Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 21 (19.5.1932)
- Date
- 1932-05-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Blätter Nr. 6 Seite 3 19. Mai 1932 Vertreter mehrerer Gruppen mit differenzierten Vorschlägen und Wünschen. Die Versammlung wurde mit den Legrüßungsworten des Herrn El. $ r i e 8 m a n n namens der ülicbalouccr eröffnet. Herr A. Lefkowitfch (prefov) begrüßte die Erschienenen im Namen der ostslowakischcn Iugenöexpositur und dankte der Wichalovcer Gemeinde für die Ueberlassung des Beratungssaales und dem Versammlungskomitee für die sorgfältigen Vorbereitungen. In das Präsidium wurden die Herren Sam Langer (presov), David Lissauer (Mchalovce), Friedmann (Rzhorod), El. F r e ilich (Rosice), Thaler (Stropkov), A. I. Licht (presov) unter Heranziehung der Herren G e l l i s (Uzhorod), Katz (Trebisov) und G r ü n f e l d (Wichalovce) gewühlt. Nach verlesen der zahlreich angelangten Legrüßungsbriefe und Telegramme hälr zunächst Herr David L i f f a u e r (Mchalovce) fein vorzüglich ausgearbeitets und gründlich durchdachtes, mit großer Begeisterung ausgenommenes, Referat über „Die Notwendigkeit der Agudas Iisroel in der Ostslowakei". Difees auch rednerisch meisterhafte Referat enthusiasmierte alle Anwesenden derart, daß die Anwesenden wie ein Wann sich von ihren Sitzen erhoben und cs stehend, mit Beifallskundgebungen unterbrechend, anhörten. Die nachfolgende Rede des Herrn Samuel Langer (presov), die sich in ausgezeichneter Gründlichkeit mit den Grundprinzipien beschäftigte und auch die Stellung der Aguda zu den zionistischen Widersachern der orthodoxen Auffassung über Juden, Judentum und Erez Iisroel streng sachlich, aber schonungslos richtig und wahrheitsgemäß berührte, benützten die in den Saal eingedrungenen Zionisten zur Inszenierung eines so furchtbaren Tumultes, wie man ihn in Agudcwersammlungen noch nicht erlebt hat. Eine Gruppe von zionistischen „Schomrim" stieg auf Kommando durch die Fenster in den Saal und fiel mit Tätlichkeiten über die Versammelten her und wollte sie auseinandcrtreiben. Polizei mußte den Bedrängten zu Hilfe kommen und die zionistischen Rowdies aus dem Saale weisen, damit die Beratung würdig zu Ende geführt werden konnte. Der Zwischenfall hatte aber auch seine gute Wirkung, denn er zeigte deutlicher als alle Referate, wie weit es mit einer Jugend kommen kann, wenn sie zionistischen Schlagworten folgt. Nach Wiederherstellung der Ordnung bereitete die Versammlung Herrn Langer begeisterte Ovationen für seine klaren Worte. Herr Licht hielt darauf ein kurzes übersichtliches Referat über Erziehung. Zur Abwicklung des gesamten weiteren programmes der Tagung blieb aber keine Zeit mehr übrig. 2ln Stelle der noch vorgesehenen Referate über einzelne 2lrbeitsgebiete setzte eine sehr eingehende und lebhafte Debatte über die Organisierung der Iugendgruppen in den einzelnen Gemeinden ein. Cs wurden sehr erbitterte Stimmen über die Vernachlässigung der orthodoxen Jugendpflege seitens der religiösen Führer laut und leidenschaftliche Forderungen gestellt,' das unmittelbare Interesse für die p"mn höher zu achten, als die Fragen der Disziplin und zur Rettung der orthodoxen Jugend auch dort Agudagruppen zu gründen, wo der Ortsrabbiner sich dieser Aufgabe entzieht. Zu entscheidenden Beschlüssen konnte man in solchen heiklen Fragen natürlich nicht gelangen. Nlan kam jedoch fast einstimmig dahin überein, daß jede Möglichkeit zur Gründung von Aguda-Iugcnögruppen schleunigst ausgenützt werden soll. Inzwischen wurde bekannt gegeben, daß die Rlichalovcer Iugendgruppe sich auf der Stelle konstituiert habe. Diese Mitteilung rief frenetischen Beifall hervor. Die Herren Ratz (Trebisov), Fried (Humenne), und Thaler (Stropkov) gaben bekannt, daß in ihren Orten die Gründung von Agudagruppen bevorstehe. Auch das lichtvolle Referat des Herrn Goldfinger (presov) über Erez Iisroel erntete rauschenden Beifall. Die Schlußrede hielt Herr Lefkowitfch (presov) mit herzlichen Dankesworten an die Michalovcer Gemeinöeleitung und an die um das Gelingen der Veranstaltung sehr verdienten Brüder Friedmann. 