Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 19 (4.5.1932)
- Date
- 1932-05-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 19 Der Israelit 4.. Mai 1932 langen können^ daß die Agudo sich nun Ln den Dienst gegnerischer Bestrebungen stellt, die mit ehrlicher moralischer Entrüstung über das mirn J^rii' das hier von agudistischen Kindern begangen worden'' ist, wenig zu tun haben. Die Gegner müssen schon gestatten, daß die Agudo in ihrem eigenen Haus ohne Mitwirkung von jener Seite (Ordnung schafft. Gute Bodenkultur und geistige Unkultur in Rußland. Die Regierungskommission für jüdische Landansiedlung und Industrialisierung, Komzet, veröffentlicht eine Bekanntmachung,- der gemäß die Einwanderung von Reusiedlern nach Biro-Bidschan,. die wegen Mangels an Wohnungen in diesem für die Schaffung einer autonomen jüdischen Republik reservierten Lande für einige Zeit eingestellt.worden war, am 10. Mai wie? der ausgenommen werden soll. Der soeben veröffentlichte volle Text der Beschlußfassung des Zcntralexekutivkomitees der Sowjetunion . betreffend Ausgestaltung B i r o -.B Lösch a n s zu einer jüdischen Republik enthält noch die folgenden Bestimmungen: Die Kommission zur Durchführung des Fünfjahrplans Ln der Sowjetunion hat bei der Aufstellung des Fünfjahrplans für den Fernen (Osten einen speziellen Fünfjahrplan für Biro-Biöschan auszuarbeiten und dabei zu beachten-, daß Biro-Bidschan eine gesonderte jüdisch-nationale territoriale Einheit darstellt. In dem plan soll die Mindestzahl der jüdischen Einwanderer für 1935 festgesellt werden. Zur Ausarbeitung des Fünfjahrplans für Djiv-BLdschan soll eine spezielle Konferenz unter Heranziehung von Vertretern des Komzet und der arbeitenden Massen in Biro-Bidschan selbst einberufen werden. Die Hauptverwaltung des geologischen Forschungsinstituts wird beauftragt, in Biro-Bidschan eine metallurgische Basis für den Fernen (Osten zu schaffen. Die Kooperation für Heim» arbeiter wird beauftragt, in Biro-Bidschan alle dort Ln Betracht kommenden Zweige der Heimarbeit-Industrie einzurichten. Der Rat der Volkskommissare (Sownarkom) wird beauftragt, eine ausreichende Zahl führender Techniker und Spezialisten nach Biro- Bidschan zu entsenden, die darauf zu sehen haben werden, daß der Aufbau Ln Biro-Bidschan zweckentsprechend öurchgeführt wird. Zum Schluß weist die Entschließung darauf hin, daß arbeitenden Juden im Auslände die Möglichkeit gegeben ist, nach Biro-Biöschan zu kommen, um an dem Aufbau dieses jüdischen Landes teilzunehmen. Komzet wird beauftragt, jüdische qualifizierte Fachleute aus dem Auslände zu bewegen, an der Verwirklichung des wirtschaftlichen und kulturellen Aufbaus von Biro-Bidschan teilzunehmen. ' In der Entschließung wird betont, daß der Aufbau von Biro-Bidschan eine der.wichtigsten, 'Staatsaufgaben .im Rahmen des zweiten Fünfjahrplans ist. Hoffentlich' gelingt dieser Aufbau der Landwirtschaft besser als der AbbaN der Religion . ... Die Anti-Pessach-Kamp agne.in.Moskau hat am Vorabend des Pesfach-Festes. ihren Höhepunkt erreicht. In der Zeit, in der die frommen Juden in den Synagogen beteten und darauf die Seder- Feiern abhielten, fanden in den Fabriken, in