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Der Israelit · 1932-05-26 · Heft 22 (26.5.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 22 (26.5.1932)
Date
1932-05-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 22 DerJsraeltl 26. Mai 1932 men haben! Wüsten wir in der Orthodoxie erst mit Geburtsschein das Alter unserer Zionsliebe urkundlich ausweisen? Rachum Sokolow warf einmal Vertretern der Orthodoxie, da sie es wagten, ihre Ansprüche auf und in Crez Israel anzumelden, die hämische Bemerkung entgegen: na® a*wa ■>» ruMQ-iDomit er sagen wollte, wir kämen zu spät. Gewiß weiß Herr Dr. Birnbaum, wie falsch diese Bemerkung ist, aber das mit dem riu^2iv kann, richtig gedeutet, stimmen. Wir haben nicht mit der Liebe zu und mit der Arbeit für Crez Isroel bis zum Rüstetag des Wandats-Sabbat gewartet; unsere Liebe und unsere Verbundenheit mit dem heiligen Lande hat mit dem Sabbat a u s g a n g , den Titus an jenem 9. Aw gewaltsam herbeigeführt hat, nicht aufgehört; unsere Arbeit für die Heimat wurde unmittelbar nach der Zrestörung in den Schulen zu Babylon, mit Rachmanides und allen anderen vor und nach ihm fortgesetzt. wahrlich, wir hatten unsere „heroische Epoche" und hätten es nicht nötig, auf die des neuen politischen Zionismus zurückgreifen und als deren Rutznießer angesehen zu werden. Auf der Höhe vor Tiberias erheben sich die Gräber, die Denkmäler jener „heroischen Cpoche" sind. Wer wollte es wagen, uns die Priorität für pftn w>n und pK nw« streitig zu machen? Niemals wäre der Zionismus gekommen, niemals ein Rlandat, niemals der Gedanke eines Rationalheimes, wenn dieser Zionismus keine Altbestände vorgefunden hätte, um daran anzuknüpfen und darauf, auf altem Fundamente, — das nun ganz zugedeckt ist, — seinen eigenen Reubau aufzuführen. In den Urkunden, die in diese Grundmauern eingegraben sind, ist aber unsere Zionsliebe enthalten, von Hoffnung, Verheißung und Zuversicht durch die Jahrhunderte warmgehalten; ein alter Tränenkelch ist dort mit versenkt, der immer zu Taten drängte. Und nun sollten wir, da die alte Liebe in uns wach wird, uns gar nachsagen lasten, sie, die Zionslicbe, sei nicht unsere Liebe, sie sei fremder Wunschwelt entsprungen?! Tin neuer Samson Raphael Hirsch müßte für Palästina kommen, der, wie jener in Frankfurt a. Tti, den Aposteln der Aufklärung das Bildungsmonopol aus der Hand gerissen hat, hier denen, die sich heute als die Herren des G'tteslandes aufspielen, das Monopol der Zionsliebe aus der Hand reißt und uns lehrt, wie wir den Gegner gerade mit der Waffe, die er sich unrechtsmäßig ungeeignet, schlagen; wie wir mit Zion, unserem alten Zion durch das Gestrüpp wilder Auswüchse einer unglücklichen, in die Irre gegangenen Zionsliebe den Weg bahnen. 4. Zion kommt in den Mittelpunkt des Interesses und drängt alle anderen jüdischen Belange in den Schatten! Warum das? Weiß nicht der gläubige Jude ganz genau, daß es noch genug der Arbeit in Crez Israel für Crez Iisrael gibt; daß in Jerusalem für Zion: Zion im Heiligen Lande und Zion in der Welt, noch schwer gerungen werden muß? Wer denkt auch daran, einer allgemeinen orthodoxen Mentalität zuzustreben, die kein anderes Interesse kennt, als nur das für palästinensische Dinge? Wir sehen nicht in Zion die alleinige Antwort auf alle jüdischen Fragen, aber einen Punkt, von dem aus die Lösung der jüdischen Probleme zumindest nicht schwerer wird. Die Thora hätte wahrlich keinen Grund zur Eifersucht, wenn wir uns wirklich und ernstlich anschickten, ihrinCrezIsroelden Raum zu schaffen, von dem aus sie vielleicht bester und wirksamer ihr Strahlen in die jüdische Welt hinaussenden könnte. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Juni Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Wer einmal nur kurze Zeit in Palästina geweilt hat, wer rraa nnnnn gesehen hat, wer Gelegenheit hatte, den vielen zerstreuten, gut jüdischen, man darf sagen, orthodoxen und agudistischen Elementen zu begegnen, die nicht Zusammenkommen und sich nicht zusammentun können, — aus Mangel an einer Organisation von umfassender Kraft — und daher zum Teile, besonders im jüngeren Flügel, vom zionistischen Regiment erfaßt und absorbiert werden; wer einmal beobachten konnte, wie in Jerusalem, Haifa und Tel-Awiw es Einzelne fertiggebracht haben, durch Muster und Vorbild junge Menschen, — die gleichen jungen Menschen, die sich von den Alten leider nichts sagen lassen — für ein Leben der religiösen Pflichterfüllung zu gewinnen, und wie diese Lehrer im Kleinen, vereinzelt und vereinsamt, nur dartun, was wir wirken könnten, wenn wir die Menschen dafür hätten; wer in Stadt und Land die Klagen der Väter gehört hat: „Gebt uns Schulen, wie wir sie vor dem Kriege in petach Tikwah und Sefirohgedavken. Bon Rabbiner Dr. Al. Lewin in Hamburg. III. Die Sefirohzeit mit ihrem ernsten Einschlag hat für Uns als die von (3’tt berufenen Träger der Thora noch ihre besondere Note. Sie ruft unser jüdisches Gewissen wach. Sie läßt uns ganz und voll uns der reichen Segenssülle bewußt werden, die sich uns am Sinai erschlossen, als der Herr Israels Haupt mit dem priefterlichen Diadem besonderer Weihe schmückte. Sie stärkt in uns das Gefühl der Verantwortung, die mit unserer Erwählung auf unsere schultern gelegt wurde. Ist uns auch die Lehre mit all' ihren Bindungen und Verpflichtungen keine Last, sondern eine Lust, ein ewiger Quell der Läuterung und Erhebung, so fordert doch ihre gewissenhafte Erfüllung stete und unverdrossene Hingabe und Ueberwindung und macht denen, die in ihrem Geiste zu leben willens sind, die höchste Sittenreinheit und das edelste Tugendstreben als Blüte unseres Judentums zur Pflicht. Da werden in uns jene Erinnerungen wach, die mit düsteren Farben auf den Blättern unserer Geschichte verzeichnet sind, die diesen Wochen zwischen nos und n-wap den Stempel der Trauer aufgedrückt haben. Die Schüler des großen Lehrers in Israel, der (mit dem Bekenntnis •ms '"i „G'tt ist der Einig-Einzige") seine unerschütterliche G'ttesliebe mit seinem Leben bezahlen mußte und mit dem Bekenntnis narr n „G'tt ist der Einig-Einzige" seine Seele aushauchte, hatten den Geist und die versöhnende Kraft der Lehre nicht begriffen. Als v-nna wnrr als Gleichstrebende im Erforschen der Lehre, die ihnen so wunderbar ihr Meister in Wort und Beispiel gedeutet, hätten sie der großen Menge durch gegenseitige Liebe und Selbstachtung ein Vorbild edlen Menschentums bieten müssen, zu dem das wahre und echte Judentum führt. Ihr unverträglicher Sinn machte sie aber unnachgiebig und rücksichtslos gegen einander, und als sie in großer Zahl von einer Seuche hingerafft wurden, da wurde dieses große Sterben als eine laute eindringliche durch alle Zeiten und Geschlechter fortklingende Mahnung zur Einkehr und Selbstbesinnung gedeutet, förmlich als eine Verdolmetschung des Schriftwortes: •ons BN'VVI mi wrn ds „Daß ihr ja in meinen Satzungen wandelt und meine Gebote hütet und sie ausübt!" Das Leben und Weben im Geiste der Thora wie ihr unumschränkter Wille für die Gestaltung aller Verhältnisse im Machtbereiche unseres irdischen Daseins ist nicht nur die Vorbedingung für unser und aller Menschen Heil und Sicherheit auf Erden, sondern vollends der Weg, auf dem der Thora Sieg und damit dem G'ttesgedanken volle Anerkennung erblüht . . . Jene Mahnung aus alter Zeit sollte mehr denn je in unseren Tagen beherzigt werden. Die gemeinsame Not muß uns aneinander ketten und uns stark und einig zeigen in unserer Begeisterung für unsere Lehre und in unserer Liebe zu unserem Volke. Und wo sich auch die Wege trennen, sie sich scheiden müssen, da darf nicht'Haß und Zwietracht in den Herzen und Seelen walten und uns in der Abwehr unserer Feinde schwächen. Der Berg Sinai hatte als Stätte der nahenden Offenbarung G'ttes Israel, das eben noch in Parteien und Klassen zerklüftet war, zu einer Einheit verbunden, — sollten da nicht die thoratreuen Kreise insbesondere auf dem geweihten Boden des hst Landes sich in Einig- > anöerswo aus Eurer Hand bekamen, und Ihr sollt unsere Kinder haben"; wer das alles gesehen und gehört hat, der wird nicht nur „beifällig nicken", sonderir sich wirklich höchlichst erfreut zeigen über jeden Juden, der ins Land zieht. Wenn jetzt in Osteuropa wieder eine sogenannte Alija einsetzt und sich im Westen dieser Alia Alenschen genug anschließen, um kraft ihrer Ueberzeugungstreue^ kraft ihres