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Der Israelit · 1932-05-19 · Heft 21 (19.5.1932) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 21 (19.5.1932)
Date
1932-05-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 21 Seite 3 19. Mai 1932 2 Dann%^mms « diätgerechte MB Nahrungsmittel! Jnteressantes Preisbuch frei! Frankfurter Hirsch-Apotheke, Zeit 111 Niederlagen: ReformhausBoermel-Ernst,5chillerstr.27 . Auch der Antisemitismus muß sich aus der Funktion der Juden als Handelskaste erklären lassen. Er ist also Klassenhaß. (Qb Patrizier oder Proletarier Judenhaß in Wort und Tat treiben, ob reiche oder arme Juden getroffen werden, immer ist der Antisemitismus ein Ausdruck von Klassengegensätzen (was zwar keine moralische, oder eine faktische Rechtfertigung darstellt). Diese Theorie des Antisemitismus ist aber nicht stichhaltig, obwohl Bebel, Cngels und Lenin zitiert werden. Denn wie läßt sich der Judenhaß in Jemen oder in Rordafrika nach dieser Theorie begreifen, wo die überwiegende Zahl der Juden in Hanöwerksberufen lebt? Wie läßt es sich begreifen, daß der Antisemitismus auftritt bei Krise und Konjunktur, nach verlorenen und gewonnenen Kriegen? Auch die psychologische Analyse der Ligenartigkeit des Judenhasses wird ergeben, daß er sich qualitativ von den verschiedenen Lrscheinungsformen ''und Gefühlsgestimmtheiten des Klassenkampfes unterscheidet. Die Ursache des Antisemitismus kann also nicht das Wirtschaftliche sein. Dieses ist nur Anlaß und Erscheinungsform. Der Untergang des Judentums wäre unvollständig geschildert, würde Heller nicht auch „das durch diesen Untergang gezeitigte Produkt", den Zionismus schildern, der — natürlich — „nichts anderes als die bei Sterbenden oft beobachtete Erscheinung öarstellt, daß sie unmittelbar vor dem Tod von neuem Lebenswillen erfüllt werden, um dann um so rascher ihr Leben auszuhauchen", ist. Der Zionismus ist das Produkt des Kleinbürgertums. „Cr ist, weil er die Indenfrage von der Frage der Ware trennt, mit der das Schicksal der Juden unlösbar verknüpft ist, ein historischer Irrtum; er, ist reaktionär. Cr stemmt sich im Westen sogar (!) gegen eine bürgerlich-fortschrittliche Erscheinung, die Assimilation (Seite 165)." Das ist allerdings wirklich reaktionär. Deshalb „ist der Zionismus nichts anderes als ein Clement der Konterrevolution." Auf derselben Ebene der Richtigkeit liegt die Feststellung Hellers, daß die Araber Palästina viel länger im Besitz haben, als es jemals im Besitz der Juden gewesen ist, denn nur sechshundert Jahre nach der um das Jahr 1200 erfolgten Besitznahme trat das babylonische Exil ein, während die Araber im Jahre 658 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung Jerusalem eroberten und schon vorher als Romaöen oder Kaufleute dort gewesen waren. Daß die Juden siebzig Jahre nach dem babylonischen Exil schon wieder ein jüdisches Gemeinwesen errichteten, kleines Feuilleton. Görres-Gesellfchaft. Die Görres-Geseltschaft legt ihren Jahresbericht für 1930/31 vor, erstattet vom Generalsekretär Prof. Dr. Arthur Allgeier, von der Universität Freiburg. Den Mittelpunkt bildet der Bericht über die 45. Generalversammlung in Passau, aus deren wissenschaftlichem Inhalt das Referat von E n g e r t über die „Grundprobleme des philosophischen