denen jüdische Arbeiter in größerer Zahl beschäftigt sind, antireligiöse Kundgebungen statt, Spezielle Versammlungen wurden für Frauen abgehalten. Die , Redner bezeichneten die jüdischen religiösen Uebungen als konterrevolutionär, dazu angetan, den Fünfjahrplan zu stören. Allein, trotzdem die Arbeiterjugend.die antireligiösen Kundgebungen in größerer Zahl besuchte, waren alle Synagogen von j ü d i s ch e n Andäch t i g e n ü b e r f ü l l t. Die Kommission für Trennung' der Kirche vom Staat in Weißrußland veröffentlicht Statistiken über die antireligiöse Bewegung, denen zu entnehmen ist: Auf dem jetzigen weißrussischen Territorium existierten vor der Revolution 655, am l. Januar 1950 nur noch 547 jüdische Gemeinden. Gegenwärtig existieren in Weißrußland 187 (Ortsgruppen jüdischer Atheisten (Apikorsim) mit insgesamt l 0 450 Mitgliedern, den gemischten Atheistengruppen gehören! 7 400 Juden an. In der letzten Zeit wurden besonders viele jüdische Frauen in die antireligiöse Bewegung hineingezogen. Während in den Jahren 1925/26 noch 20 proz. jüdischer Arbeiter an den Pessach-Tagen von ihren Arbeitsstätten fortblieben, waren es in diesem Jahre nur noch wenige Arbeiter, die an den pessachtagen feierten. Zu bemerken ist, daß diese Ziffern in Widerspruch stehen zu den Meldungen der jiddischen kommunistischen Presse, die laut darüber klagt, daß das peffach- Feft dem jüdischen Milieu seinen Stempel äuförückte, und daß viele Jugendliche und Arbeiter das Fest mitfeierten. Gesellfchafkskrikifche Bemerkungen. Bon einem Richtmarannen. l. W i e ö e r ve r h e i r a t u n g. Marannen stellen sich abtrünniger als sie sind; sie wollen ihre Wohlangesehenheit in abtrünnigen Kreisen sich sichern. Solche Marannen gibt cs heute noch, vielleicht sind die meisten Gesetzesübertreter solche Marannen. Sie sind nicht Freidenker und Gesetzesverächter aus Prinzip, sondern geben sich vor der Mehrheit diesen Anschein. Besonders gilt dies in der Jugend, auf dem sittlichen Gebiete. Manches Thorawiörige wird aus. Scheu vor dem Spott, der Modernen begangen oder sogar vorgetäuscht. Solches Vortäuschen wirkt als verderbliches Vorbild, wenn die so handelnden. Menschen in ’ geachteter Stellung..sind. In „modern" denkender (in der Tat schon etwas überholter) Konvention ist es dem Witwer nicht gestattet, sich wiederzuverheiraten. In. jenem soi dis ant modernen Kreise heißt das Prinzip: Befriedige, Witwer, dein Bedürfnis, wie. du willst, aber halte dein Haus „rein". Cs ist nicht anzunehmen, daß üm Kreise der Gesetzesübertreter solcher - unreiner, Gedanke tatsächlich Eingang .gefunden hat, aber er, wird' vorgetäuscht,, und unsere Witwer bleiben ledig. Auch hier hat das 'Abnorme über die Rorm gesiegt. Die Verwilderung und Unreinheit erklärt sich für normal und geregelt; sie., erklärt ihren eigenen kleinen Kohlgarten als weltnationalschutzpark, außerhalb dessen es Reinheit, Schönheit und- Rorm nicht gibt. Und die Gesunödenkenöen lassen sich von der Clique der Abnormen krankschreiben und fügen sich ' ihrem Urteil.. ' . , _ Wohl weiß auch Israels Weisheit: Wem der (Lo6 die Frau der Jugend genommen, dem mag es zumute sein wie einem, der die Tempelzerstörung miterlebt