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Der Israelit · 1932-05-19 · Heft 21 (19.5.1932) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 21 (19.5.1932)
Date
1932-05-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 21 $! Der Israelit 19. Mai 1932 England. Reine Steuerfreiheit für den Nationalfond. London, 12. Mai. Zu der Ablehnung der beantragten Steuerfreiheit für die Sammelgelder des N. F. durch das Oberhaus-Gericht wird noch mitgeteilt: Nach Verkündung des Urteils gab Lord Tomlin, der frühere Oberstrichter, als Vorsitzender eine Begründung des abweisenden Entscheids. In detaillierter Form legte er Gründung und Ziele des mit der Zionistischen Bewegung verbundenen Nationalfonds dar. Aus den Statuten sei zu ersehen, daß es das Ziel sei, Böden, Wälder und andere Besitzrechte durch Kauf, Pacht, Tausch usw. zu erwerben und aus ihnen Juden anzusiedeln. Weitere Ziele sind die Aufführung von Arbeiten öffentlichen Interesses, Bergbau u. ä. m. Das Gebiet, das die Gesellschaft laut ihrem Statut in den Bereich ihrer Arbeit ziehen will, ist weit größer als das Gelobte Land, auf das die Genesis verweist; es umfaßt außer Palästina auch Syrien und andere Teile Asiens. Seitens des Anwalts wurde ins Treffen geführt, daß viele biblische Gebote nur im Gelobten Lande erfüllt werden könnten und daß die Rückkehr ins Gelobte Land ein Kernstück der jüdischen Religion sei. Dies akzeptiert das Gericht durchaus. Es rechtfertigt aber noch immer nicht den Anspruch auf Befreiung von Einkommensteuer, denn es ist nicht das Ziel der Gesellschaft, etwas zu tun, was an sich religiös sei. Wie die ITA. erfährt, ist der Jüdische Nationalfonds entschlossen, sein Statut in einer Weise abzuändern, daß er in Zukunft vor ähnlichen Schwierigkeiten bewahrt werde. Norman Bentwich bleibt in London, um die Statutenänderung durchzuführen. Außer der Tragung der Kosten des Verfahrens erwachsen dem Jüdischen Nationalfonds durch das Urteil keine weiteren Verluste. Der Nationalfonds war bestrebt, durch Herbeiführung eines Urteils des Houfe of Lords einen prinzipiellen Entscheid zu bekommen, um sein Statut gemäß diesem Entscheid gestalten zu können. Personalien. Hamburg, Z. Mai Am 3. Mai ist nach kurzem schweren Leiden Herr Julius A. Möller aus Altona, 56 Jahre alt, in seinem Geburtsort und Wirkungskreis Altona beigesetzt worden. Er war der Sproß einer berühmten Familie, der die Tradition seiner Väter mit Inbrunst ergriff und zur entschiedenen Richtschnur seines Lebens machte. Für sie zu wirken in Haus und Gemeinde, in Beruf und Oeffentlichkeit, war ihm tiefstes inneres Verlangen. Zu den Strengstreligiöfen Deutschlands zählte er, er ließ am hergebrachten Erbgut keinen Deut abstreichen und verkürzen. Jeder Minhag war ihm heilig, jeder Nigun ihm ans Herz gewachsen, jede orthodoxe Vereinigung ihm bedeutsam. Galt es eine Mizwoh zu erfüllen, so wurde sie voll Hiddur, voll Schönheit und Würde, in herrlichstem Gewände von ihm geübt. In der Heimatstadt wie auf der Reise war ihm kein Opfer zu schwer für seine Treue gegen G'tt und sein Gesetz, für feine Gewissenhaftigkeit im Gebet und Fasttag, in seinem Eifer für Sabbat und die Feste. Immer suchte er sein Taurohwissen zu vertiefen und zu erweitern und das Band mit den Lehrern seiner Jugend blieb unzerreißbar durch die Jahrzehnte hin. Im Geiste der min erzog er auch seine Kinder.; Als Seniorchef der Tabakfirma A. I: Möller gab er vielen Angestellten und Reisenden Gelegenheit zunnwv nav. Im Altonaer Gemeindeleben betätigte er sich in den verschiedenen Kommissionen der Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtsbestrebungen und war besonders als Vorsitzender der Synagogenkommission bedacht, die Würde, das Ansehen und die Tradition der altehrwürdigen Altonaer großen Synagoge zu. wahren. maLin- Stuttgart, 16. Mai. Durch den plötzlichen, nach kurzer Krankheit erfolgten Heimgang von Emanuel A g u l n i k ist die Israelitische Religionsgesellschaft in große Trauer versetzt worden. Ein nun echt litauischer Art, ist mit ihm dahingegangen, dessen nunn npvm nanrr, bewunderns.