Denkens und Hegel" im Wortlaut zum Abdruck gelangt. Im übrigen zeigt der Bericht die bewundernswert reiche und vielfache wissenschaftliche Tätigkeit, welche die Gesellschaft trotz der Ungunst der Zeiten auf allen geistigen Gebieten, die mit den religiösen Interessen des Katholizismus in Verbindung stehen, ausübt. Die Gesellschaft hat folgende Sektionen: Philosophische Sektion, Sektion für mittlere und neuere Geschichte, ferner Sektionen für Altertumskunde, Rechts- und Staatswifsenschaft und Sozialwissenschaft, Literaturwissenschaft und subventioniert eine große Reihe wissenschaftlicher Arbeiten und Unternehmungen aus allen diesen Gebieten. Trotz der schlechten Zeiten hat sie im .Berichtsjahre' Mk. 115.000 vereinnahmt und Mk. 127.000 ausgegeben. Es wird ein historisches Jahrbuch, ein philosophisches Jahrbuch, ein literaturrvisfenschaftliches Jahrbuch herausgegeben. Von den wissenschaftlichen Werken, die die Gesellschaft ediert oder subventioniert, ist das bekannteste das große Staatslexikon, von dem im März 1931 der vierte Band erschienen ist. Die Arbeiten des orientalischen Instituts in Jerusalem wurden durch die Erkrankung des verdienten Direktors, daß sie bis zum Jahre 155 nach übl. Ztr. ihre Hauptgeschichte in Palästina erlebten, erwähnt Heller nicht. Sonst würde ja seine Rechnung nicht stimmen. Solche Rechenkünste, müssen angekreidet, werden. Sie sind bezeichnend für die Wissenschaftlichkeit dieses Machwerks. Ebenso objektiv ist Hellers Behauptung von den Zionistcn-Revistonisten, die 1920, als es noch gar keine Revisionisten gab, tapfer auf arabische Fellachen geschossen haben. Daß die arabischen Einwohner Jaffas und Jerusalems, die 1920 ein regelrechtes Pogrom veranstalteten, Fellachen sind, wird ihnen selber fremd sein, und daß Selbstschutz gegen räuberische lieberfälle „zionistischen Faschismus" darstellt, ist uns frmed und kann uns auch nicht einleuchten. Wenn fremd und kann uns auch nicht einleuchten. Wenn der Ehaluzim sogar von Heller nicht bezweifelt wird, so muß dieses Lob doch schnell dxrrch die Feststellung ausgeglichen werden, daß der Jüdische Rationalfonds von kapitalistischen Interessen beherrscht wird. Bewiesen wird das nicht. Und wie könnte man auch etwas beweisen, dessen Gegenteil vor aller Welt offen liegt? Trotzdem kann Heller nicht umhin, diese Kapitel über die „Unweisen von Zion" mit den geschmackvollen Sätzen zu schließen: „Nächstes Jahr in Jerusalem? Nächstes Jahr in Biro-Bidschan!" Der zweite Teil des Buches schildert „Das große Werk". Es zeigt, wie der Fünfjahrplan „das Iudenproblem auf dem ehernen Fundament der Wissenschaft von den Bewegungsgesetzen der Gesellschaft" löst. Einige Zitate (von den Seiten 177—197) mögen über „Sowjetmacht und Iudenproblem" unterrichten, „von 2,6 Millionen Juden, die es — nach den Ergebnissen der Volkszählung — im Jahre 1926 in der Sowjetunion gab, waren rund 45 v. H. deklassiert, sozial entwurzelt. Unter die nichtwcrktätigcn Elemente fallen, was die Vergangenheit betrifft, von vornherein alle früheren Grundbesitzer, Großbauern, alle industriellen und sonstigen Unternehmer, soweit sie fremde Arbeitskraft ausgebeutet haben, alle Zwischenhändler, Geldverleiher, Schnapsschänker, Wucherer, Personen ohne eine nachweisbare Existenz und alle Laöenbesitzer. So kam es, daß