Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 23 (2.6.1932)
- Date
- 1932-06-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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2. Juni 1932 Der Israelit ratet eines jeden einzelnen seiner Gemeindemitglieder. Lr darf als irm1? psa nr?i"> Ln den höheren Lichtkreis einziehen, wo die großen Ahnen weilen. Cr hat ihre Hut gehütet, ihr Werk verwaltet und ausgebaut, soweit es die Zeitumstände nur möglich machten, weit über die ihm gesetzte Grenze der menschlichen Kraft hinaus. Aber Isaak Auerbach lebte, im Gegensatz zu Valer und Großvater, in einer Zeit, die die „Autarkie" der jüdischen Gemeinde mit den hundert Problemen, den Zeit- und Streitfragen, die ans Leben der jüdischen Gemeinschaft gehen, durchbrach. Isaak Auerbach verstand seine Zeit und diente ihr. Cr wußte, was auf dem Spiele stand und setzte seine ganze Kraft darein, die jüdischen werte und Interessen der Thora vor dein Ansturm von außen und den Strömungen innerhalb des zeitgenössischen Judentums zu schützen und zu halten. So wurde Halberstadt eine kleine Residenz, von der aus gute jüdische Arbeit für die Gesamtorthodoxie in Deutschland geleistet wurde und wird. Auch hier war Dr. Isaak Auerbach, dem es gegeben war, mit weitgehender Konzilianz und Menschenliebe unerschütterliche Prinzipienfestigkeit zu verbinden, geradezu der Berufene, die Grundsätze der unabhängigen Orthodoxie zu vertreten. 'Als Vorsitzender des Landesverbandes G e s e tz e s t r e u e r preußischer G e - in e i n d e n und des B u n d e s G e s e tz e s t r e u e r Gemeinden Deutschlands stand er treu auf der wacht für all die Belange, die diese Körperschaften, zu verwalten und zu vertreten haben. In und für Deutschland schien ihm auch die F r e i e Vereinigung, besonders seit ihrer Reorganisierung im Jahre 1906, ein starker Schutzwal! für die Iüdischkeit mitten in der Brandung der Zeit zu sein, und er leistete ihr als Vorstandsmitglied hervorragende Dienste. Bei der Gelegenheit darf auch die treue Mitarbeit Rabbiner Auerbachs in der I ü d i f ch - Litera r i s ch e n Gesellschaft und an ihren Jahrbüchern nicht unerwähnt bleiben.. Rabbiner Dr. Isaak Auerbach war aber weitsichtig genug, um in Gemeinde eine Urzelle nur, in der gesetzestreuen deutschen Iudenheit nur einen Bestandteil der großen jüdischen Gemeinschaft zu sehen. Stark und gesund, rein im wollen und kraftvoll im Handeln mußten freilich diese Bestandteile dastehen, um des Gesamtbaus feste und würdige Stützen zu sein. Diesen Gesamtbau, die Orthodoxie in ihrer Einheit zu stärken, erkannte Auerbach als Pflicht, von der uns die Sorgen im eigenen engeren Kreis nicht entbinden können. So wandte sich Isaak Auerbach vom ersten Augenblick an der Agudas Iisroel zu und schloß sich mit der ihm eigenen Liebe und Tatkraft denen an, die für die Ausgestaltung der orthodoxen' Weltorganisation ihre beste Kraft einfetzen. Die Deutsche Landesorganisation der Agudas Iisroel wählte ihn zum ersten vergessen, und das ist die erste und letzte Vorbedingung, und darin liegt die tiefe Bedeutung des Weges — „ Bis - dahin " , in allen Variationen des Seins, G'ttes Stimme zu vernehmen, die uns ruft: hinter allen Erscheinungen des Lebens, G'tt zu schauen, der uns sieht; seine wirkende Hand zu suchen, die uns führt und lenkt; mit der Er uns zu sich heranzieht! «Die