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Der Israelit · 1932-05-26 · Heft 22 (26.5.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 22 (26.5.1932)
Date
1932-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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26. Mai 1932 t) e r Israelit Nr. 22 Seite 5 Zukunftsiöeal gedacht werden kann, wird mit der Besonderheit, wenigstens in den trennenösten Punkten der Völkerarten, gerechnet werden müssen. Aber das ist solange an sich kein Nebel, sondern im Gegenteil ein weiser vorsehungsplan, a priori in die 'Kr(ckt der Selbsterhaltung der Völker gelegt. Denn die Volksbesönderheiten bildeten seit jeher die eigenste Note im Lebensstnn der Völker überhaupt und waren ihnen zugleich stets Wehr und Waffe im Ringen der Existenz. Nur mußte und muß jedes Volk alles daran setzen, sich seiner, ihm eigenen und nicht in törichter Verwechslung des andern Volkes oder Stammes Besonderheit als Lebenswerk anzusehen und sich dessen als Wehr und Waffe zu bedienen. Es setzt sich sonst der Unnatur aus, des Fehlgriffs und der Lächerlichkeit und macht sein Dasein bedeutungslos und fragwürdig. In der Tierwelt z. L. ist es doch so, daß sich das eine Tier durch die Besonderheit des Gecuchsinnes, durch Fühler und Taster eigenster Art durchsetzt, das andere wieder durch seine Ausstattung mit eigenartigen Hörnern, Krallen und schneidigen Zähnen und wieder ein anderes durch seinen schnellen Laus, sein wachsames Ohr, fein scharfes Auge. Wan kann sich nicht vorstellen, daß alle diese Arten sich erhalten hätten und noch bestünden, wenn sie sich ihrer Cigenarten entäußert und nicht bedient, oder ihrer verwechslungsweise und falsch bedient hätten, und es ist, bei aller gewiß berechtigten Unterscheidung zwischen Tier und Mensch, dennoch ebenso nicht einzusehen, wie ein Volk, im allgemeinen Ringen um seine Art —- und es geht immer darum — nicht zunächst und vor allem mit eben den besonderen Mitteln seiner Art zu werke gehen sollte, vorausgesetzt, daß es zu Werke gehen möchte und nicht zugrunde gehen will. Cs ist nun einmal so, daß es auch aller Menschen Schicksal ist, durch Geburt oder besondere Verbundenheit nicht nur, in eine bestimmte Zeit und Geschichte hinein versetzt zu sein, sondern ebenso auch in ein bestimmtes Volkstum, in ein eigenes bestimmtes Grunöwesen. Cs kann keiner wählen, ob er z. B. der Nachkomme der alten Aegypter und Römer, oder einer der afrikanischen Negerstämme ist. (Db es Verurteilung oder Gnade ist, Stammeszugehörigkeit ist eben Zugehörigkeit, ist Schicksal, dem heißt es sich zu fügen, einerlei ob es zu Lagen und Anschauungen, oder zu Vorteilen, Leistungen und Nachteilen zwingt. Cs gibt einstweilen — sagt ein zeitkritischer Denker — keine „Menschen an sich", sondern nur Menschen zu einer Zeit, an einem Grt, einer Sippe, einer persönlichen Art, die sich im Kampfe mit einer gegebenen Welt durchsetzt, oder unterliegt. Dieser Kampf ist das Leben, oder, um einmal mit Nietzsche zu reden, der Kampf aus dem Willen zur Macht, wenigstens aber aus dem Willen zur Existenz. (Fortsetzung folgt.) MmsmmmmmmmsaasBämmMsmmmsäBsmmBmmmmmasmam Rabbi Elijahu Klatzkin rxi- Soeben, Montag früh, wird uns mit einem Telegramm aus Jerusalem die Trauerbotschaft überbracht, daß in der vergangenen Nacht Rabbi Clijahu Klatzkin, der seit etwa zehn Jahren in Jerusalem lebende „Lubliner Raw", seine Seele' ausgehaucht hat. In knapp zwei Monaten hat Jerusalem zwei, die jüdische Welt — nach dem Tode Rabbi Chajim Sonnenfelds und des „Kalischer Raw" — drei Thoragrößen verloren, die zu den bedeutendsten unserer Zeit gehörten. Auch Rabbi klatzkin hatte, wie Rabbi Chajim das Helöenalter überschritten. Aber wie frisch sprudelte sein Geist noch, wenn er Thoraworte von sich gab, wenn er tiefe Stellen aus seinen halachischen Werken erklärte, wenn er im Kreise Gleichgesinnter über die Probleme des gesetzestreuen Judentums in Crez Israel und der Gola verhandelte. Rabbi Klatzkin war einer jener litauischen Gaonim, die bescheiden, still, fast unsichtbar, doch