Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 20 (12.5.1932)
- Date
- 1932-05-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 20 Der Israelit Das Gericht verschloß sich den Argumenten der Angeklagten und ihres Verteidigers, glaubte den Aussagen des Chauffeurs und verurteilte Johannes und Windrsch zu je zwei Monaten Gefängnis. Die Verbüßung der Strafe wurde auf zwei Jahre ausgesetzt. Palästina. 2000 Einwandererzertifikate für Ehaluzim für das Halbjahr April—Oktober bewilligt. Jerusalem, 1. Mai. Von der Exekutive der Jewish Agency in Palästina wird der ITA. mitgeteilt, daß die Palästina-Regierung für das Halbjahr April-Oktober 1932 2000 Einwanderungszertifikate auf der Basis der Arbeiter-Schedule (Chaluzim-Einwanderung) bewilligt hat. 300 von diesen Zertifikaten sind für eingewanderte Touristen reserviert, die sich nachträglich entschließen, dauernd im Lande zu bleiben. Von den restlichen 1700 Zertifikaten sind 400 für Frauen bestimmt. Die Exekutive der Jewish Agency hatte bei der Regierung um die Bewilligung von 3750 Zertifikaten für Ehaluzim angesucht und hat dabei auf das gegenwärtig in Palästina bestehende starke Bedürfnis nach Arbeiterhänden hingewiesen. Die Jewish Agency ist damit unzufrieden, daß die Regierung nicht die Gesamtzahl der angesuchten Zertifikate, sondern um 1750 Zertifikate weniger bewilligt hat und hat die Regierung um eine Erklärung ersucht. Amerika. Konferenz zur Vorbereitung eines jüdischen Weltkongresses. Newyork, 5. Mai. In einer vom American Jewish Congreß einberufenen und von Vertretern von zehn jüdischen Organisationen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten und 100 jüdischen Organisationen Newyorks besuchten Beratung wurde beschlossen, für Juli 1932 nach Genf eine j ü - dische Weltkonferenz einzuberusen, die darüber beraten soll, ob ein jüdischer Weltkongreß als ständige Institution zu schaffen sei. Eventuell soll die Genfer Konferenz die Einberufung des ersten Jüdischen Weltkongresses vorbereiten. Personalien. Pincus Pleßner Berlin, 6. Mai. Wenn wir erst jetzt von dem Hinscheiden Pincus Pleßners irnr, Kunde geben, so geschieht dies, um auch das Wort und den Zeitpunkt der Würdigung durch jenes unvergleichliche mxna pnp> beeinflussen zu lassen, das ihm zueigen war. Am jo’a nm kam der so plötzlich Dahingeschiedene zur Bestattung. Der Nissan-Monat verbot jedes Wort des Nachrufs. — Heute, da der Synagogen-Verein Bes Jakauw durch den empfindungsreichen und gedankentiefen Hefped des Herrn Rabbiner Saul Munk '"2, seinem Mitbegründer und Ehrenmitglied, dem Manne, der diese Stätte des Gebetes auch zu einer solchen des Lernens und Lehrens erhob, Worte des Dankes und der Liebe zollte, heute muß auch eine weitere jüdische Oeffentlichkeit teilhaben an dem großen Verlust, den das gesetzestreue deutsche Judentum durch Pincus Pleßners Tod erlitten hat. Denn Pincus Pleßner war eine hervorragende, jüdische Persönlichkeit, ein Lamdon großen Stiles und auf breiter Grundlage, ein glutvoller Eiferer und von unbeugsamer Energie, wenn es die Verfechtung jüdischer Interessen, Förderung heiliger Aufgaben galt, ein Mann, der sein vielfaches Können und heißes Wollen selbstlos in den Dienst seines Volkes stellte. Ein Enkel Schlaumau Pleßners, des großen Posener Magids und Gelehrten, ausgezeichneter Schüler des Posener Rams, Dr. Wolfs Feilchenfeld, verlebte er die ersten 60 Jahre seines Lebens in feiner Heimatgemeinde. In ihrer Verwaltung war er führend, ihrer Jugend ein unermüdlicher Lehrer und Berater, ihren Lomdim — und das Posener Bes Hamidrosch ma, war noch bis vor dem Kriege voll von ausgezeichneten min ’3a — ein eifriger Freund und Fürsorger. Fest in dem Grund