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Der Israelit · 1932-05-04 · Heft 19 (4.5.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 19 (4.5.1932)
Date
1932-05-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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4. Mai 1932 Der Israelit Nr. 19 Seite 5 Wrespol«le«reil * Nachrichten. Deutsches Reich. Schächtverbote sind verfassungswidrig! Berlin, 1. Mai. Auf Grund einer Anfrage einer norddeutschen Stadt hatte Anfang des Jahres der Reichsinnenminister die Erklärung. abgegeben, daß Schächtverbote in Kommunen mit Schlachthauszwang gegen Art. 135 der Reichsverfassung verstoßen. Nunmehr hat sich, wie die Reichszentrale für Schächtangelegenheiten bekannt gibt, auch der preußische Minister des Innern diesem Standpunkt angeschlossen und die Regierungspräsidenten derjenigen Bezirke, in denen kommunale Schächtverbote beschlossen waren, angewiesen, die betreffenden Ortssatzungen oder Die Woche. worden,' daß als höchster Anrechnungsbetrag für Dienst- und Bereitschaftswohnungen der Beamten derjenige Betrag gilt, der dem Beamten nach den Kürzungen auf Grund der 1., 2. und 3. Gehaltskürzungsverordnung tatsächlich zusteht. vom Rabbinerseminar ZU Berlin. Berlin, 28. April. Am Rabbiner-Seminar zu Berlin begann das Sommerhalbjahr am Dienstag, dem 3. Mai. Die Aufnahmeprüfung fand vormittags 9 Uhr, die Eröffnung 18.30 statt. Bei dieser hielt Herr Dozent Dr. Moses Auerbach einen Bortrag über „Ziele und Wege der heutigen Rabbinerausbildung"; den halachischen Eröffnungsvortrag wird Herr Doz. Dr. I. Weinberg am Sonntag, den 8. Mai halten. Die Vorlesungen des Halbjahres erstrecken sich wie bisher auf Talmud, der in drei Abteilungen gelehrt wird, Dezisoren, Bibelexegese, Geschichte, Literaturgeschichte, hebräische Grammatik und Sprachübungen. Ueber Wesen und Ziele des jüdischen Religionsunterrichts wird Herr Dr. Moses Auerbach 14tägig Vorlesungen halten. Außerdem wird Dr. Esriel Erich Hildesheimer über „Das jüdische Erbrecht" mit Behandlung der Quellen, wöchentlich zwei Stunden lesen und seine Vorlesungen über „Sic Bedeutung der Geonim für die Halacha" fortsetzen. Auch wird dieser vor mehreren Hörern der Unterabteilung Talmud lehren. — Vorsitzender des Dozentenkollegiums ist z. Zt. Dr. S. Grünberg, an den auch Gesuche um Aufnahme (Anschrist: Rabbinerseminar zu Berlin, Berlin R. 24, Artilleriestraße 31) zu richten sind. Vom Rabbinerseminar zu Berlin ist Herr Rabbiner Dr. Altmann eingeladen worden, während des Sommerhalbjahres Vorlesungen aus dem Gebiet der jüdischen Religionsphilosophie zu halten. Herr Dr. Altmann wird in ihnen die „Grundprobleme der neueren Religionsphilosophie" behandeln und Uebungen über „More nebuchim" leiten.' wie man seelische Bachteile der Zwertehe den Kindern der Erstehe erspart, — das ist das probate Geheimnis der Gesetze, die unser jüdisches Familienleben bis in die Tiefen des Unbewussten regeln. Ulanches davon fönnte gut und ge rn auch von den in Crstehe lebenden Juden besser beachtet werden. Das jüdische Kind hat allezeit von Kind auf am Clterntisch wie auch im ganzen Leben die bis ins Innerste verankerte Empfindung gehabt, im Hause des von G'tt eingesetzten Lrzieherpaars, nicht eines jungen Ehepaares zu leben. In so reiner Atmosphäre kann auch Wiederverheiratung nicht giftig wirken, wöge der Zartflnn und der Ernst noch nicht ausgestorben sein, der diese Mahnung versteht, die sich nicht deutlicher machen läßt! 2: wer hält Freundschaft mit wem? Die gesetzestreue Iudenheit wird von malitiöser Seite oft als eine unnahbare und exklusive Clique bezeichnet, würde sich tatsächlich diese Exklusivität weniger auf die wirtschaftlich gleichgestellten und mehr auf die religiös gleichgesinnten Kreise beziehen, gäbe es tatsächlich einen Kreis verfchiedenstsituierter Orthodoxer, der auch dem reichsten Ueologen sich verschlösse, — es könnte trotz der Unzufriedenheit Außenstehender die Gesetzbefolgung in Israel nur mehren. Das Fehlen eines solchen sozial