Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 22 (26.5.1932)
- Date
- 1932-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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26. Mai 1932 Der Israelit Nr. 22 Seite 3 ' Birnbaum, daß wir bei dem einmal in der Orthodoxie erwachten und zu einer neuen Alija führenden Interesse für Palästina, durch Nichtbeachtung, durch Bagatellisterung der Bewegung, durch Ablenkung auf andere Interessengebiete, die von Zion und allem, was für uns mit diesem Worte verbunden ist, nur profitieren können, eine verhängnisvolle Entwicklung noch verschärfen? Wie denkt sich Herr Dr. Birnbaum übrigens -ie Lösung der von ihm zum Schluffe selbst gezeichneten Aufgaben in Palästina, ohne die zu Taten und Handlungen drängende neuerwachte Liebe, ohne die Menschen, die allein berufen wären, Zion davor zu verschonen, daß es „ein Faktor religiöser Verarmung" werde? wie soll Palästina zu einer „Stätte religiöser Verinnerlichung und -sittlicher Erneuerung" werden, wie soll der heilige Boden von all „den Belanglosigkeiten der internationalen Kulturmode" gereinigt werden, wie soll dort eine geläuterte Iudenheit erstehen und arbeiten, wenn man den Menschen, 6iediesen Aufgaben dienen wollen, oder mit denen sich dieser Zweck erreichen ließe, zuruft: „Halt! Zurück! Es ist nicht Eure eigene Wunschwelt! ..." verlündlichung in Erez Iisroel! Eine geeinte, geschlossene, unbeugsame Orthodoxie in Erez Iisroel, ausgestattet mit Einsicht, Takt, Maß, Würde, Großzügigkeit und Schönheit, ein Vorbild in Israel und achtungsgebietend nach außen! Alleinherrschaft der Thora in der Stadt der Städte, in Jerusalem, in den Ieschiwaus und Schulen des Landes junge Menschen, die „mit heißester Hingebung an den Schöpfer, mit Leidenschaft für die Thora" erfüllt sind! Wie in aller weit sollen aber diese Ziele erreicht werden, wenn unsere Führer bei dem leisen Aufwallen einer neuen Liebe sich ihr bremsend gegenüberstellen und den für diese Aufgaben benötigten Menschen — mögen sich auch ein paar Ungeeignete mit einschleichen —, bildlich gesprochen, die Zertifikate versagen und eine geistige Grenzsperre verhängen?! Wohl suchen Sie, verehrter Herr Dr. Birnbaum, in einent Amendement in einer folgenden Nummer cs zu erklären, wie Sie cs gemeint haben. Der Widerspruch zwischen diesem Nachtrage und dem „Zurück" im wesentlichen Teile des ersten Artikels, zumindest zu dem, was alle Welt aus dem Tenor dieses Artikels herauslesen muß, bleibt auch nach dieser, sagen wir Interpretation noch reichlich ungeklärt. „ . . . In wirtschaftlicher Hinsicht ist jede einzelne im heiligen Lande angestedelte jüdische Familie als nationaler Gewinn zu buchen. Sie entlastet das Golus und stellt einen Ansatzpunkt in Erez Iisroel für die Gewinnung weiterer wirtschaftlicher Positionen dar.- . . . Für die Sicherung der g e i st i g e n Existenz des jüdischen Volkes kann Erez Israel von ungeheurer Bedeutung werden. Abgesehen von dem überlieferten Grundsatz, daß die natürliche Eigenart des Landes selbst der Entwicklung des jüdischen Geistes förderlich ist, besteht gegenüber der immerhin noch vorherrschenden arabischen Kultur die Gefahr der Assimilation in weit geringerem Maße als gegenüber den europäischen Kulturen."- „Cs ergibt sich für uns — nach Berücksichtigung aller Voraussetzungen für die Sicherung der p h s i-, scheu, wirtschaftlichen, g e i st i g e n und sittlichen Existenz des jüdischen Volkes — d i e Pflicht einer mit Hochdruck arbeite n - denpropagandä für die Einwanderung und Ansiedlung religiös Kochst eh em der Elemente, für ihre wirtschaftlich eSicherung im Lande und für ihre schlagfertige, jederzeit zu innerpolitischer Vertretung gerüstete, technisch vollendete Organis a t i o n." *) An diesen Forderungen, die wie die ganze Abhandlung, der sie entnommen sind, durch die neueste Entwicklung der Dinge noch besondere Aktualität