noch bis zum Jahre 1926/27 in einzelnen Städtchen, der Ukraine und Weißrußlands oft 40—45 v. H. und noch mehr der gesamten jüdischen Bevölkerung kein Wahlrecht zu den Räten besaß. Das bedeutete für sie und ihre Kinder Ausschluß von der Roten Armee, die Unmöglichkeit, in Gewerkschaften, Kooperativen, Kollektiven ausgenommen zu werden, Beschränkung der Schulausbildung und (Qualifikation und schließlich bei der Einführung der Rationierung bestimmter Lebensmittel und Bedarfsartikel mit Beginn des ersten Fünfjahrplanes auch die Ausschaltung vom Bezug der für die werktätige Bevölkerung verbilligten Produkte und Waren." Wenn man sich diese Liste der faktischen Ausschließung von allen Lebensmöglichkeiten betrach- Dr. Marder, erschwert. An seiner Stelle übernahm Prof. Dr. Rücker aus Münster die Leitung des Instituts, insbesondere um die Verbindung mit den verschiedenen Ausgrabungsunternehmungen der Gesellschaft in Palästina, Syrien und Mesopotamien aufrecht zu erhalten. (Eine hebräische Phraseologie.) Ein zeitgemäßes Merkchen hat B a r u ch Krupnik im Verlag der Buchhandlung Rüben M a ß in Berlin zu dem billigen Preis von Mk. 1.50 erscheinen lassen. Es ist ein Versuch, den Wörterbüchern, die von den Hebräisch Lernenden benutzt zu werden pflegen, die notwendige Ergänzung beizugeben durch die Zusammenstellung von etwa 3000 hebräischen Redewendungen, die man in keinem Wörterbuch findet und die in hervorragendem Maße dazu beitragen können, der Sprechweise auch des Anfängers Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu verleihen: Die Redewendungen sind in zwei Teilen nach einem deutschen Alphabet und nach einem hebräischen Alphabet gruppiert und lassen sich leicht einprägen. Namentlich die zahlreichen jungen Leute beiderlei Geschlechts, die sich jetzt mit dem hebräischen Sprachstudium befassen, um sich auf Erez Jisroel vorzubereiten, werden zu dem Krupnik'schen Büchlein mit Vorteil greifen. (Die jüdische Bevölkerung in Elsatz-Lolhringen.) Den soeben veröffentlichten Ziffern der letzten Volkszählung ist zu entnehmen, daß die Zahl der jüdischen Bevölkerung in Elsaß-Lothringen, die sich im Verlauf der letzten 60 Jahre dauernd verkleinert hat, seit 1926 wieder im An» steigen ist, was auf die Zuwanderung aus dem Osten zurückzuführen ist. Man zählte 1931 in Elsaß-Lothringen 28.325 jüdische Seelen gegen 26.123 t. I. 1926. Im Jahre 1871 betrug die Zahl der jüdischen Seelen in Elsaß-Lothringen 40.812, das waren 2,64 Proz. der allgemeinen Bevölkerung. Heute ist der Prozentsatz der jüdischen Eintet, wo bei die Söhne noch unter der kapitalistischen Sünde der Väter leide n m ü s s e n , wenn man sich ferner vergegenwärtigt, daß die soziale Struktur der Juden in Deutschland derart ist, daß sie fast ausschließlich unter die Rubrik der Entrechteten fallen würden, so versteht man, daß die sowjetistischen Zustände in Deutschland den Ruin der deutschen Juden darstellen würden, wie es tatsächlich auch in Rußland gewesen ist. Dieser Untergang jeder Lebensmöglichkeit soll aber, wie Heller sich hervorzuheben bemüht, nur scheinbar sein. Uns scheint der Hunger der Bctrosscncn, das Elend der Deklassierten mehr als „scheinbar" zu sein, nämlich traurigste Realität, die durch nichts sich verteidigen läßt. Hören wir Heller: „Der jüdische (Osten