hat. Aber sie weiß auch: Am, Morgen säe deine Saat, doch auch am Abend -laß deine Hand nicht sinken, denn du weißt nicht, welche Saat gelingt,, diese oder diese (Cccl. 11, 6). Solche Zeiten wie die heutigen sollten besonders auf diesem Gebiete umwälzend wirken. Riemand weiß, ob die Kinder seines ersten Glücks oder spätere Kinder seines Alters Stützesein werden. Der Frauen-Ueberfchuß wächst bedrohlich. Die Altersjahrgänge, sind in solcher Ueberzahl, daß man nicht absteht, wie sie einst auch nur von den Gemeinöen, geschweige von den Familien ernährt, werden sollen. Das.eigene Interesse, aber vor allem das Ideal des Fortbestandes Israels, machen es allen heutigen noch jugendlichen Witwern zur Pflicht, sich wiederzuverheiraten. Daß im Gesetzesbefolgerkreise auch die KLndererziehung besser bei einer eigentlichen Hauses mutt e r gewährleistet ist als bei einer gemieteten Erzieherin und daß es auch einem gesetzestreuen Witwer nicht ansteht, im eignen Hause stetig jugendliches Personal anzustellen, versteht sich wohl von selbst, zumal Stiefmuttertragööien n i ch t bei uns heimisch sind. Stief k i n d e r tragödien sind gar zu leicht heraufbeschworen, wenn etwa ein Vater erwachsener Kinder sich wiederverheiratet. Einem solchen machen es die weisen zur Pflicht, gleich Abraham , zuerst die Verheiratung der Kinder und dann die eigne Wiederverheiratung anzustreben. Einem solchen gilt auch alles Obige nicht. Aber das ist die Minderheit. Allen übrigen Witwern gilt die Pflicht: sich von Zeitkonventionen unsauberster Art. loszumachen und aufs Reue zu ehelichen. erste Kräfte, die etwas leisten. Von' 8—12 Uhr ist der Betrieb am regsten; jede Minute zählt. Einer feiner Buchhalter scheint sich um das Gefchäftsprmzip wenig zu kümmern. Er erscheint oft erst um halb .9 Uhr, ja, noch später, begibt sich in aller Gemütlichkeit an seinen Platz zu seinen Büchern. Er scheint es gar nicht so eilig zu haben; er blickt oft minutenlang ruhig umher und nach halb 12 Ilhr schließt er oft schon sein Buch. Natürlich, machen ihn Prinzipal und Rollegen auf das Unhaltbare dieses Eebahrens aufmerksam, jedoch, mit schlechtem Erfolge. Bei einer abermaligen und heftigen Auseinandersetzung mit dem Chef meint der Buchhalter kühn: „Ich leiste genau dasselbe, wie die anderen und weise Ihre Vorwürfe zurück." .Der .Chef, .gerät in begreifliche Entrüstung und cs kommt zum Bruch. „Gehen .Sie in die Welt: undlernen Sie nur das Eine, daß rede menschliche Tätigkeit, an die Zeit gebunden ist. Zeit ist die Urbedrngung jedweder Leistung. Lernen Sie das. Sie sind entlassen." . In unseren Synagogen herrscht auch ein reger Betrieb, d. h. ein Tempo, das kaum mehr zu steigern ist; denn man steht.schon hart an der Grenze der Möglichkeit, noch überhaupt ni-va nl-a oren zu können. Wenn man beispielweise daran denkt, daß das' minv der Werktage, eine knappe halbe Stunde dauert, am nmrm ns’-ip vielleicht 40 Minuten — andere bringen „es noch schneller fertig" — dann sind doch schon an die rein sprechtechnische Leistung gewissermaßen Höchstforderungen gestellt. So mancher hat noch nicht nachgeprüst, — wir reden hier noch von guten Leistungen — daß man zu §av iy2 Minuten, zum