seiner Heimatgemeinde und -in liebevoll gehegten Familientraditionen wurzelnd, hatte er jedoch schon früh die Bedeutung einer Organisierung der Gesetzestreuen erkannt, und so leitete er klug und besonnen den Bund gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine Deutschlands, bis dieser von der Agudas Jisroel-Jugendorganisation abgeläst wurde. Und in dieser Eigenschaft als Führer der gefetzestreuen Jugend Deutschlands rief er denn auchgenau vor zwanzig Jahren, mit nach Kattowitz auf. Die Entwicklung der Vrehältnisse in der „Provinz" — wie man früher die thorareiche Provinz Posen schlechthin nannte — ließ Pincus Pleßner vor mehr denn einem Jahrzehnt nach Berlin übersiedeln. Die schwierigen Wohnungsverhältnisse zwangen ihn, in einer Gegend Wohnung zu nehmen, wo sich eine Gebetsstätte in seinem Sinne nicht befand. Da ging er mit Freunden an die Gründung des Synagogen-Vereins Bes Jakauw und indem er der Stätte des Gebets von seinem Wesen gab, fügte er ihm eine nun m»Vn an, sorgte er für tägliches Lernen und wurde so der Mittelpunkt dieses Kreises. Und nun, gerade an dem Tage, da er nach dem Nordwesten ziehen, in der seiner Art und Auffassung entsprechende Milieu sich eingliedern wollte, an dem gleichen Tage wurde er abberufen und seine Wohnung und Heimat ist nun jene Stätte, die G'tt Seinen Frommen bereitet. Der Heimgang Pincus Pleßners hat im Kreise der Berliner Jreiim tiefe Trauer heroorgerufen; davon legte die gewaltige Teilnahme bei der Zeugnis ab. Daß ihr Mann auch in Berlin von den Männern des Lernens und frommen Lebens hoch geschätzt, nach Gebühr geehrt wurde, dies mag seine Gattin trösten, dies und vor allem die Gewißheit, daß ihre Kinder, Sohn und Tochter, das Erbe des Vaters hüten, seiner Art getreu bleiben, seine Thoraliebe und seine innige Frömmigkeit, eigenem Streben und Erfüllen voranleuchten lassen werden. n-axin- Altona (Elbe), 10. Mai. Am 17. Mai vollendet rn"va der hier (Lohmühlenstr. 91) im Ruhestande lebende Lehrer Benjamin A p t in körperlicher und geistiger Rüstigkeit das 7 0. Lebensjahr. Geboren in Niederaula (Hessen-Nassau) und heroorgegangen aus dem früheren Kasseler Lehrerseminar wirkte er zuerst einige Jahre in Meppen (Hannover) und dann ein ganzes Menschenalter hindurch an der jüdischen Volksschule in Emden, wo er Generationen zu wissenden und bewußten Juden und tüchtigen Menschen erzog. Daneben bekleidete er in der Emdener Gemeinde, ihren Institutionen und Vereinen viele Aemter, war Jahrzehnte hindurch erster Vorsteher der dortigen rrv'ip man' um deren Auf- und Ausbau er ich unvergängliche Verdienste erwarb. Sein ältester Sohn ist Rabbiner in Allenstein. — Wir wünschen dem frommen und verdienstvollen Jubilar noch viele Jahre der wohlverdienten Ruhe in Gesundheit und geistiger Frische: >N2'va 11X13’ iw Oberdorf-Bopfingen (Württ.), 6. Mai. Gestern wurde hier der weit über die Grenzen seiner Heimat bekannte, beliebte und geachtete Kaufmann Sally Pappenheimer von Vopfingen, 72 Jahre alt, zu Grabe getragen. Er verdient es, daß seiner auch in diesen Blättern gedacht wird. lieber 21 Jahre lang war er Mitglied des Vorsteheramts und seit 2 Jahren Vorsitzender desselben. Zweimal gehörte er auch der Württembergischen Israelitischen Landesversammlung an. Er bekannte sich zu dem Grundsatz, daß man sich als Vertreter einer jüdischen Gemeinschaft streng an die altbewährte Ueberlieferung zu halten habe, daß man nicht einreißen und zerstören darf, sondern aufbauen, vertiefen und erweitern muß. Am Grabe schilderten die Herren Rabb. Dr. Cohn-Ulm, Oberlehrer Erlebacher-Oberdorf,. Dr. Lepmann-Stuttgart und Herm. Marx-Bopfingen die hohen Verdienste des Dahingeschiedenen und seine segensreiche