- wert waren. Von seinen frommen Eltern nunn »aaa Vsr nrruni erzogen, kam er nach langjährigem Besuch von Jeschiwaus, in denen feine außergewöhnliche Begabung geschätzt wurde, in jungen Jahren nach Deutschland. Hier bekleidete er in verschiedenen Gemeinden das Amt eines Lehrers und Schauchet. Als pflichttreuer und von Liebe zu seinem heiligen Beruf erfüllter Beamter wurde er von seinen Gemeinden hochvererht und geachtet. Er war ein nixna pnpaa, und in diesem Sinne wurde auch feine Restauration geführt. Bon Kreuznach, wo man bei ihm bei einwandfreiem Kaschrus unbesorgt Wochen der Erholung verbringen tonnte, tarn er vor einigen Jahren nach Stuttgart. Er wurde bald ein geachtetes Mitglied der Religionsgesellschaft, das sich durch sein freundliches, heiteres, stets hilfsbereites Wesen die Sympathien Aller erwarb. Junge Menschen scharten sich um ihn, die lernbegierig aus seinem nmn i>v v"n mp»' schöpfen wollten. Die Beschäftigung mit dem Lernen und die Anerkennung seiner Schüler gewährten ihm höchste Befriedigung. Als wahrhafter Jehudi hat er gelebt. DiesesSewußtsein möge' der gleichgesinnten Gattin und den in seinen Wegen wandelnden Kindern tröstend zur Seite stehen. Am . Grabe würdigte Herr Rabb. Dr. Bamberger in ehrenden Worten die Persönlichkeit des Verstorbenen, dessen Tod eine unersetzliche Lücke hinterlassen hat. Er dankte ihm für die wertvollen Dienste, die er der Religionsgesellschaft geleistet hat und die ihm ein bleibendes Andenken für alle Zeiten sichern. rraxan* Neckarbifchofsheim (Baden), 8. Mai. Am 5. Mai vollendete unser Spin bva, Herr David Jakobsohn, in vollster Rüstigkeit sein 70. Lebensjahr. Von vielen Seiten wurden ihm wohlverdiente Ehrungen zuteil. Am nav würdigte in herzlicher Ansprache der ons unserer kleinen ni>np, Herr S. Jeselsohn, die stille und doch so wertvolle Mitarbeit des 70jährigen im Dienste an der Gemeinde und an ihrer Erhaltung. Das Bezirksrabbinat hatte in ehrenden Worten schriftlich gratuliert, und der Oberrat der Israeliten hatte Herrn Jakobsohn, der auch dem Synagogenrat der Gemeinde angehört, die Ehrenurkunde der Israelitischen Religionsgemeinschaft Badens übermittelt. Möge der so Geehrte, der tagtäglich und unermüdlich seinem Berufe nachgeht, noch recht lange begnadet sein, am a"’ als zu und als spin i>?a wirken zu dürfen. ANNONCEN-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURTA. M. JETZT OSTENDSTR. 83 vermischtes. Berlin, 8. Mai. Das Hauptorgan der Deutschen Sozialdemokratie, „Vorwärts", bringt den folgenden Bericht aus Hannover: „Die hannoversche Justiz ist ein Kapitel für sich . . . Kürzlich hat ein Gericht in der Provinz Hannover einen Redakteur freigesprochen, der dem Oberpräsidenten Noske in verleumderischer Weise nachgesagt hatte, er habe als Reichswehrminister Reichsgelder an Deserteure verschleudert. Der Freispruch erfolgte,, obwohl das Gegenteil richtig ist. Hoch aber klingt das Lied vom braven Richter, der weiß, was er zu tun hat, wenn es sich um einen Nazi handelt. So erhielt ein j ü d i scher Viehhändler aus Gronau drei Monate Gefängnis / weil er einem üblen Nazihetzer, einem Schlächterobermeister, der demnächst auch den Preußischen Landtag zieren