Sprüche der Väter" Die älteren Leser dieses Blattes erinnern sich gewiß gerne der herrlichen Ausführungen bezw. Erläuterungen der n’ps durch den Begründer des „Israelit", Dr. M. Lehmann irxi, Jahrelang bildeten sie eine Lieblingslektüre der Leser. Sie sind auch in Buchform zu haben, und es wäre ihnen die allgemeine Verbreitung herglichst zu wünschen. Allein, wir dürfen uns auch nicht der Tatsache verschließen, daß jene Erklärungen in ihrer Ausführlichkeit nicht jedermanns Sache sind und. die breiten Massen oft auch die höheren Beschaffungskosten scheuen. Einen begrüßenswerten Ausweg bietet hier das 148 Seiten starke Werk des Kissingers Raw, Dr. Bamberger. *) Das Werk in Drucks Papier und Einband gut ausgestattet, dazu der Preis von kaum mehr als zwei Mark: mit diesen flüchtig hingeworsenen Angaben äußerer Art könnte sich das Bambergerfche Merkchen vielleicht auch schon empfehlen. Ungleich besser und eindringlicher aber geschieht dies, wenn wir den Inhalt selbst ins Auge fassen und einige Kostproben bieten. Schon die Ein- *) Ein Werk in Kleinoktao, 148 Seitenstark, die °'P‘in Ijebtäiidjem Torte mit gegenüberstehender deutscher Uebesehung nebst unterher angefügter Erläuterung. Vorsitzenden, in welchem Amte er sie lange Jahre leitete. Der Zen trat rat der Agudas Iisroel-weltorganisation nahm ihn als Mitglied auf, und das Vertrauen dieser Körperschaft verlieb ihm den Rang des zweiten Vorsitz e ir d e n, den er bis zuletzt einnahm. Man wußte: Rabbiner Auerbach sah in den ihm übertragenen Aemtern keine Ehrenämter, sondern neue Arbeits¬ und Aufgabequellen, was er übernahm und was er tat, tat er mit Ernst und Gründlichkeit bis ins Detail. Cr gehörte zu den Raturen, die „mit d c m zahlen, was sie sin d." So sehen wir Rabbiner Auerbach, den Mann von Bau und Format, mit seinen großen Zwecken wachsen, aus dem engen Rahmen seiner Gemeinde in die jüdische Gemeinschaft Deutschlands und von hier in die große jüdische Gemeinschaft der Welt hineinragen, überall auf Ausgleich der Gegensätze und auf Sicherung der Einheit des Thorajudentums bedacht. Cs ist in diesem Falle keine Phrase — und es wäre wider Recht und Geschmack, solche bei diesem schlichten Arbeiter im Dienste seines Volkes zu gebrauchen — wenn man sagt: Mit der Gattin — einer Tochter von Rabb. Prof. Dr. Marx y'st> in Darmstaöt — und den Kindern trauert die Gemeinde, mit der Gemeinde das deutsche orthodoxe Judent u m , mit der gesetzestreuen Gemeinschaft in Deutschland aber das T h o r a j u d e n t u m der Welt um einen seiner tätigsten Führer und Freunde. In Frankfurt bat er erst vor wenigen Wochen die Versammlung des gesetzestreuen Landesverbandes und des Bundes geleitet, hier bat er bei der anschließenden Sitzung der Freien Vereinigung zum Schlüsse dieser Körperschaft den Gruß entboten. Cs war der letzte Gruß aus seinem Munde. Hier in Frankfurt hauchte er in der Rächt zum Sabbat •»npnn feine reine Seele aus, und ein schwarzer Streifen legte sich auf unsere Sabbatfreude. Abends war trotz vorgerückter Stunde und strömenden Regens bei der Ueberführung die Menge am Portale des Krankenhauses so groß, wie es durch die Größe des Verlustes und die tiefe Verehrung für den Halberstädter Raw gerechtfertigt war. Die Ueberführung erfolgte zunächst auf den Friedhof der Israelitischen Religionsgesellschast, wo am Sonntag morgen wiederum sich