Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1932)
- Date
- 1932-05-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 6 Ich schlage vor, das; sämtliche Iugendgruppen an sämtliche Mitglieder ein Rundschreiben richten, in dem aus die Bedeutung der Agudas Iisroel hingewiesen wird und in dem die Mitglieder in eindrucksvollen Worten zu tätiger Mitarbeit ausgeforderl werden. Der Vorstand der Iugendgruppe, von dem angenommen werden kann, daß er in den meisten Fällen die Mitglieder kennt, bat dann als zweites, auf Grund verschiedener Erwägungen bezüglich des Alters, der Reife und der Gesinnung, seine Mitglieder in verschiedene Agudistengruppen einzuteilen. Jede dieser Agudistengruppen bat auf alle Fälle einen technische n Leiter ans ihrer Mitte zu wählen und kann für sich auch einen geistigen Führer bestimmen, dessen Ernennung der Vorstand zustimmen muß. Zweck der Gruppe ist es, an bestimmten Abenden r e g e l m ä ß i g zur Besprechung agudistischec oedr auch sonstiger jüdischer Probleme und . Tagesfragen zusammen zu kommen. Ueber den verlauf eines solchen Abends ist jedesmal ein kleiner Bericht zu verfassen, der dem Vorstande ausgehändigt wird. Das Arbeitsgebiet bleibt jeder einzelnen Gruppe selbst überlassen, nur muß der Vorstand mit dem gewählten Stoff einverstanden sein. Die Mitglieder einer Gruppe sollen einander persönlich nahe kommen und zu gegenseitiger Hilfsbereitschaft in Rat und Tat jederzeit bereit sein. Jede Gruppe muß es sich zur besonderen Ehre machen, bei Sammelaktionen und dergl. ihr Bestes zu leisten und außerdem darauf bedacht zu sein, den agudistischen Gedanken zu popularisieren und neue Mitglieder zu werben. Mitglieder, die das 16. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, können in einer Agudistengruppe keine Aufnahme finden, sondern müssen den S ch ü l e r g r u p p e n zugcwiesen werden. Der Vorstand hat dafür Sorge zu tragen, daß jedes Mitglied einer Agudistengruppe (bezw. einer Schülergruppc) angehört und hat mit jedem Mitglied, das sich dazu weigert, besonders zu verhandeln. Richt eine Parteidiktatur soll damit bezweckt werden, sondern eine Erziehung der Mitglieder zu festen, aktiven Agudisten. Alle paar Wochen haben gcößeceagudistische Vera n st a l t u n g e n staitzufind'en, die die Mitglieder der verschiedenen Agudistengruppen einander zusammcnsühren. Ueber die Art der Veranstaltungen haben sich jedesmal die Vertreter der Agudistengruppen mit dem Vorstände gemeinsam zu beraten. Mindestens einmal im Jahr haben sich die Vorstandsmitglieder der verschiedenen Iugenögruppen zu einer v o r st a n d s t a g u n g zu treffen, um Vorschläge und Anregungen auszutauschen, über Erreichtes bezw. Richierreichtes zu sprechen und Pläne für solche Ausgaben auszuarbeiten, die g e m e i n s a m erfüllt werden müssen. Zuin letzteren Punkt gehört ]. die Errichtung von agudistischen Ferienheimen, in denen nicht nur Schüler, sondern auch die Mitglieder der Agudistengruppen körperliche und seelische Erholung finden sollen und 2. die Herausgabe einer agudistischen Zeitschrift. Unbedingt erforderlich ist -8, daß in jeder Gruppe ein wahrhaft agudistisch-jüdischer Geist herrscht. Dazu ist nötig, daß jedes Mitglied von einer hundertprozentig jüdischen Einstellung zu den verschiedenen' geistigen und politischen Zeitströmungen erfüllt ist, und auch in bezug auf die Stellungnahme zu den brennenden jüdischen Zeitproblemen, wie Zionismus, Misrachismus, Austritt, Einheit des Judentums, Erez Iisroel, völlig aguöistisch denkt. Ich bin fest davon überzeugt, daß auf diese Weise die agudistische Sache einmal mehr Schwung bekommen könnte und man es erreichen würde, die gesamte orthodoxe Jugend mit der Zeit zu einer starken aguöistischen Einheitsfront zu organisieren. Ich appelliere daher an sämtliche Iugendgruppen, mit frischer Kraft an die Arbeit zu gehen, um den von mir kurz gezeichneten plan, dessen Verwirklichung völlig im Bereiche des Möglichen liegt, in die Tat umzuf e tz e n. Im Rebrigen glaube ich, daß die verehr!. Schriftleitung der „Blätter" gerne bereit sein wird, ihre Spalten für eine sachliche Stellungnahme zu diesen meinen Ausführungen — wenn das nötig sein sollte — seitens anderer Agudisten, zu öffnen. Der Zsraetil Blätter Landeskonferenz der agudistischen Zugend Transsylvaniens. In den Tagen vom 4. und S. Rissan fand in Oberwischau, Komitat Maramures, die erste Landeskonferenz der in der „Zeire Agudas Iisroel"- . Organisation zusammengefaßten orthodoxen Jugend Transsilvaniens statt. Den Vorsitz führte der bekannte Oberrabbiner Mendel Hager von Oberwischau, Sohn des Wischnitzer Rabbi, der sich der orthodoxen Jugendbewegung in Siebenbürgen von vornherein mit, großer Energie angenommen hat. Unter den zahlreichen Delegierten und Gästen sah nran den bekannten Borschaec Raw und Vorkämpfer der agudistischen Sache, Oberrabbiner Alter Hager, sowie zahlreiche Vertreter der orthodoxen Presse. Oberrabbiner Hager erösfnete die Konferenz mit einer Rede» in der ec die Aufgaben der Tagung in zündenden Worten besprach und ihr einen gesegneten Verlauf wünschte. Alsdann sprach Oberrabbiner 2l!ter Hager aus Borschau, indem er die Jugend mahnte, trotz aller Schwierigkeit den Kampf für die orthodoxe Sache fortzusetzen. Seine innigen Worte machten besonders tiefen Cindru.t auf die Versammlung. Rach Begrüßungsansprachen der verschiedenen Lokal-Organisationen sowie des Präsidenten der zeitweiligen Zentrale, Herrn M Heller -Sighet, kam es zu einem Zwischenfall infolge heftiger Ruhestörungen durch agudofeindliche Elemente. Ihnen trat Oberrabbiner Ri. Hager aufs schärfste entgegenindem er die Ruhestörer aus der Versammlung ausschloß. In der am Abend beginnenden ersten Arbeitssitzung wurde mitgeteilt, daß um die gleiche Zeit auch das erste Jugendtreffen der o st s l o w a k i - s ch e n Gesinnungsgenossen stattfanö. An erster Stelle wurde das Problein der Stärkung des Th orale rn'ens in den Gruppen behandelt. Es wurde u. a. beschlossen, die Zahl der Dafjaumi-Kurse zu vermehren, sowie den Gruppen allgemein die Verpflichtung zur Einführung von Mussarschiurim aufzuerlegen. Die Versammlung brachte dem ehrwürdigen Leiter warme Sympathie und Dankbarkeit zum Ausdruck und ernannte ihn zum Ehrenpräsidenten der transsylvanischen Agudo-Iugendorganisation. Es folgte eine Diskussion über organisatorische Fragen, insbesondere über das Domizil der Jentralkanzlei. Mti überwiegender Mehrheit wählte man Sighet als Sitz der Zentrale. Ins Präsidium wurden die Herren Meier Hager, M. Heller, Rabbi Salamon Heller und Leibifch Ber H a l p e r t - Lorscha gewählt. Zu den Thinüch-Fragen gibt Herr Eh. M. Kahana aus Unterwischau ein glänzendes Referat. Cr trat für das in den Iugendgruppen Westeuropas übliche Tauroh in Derech Erez-Prinzip ein und verlangte die Einrichtung von Kursen für Tnach- Iomi, jüdische Geschichte und Mussar. Rach dreistündiger lebhafter Debatte wurden seine Vorschläge angenommen. Rach einer Diskussion über Statutenfrage referierte Herr S l o m o w i tz <aus Sighet zum S a b b a t p r o b l e m. Er verlangte die Errichtung eines Arbeitsvermittlungsbüro für die Schomrc Schabbos. Konfcrenzsekretär Sal. Moses sprach über poale Agudas Iisroel und orthodoxe Presse. Besonderen Beifall löste das Erez Iisroel- Referat des Herrn 2l. I. W e g h aus pojana aus. Cr schilderte die Entwicklung der Erez Iisroel-Politik der Agudas Iisroel in den letzten Jahren und ihre Leistungen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete im heiligen Lande. Eine weitere Reihe für die Organisation besonders wichtiger Fragen wurde diskutiert und die Gründung eines Zeire 2lgudas Iisroel-Organs sowie Bestellung eines Instruktors zum ständigen Besuch und zur ständigen Beratung der Gruppen. Die Konferenz beschloß ferner die Einberufung eines allrumänischen Zeire 2lgudas Iisroel-Kongresses für die nächste Zeit. Weitere Resolutionen galten Limuö-Hathora, Schmiras-Schabbos, Beth Jacob, Keren Hathora, Keren Hajischuw, sowie der Aulim-Frage. Montag 2lbend wurde die Konferenz geschlossen. Cs fand alsdann zu Ehren der Delegierten im Hause