soll, aus das tödlichste dadurch beleidigte, indem er von ihm sagte, wenn er, Schmidt, Nationalsozialist sei, dann solle er erst seine Schulden, die er bei Juden habe, begleichen." Mannheim, 17. Mai. Vom „Verein zur Wahrung" in Manheim wird uns geschrieben: Der Verein ist im Besitz einer größeren Anzahl von Exemplaren der 1898 erschienenen biographischen Schrift: L. Löwenstein, Nathanael Weil, Oberlandrabbiner in Karlsruhe. — Interessenten können gegen Voreinsendung des Portos (15 Pfg.) die Schrift kostenlos beziehen. (Geschäftsstelle des „Vereins zur Währung": Mannheim, Akademiestr. 3.) Nürnberg. 8. Mai. Die Generalversammlung des Vereins für das Jüdische Kinderheim in Kis i n g e n fand am 3. April in Nürnberg statt. Aus dem Jahresbericht des 1. Vorsitzenden, Herrn Sanitätsrat Dr. Münz, Bad Kissingen, geht hervor, daß das äbgelau- 'ene Betriebsjahr 1931 ein Spiegelbild der rastlosen, zielbewußten und segensreichen Arbeit im Dienste für die armen, kranken Kinder bildet. Trotz der geradezu katastrophalen Ungunst der Zeitverhältnisse war es möglich, fast 400 Kindern aus allen Teilen Deutschlands die Wohltaten der Anstalt zuteil werden zu lassen. Der weitaus größte Teil, nämlich 284 Kinder, fand völlig unentgeltliche Aufnahme. Insgesamt hat die Anstalt seit ihrem Bestehen über 6500 Kinder aus allen Teilen Deutschlands, zumeist aus armen, hilfsbedürftigen Kreisen und dem jetzt so verarmten Mittelstände ausgenommen und ihnen die kostbarsten Güter der Jugend, Lebensfrische und Gesundheit, wiedergegeben. Es gelangten die verschiedenartigsten Krankheiten zur Behandlung und auch in diesem Jahre waren die Erfolge geradezu glänzend. Krank und siech ziehen die Kinder in die Heilstätte ein und zu neuem Leben erblüht, verlassen sie dieselbe. Auch die dem Verein angegliederte Institution für berufstätige Mädchen und Frauen hat in der abgelaufenen Saison eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet. Es wurde 30 Patientinnen aus verschiedenen Gemeinden Deutschlands Unterstützung und Förderung für den Gebrauch einer Kissinger Kur gewährt. Den Kassenbericht erstattete der Schatzmeister, Herr Kurt Ottensooser. Infolge der schweren Zeit war der Eingang 'von Beiträgen sehr ungünstig und größere Stiftungen fielen vollständig aus. lieber den Etat 1932 berichtete Herr Julius Baum an n. Obwohl die Mittel des Vereins sehr erschöpft sind, wurde beschlossen, auch im Jahre 1932 den Betrieb in gleichem Umfange wie bisher aufrecht zu erhalten. Es wird mit einem Äusgäbenetat von ca. Mk. 35.000.— gerechnet, welcher zum weitaus größten Teil durch Spenden aufgebracht werden muß. Bereits jetzt laufen Aufnahmegesuche-für das Jahr 1932 in sehr großer Zahl ein, zum größten Teil von Kindern des-,verschämten und verarmtem, Mittelstandes, und der Verein betrachtet es nach/wie vor als seine schönste Ausgabe, diesen Kindern die Wohltaten der Anstalt angedeihen zu lassen, trotzdem auch unser Verein mit schweren finanziellen Sorgen zu kämpfen hat. Um die außerordentlich großen Mittel aufzubringen, ist der Verein mehrdenn je auf die Unterstützung seiner Freunde und Gönner angewiesen und der Verein vertraut darauf, daß.ihm auch in diesem Jahre von allen edlen Kinderfreunden, welche ein Herz für jüdisches Kinderelend haben, die nötigen Spenden zufließen, damit die Kinderheilstätte auch Diesmal die entsetzliche Not dieser Aermsten der Armen : lindern kann. . Wer möchte es verantworten, und wessen Herz ist nicht tief bewegt bei dem Gedanken, daß arme, kranke Kinder in der Blüte ihrer Jahre dahinwelken müssen, weil etwa die nötigen Geldmittel nicht aufgebracht werden! An Alle ergeht deshalb die herzliche Bitte: Vergeßt nicht die Aermsten der Armen, Gebt für die bedauernswerten,, kranken Kinder! (Spenden auf unser Postscheckkonto Nr.,1980 iMNürnberg). Familiennachrichken. Silberne Hochzeit: Josef Farkas und Frau geb. Hirschler, Frankfurt a. M., Wittelsbacher Allee 1 22. Mai 1932. — Dr. Sali Rosenbaum und Frau Lina geb. Schwarzschild, Frankfurt a. M., Grünestr. 