und erhöhten programmatischen Wert erhalten — weil sie die gangbare Mitte zwischen der Hurrastimmung auf der einen und der übertriebenen Aengstlichkeit auf der anderen Seite zeigen — muß heute erst recht festgehalten werden. Nein, nicht Warner, Rufer tun uns heute not! Ein neuer Nachmanides, ein neuer Rabbenu O b a d j a , ein neuer S ch c l o h müßte kommen, um den Flammenruf in die jüdische Welt hinauszusenden: „Kommet und bauet mit!" Auch damals war es die Iudennot und die Weltnot im Orient und Occident, an die die Sendbriefe der großen Männer mit anknüpften. Sie, die Not, und all das, was man heute als äußere, negative Triebkräfte bezeichnen würde, haben sich als erste Faktoren des Aufbaus gezeigt. Sie haben den alten I i s ch u w aufgebaut, ohne welchen ein neuer Iischuw so wenig denkbar wäre, wie ein Dach ohne Wände, ein Haus ohne Fundament. Was wir, was Agudas Iisroel, heute tun kann? Gewiß kann sie nicht über Nacht den einftrömenden Massen, wenns solche gäbe, ein neues Nationalheim im Geiste der Thora aus dem Boden stampfen, aber sie kann die vorhandenen Kräfte sammeln, daß die neuen zuströmenden einen Grundstock und ein Sainmelbecken finden. Mehr als die Organisationen mit ihren Millionenbudgets hat die Privatinitiative im Lande zuwege gebracht. Diese Privatinitiative beleben und fördern und ihr durch Beratungsstellen die *) Jacob Rosenheim: „Grundzüge einer Palästinapolitik der Agudas Iisroel", Aufsätze und Ansprachen, Band II, Seite 209. I. Kaufsmann Verlag, Frankfurt am Main. .Wege weisen, der Einwanderung helfend und beratend zur Seite stehen, die H a ch s ch a r a auf Grund der schon vorhandenen Ansätze für religiöse Ehaluzim. erleichtern und sie mit positiv religiösem Geiste erfüllen, die Arbeitermassen im Lande organisatorisch erfassen, den eingewanderten Familien in Stadt und Land mit Schulen für ihre Kinder, mit Einrichtungen für ihre religiösen Bedürfnisse helfen, das kann und m u ß heute die orthodoxe Weltorganisation, so sie den in der Not ringsherum und der von dieser neugeweckten Erez Iisroel-Liebe deutlich wahrnehmbaren Fingerzeig G'ttes nicht übersehen und nicht eine Gelegenheit verpaffen will, die vielleicht nicht so bald wiederkoinmt. Gewiß müssen wir an die Menschen, die sich, um mit Nachmanides zu sprechen, für fähig und berufen halten, G'tt in seinem eigenen palaste zu dienen, die weitgehendsten Ansprüche in moralischer, sittlicher und religiöser Beziehung stellen. Das wissen wir und wissen alle. Alle Welt kennt die Voraussetzungen, die wir in der Orthodoxie an Land und Leute in Erez Iisroel stellen, kannten sie lange schon, bevor es noch eine „Aulimbewegung" gab. Für uns bedeutete Alija immer auch, und nicht zuletzt, geistigen Aufstieg n'bx) und sind alle, die sich an einer Alija beteiligen, A u l i m im eigentlichen, im geistigen Sinne. Rufen^wir diese Selbstverständlichkeit noch einrnal mit allpr Deutlichkeit und Eindringlichkeit hinaus, daß sie ins Herz derer dringt, die es angeht, aber schwächen wir ihre Kraft nicht, entmutigen wir sie nicht: rufen wir nicht „Zurück", bevor der Fuß noch richtig zum Ausschreiten angcsetzt hat. Grüßen wir lieber alle, die guten Sinnes und reinen Herzens, bewußt oder unbewußt, zur eigenen W u n s ch w e l t z u r ü ck k e h r e n möchten, mit einem kräftigen ddp’ rnprnn! —tz. Wochenrundschau. Wer den Sabbat heiligt — wird bestraft; Am Ehaul Hamaued schel pesach kam vor dem Jerusalemer Distriktsrichter eine Anklage gegen sechs junge Agudisten zur Verhandlung, die beschuldigt worden waren, im Sommer des vergangenen Jahres „widerstand gegen die Staatsgewalt" geleistet zu haben. Das „Verbrechen" hat folgende Vorgeschichte: Dieses Gebet in Sehnsucht und Hoffnung verdolmetscht das Schriftwort, das uns das Unterpfand der ewigen unversiegbaren Liebe G'ttes zu feinem Volke ist. ioni> anhsb n’n^jn , a»nos» oma'i» pju DM',12 DKT DJ t]tO ,'p^k 'i '2 an« vria „Sogar auch da, wo sie im Lande ihrer Feinde waren, habe ich sie nicht verachtet und sie nicht verworfen, sie zu vernichten, meinen Bund mit ihnen zu zerreißen, denn ich G'tt bleibe ihr G'tt." Unser Sein trotz tausendfältiger Verfolgung und Vernichtungsgefahr ist der deutliche offensichtliche Beweis für die Kraft, die dem Sinaibunde innewohnt. G'tt liebt trotz alledem Israel und beschützt es, — das erzeugt immer wieder neuen Lebensmut und unzerstörbar Widerstandskraft. Das ist unser Hoffnungsanker in allen Nöten und bleibt unsere ewige Verpflichtung, Treue um Treue zu bezeugen Ihm, der uns erwählt hat und uns zugesichert: rrna ork» -»/nan 'i2i d’Jtoxt „Ich gedenke ihnen den Bund der Vordern, die ich aus Mizrajims Land geführt, vor den Augen der Völker ihnen G'tt zu fein. Ich G'tt." Kleines Feuilleton. Christliche Mission im jüdischen Vationalheim. Ich hole einen vor mir gehenden Mann ein, den ich von der Synagoge her flüchtig kenne. Auf meine Frage nach seinem Ergehen erwidert er, daß er jüngst im Jerusalemer englischen Missionshospital operiert wurde. Ich war perplex. „Warum sind Sie nicht in die Hadassah gegangen?" „Das wollte ich, aber man verlangte dort Bezahlung. Es hätte mehr als fünf Pfund gekostet, und ich habe kein Geld. Im englischen Missionshospital dagegen ist alles umsonst: der Arzt, eine erste Kraft, die Arzneien, das saubere Bett, die aufmerksame Pflege. Nur an der Kost hapert es, weil die Einkünfte sehr zurückgegangen sind." (Im Schaare Zedek-Spital wird weitgehendste Rücksicht auf unbemittelte Patienten genommen. Red.). „Kommen öfters Juden in dieses Hospital?" „In seinen fünfzig Betten liegen nur Juden. Auch seine Poliklinik frequentieren nur Juden, täglich einige hundert, meist blutarme orientalische Juden." Die englische Mission unterhält auch Schulen und veranstaltet englische Sprachkurse ohne Bezahlung, — die jüdischen Schulen verlangen aber Schulgeld. * Es ist schon ganz selbstverständlich geworden, daß zur Purimfeier aus Stadt und Land in Palästina Scharen von Juden nach Tel-Awiw strömen. Auch tausende Araber mit Frauen und Kinder kommen, um den Purimzug zu sehen. Diesmal schloß sich dem Gewoge der Purimtage gleich das Gewoge der Makkabiade an. Mehr als zwanzigtausend Menschen dürften sich zu den Eröffnungs- und zu den Schlußdarbietungen auf dem Stadion eingefunden haben. Imponierend war der Zug des Makkabi durch die Stadt. Es dauerte fast eine Stunde, bis er an den zehntausenden Zuschauern vorbeigeschrittm war. Ist doch auch ein großer Teil der Schuljugend Palästinas mit dem Makkabi verbunden. Weit ist die Distanz der Makkabi-Jugend von unserem Judentum der Thora. Möge sich die jüdische Jugend Palästinas, bei so viel Erhaltungswille, Stolz und Ernst, eines Tages auch der Thora, die mit der Seele des jüdischen Volkes eins ist, zuwenden! S. G. in T. A. (Eine alte venezianische Thoralade in England gefunden.) „Times" berichten, daß ein Londoner Kunsthändler, der einer Auktion in Ehillingham Castle beiwohnte, bei Besichtigung dortiger Dienstbotenräume einen als Kleiderschrank benutzten, mit ungewöhnlich schönen Ornamenten verzierten Schrank entdeckt habe, der Inschriften in hebräischer Sprache trägt. Er erwarb den Schrank und brachte ihn nach London, wo sich nach einer fachmännischen Prüfung herausstellte, daß es sich um ein religiöses Requisit, eine Thoralade, von einzigartiger Pracht im Barockstil handelt, das um etwa 1575 entstanden ist. Man nimmt mit Gewißheit an, daß es sich um die Thoralade einer venezianischen Synagoge handelt. Wochenkalender. r om 28. Mai bis 4. Juni 1932 vom 22. - 29. Ijar 5692 '»n eji Samstag Mai 28 22 MOV 72 m pns ’/ifma Sonntag 29 23 N2 Montag 30 24 732 Dienstag Iun 31 25 b Mittwoch 1 1"8 2b xb Donnerstag 2 27 2* fv,? HDD Dl' Freitag 3 28 rb Samstag 4 29 ib '1 fns 12-782 vin.l 1'212v vin.i P212V Samstag früh 4 Uhr 605/18 Min.