deckt also den Mantel der Liebe über menschliche Schwäche, zumal diese Schwäche nicht aus unedlen Motiven keimt. Dieser Plom Almoni will den Grund und Boden lösen, — er spricht aber die aus Unkenntnis der heiligen Lehre ihm eingegebenen Worte: 'V VikiV Van uV, Dch kann für mich nicht einlösen, — \p mV na nK mnffx, ich würde meinen Stamm (in seiner Reinheit trüben und) verderben, wenn ich eine Moabiterin heimführe. Ihm fehlte das Wissen zu der wichtigen Erforschung der Lehre. Er dachte wohl an das Verbot: "I Vnpa 'arrim 'aiav rra' ni" Nicht komme ein Ammon, und nicht einer vom Volke Moab in die Gemeinde G'ttes, er kannte aber nicht die Entscheidung mauw uV, immia ni" 'auiadas Verbot trifft nur die männlichen Glieder, nicht aber die weiblichen, — die — wie Ruth als Moabiterin es bezeugt — vermöge ihrer weiblichen Tugenden sich leichter dem jüdischen Volke angleichen können. — Thorawissen ist also erforderlich, um der Thora nachleben zu können. Boas der Thorakundige lebt als Stammvater des davidischen Königshauses in der Erinnerung fort, — der Ploni Almon, aber, der das Thorawissen nicht gepflegt, ist nicht einmal den, Namen nach bekannt! Nr. 24 Seite 3 Gerade in diesen Rotzeiten hätten viele Eltern die Rotwendigkeit erfaßt, ihre Kinder einem verstärkten jüdischen religiösen Unterricht zuzusühren, um ihnen beim Wanken alles Bestehenden eine moralische L e b e n s g r u n d l a g e zu sichern. Das religiöse Gefühl unter den jüdischen Massen sei jetzt viel kräftiger entwickelt als in den Zeiten der Prosperität. Das sind Feststellungen, an denen man nicht achtlos vorübergehen soll. Die Agudas Iis - roel-Weltorganisation, für die Amerika bis dahin wenig Zeit batte, sollte mit der ihr innewohnenden religiösen und sittlichen Kraft sich jetzt des von der Rotlagc aufgelockerten amerikanischen Bodens mit aller Energie bemächtigen. Die Arbeit wird zweifelsohne reiche Früchte tragen Darüber wird noch zu sprechen sein. Warnen tut Ilot! Eine Antwort an Herrn Schachnowitz. Von Dr. Nathan Birnbaum in Berlin. Gegenüber Ihren Ausführungen in Rr. 22 des „Israelit" unter dem Titel „Cs ist unsere eigene Wunschwelt!" erlaube ich mir Folgendes zu bemerken: 1. Es besteht kein Widerspruch Zwischen den Behauptungen meines Artikels „Zuruck zur eigenen Wunschwelt!" in Rr. 19 des „Israelit" und dem durch die redaktionelle Rachbemerkung zu ihm nötig gewordenen Rachtcag in Re. 20. . Hingebungsvolle und energische, aber auch besonnene Arbeit in und. für Crez Iisroel einerseits und Wahrung des jüdischen Klall-Interesses gegen palästinozentrische Ausschließlichkeit andererseits widersprechen einander nicht. 2lus einseitiger Arbeit für Zion kann für die jüdische Gesamtheit und das Judentum kein Heil erblühen. Im Gegenteil: Sie hat schon bisher die Lösung der jüdischen Probleme in bedeutendem Maße erschwert und wird sie auf die Dauer immer mehr erschweren. Riemals wäre Israel auf den heutigen Tiefstand seiner Geltung und seines Eigenlebens gekommen, wenn nicht in den letzten Jahrzehnten die einen, die Richtzionisten, nichts getan, die andern, die Zionisten, ihrem einseitigen Wunschziel zuliebe versäumt hätten» alles das zu tun, was zu tun notwendig gewesen wäre. 2lber auch Erez Iisroel selbst hat keinen beständigen Rutzen von der Einseitigkeit der modernen Zionsbeflisscncn gehabt. Denn hinter ihren, an sich oft beachtlichen, Leistungen und Ergebnissen, werden die so lange übersehenen großen und düsteren Fragezeichen immer mehr sichtbar. 2. von einem „Massenaufbruch" habe auch ich nur in Hinsicht auf die ostjüöische Welt gesprochen, und zwar von einem 2lufbruch, der jetzt wieder einsetzt und der eingedämmt werden müßte, wenn er «G'ktverkrauen". Verschiedene,, bibelkundige Leser, so die Herren I. G. in Zürich und A. D. in Wien u. a., machen uns darauf aufmerksam, daß das Wort mxa in der Haftora zu vnpna (Iirmejahu 17) in Umstellung der Buchstaben unser kaufendes Iahra-xin, 5692 ergibt. Der ganze Satz lautet: '12 viffy» ff'v' kV, 3kt kV rma aaffav „Und int Jahre der Dürre hat er nicht zu sorgen und wird nicht aufhören, Früchte zu tragen." Hoffen mir mit den Herren Einsendern, daß dieses Jahr a^xm allen Sorgen wirklich ein Ende macht und' goldene Früchte auf allen Gebieten des geistigen- und Wirtschaftslebens reifen läßt. Äleines Feuilleton. Uad Harzburg. Wir haben die Feststellung machen müssen, daß unser Badeort in letzter Zeit von Kurgästen, israelitischen Glaubens weniger aufgesucht wurde, als in den, letzten Jahre. Wir nehmen an, daß der Grund für diesen Minderbcsuch darin zu suchen ist» daß einmal in Bad Harzburg im Herbst vorigen Jahres die nationale Opposition taget, und heute noch vielfach von dieser in der Presse die Rede ist, zum anderen in Bad Harzburg starke nationalsozialistische Kreise vorhanden sind. In Uebereinstimmung mit den hiesigen jüdischen Vermicterkreisen und der hiesigen jüdischen Geschäftswelt können wir feststellen, daß trotz der oppositionellen Tagung und der vorhandenen nationalsozialistischen Kreise Bai»