Wirksamkeit, sowie feinen edlen Sinn für Wohltätigkeit und Gastfreundschaft. maxan- Emden, 8. Mai. Am 20. April trugen wir Jsak d e Beer zu Grabe. Mit ihm ist eines der angesehensten Mitglieder unserer Gemeinde von uns gegangen. Er war vier Jahrzehnte Vorstandsmitglied des Gemiluth-Chassodim-Bereins, davon 10 Jahre zweiter Vorsitzender, und hat sich mit großer Hingabe den Pflichten seines Amtes gewidmet. Seiner besonderen Obhut war die Aufsicht über die Instandhaltung des „Guten Ortes" anvertraut. Durch die Güte seines Wesens und die Gerechtigkeit seines Handelns erwarb er sich die Wertschätzung weitester Kreise. Davon legte das Leichenbegängnis beredtes Zeugnis ab. Trotzdem es kurz vor Eintritt des Peffachestes war, geleitete ihn fast die ganze Gemeinde zur etzten Ruhe. Auch viele nichtjüdische Berufskollegen, owie der Krieger- und der Gardeverein, denen der Vertorbene angehört hatte, erwiesen ihm die letzte Ehre. .N"2X3n Alkona, 10. Mai. Am letzten Sabbat Rausch Chaudesch gestaltete sich die Predigt des Herrn Oberrabb. Dr. C a rl e b a ch zu einer eindrucksvollen Gedächtniskundgebung für den Kalischer Raw, Oberrabb. Jecheskel Lip schütz ^xi, Der Redner führte aus: der chönfte Nachruf auf einen Großen in Tauroh ist immer die Erneuung und Wiederbelebung seiner Gedanken und Worte. Darum wolle er es sich zur ehrenvollen Pflicht machen, aus dem herrlichen Werk„Hamrdrasch Wehammaasse"des Dahingegangenen in großen Zügen seinen Drusch zu D’pnp nens, dem Wochenabschnitt, wiederzugeben, der in charakteristischer Weise die Aufgabe des Rabbiners als ewigen Träger des unverkürzten jüdischen Ideals als mw», als den Träger des nie verstummenden „ P r o t e st e s " gegen alle Irrungen und Wirrungen der Zeit umreißt, zugleich aber auc| die Stellung Lipchütz' zu Erez Jisroel und zum jüdischen Volke markant darstellt. Palästina ist „Erbe" und „Geschenk" zugleich, (nach Levit. 30, 27) Erbe weil für die Ewigkeit, Geschenk, weil an die vom -Geber geforderte Bedingung der Erfüllung des Taurohgesetzes geknüpft. An Hand dieses konkreten Beispiels wurde das Lamdonus, die Eigenart der agadischen Vertiefung der Halacha und halachischen Vertiefung der Agada in dem Werke des Dahingegangenen bn, illustriert und die erhabene Größe einer jüdischen Gesamtauffassung beleuchtet. In tiefer Ergriffenheit von dem Schwung seiner Gedanken und 12. Mai 1932 der Reinheit seiner Persönlichkeit lauschte die Gemeinde- und erhob sich am Schlüsse von selbst in Erinnerung an diesen Meister der Lehre. Rechtsanwalt Dr. Mar Beer V"T* Boskorvice, 1. Mai. Dr. Mar Beer weilt nicht mehr unter uns! Der Verlust für die mährische Judenheit ist groß. Einer mährischen Landgemeinde entstammend, brachte er es in. verhältnismäßig jungen Jahren zum.akademischen Doktorgrad und ließ sich in Mährisch-Ostrau, einer Judengemeinde neueren Datums nieder, um hier ein g'ttgefälliges Leben zu beginnen, das beispielgebend war. Seine nav nvnv, sein tägliches' Frühlernen, seine nbsnmaxa, seine npix, sein -ron alles int Dienste seines E'ttes geübt, war vorbildlich. Im Vereine mit ■ seiner vielbewunderten Lebensgefährtin gründete er ein treues- Haus in '*ner- Er errichtete sich ein unvergängliches Denkmal, er hinterließ, einer unjüdischen Zeitrichtung spottend, eine kinderreiche Familie, die in seinem Geiste lebt und wirkt. Die Innigkeit des Familienlebens machte ihn keineswegs zum Familienegoisten. Ob in der Großgemeinde Mährisch-Ostrau, oder in den vielen nnan, ob im Lande Mähren, oder in der Weltorganisation Agudas Jisroel,. überall war Dr. Beer zur Stelle, wo es galt, die nun zum Siege zu führen. Es ist sein Ruhm, in der Eroßgemeinde Ostrau den. Bau einer einwandfreten