eine große Gemeinde einsand, um dem heimziehenden Rabbiner das letzte Geleit zu geben. Die Bestattung fand am Montag früh unter gewaltiger Beteiligung in Halberstadt statt. In der großen Trauergemeinde sah man Dutzende angesehener Rabbiner aus allen Teilen Deutschlands. In der Synagoge, wo die Trauerfeier zwei Stunden dauerte, und auf dem Friedhofe sprachen zuerst die Herren Bankier Silberberg und Rabbiner Frankl für die Halberstädter Gemeinde. Herr Hirsch A u e r b a ch als Sohn und Dr. Moses Auer-- leitung. (S. 1—8) zeigt des Verfassers praktischen'Blick für volkstümliche Belange. Es wird eine systematische Aufstellung der biblischen Bücher sowie der 6 Mischnahauotteile geboten mit kurzer, aber treffender Inhaltsangabe. Auch die Begri,fe ror> ebenso v'nmvn nmvrr, desgleichen sind kurz erläutert. Auch dem kundigen Leser der opis dürfte eine Fußnote S. 7 bezüglich der „Lesezeik" interessieren: „Früher existierten noch andere diesbezügliche Gebräuche, siehe hierüber rnsöft iso ,cmiion und Zunz, G'ttesdienstliche Vortrüge S. 438, Anmerkung e. Nach letzterem Zitat wurden in Burgund die D'pB nur beim E'ttesdienste der Wintermonate gelesen. Auch der Kommentar im Machsor Vitry hat bei jedem Abschnitt die Ueberfchnft der Perikopen (mno) des Wintersemesters. Nach Koibo Nr. 40 (ed. Venedig p. 41 b), wurden in Deutschland die Pirke Abot auch im Winter gelesen." — Nicht uninteressant ist auch die Anmerkung über den ständigen Einleitckngssatz -rrir-" io 'im anb ©■>: Rabbi Menachem -Asarja, di Fano (gestorben im Jahre 1620 in Mannta) glaubt die Hinzusügung des Satzes io auf einen Irrtum zurücksühren zu können. Er schreibt darüber in seinem Werke jvn»8» S. 23: „Wenn es sich im heiligen Lande traf, daß zwischen Pessach und dem Wochenfeste sieben Sabbate waren, so wurde wahrscheinlich am ersten Sabbat der pi>n po, das ist der 10. bzw. 11. Abschnitt des Traktats der mit dem Satze io beginnt, an Stelle eines Abschnittes in norr gelesen. Hieraus entstand nun die Sitte, das Lesen der non »ps> mit dem Satze 'irw'> io ständig einzuleiten."- Der Verfasser hat es verstanden, das Buch für den Selbstunterricht wie den Schulgebrauch oder zuin no's-Vortrag dadurch fesselnd zu gestalten, daß er bei den einzelnen zu Worte kommenden Lehrern, geschichtliche Daten oder biographische Notizen über dieselben fortlaufend bietet. Auch hier am besten einige Beispiele. b a ch als Bruder gaben dem Schmerze der Familie ergreifenden Ausdruck. Cs hielten dann gedankenreiche und erschütternde Reden der Frankfurter Raw, Rabbiner Josef H o r o v i tz; Rabbiner B. W o l f in Köln für den Orthodoxen Rabbinerverband; Rabbiner Dr. Kl. H i l d e s h e i m e r, Berlin, für das R a b b in e r s e m i n a r; Herr Hermann Schwab für verschiedene Institute und Kommissionen in Halberstadt; Rabbiner Dr. Josef Breuer für die Icschiwa in Frankfurt a. M.; Oberrabbiner Dr. Carleb a ch , Altona; Rabbiner Dr. Merzbach, Darmstadt; Rabbiner Dr. pinchas K o h n für die Agudas Iisroel; Rabbiner Dr. L a r l e b a ch , Köln; Rabbiner Dr. Schlesinger, Haiberstadt für verband und Bund gesetzestrener Gemeinden und zuletzt ein Vertreter desopinz rnxsn-Iugendvereins. Cs war später Rachmittag, als man gesenkten Hauptes den frischen Grabhügel verließ, wöge uns der Führer, um den mit der Familie und der verwaisten Gemeinde das gesetzcstreue Judentum in