'Unter den feierlichen Tönen des Hikowzu-Liedes traten die Delegierten die Heimreise an, unter freundlichen Segenswünschen vieler neuer Freunde der Aguda in Michalovce. Aus der Bewegung. Breslau. In Breslau veranstaltet die Agudas Iisroel-Iugendgruppe unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. GoIdfchmidt seit zwei Jahren eine Arbeitsgemeinschaft über Hiob, in der das Buch Hiob gelernt wurde. Nach Beendigung dieses Zyklusses wurde ebenfalls im Winter mit Jesaja begonnen. Die Leitung liegt wieder in den bewährten Händen des Herrn Rabbiner Dr. Goldschmidt. Trotzdem die Veranstaltung ani Sonnabend vormittag zu einer Zeit liegt, in der es nicht leicht ist sich freizumachen, ist ein regelmäßiger großer Teilnehmerkreis vorhanden, der gern und regelmäßig diese Veranstaltung besucht, und so die Gelegenheit wahrnimmt, in eigner Arbeit unter sachkundiger Leitung den Tenach zu lernen. Bratislava. Vor kurzem veranstaltete die Vratislaoaer Agudas Jisroel-Jugendgruppe ln ihrem Heime eine „Versammlung der orthodoxen Jugend Bratislavas" mit dem Thema: „Was einigt uns?" Die Versammlung war die erste dieser Art in diesem Winter und erwies sich als ein außerordentlich guter Erfolg nach jeder Richtung hin. Der geräumige Versammlungssaal und die Zugänge zu ihm, waren gedrängt voll von jungen Menschen aus allen Gesellschaftsklassen und Berufszweigen. Erfreulicherweise war auch die Jeschiwah-Jugend, aus deren Reihen doch die zukünftigen Führer hervorgehen sollen, stark vertreten. Herr Max W e i s z , Präses der Iugendgruppe, begrüßte in seiner Eröffnungsrede die Erschienenen herzlich und zeichnete mit wenigen Worten die Umrisse des Themas, dem der Abend gewidmet war. Als erster Redner rief Herr Jakob Joel Braun in seinem Referate die gesamte orthodoxe Jugend Bratislavas, und namentlich jene, die sich im Kampfe um die Thoratreue des jüdischen Volkes unter den verschiedensten Ausflüchten und Vorwänden immer noch nicht in den Wehr¬ und Schutzreihen befinden, zur Pflichterfüllung auf. Ohne zielbewußtes, opferbereites Eintreten aller Glieder des orthodoxen Judentums für das, was seit Gründung des jüdischen Volkes ani Sinai allein als Judentum galt und hunderte Generationen hindurch bis in unsere Zeit hinein unbestritten als Lebensinhalt des gesamten jüdischen Volkes anerkannt war, könne es in unserer geistig aufgewühlten Gegenwart nach menschlichem Ermessen nicht gelingen, die ganze Wahrheit des Judentums in die Zukunft hinüberzuretten. Jedes Auskneifon vor dieser Pflicht gegenüber der Gesamtheit und der Zukunft habe bei genauer Prüfung der vorgegebenen Gründe seinen Ursprung und seine wahre Ursache in Lüge und Selbsttäuschung. Jungen Menschen wird aber eine solche Lüge verhängnisvoll und sollte ihnen zumindest unerträglich' sein. Geht es um den Geist der Gesamtheit, um die Lebensfrage üprr orr 'i v'.i) des „durch die Thora konstituierten jüdischen Volkes" — wie es im Agudaprogramm umschrieben wird —, so führte Gesinnungsschlaffheit und Lässigkeit, Refidim, das iftn,T> pwi, das jüdische Volk zu allen Zeiten der Gesamtgefahr des sm entgegen. Dagegen ermöglicht erst die Umkehr lomrm), die organisierte Entschlossenheit zur zielgerechten Tat Oo'vs’ia ’yo’i) im Geiste des Sinai die Gestaltung der wahren Volkseinheit des inn '«-)!?