Gemeinschaftsgefühles und ihres Organisationstalentes mit dafür zu sorgen, daß diese Alija keine „Alija der Einzelnen" bleibt, daß die neue Flut, wenn' von einer solchen geredet werden darf, nicht wieder nach rechts und links in den großen Strom des Zionismus oder in das plätschernde Bächlein des Misrachismus abfließt, sondern daß für uns, für unsere Menschen, für unsere Sache, für u n - s e r e Kinder, für unseren Boden,, für unsere Z uk u n f t was dabei herauskommt, dann heil und wohl uns! Das Beispiel von Tel-Awiw sollte uns eine dringende Warnung sein. Tel-Awiw in seiner heutigen Blüte und Größe ist ein Produkt der v i e r t e n Alija, wurde vom vielverschrieenen und in seiner Produktivität vielverkanntcn Mittelstand in „Dschika" und „Ralewki" aufgebaut. Die Stadt ist heute noch zu gut 70 proz. von schlichten, frommen Juden bevölkert, die für sich allein, d. h. für ihre -religiösen Lebensmöglichkeiten bestens gesorgt haben. Aber diese siebzig Prozent bedeuten nicht etwa, daß Tel-Awiw siebzigprozentig jüdisch wäre. Die Stadt ist hundertprozentig hebräisch, aber als Ganzes, als Gemeinwesen, kaum zu 6—7 proz. jüdisch, was sich in der Zusammensetzung der „ I r i j a " (im Stadtrate vertritt unter 14 Abgeordneten nur ein einziger die gesetzestreuen Belange in misrachistifchem Sinne), im ganzen öffentlichen Leben, in der Vertretung nach außen, im städtischen Schulwesen, im Gesichte, das die Stadt bei den häufigen Festanlästen trägt, ausdrückt. Das kommt daher, weil die einfachen frommen Menschen der vierten Alija keinen Anschluß, der Kräftezustrom kein Sammelbecken im Lande gefunden hat, um den neugeschaffenen Boden entscheidend zu befruchten und dem neuen Gemeinwesen das Gesicht zu geben; es kam mit einem Worte daher, weil wir uns um die Menschen und die Dinge nicht genügend kümmern konnten und die siebzig Prozent eine „Masse von Einzelnen" bleiben ließen, ohne Gemeinschaftsgefühl, ohne Massenwillen. Cs kamen die anderen mit ihrer Organisation, mit den Machtmitteln, die sie sich selber anmaßten und die ihnen eine „Majorität der Einzelnen und Minderheiten" nicht aus der Hand winden konnte, und traten das verlassene Erbe an, legten ihre Hand über eine Domäne, die ureigentlich uns gehört und ein Bollwerk, ja das Zentrum des neuen gesetzestreuen Palästina hätte werden können. Wünscht Herr Dr. keit zusammensinden zum Schutze und zur Verteidigung der Fahne, die sie doch alle -in Ehren tragen und hüten wollen? Das ist der Ruf des Friedens, der in diesen Tagen wehmutsvoller Erinnerungen mit fflcufyt in die Herzen und Seelen derer eindringe, die es wissen und immer wieder verkünden: nbvm rri-rr naia p'wv rrapn nxö „Nicht fand der Heilige — gepriesen sei er — ein Gesäß voll des Segens wie den Frieden" ... p«a oiVe? ’nmv „Ich gebe Frieden im Lande." Das ist eine der vielen Verheißungen für Israel, das treu zu G'tt und seiner Lehre hält und in der gewissenhaften Erfüllung der ihm gewordenen Aufgabe seines Daseins Zweck und Ziel sucht. Dieser Verheißung schließt sich jene andere an: va'anrr nrr Dnsrw. „Ihr verfolgt eure Feinde" — wa rwnn eaa is-n-, „Fünf von euch werden hundert nachjagen" — und da irrt Kampfe für das Gute und Wahre Kraft erzeugt und potenziert, naan va» nrrvi isan' „werden hundert von euch zehntausend verfolgen." Der innere Frieden verbürgt siegreiches Ueberwinden und Ruhe nach außen. Je mehr wir auf dem Boden unseres Judentums stehend, in seiner Erfüllung unsere gemeinsame uns in Harmonie und Eintracht verbindende Aufgabe sehen, desto mehr darf unsere Zuversicht wachsen, daß unsere Gebete, in denen wir nach G'tt unserem Erlöser rufen, nicht vergeblich verhallen. Das ganze tiefe Weh unserer Mutter Israel über die vielen vielen, die einst in diesen Wochen dem Fanatismus grausamer Verfolger erbarmungslos zum Opfer fielen, zittert in dem Gebetsworte nach: mon aip' „Wann wird neu erklingen der Erlösungsruf der Freiheit?" Tröstend, erhebend und stärkend tönt uns da die Antwort voll Zuversicht entgegen: ivrr rn rra' na 'a saeu ism ti^ nnsr 'i>'nin „Harre. Arme, entgegen dem Hort, der geschworen, daß wiederkommen wird der Freund, der von dir gegangen!"

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