buntgeschichteten, unbestechlich orthodoxen Gesellschaftskreises gesicherter Art ist äußerst zu bedauern. Die orthodoxen Organisationen haben auf diesem Gebiete noch Gewaltiges zu leisten. Doch kann im Kreise der Söhne Israels wahre Einheit nie ohne das Band der Thora erstehen. Am Bethamidroschtisch, an welchem kein Adel außerdem des Thorawissens und -willens gilt, können die Freundschaften allein erstehen, die auch den Familien ein Lebenselement werden. Den Mut dazu, zugleich die heutzutage ohnedies bedeutungslosen Stanöesunterschieöe weiseite zu lassen und stattöessen nach der Treue zum Gesetze sich zu gruppieren und nur im thoratreuen Teil jedes Standes sich Freundschaften und täglichen Verkehr zu suchen, müssen wir mit der letzten Kraft unserer Seele ausbringen, wenn wir nicht völlig die Seelen unserer Kinder dem Ungeist der Zeit hinopfern wollen. In den Kommentaren zu Iore Dea 4 wird von dem verbot aus alter Zeit gesprochen: Man solle nicht für Andersgläubige eine Che vermitteln, da man sonst in der eigenen Uachkommenschaft Abtrünnigkeit und Mischehe befürchten müsse. Run bedenke man: wenn schon die gelegentliche Beschäftigung mit den Familienangelegenheiten Andersgläubiger, die noch dazu persönlich nicht allzunahe Beziehungen mit uns anzuknöpfen pflegen, solche katastrophale Folgen seit altersher zu zeitigen geeignet war, — wie verderblich muß sich auf die Uachkommenschaft eines. gesetzestreuen Juden erst die stetige freundschaftliche und nachbarliche Verbrüderung answirken, die er nichtgesetzestceuen jüdischen Familien gewährt! Man soll fich^ doch keinen Illusionen von Hausmisston hingeben, besonders dann nicht, wenn, wie meist, diese Verbrüderung gerade denjenigen Uichtgesetzestreuen gewährt wird, von denen man (als Kaufmann oder leider auch als Religionsbeamter) sich erwerbliche Vorteile erhofft. So verschleudert man die Seele der Kinder um das Lächeln eines Thoraverächters und nimmt auch Letzterem den Respekt vor Thorabefolgung, der bloß aus Distanz zu erhallen ist. Unser Leben ist durch das Thoragesetz geistig und äußerlich in bestimmte Formen geprägt. Diese sind mit den Formen der Geselligkeit der Gegenwart durchaus nicht immer im Ernst zu messen. Schon deshalb kann uns und unserem Prinzip nur Distanz von den Anderen vonnutzen sein, damit wir einander die Achtung bewahren. Selbst wenn Mindere in unsere Geisteswerkstätte eindringen, bringen sie Forderungen mit, über die es keine ernste Diskussion zwischen Thorabefolgern und Uichtbefolgern geben kann, wie etwa die der Ueohebräisternng der Halacha. Unser G'tt, unser Prinzip ist älter als alle solche Zeiterscheinungen und wird sie überdauern. wer mit uns das Geruth, die Isolierung in der Welt teilen will,-nur ein solcher Mensch mag sich uns beigesellen. 'Visr> pH? "|ns ■>» Berlin. Am 18. April d. Js. ist aus Initiative des Zentraloerbandes ostjüdischer Organisationen Berlins und mit Unterstützung von 32 jüdischen Vereinen und Organisationen die Gründungs- und Generalversammlung der neu gegründeten Leih- und Sparkasse Esra aus genossenschaftlicher Basis in Berlin zustande gekommen. — Ein Vortragszyklus aus der deutschen Welle über „Gedanken der Zeit", in dessen Rahmen auch über des Thema „Antisemitismus" diskutiert wurde, gibt dem Zentral- Verein Anlaß, Beschwerde bei der Regierung über den Mißbrauch des Deutschen Rundfunk für die antisemitische Hetze einzulegen. Königsberg. Aus der Königsberger Handelshochschule hielt der bekannte Frankfurter Professor und Redakteur der „Frankfurter Zeitung", Dr. Arthur Feiler eine Antrittsvorlesung. Radikale Studenten verbreiteten, daß Pfeiler von jüdischer Abstammung sei und veranstalteten Krawalle, die die Vorlesung störten. Nürnberg. Die bekannte Mordaffäre in Paderborn gibt dem „Stürmer" Anlaß zu einer hemmungslosen Ritualmordhehe. Die betreffende ummer des „Stürmer" wurde auf Beschluß des Gerichtes beschlagnahmt. Kassel. Zwei Nationalsozialisten, die rm Oktober einen jüdischen Metzger und dessen Sohn, die sich im Kraftwagen befanden, überfielen und mißhandelten, wurden vom Schöffengericht zu zwei Monaten Gefängnis ,begw. 300.