mp» .durchgesetzt zu haben. Er hat das einzige in Mähren befindliche, allen Anforderungen des im inl>ii7 genügende, große noaan n»a gebaut. Als dieses Werk vor einigen Jahren bereits vollendet war, eröffnete er sich dem Schreiber dieser Zeilen und teilte ihm die schwere Sorge mit, die ihm die Anforderung einer pii ma gedeckten d’im nuy bereite. Dre Schwierigkeiten schienen unüberwindlich und Dr. Beer b't, war daran, auf Grund eines vorliegenden pöB» der anstürmenden Moderne eine zulässige Konzession zu machen. Aber er führte die Treue zum Siege und die einwandfreie mry wurde dennoch Wirklichkeit. Vor ungefähr zwei Jahren rief das kleine Häuflein G'ttestreuer auf der sogenannten „Brünner Konferenz" den Anspruch auf gesetzliche Verankerung seiner unantastbaren Rechte auf ungehemmte Gewissensfreiheit in den Gesetzen des jungen demokratischen, tschechoslowakischen Staates in die Welt. Da unternahm es ein überlauter Einheitsfanatiker diese Rechtsforderung in hämischer Weise öffentlich lächerlich zu machen. Dr. Beer V-r/~. wuchs über sich selbst hinaus. In einem impulsiven Abwehrartikel — man hätte dies seiner ruhigen, nüchternen, abwägenden Art kaum zugtraut — wies er den Vorwitz in die Schranken. Und nun da dieser edle Mensch nicht mehr ist, sehen wir, was er gab, leistetete und wie er an sich selbst vergaß ... Die miap im Heimatstädtchen Gewitsch, am dritten i-i»,i i>in-Tag war ein unverfälschter Ausdruck der tiefgehenden Verehrung für den Verstorbenen. Vom kaftanbekleideten Chosid in Kurzbeinkleidern und Seidenstrümpsen bis zum westeuropäisch sich gebenden Kulturjuden sah man alle Stufungen und Verschiedenheiten im. Kondukte vertreten. Die Gemeinde Mährrsch-Ostrau hatte einen ganzen Park mit Kraftfahrzeugen entsandt, alle maßgebenden Gemeinden und sonstigen Körpperschaften schickten Abordnungen. Die Landesorganisation der Agudas Jisroel, deren Zentarlratsmitglied der Verstorbene war, delegierte drei Herren. Reden verbat sich der Verstorbene aus das Bestimmteste und dursten nicht gehalten werden. Sein Andenken wird aber tatenzeugend unter uns 'ortleben. maxan- Vermischtes. Frankfurt a. IN., 10. Mai. Gesucht wird: Timche Leblang, Newyork, von Fraide Leblang, geb. Rabinowitsch, früher in Oschrrt-Dolne, Polen, später in Belgien wohnhaft. Etwaige-Nachrichten über den Vermißten an die Redaktion unseres Blattes erbeten. INannheim, 3. Mai. Es scheint eine ideale Konkurrenz anzuheben zwischen der „Freien Vereinigung" und der Vereinigung, die in Baden die gleichen Ziele verfolgt. Wer hierzulande mit Interesse von Bezirkstagungen der „F. V." gehört hat, darf heute mit Befriedigung lesen, daß unser V. z. W. unter der rührigen Leitung seines gefchäftsführenden Vorstandsmitgliedes (Prof. Darmstädter-Mannheim) eine ähnliche Tagung mit außerordentlichem Erfolg durchgeführt hat. Waren doch am 5. Mai in ganz außergewöhnlichem Maße die Teilnehmer zu der Omer-Tagung gekommen, zu der der „Verein zur Wahrung" nach Tauberbischofsheim eingeladen hatte. U. a. durften wir auch Herrn Rabb. Dr. Kahn aus Mergentheim begrüßen. Von nah und fern, aus württembergischen und bayrischen Gemeinden waren Gäste anwesend, als in Vertretung des verhinderten Vereinsvorsitzenden, Herr Prof. Darmtädter die Tagung eröffnete, um alsbald die Leitung )em Rabbiner des Bezirkes, Herrn Bez.-Rabb. Greilsheim e r, Mosbach, zu übertragen. Nach dessen einleitenden Worten und nach einem Begrüßungswort, das namens der Gemeinde Tauberbischofsheim, Herr Lehrer A. Kaufmann an die Anwesenden richtete, sprach Herr Rabb. Dr. U n n a, Mannheim, über die „Gefahren der gegenwärtigen Lage". Es war eine großangelegte, eindrucksvolle Darlegung all dessen, was uns