Deutschland und in der Welt trauert, in schwerer Zeit ein W sein. Lebenskampfund Weltanschauung. (Eine Erkenntnis und Aufrüttelung.) Von Obecrabbiner Dr. Adolf Ä.ftmann in Trier. II. Run bestehen aber die Artbesonderheiten der Völker und Stämme, auf die es so sehr ankommt, nicht etwa nur aus robusten Rassenmäßigkeiten, aus rohen physischen Kraftaufspeicherungen. Das mögen vielleicht im ursprünglichen, vollen Raturzustand die primitiven Spezies des Menschen gewesen sein. Seitdem hat sich das Raubtier Mensch — wie es verbissene Raturbetrachter noch immer nennen — dem doch in einigem, mindestens, sagen wir in der Form gewandelt, und geistige Potenzen sind neben dem Stoff- und Kraftmäßigen auch zu speziellen Arteigenschaften von Völkern geworden. Die Volkerbiologie, und man wird füglich von einer solchen reden dürfen, weist genug Beispiele dafür auf, daß manch ein Volk von besonderer geistiger Prägung, andere hierin minder bevorzugte, überwunden und überdauert hat, obwohl es diesen an robusten Kraftmäßigkeiten in gar nichts, oder nur in wenigem gleichkam. wir wissen doch, daß ausgesprochen mächtige Kraftvölker und große Kriegs-. stämme gegenüber Ungeübten und Schwachen auf diesem Gebiete, doch die unterliegenden geblieben sind, wenn diese sie an geistiger Stärke überragten und darum an Arthöherem einen Vorsprung hatten. Und da kann gleich auf das jüdische Volk hingewiesen werden. Auch ihm ist dies zur sieghaften Ueberwindungskraft und zum Arterhaltungsvorsprung geworden. Im Kampfe ums Dasein durch die Jahrtausende heißen Völkerringens wurde das jüdische Volk wahr- Perek 1, 4. oi>cnm vx pni' p oi'i mix v'rr it»r> p ov mm D’»3ni> nvi no *po ■»m im« rvnx vm ntsv p ■>ov> onn liop ommn fl« K»xa nnw mm omiu-i is-o pkna „Jose — er hieß auch Joseph — Sohn Joesers, ein Mann aus Zereda, einer Stadt im Stamme Manasse, unweit Skythopolis (Könige 1 26, 2 und Chronik 2 4, 17) und Jose, Sohn Jochanans aus Jerusalems, lebten zur Zeit der Makkabäerkämpfe. Ersterer erlitt den Märtyrertod: der Hellenist Jakim, ein abtrünniger Hohepriester, ließ seinen Oheim Jose, Sohn Joesers hinrichten. Mit diesen beiden Lehrern, begann eine neue Amtseinrichtung des großen Synhedrion, (oberster Gerichtshof), das aus 71 Mitgliedern bestand und in der Quaderhalle des heiligen Teinpels seine Sitzungen abhielt. Bis dahin nämlich hatte es immer nur einen Vorsitzenden, von dieser Zeit an einen Fürsteck ln'vk und einen Vater (Oberster des ^Gerichtshofes) lpi r>o -u). Der erstgenannte Jose, Sohn Joesers, war Fürst, der zweite, Jose, Sohn Jochanans, „Vater des Gerichtshofes", dasselbe gilt von allen in von paarweise genannten Lehrern. (a’fun)- Bei Mischna 16, Perek 1: •'oi 3*i ii> neo ivirr i-rr'ipn wird uns mitgeteilt, daß Rabbon Gamliel, Enkel des Hillel, zum Unterschiede von seinem gleichnamigen Enkel, auch Rabbon „Gamliel der Aeltere" genannt wurde und ein Zeitgenosse des Königs Agrippa (37—44) gewesen, unter dem Judäa dochmals in seinem ehemaligen Glanze erstrahlte. Nabban Gamliel war der Erste, der den Titel "pi" oder „unser Lehrer" führte. Die früheren Lehrer und Führer des Volkes führten gar keinen Titel, während später der Titel "prn- (mein Lehrer) sedem Gelehrten, der die Ordination oder nrnap besaß, beigelegt wurde Die Ordination bestand in der Verleihung des Titels „Rabbi" an die zur Ausübung des Lehr- und Richter-