des Oberrabbiners ein feierliches Bankett statt, dem die angesebensten Vaalebatim und 19. Mai 1932 Ealnüde Ehachomim der Stadt beiwohnten. Cs sprachen Chefredakteur p. Sonnenschein -Eernauti, Delegierter M i ch a l o v i tz - Klaufenburg, Konferenzsekretär Moses -vifcho. Das neugewählte Präsidium dankte für das ihm entgegengebrachte vertrauen und versprach die Organisationsgeschäfte mit verdoppelter Energie zu leiten. Die Schlußrede hielt wiederum Oberrabbiner Hager, der, selber auf tiefste gerührt, seiner innigen Freude Ausdruck gab über den Geist echten Arbeitswillens im Dienste G'ttes und seiner Thora, wie er in der ganzen Konferenz sich gezeigt habe. Die Begeisterung war unbeschreiblich. Unter den Klängen des ixapn gingen die Konferenzteilnehmer in gehobener Stimmung auseinander. Dienstag vormittag tagte der neugewählte Zentralrat im Lokale der Zeire Agudo. Es wurde zur Sicherung der finanziellen Basis der neugewählten Zentrale die Gründung eines Propaganda-Fonds^ die Unterstützung der Tomche-Icschiwo-Aktion sowie die Zusammenfassung chassidischer Juden in Marmarosch zur Ansiedlung in Erez Iisroel beschlossen. Am Rachmittag fand die Feier der Grundsteinlegung des bereits längst geplanten Internats und Ieschiwo-Heims für die Ieschiwo unter Leitung von Oberrabbiner Hager statt. Die Zusammenkunft der Aguda- Zugend in der Ostslowakei. Die prcsover Expositur der Agudas Iisroel-Iugendorganisation in der Slowakei hatte für den 2. Tag des Eholhamoed Pessach nach Michalovce eine Zusammenkunft der ostslowakifchen Aguöajugenö einberufen. Diese Tagung brachte den organisatorischen Bestrebungen der Aguda einen sehr beachtenswerten Erfolg. Cs war dies die erste Tagung dieser Art in der Ostslowakei, an der auch Vertreter der orthodoxen Jugend aus den Gemeinden des Podskarpatska Rus teilnahmen. Die Bedeutung einer solchen Versammlung als ersten ernsten Schritt der orthodoxen Jugend in der Ostslowakei zur Selbsthilfe in den ihr drohenden geistigen und moralischen Gefahren begriffen nicht nur die Kreise der orthodoxen Jugend selbst, sondern auch — und vielleicht noch klarer als die ersteren — die grundsätzlichen Gegner jeder Stärkung des gesetzestreu-religiösen Selbstbewußtseins bei der orthodoxen Jugend im Sinne der Aguda, nämlich die Zionisten aller Schattierungen, die bisher die jüdische Jugend der Ostslowakei fast ohne Widerstand in ihre Retze ziehen dursten. Sie wissen ans den Erfahrungen ihrer Gesinnungsgenossen in anderen Gegenden der Slowakei, daß die gutgeleitete Agudajugend sich allerorten gegen die Verlockungen der zionistischen Agitatoren als immun erweist und daß ihre zielbewußt organisierten Gruppen sich überall als Bollwerk für min und h nXT bewähren. Deshalb setzten die Iungzionistcn von Michalovce i hre ganze Wildheit ein, um die Verhandlungen und Beratungen der Agudajugend zu stören und die Versammlung zu sprengen. Daß ihnen dies nach anfänglichen Erfolgen schließlich doch nicht gelang, ist ein Beweis für die Besonnenheit der Versammlungsleitung und die gediegene Zielstrebigkeit der versammelten orthodoxen jungen Menschen. Die Reise zum Versammlungsort spielte sich im Zeichen freudiger Begeisterung ab. An allen Orten schlossen sich neue jugendliche Vertreter den Reisenden an. Während der ganzen Fahrt jubelte die Reisegesellschaft im Vorgefühl dessen, was da kommen solle, man sang agudistische Lieder, diskutierte über jüdische Fragen und sagte sich „Thorawörtchen".' In Michalovce erwartete vor der Talmud-Thora-Schule, wo die Tagung stattfand, eine dichte Menge von Baalebatim und Jugendlichen die Ankommenden mit freundlichen Zurufen. Der Beratungssaal war bei der Eröffnung der Versammlung mit Delegierten überfüllt. Delegierte waren aus den Gemeinden Michalovce, Kosicc, prefov, Vranov, Stropkov, Sebes, Secovce, Trebisov, Humenne, Hanusovce, Uzhorod und anderen Orten anwesend. Mehrere Gruppen aus poökarpatska Rus gaben brieflich ihrem Wunsche 2lusdruck, bald in die Agudaorganisation eingeschaltet zu werden. Aus einigen noch unorganisierten Orten kamen