leisen Schmono. Esra etwa 23/4; zu Laut-n"' 4l/4 Minuten, zu pinn, zu je 1 Minute braucht. Danach ist leicht zu ermessen, was einer versäumte, der zu 'ivneintritt und erst Tallis und Tefillin legt, oder gar noch später erscheint. Wir sehen hier ab von der Unmöglichkeit, sich an einem geordneten Gememdegebet zu beteiligen und der heiligen Pflicht des Nachsagens'zu'genügen." Wir haben die rein, sprechtechnische Seite , im Auge. Da haben wir das Pendant des oben gezeichneten säumigen Buchhalters. Es ist das gleiche Verhalten. Wer wirklich meint, solche „Rünstleistungen" im Oren vollbringen zu können, möge antreten und in lautem Vortrag öffentlich die Probe ablegen. Das ist der einzige und beste Prüfstein. Wir glauben, der Chef würde auch da Zagen: Sie sind entlassen. Außerdem gäbe es noch ein anderes Probeverfahren. Man sage das Gebet auswendig her; denn was man täglich ausspricht — wirklich ausspricht — das muß auswendig gehen, und wären es lateinische, griechische, spanische oder was für Terte immer. Wir glauben und fürchten, daß hier nicht einmal sae? oder rr’ tadellos ginge, geschweige denn ein mi^u,pum oder sonstige Stellen.' Warum geht denn bei vielen das v>ip so holperig, obwohl man es im Jahre tausendmal hört? Eben, weil man es nie selbst ausgesprochen hat. Man mache die Gegenprobe und bete einmal nur einige Monate rpaa p^a man wird es auswendig können. So ist auch in dieser Richtung der Beweis erbracht, daß die Säumigen, namentlich die notorischen Spätkommer nicht von einem rechten und richtigen Oren reden dürfen. Es geht hier genau so wie bei allen geschäftlichen und sonstigen Leistungen: ohne Zeitaufwand kann nichts erreicht werden. Wer Gegenteiliges glauben machen möchte, der flunkert nur. (Fortsetzung folgt.) •1'iM Die in Ihrer nos-Nummer behandelte Frage, warum im pivsder nw das erste Mal yiaa 'a ohne Dogesch und das zweite Mal mit Dogesch steht, oder besser: warum beim zweiten Mal das v2i steht im Gegensatz zu den Regeln der Grammatik, die ein non *2 nach der offenen Silbe ’a verlangen würden, ist eine alte. "na Iran gibteine - kabbalistische Deutung unter Hinweis auf die schwache und die starke Abart der pan ma* Der »12*1 (siehe nii-rmn •nxuO weist auf die Persönlichkeit N2'a hin, der —nach dem Talmud 2-p prn.nc, — schon beim Durchzug durch, das Meer fein Götzenbild (siehe Richter, Rap. 17) bei sich hatte (tto d’2 ->2srj)- Da, wo — beim zweiten Mal — das “paa ’ö unmittelbar neben dem G^ttesuamen steht, könnte, wenn ohne e>27 gelesen, im Ohr des Hörenden der Rlang *7i2’a M" entstehen und an dieser Stelle muß auch die leiseste Mißdeutung vermieden werden. Ein ähnlicher Grund veranlaßt, nach p*"m,noch einmal in der nmv vrn- Bei p«2 ibt» müßte das '2 nach der offenen Silbe schwach gelesen werden. Dann könnte es aber "rn klingen px *paT „sie vergleichen dich dem Stern" und so schließt das twi auch hier einen Mißklang aus. Rabbiner Dr.-Merzbach, Darmstadt. Wochenkalender. vom 7. — 14. Mai 1933 r vom 1. — 8. Jjar 8693 1 ~~7~~T »Bl» ep Samstag 7 1 KBV rrn '2 n»»np mer Sonntag 8 2 T Montag . 9 3 n Dienstag Mai 10 4 Mittwoch 11 1"« 5 ' - Donnerstag 12 6 K» Freitag 13 7 2' Samstag 14 8 2' 2*712 P212B '2 plv *>BK