kann — scheinbar paradoxes, aber notwendiges Schicksal — nur durch den restlosen Untergang seiner bisherigen ökonomischen und sozialen Basis vordem Untergang bewahrt werden . . . Das jüdische Städtchen im Ansiedlungsrayon steht vor dem Nichts. Diese scheinbare Untergang ist aber der Beginn eines neuen Lebens . . . Die Sowjetmacht mußte der Kaste ihre Basis rauben, sic allein hat die historische Kraft, gerade durch diesen „Raub", ein scheinbar unlösbares Problem aus der Welt zu schaffen." Auf Seite 190 wird die Gesamtzahl der jüdischen Deklassierten für Ende 1951 mit rund 200 000 angegeben. Seite 191 steht dann: „Die Zahl der Deklassierten wird in der neuen Variante wesentlich höher angesetzt als im ursprünglichen plan, der sie nur mit 5600 ökonomischaktiven Personen berechnete." Die Differenz von vielen Zchntausenden Menschen in den Varianten.mag zu denken geben. Aber es sind doch bloß — Varianten. Immerhin, dreizehn Jahre nach der Errichtung der Sowjetunion muß der Vorsitzende des ukrainischen Exekutivkomitees, Anfang 1950, erklären, den arbeitswilligen Juden müßte eigentlich Arbeit verschafft werden. Können die Zustände, die das „große werk" mit sich brachte und bringt, uns den Weg zeigen, den zu beschrciten uns erstrebenswert scheinen mag? Die Antwort kann nur ein klares N e i n sein. Die Formel für den Fünfjahresplan: Cinholen und überholen zeigt, daß Rußland noch lange arbeiten muß, um den Status der westeuropäischen Länder elnzuholen. Die Arbeitsplätze, die im russischen Aufbau vorhanden sind, können von den anderen Ländern, die in ihrer maschinellen Vervollkommnung und Rationalisierung auf einem gewissen Höhepunkt angelangt sind, nicht geboten werden; die großen Reserven des flachen Landes, das auch in wirtschaftlicher Beziehung eine mögliche Rückzugsbasis, zumindest eine gute (Vperationsbasis, Reservoir bezw. Aufnahmebassin darstellt, steht nur Rußland zur Verfügung. Der russische Fünfjahresplan zeigt Europa nicht den zu gehenden ökonomischen Weg. Und auch Biro-Bidschan, das „rote wohnerfchaft 1,5 Proz. 30 Prvz. der jüdischen Einwohnerschaft Elsaß-Lothringens, 8310 Seelen, leben in der Elsaß-Metropole Straßburg. Hier ist die Zahl der Juden ungeachtet ihres allgemeinen Niederganges in der Provinz dreimal so groß als im Jahre 1871. In der Lothringen-Hauptstadt Metz leben 4147 jüdische Selen. (Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums.) Das April-Heft der Breslauer Monatsschrift enthält u. a. einen formschönen und inhaltreichen Vortrag von Lewkowitz über die Bedeutung der Bibel für die Weltanschauung Herders und Goethes, die Fortsetzung einer längeren Arbeit von Rubinstein über die Ehasaka im talmudischen Vermögensrecht, sowie der Beginn einer interessanten Arbeit von Prof. Dr. Jos. Caro über Disraelis Verhältnis zu Juden und Judentum. Außerdem eine Reihe von Besprechungen sowie Geschäftsbericht und Protokolle der Gesellschaft für Wissenschaft des Judentums, die die Zeitschrift herausgibt. Wochenkalender. vom 21. - 28. Mai 1832 vom 16. - 22. Jjar 5692 Samstag 21 15 sav 2 '7 p*lD “litt Sonntag 22 16 82 Montag 23 17 22 'w n’jyn Dienstag Mai 24 18 « inya i-*? Mittwoch 25 i"rr 19 72 Donnerstag 26 20 N2 Freitag 27 21 12 Samstag 28 22 T2 'n P*1D vipm

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