die Träger des Judentums in der Welt sind, und es wird nicht ohne Folgen bleiben, daß wiederum in einer geistig armen, zerrissenen Zeit eine solche Säule der Thora gefallen ist. Jerusalem, die heilige Stadt, hat sich wieder in Trauer gehüllt, und wir alle haben Grund, die Trauer zu teilen. Denn Rabbi Clijahu Klatzkin gehörte uns allen. Sein Lebensweg war der aller bekannten Gaonim, deren Zahl leider immer mehr zusammenschrumpft. Als Kind ein Ilui, als Jüngling ein Feuergeist, der die rabbinische Welt in Staunen setzte, hätte er schon in jungen Jahren bedeutende Rabbinerstellen inne. In der großen Welt pflegten Wunderkinder in der Versenkung zu verschwinden. Das jüdische Wunderkind der Ieschiwa, der „Ilui", entwickelt sich fast immer zum Gaon. Das macht die sittliche Kraft der Thora und des Mussar, die vor allen Schäden und Gefahren der Frühreife bewahrt. Rabbi Clijahu Klatzkin gehörte in jüngeren Jahren zum Kreise von Rabbi Iizchok Clchonon in Kowno, amtierte als Rabbiner in mehreren Großgemeinderl Litauens, schrieb halachische Werke und Responsen, die überall als grundlegend anerkannt wurden und nahm Stellung zu jüdischen Fragen in einer Weise, die seinen Namen und seinen Ruf in die Welt hinaustrugen. So sah man ihn auch im Kranze der großen Rabbinen, die auf der ersten Kenessio Gedaulo in Wien die Ehrenplätze der Cstcade einnahmen. Wie wurde sein kluges, mildes Wort von der Tribüne, auch wenn es noch so leise erklang, gehört und beachtet! Schon betagt, folgte Rabbi Klatzkin einem ehrenvollen Rufe auf den Rabbinerposten der altehrwüröigen Gemeinde Lublin in Polen. Der litauische Gaon konnte zunächst keine tiefen Wurzeln fassen im chassidischen Boden von Polen. Die große Thorabewcgung mit den Ieschiwoth, wie sie heute unter dem Cinfluß des Gerer Robben und des unermüdlichen Rabbi Meier Schapiro gerade in diesem Striche Polens G. s. D. immer mehr die Jugend erfaßt, hatte sich damals noch nicht öurchgefetzt, und der große, stille Gelehrte mit seinem vornehmen, zurückhaltenden Wesen war nicht der Mann großer durchgreifender Aktionen. Seine Welt war sein Lernzimmer, zu dem, wie es in Litauen von jeher üblich war, sich die Menschen erst die Kanäle schaffen mußten. Die Welle ans seiner stillen Klause konnte nicht in die Gemeinde so hinausfluten, wie es dem Meister erwünscht gewesen wäre, wie er es in seinen durchgeistigten litauischen Gemeinden wohl auch gewohnt war. Diese Tatsache, aber nicht zuletzt die unwiderstehliche Liebe zum Lande der Väter veranlassen ihn, seinen späten Lebensabend nach Jerusalem zu verlegen. Ging ihm schon großer Ruf voraus und wurde er dort mit größter Verehrung empfangen, so gelang es ihm schon in kurzer Zeit, dort die höchste Chrenstellung in den Herzen aller sich zu erobern. Man sprach von llabbi Clijahu in Jerusalem stets gleich nach Rabbi Chajim und immer in Verbindung mit diesem. In Liebe verbunden, wie sie im Leben waren, sind sie jetzt auch im Tode vereint. •mw üb ürnam nn^nn wv'Nini D“>nnxin Schreiber dieses hatte noch das hohe Glück, dreimal den großen Rabbi in Jerusalem zu besuchen und zu sprechen. Cr lag auf dem Krankenbett im Schaare Zedek-Spital, mit Aufopferung behütet und betreut von dem Leiter des Krankenhauses, Dr. Wallach, der den Wert solch kostbaren Lebens für das Judentum zu schätzen weiß. Nur kurze Zeit blieb er im Spital. Ich besuchte ihn noch zweimal in seiner mehr als bescheidenen Behausung, und es schien mir jedes Nlal, als würde er seine Leiden und Schmerzen vergessen, vielleicht nur verheimlichen, um den Besuch je länger je lieber an seinem Bette festzuhalten. Sein Gesicht erhellte und verklärte sich, als würde cs von der Schechita geküßt, wenn,man auf die geistigen Probleme einging, die ihm am meisten am Herzen lagen. Ich wußte es und pflegte mich auf den Besuch s o vorzubereiten, daß ich jedesmal vorher ein Kapitel feiner min ’tprpn durchging. Die Basis für eine alle Wunden heilende, alle Schinerzen lindernde Unterhaltung war gegeben. Dabei blieb sein Geist aufgeschlossen für alle Fragen des Judentums und