•> dw im Das gilt für die Gegenwart mehr denn für jede Zeit vor uns. Wer jung ist und dennoch nicht aktiv und positiv in den Reihen der Agudajugend steht, möge sich Rechenschaft darüber ablegen, ob er sich dadurch allein nicht schon gegen die Herbeiführung einer „Einigkeit", der einzigen im Sinne der Thora berechtigten Einigkeit, auflehnt. Mit den Einzelfragen der Erziehung der Jugend zur Thora beschäftigte sich in außerordentlich wirksamer Weise der nächste Redner, Herr Rabbiner Moses Blech aus Wien. In Anlehnung an zahlreiche Bibel- und Talmudstellen, die er geistreich deutete, stellte Redner die Folgen der thoragemäßen und der thorawidrigen Erziehung einander gegenüber und zeigte, weshalb Agudas Iisroel, als Wortführer des Klal Iisroel, auf dis Thoratreue der Jugend in erster Reihe Gewicht legt. Um dieses Ziel überhaupt erreichbar zu machen, wendet sich die Aguda an Eltern und Kinder zugleich und erwartet namentlich von der verständigen Jugend treue Gefolgschaft in ihrem Kampf für die Integrität der Thoraherrschaft in Israel. Rauschender Beifall lohnte dem Redner die treffenden Ausführungen. Der Vorsitzende, Herr Max Weiß, dankte den Rednern und schloß mit der Aufforderung an die Anwesenden zum Anschluß an die Jugendgruppe. Spontan meldeten zwanzig neue Mitglieder ihren Enitritt in die Iugendgruppe an, was angesichts der Tatsache, daß die Agudas Jisroel-Jugendgruppe ohnehin schon fast die gesamte orthodoxe Jugend Bratislavas umfaßt, auch äußerlich ein durchschlagender Erfolg ist. Kopenhagen. Vor kurzem hielt die hiesige Agudas Jisroel-Jugendgruppe ihre jährliche Generalversammlung ab. Die Hauptzüge im Bericht waren die gleichen wie im vorhergehenden Jahre, indem wieder eine lange Reihe von Vorträgen dargeboten wurde, hauptsächlich von den eigenen Mitgliedern in nachstehender Reihenfolge: Herr Julius Samson: „Die Schöpfung in moderner Beleuchtung". Herr Jos. Kahn: „Ueber jüdische Charaktereigenschaften". Herr Rabb. Dr. Winckler: „Der Wilnaer Gaon". Herr Marc. Schalimtzek: „Erlaubtes und Verbotenes" (Dinim in populärer Form). Herr N. Knöpfelmacher: „Chafam Sofer. Herr Herbert Bachrach: „Die Bedeutung der hebräischen Sprache". Herr I. Sampolinsky: „Religion und Sozialismus". Herr Jac. Kahn: „Die Geschichte des jüdischen Volkes in Erez Iisroel". Herr B. Bermann: „Die Familie Rothschild". Herr R. Knöpfelmacher: „Rabbenu Gerschon". Herr Elias Kahn: Vorlesung jüdischer Literatur. Herr Marc. Schalimtzek: „Im Reiche der Chasareil". Herr Herbert Bachrach: „Die gegenwärtige Lage der Juden mit besonderem Bezug auf Deutschland". Herr Jac. Kahn: „Jüdische Statistik". Herr Jul. Samson: „Die Aulim-Bewegung". Frl. S. Sterling: Palästina-Aortrag mit Lichtbildern. Frl. S. Torontzyk: „Das Arbeitsgebiet der Judenmission". — Die Schiurim des Vereins sind von den weiblichen Mitgliedern am besten besucht worden, wogegen der Besuch der jungen Männer in manchen Fällen leider etwas versagt hat. Unter allen Umständen haben die interessierten Damen und Herren eine große und selbstlose Arbeit geleistet, besonders dürfen hervorgehoben werden Frau Rabb. Dr. Winckler, Frl. S. Staropolsti, Herr Knöpfelmacher und Herr M. Schalimtzek. — Im vorigen Sommer hatte der Verein einen wöchentlichen S' u d a s S ch ' l i s ch i s eingerichtet, woran sich ein Mischnajis- Schiur anknüpfte. Das Arrangement hatte guten Erfolg und wird wahrscheinlich in diesem Jahr wieder eingeführt. — Das Festkomitee berichtet von einigen gut verlaufenen Festabenden, einem Schachabend undmehreren Ausflügen. — Das Sozialkomitee teilt mit, daß man in einem speziellen Fall ein Schiwo-Minjan bei einem Owel außerhalb der Stadtgrenze arrangiert habe, in einem anderen Fall hätte man einen Betrag von ca. Kr. 250.