—; Nin. Geldstrafe verurteilt. Das 'Urteil gegen die nationalsozialistischen Schüler, die das Lager der „Brith Haolim" überfielen und dafür von vier bis zwei Monaten Gefängnis erhielten, wurde von der Strafkammer jetzt bestätigt. Hanau. In der jüdischen' Gemeinde Rüttrugen bei Hanau, wurde von bübischen Händen auf dem jüdischen Friedhof mehrere Grabsteine beschädigt. Eine ähnliche Schändung wurde auf dem Waldfriedhof in Wanne-Erckel entdeckt. Danzg. Es trifft zwar nicht zu, was polnische Zeitungen berichten, daß der Generalstab der in Deutschland aufgelösten S. A. nach Danzig verlegt wurde, aber das Treiben der Hitlerleute erreicht hier in den letzten Tagen einen Grad der Unerträglichkeit. Ueberfälle auf jüdische Passanten ereignen sich Tag für Tgg. Eine Demonstration im Stadttheater hatte ebenfalls antisemitischen Charakter. Wien. Durch die Kugel eines Irrsinnigen wurde Professor Gustav Alerander, ein Arzt und' Wohltäter und eine führende. Persönlichkeit in der Kultusgemeinde, am zweiten Festtage niedergcstreckt. Ausweisung bedürftiger Ausländer und Staatenloser. Berlin, 29. April. Der Studtgemeindeausschuß befaßte sich in seiner Sitzung am 28. April sehr eingehend mit der von den Bezirksämtern bei Ausweisung von Ausländern und Staatenlosen geübten Praxis, gegen die bekanntlich auch das Fürsorgeamt der Jüdischen Gemeinde Berlin in einer Eingabe an den Berliner Magistrat Stellung genommen hat. Im Ganzen sind es 3665 Ausländer und 916 Staatenlose, die wegen Erwerbslosigkeit von der Wohlfahrt der Stadt Berlin betreut werden und i. I. 1930 einen Kostenaufwand von 1.228.000 Mark verursachten. Redner sämtlicher Parteien nähmen zu den Ausweisungsanträgen der Bezirksämter Stellung und brachten eine Reihe besonders krasser Fälle vor, darunter auch Fälle jüdischer Ausländer und Staatenloser, die seit vielen Jahren in Berlin wohnen und hier ihren Erwerb gefunden haben, aber in den letzten Krisenjahren unverschuldet in Rot geraten sind. Von keinem der Redner, auch nicht von Rednern der Rechten, wurde das konfessionelle Moment irgendwie betont. Oberbürgermeister Dr. Sahm erklärte, er selbst trete für eine möglichste Schonung bei der Behandlung der Ausweisungsanträge ein und werde bei der nächsten Bezirksbürgermeister-Versammlung diese Frage anschneiden. Die schärfere Durchführung der Richtlinien sei auf die Finanzlage der Stadt Berlin zurückzuführen. Der Stadtgemeinde-Ausschuß beschloß, den Oberbürgermeister zu bitten, die Bezirsämter nochmals zu einer loyalen Handhabung der Bestimmungen anzuhalten. Gemeindebeschlüsse als gesetzwidrig zu beanstanden. Wegen der Einzelheiten der Ministererlasse und des wissenschaftlichen Gutachtenmaterials setzen sich die jüdischen Gemeinden direkt in Verbindung mit der Reichszentrale für Schächtangelegenheiten in Berlin, Artilleriestraße 31. Oienstwohuungen für jüdische Gemeindebeamte. Berlin, 1. Mai. Wie das Finanzministerium den preußischen Landesverbänden in Halberstadt und Berlin mitteilt, ist durch Staatsministerialbefchluß vom 8. Februar 1932 bestimmt -Jüdische Wanderfürsorge in Deutschland. Leipzig, 1. Mai. Die Landeskasse Sachsen für jüdische Wanderfürsorge.' eine Abteilung des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes, die ihren Sitz in Leipzig hat, hielt ihre ordentliche Sitzung des Verwaltungsausschusses am 10. April in Dresden unter dem Vorsitz von S. Gottlieb- Leipzig ab. Die Hauptkasse Leipzig berichtet über die Rechnung des vergangenen Kalenderjahres. Die Zeit gebot wesentliche Einschränkung der Ausgaben. Neu eingeführt worden ist die Beschäftigung von jungen und kräftigen Wanderern auf einem Werkplatz, wodurch ihnen die Möglichkeit gegeben wird, sich das Geld zur Weiterreise zu verdienen: zugleich soll dadurch auch erzieherische Arbeit geleistet werden. Dr. Kreutzberger von der

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