der Iudenheit bis zuletzt. Mit dem Programm und den Arbeitsplänen der Aguda fühlte er sich innerlich verbunden. Cr war glücklich zu hören, daß sich neue Impulse für Crez Israel im orthodoxen Judentum Deutschlands regten. Ich besuchte ihn zuletzt einen Tag nach dem Tode Rabbi Chajims. Cs war mein Abschiedsbesuch. Ich wagte es nicht, auf das traurige Ereignis anzuspielen, da ich glaubte, man habe es dem kranken Greise verheimlicht, Aber schon nach wenigen Minuten sagte er unter Tränen: „Welch schwerer Schlag für Ieruscholajim!" Der Schlag wäre vielleicht weniger schwer gewesen, Rabbi Clijahu, an den man natürlich nach dem Tode Rabbi Chajims gleich gedacht hatte, wäre noch, wie vor wenigen Jahren, in der Vollkraft seines Lebens, um in die Bresche zu treten und die Lücke zu füllen. So aber war es von einer höheren Vorsehung bestimmt, daß Rabbi Clijahu dem Freund nur auf dem Krankenbette still nachtrauern konnte und schon nach kurzer Zeit ihm in die Ewigkeit folgte. In wenigen Wochen sind wir um drei große Führer ärmer geworden: Rabbi Chajim Sonnenfeld b"XT' 2iabbi Iecheskrl Lipschitz b"2T' und Rabbi Clijahu Klatzkin Fast erfüllte sich das Wort: -im* riTa ormn ivvhw nu inzxi Mögen sie in einer ach so schweren Zeit D^bn v'Ilv für AUisracl fein jrn* Korrespondenzen « Daebricbten. f)euff<f;e5 Reich. Landwirtschaftliche Ausbildung für Agudisten. Berlin, 25. Mai. Die Soziale Kommission der Agudas Jisroel in Deutschland teilt uns mit: Wir sind in der Lage, sofort 20—30 jüdische ledige Erwerbslose bei jüdischen Bauern zwecks Ausbildung in der Landwirtschaft bei freier Kost und Logis unterzubringen. Ausbildungszeit ca. 2—3 Jahre. Gesunde junge Agudisten können sich dieserhalb umgehend auf dem Wege über die Orts- und Jugendgruppen an uns oder an unseren Dezernenten für Siedlungswesen, Herrn Dr. Nathan Birnbaum,- Berlin-Charlottenburg 4, Sybelstr. 35, wenden. Die Einstellung erfolgt evtl, schon per 1. Juni. Der „Reichsverband der deutschen Juden". Frankfurt a. M., 24. Mai. Der Engere Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hielt am 22. ds. in Frankfurt eine Beratung ab, auf der unter Hinzuziehung von Vertretern der einzelnen Landesverbände in der Hauptsache über die Schaffung eines Reichsverbandes der deutschen Juden verhandelt wurde. Die Aussprache, die große Meinungsverschiedenheiten aufwies, drehte sich um die Gestaltung und Zu-- sammensetzung der Verbandsorgane. Es wurde, wie berichtet wird, nach langwierigen Beratungen der Versuch einer Verständigung zwischen den Auffassungen der Vertreter des Preußenverbandes und denen der anderen Landesverbände auf folgender Bäsis unternommen: Es wird ein Entwurf im Anschluß an den von der Reichsverbandskommifsion des Preußischen Landesverbandes unterbreiteten Vorschlag ausgearbeitet, der in etwa vier Wochen in einer neuen Beratung erörtert werden soll. Im Präsidium des Reichsverbandes sollen zwei Rabbiner und zwei Lehrer sitzen; ein Zweikammersystem soll eingesührt werden, wobei in der einen Kammer die Reichstagung entsprechend der Seelenzahl der einzelnen Verbände zusammengesetzt wird, während das zweite Organ derart beschaffen sein wird, daß eine Majorisierung der anderen Verbände durch den Preußenverband ausgeschlossen bleibe. Wir kommen aus die gefaßten Beschlüsse, mit denen, wie die Interessenten glauben, der Reichsverbandsgedanke eine neue Etappe erreicht hat, noch einmal zurück. Der Engere Rat des Preußischen Landesverbandes bewilligte unter anderem dem „Hechaluz" für die Berufsausbildung feiner Mitglieder einen angemessenen Jahresbeitrag. Er empfiehlt ferner dem Großen Rat, für die N o t st a n d s u m l a g e von P/tö Proz. einzutreten. Bekanntlich bildeten diese zwei Punkte in der vorigen Landsversammlung das Streitobjekt zwischen den Liberalen und der Volkspartci. Die Vereinigtlirg für das Liberale Judentum. Berlin, 23. Mai. Auf der am Sonntag abgehaltenen Hauptversammlung der Vereinigung für das Liberale Judentum kamen zunächst Finanzfragen zur Sprache.

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