— herbeigeschafft, um den verlängerten Aufenthalt eines jüdischen jungen Mannes aus Polen im Finfen-Jnftitut zu ermöglichen. Man hätte in mehreren Fällen durch Sammlungen helfend eingegriffen, Krankenbesuche vorgenommen, Krankenpflege, Medizin und Essen verschasst und in Ausnahmefällen, wvn die Hausfrau krank war und von anderer Hilfe abfehen mußte, unentgeltliche Hausarbeit geleistet. Ferner wurde vor Peffach eine kleinere Sammlung veranstaltet zum Einkauf von Mehl nach Rußland. — Bei den Wahlen wurde ein neuer Vorstand,gewählt, bestehend aus den Damen: Frl. Sara Toronczyk und Olga Pundik und den Herren: Marc. Schalimtzek, Julius Samson, Jac. Kahn. — Die Wintersaison wurde mit einem Purimfest abgeschlossen. Lodz. Eine Konferenz vereinigte fünfzig Beth Jaakow-Lehrerinnen, allesamt Lodzer Kinder, die in verschiedenen Gegenden Polens wirken und die Festtage in der Heimat verlebten. An der Konferenz beteiligten sich auch mehrere Pädagogen, sowie Herr A. I. Friedensohn, der Redakteur des Beth Jaakow-Journal. Er sowohl wie Herr Direktor Moses Berliner hielten Refe ’iu die sich ausgiebige Diskussion anknüpften. Von solutionen und Beschlüssen seien folgende kurz i'.mümr. Von bis über den Monat Siwan hinaus ioli in Polen das Jubiläum der Beth Jaakow-Beweguuc gefeiert werden. Eine Jubiläumsfeftschrift soll vor? .rillet werden. Die Krakauer Zentrale wird gebeten, eine allpolnische Lehrerinnenkonferenz einzuberufen. — Zur gleichen Zeit fand auch eine orthodoxe Erziehungskonferenz statt, auf der ernste Pädagogen über die Lage der Schulen und Chedarim berieten. Die B e n 0 t h - A g u d a s Israel in Verbindung mit dem neu gegründeten Verband „Jehudith" gehen an die Errichtung der ersten orthodoxen ,S ommerk 0 l 0 n i e für Schulmädchen in Lodz heran. Mit Rücksicht auf die Verarmung vieler Familien und die schlechten Wohnverhältnisse ist diese Institution gerade für Lodz eine Lebensnotwendigkeit. Jerusalem. Die Oberleitung der dein Schulwerk der Agudas Iisroel ungehörigen Mädchenschulen in Jerusalem hat Frau Oberrabbiner Sonnenfeld in dankenswerter Weise ehrenamtlich übernommen. Petach Tikwa. Am 11. April fanden die Prüfungen in der Agudäschule „Scheerith Israel" statt, die glänzende Resultate über den Fortschritt der Kinder in allen jüdischen und profanen Fächern zeigten. Die Schülerzahl hat sich in den letzteil Jahren außerordentlich verniehrt und umfaßt heute 20 Proz. der gesamten Schüler der Kolonie. — Unter Leitung der Lehrerschaft besuchten die Kinder die Levante-Ausstellung in Tel-Awiw, wo sie durch die einzelnen Pavillons geführt wurden. Reue Ere; Zisroel-Reise. Von der Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel wird uns geschrieben: Der außerordentlich gute Verlauf unserer Gesellschaftsreise hat vielfach den Wunsch veranlaßt, daß in diesem Jahre noch eine zweite Gesellschaftsreise veranstaltet wird. Als Termin ist Anfang Juli vorgesehen. Um einen Ueberblick über die Beteiligung gewinnen zu können, werden Jilteressenten ersucht, sich baldmöglichst an die Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel, Frankfurt a. M., Hanauerlandftr. 15, zu wenden, von wo aus nähere Jnforinationen erteilt werden. Derlen-Fürsorge. Wir sind in der Lage, sofort zwanzig bis dreißig jüdische ledige Erwerbslose bei jüdischen Bauern zwecks Ausbildung in der Landwirtschaft unterzubringen. Ausbildungszeit etwa zwei bis drei Jahre. Gesunde, junge A g u d i st e n können sich dieserhalb umgehend auf dem Wege über die Orts- und Jugendgruppen an uns oder an unseren Dezernenten für Siedlungswesen, Herrn Dr. Nathan Birnbaum, Berlin-Charlottenburg 4, Sybelstr. 35, wenden. Die Einstellung erfolgt evtl, schon per 1. Juni. Soziale Kommission der Agudas Iisroel: Wolf S. Jacobson. Berlin N. W. 87, Wullenweberstraße 3 — Heinemann, Fürth i. B., Marienstraße 4