42, n»s?a jrV- Briefkasten. Z. Z3. in Wichekstadt, 1. Das pflegte! nur am mw nmv üblich zu sein. 2. Soda wird am Pessach nur in großen Stücken gebraucht, um sicher zu gehen, daß. nichts anderes darunter gemischt ist. Die Woche. Die Slabodkoer Jeschiwa. Ein Vertreter der Slabodkoer Jeschiwa, Herr Rabbiner Jizchak Baruchsohn, weilt zur Zeit in Deutschland und in Frankfurt, um edelgesinnte Glaubensgenossen für die in schwere wirtschaftliche Not geratene Jeschiwa zu interessieren. Es erübrigt sich, den Lesern des „Israelit" erst zu sagen, was die Slabodkoer Jeschiwa bedeutet. Sie ist eine Gründung von Rabbi Israel S a l a n t e r und hat ein volles halbes Jahrhundert ununterbrochen an der Spitze der litauischen Jeschiwoth die jüdische Welt mit Rabbinern und Lehrern versorgt. Weltberühmte Gaonim, heute zu den führenden Geistern der jüdischen Gesamtheit gehörend, sind aus Slabobto hervorgegangen. Darf es das Judentum der Welt, bei aller Krise und allen eigenen schweren Sorgen, zulassen, daß diese Festung der Thora vn fällt?! In einem Schreiben der Jeschiwaverwaltung an uns, das zugleich ein Appell an alle Brüder, die zur Thora halten, ist, lesen wir u. a.: „Eine furchtbare Krisis bedroht unsere Jeschiwa in ihrem Bestände, in der Hauptsache dadurch verursacht, daß die amerikanischen Unterstützungsgelder, die durchschnittlich 2000 Dollar im Monat ausmachten, a u sbl eib en. 300 Jünger, unter ihnen reife namhafte Gelehrte, die Tag und Nacht dem Thorastudium obliegen, sind buch stäblich dem. Hunger preisgegeben. Diese furchtbare Notlage veranlaßte uns, einen der verdienstvollen Leiter, Herrn Rabbiner . Baruchsohn, als Dolmetsch unsrer Not an die.Brüder in die Welt hinauszusenden, in der Ueberzeugung, daß sich' keiner unserem Rufe verschließen wird. — -— —" Auch wir teilen diese Ueberzeugung und empfehlen Herrn Rabbiner Baruchsohn und das große Werk, in dessen Interesse er tätig ist, aufs Wärmste. Vereinigung ehemaliger Schüler und Schülerinnen dev S. R. Hirsch-Schule. Der diesjährigen Mitgliederversammlung der -Vereinigung ging ein Vortrag des Herrn Red. Si Schachnowitz über „Das deutsche gesetzestreue Element in Erez Jisroel" voräus. Da ein Teil des Referates im der letzten. Nummer des „Israelit" bereits wiedergegeben wurde, mag hier die Feststellung genügen, daß der Vortrag, ausgehend von den Bemühungen Esriel; Hildesheimers und S. R. Hirschs und ihres Kreises um Schaffung gesunder Wohnungen in Jerusalem, ein Umfassendes Bild über den Einfluß der deutschen Orthodoxie aus Vergangenheit und Gegenwart des; heiligen Landes gab, Als Schlußfolgerung ergab sich, daß eine tatkräftige Unterstützung der orthodoxen Pjoniere des Palästinawerkes dringend notwendig sei, ebenso wie eine Alijah moderner, wahrhaft frommer Elemente. In der anschließenden Mitgliederversammlung ergab Ich aus dem'von Herrn Manfred N e u b e r g e r verlesenen Jahresberichte, daß die Mitgliederzahl des Vereins fast 1000 erreicht hat. Von den Einnahmen zahlt die Vereinigung das Schulgeld für 6 begabte Schüler sowie jeweilige Zuschüsse für Förderung kultureller Aufgaben der Schule. Auch für Zwecke des Landaufenthaltes' hat der Verein namhafte Zuschüsse gewährt. gJL«

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