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Der Israelit · 1932-05-04 · Heft 19 (4.5.1932) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 19 (4.5.1932)
Date
1932-05-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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4, Mai 1932, D.e. r 3 s r a e l. i t. Nr. 19 Seite 3 Herr Loty hat offenbar aus diesen unö ähnlichen 'Ausgeburten der antisemitischen Phantasie die Ueberzeugung gewonnen, daß die Zentrale dieser revolutionären, jüdischen Weltherrschaftsbestrebungen, das Bankhaus Kuhn-Loeb u. Eo. in Rewyork und vor allem sein verstorbener Chef, der Philantrop Jacob Schiff gewesen sei. Schiff hat nach Herrn Coty die russische Revolution finanziert, und überall, wo in der Welt im Innern der Völker explosive Kräfte wirken, die Wenschen und die Völker gegeneinander gehetzt oder sonstige Unheilsaaten gestreut werden, geschieht das alles von'der geheimen jüdischen weltzentrale aus, die auf diese weise die Weltherrschaft Israels etablieren und befestigen, will. - Es lohnte für uns nicht, auf diese blutrünstigen Klärchen einzugehen, die kein vollstnniger Rlensch, der eine Ahnung von der Wirklichkeit hat, für diskutabel halten kann, wenn Herr Loty nicht auf den merkwürdigen Einfall käme, sich als Kronzeugen neben anderen jüdischen Organisationen auch auf die Agudas Iisroel zu beziehen. Die Agudas Iisroel mit ihren 800.000 Mitgliedern in allen Ländern der Cröe stelle die Opposition des gesunden religiösen jüdischen volksempfinöens gegen jene — abenteuerlichen Weltbeherrschungspläne dar! Herr Coty glaubt diesen sonderbaren Schluß aus der allerdings an sich richtigen Tatsache ziehen zu dürfen, daß Agudas Iisroel gegen ein allzu lautes pochen auf den vertragsmäßig gesicherten Minderheitsschutz in den einzelnen Golusländern ist und überall für eine direkte friedliche Verständigung zwischen den einzelnen Staaten und ihren jüdischen Bürgern eintritt. Vielleicht ist es auch die scharf ablehnende Haltung der Agudas Iisroel gegen- , über dem religionslos en politischen Zionismus, die Herr Coty dazu mißbraucht, : um sich mit seinem schlecht maskierten Judenhaß der : Agudas Iisroel anzufreunöen. Dieser Anbiederungsversuch kann die Aguda kalt lassen. Sie hat nichts zu schaffen mit einem Manne, der sehr wohl die Mög-! lichkeit hätte, bei objektiver und leidenschaftsloser j Prüfung der Tatsachen die Wahrheit zu erkennen, und l der statt dessen unter dem. Scheine der Objektivität : mit unerhörter Verlogenheit legendäre Verleumdun- < gen gegen das wahrlich auf der ganzen Ende genugi sam bedrückte und verfolgte jüdische Volk in die Welt < setzt. Mögen Zionisten, Nationalisten unö jüdische , Minderheitspokitiker noch so verhängnisvolle Fehler , begehen, weil sie ihre im tiefsten Sinne assimilatori- , schen politischen Grundsätze nicht aus dem g'ttlichen ] Gesetze schöpfen, sondern aus zeitgeborenen, von j außen hineingetragenen. Systemen, Fehler, die die ] Gesamtheit sehr häufig unverdienterweise büßen muß — darum ist doch an den ganzen Ausstreuungen, die Herr Eoty gegen jene jüdischen Kreise in die Welt setzt, kein Körnchen Wahrheit. Der Chason ist der max mbv, der Abgesandte der Gemeinde, den sie vorschiöt an den Betpult als ihren Sprecher und Fürsprecher. Sie lauscht seinen Worten und gibt ihren Beifall kund durch das sogenannte „Nachsagen". Und welch innige Verbindung zwischen beiden Teilen bildet jedes in» “pnai am pna, jedes pa, jedes «an n»a» an» pa usw. Man muß die tiefe ■ Bedeutung dieser Worte kennen und den heiligen Ernst,, mit dem uns das „Nachsagen" zur Pflicht gemacht ist, um das Peinliche zu begreifen, wenn auf des Vorbeters Worte weder in«? Tnai am -pna noch pa folgt oder n»n» an» pa aan usw. Es hört und sieht sich an, wie in obigem Gleichnis: das erwartete „Hoch" zur Huldigung bleibt aus. Jedes pa als Zustimmung zur nana des Vortragenden knüpft ein brüderliches Band um beide, läuft auf den Gedanken der Zusammengehörigkeit hinaus, auf. den Klall- und Arewüs-Gedanken nman pa naw pia»nn»a aan abwb pbn er» ny» „SBenjt bas Kind pa nachsagt, hat es schon Anteil am jenseitigen Leben." Das kleine Wörtchen — und solch hoher Lohn'. Sogar auf die nana eines Rindes ist pa zu sagen. Mordochai Jafa, der berühmte Verfasser der „Lebuschim", erzählt, wie er sich in Italien den Zorn und Bannfluch des Meisters Abohab zugezogen, weil er nicht pa auf die nana von dem Söhnchen des Rabbi nachsagte. Er mußte schließlich versprechen, bei seinem ferneren Wirken in Deutschland dem Publikum die hohe Bedeutung des Nachsagens einzuschärfen.*) — ama p n»m» »an lehrte: Wer pa in dieser Welt nachsagt, wird es auch in „jener Welt" nachsagen: denn so ist es gesagt: pai pa cuVirV m pna Gelobt sei der Ewige immer, pa und pa d. h. hier auf Erden und in der zukünftigen Welt. — naiy ia»a» »n man i>ina i»aiy »pa Wer nicht pa nachsagt, dessen *) Mordochai Jafe starb um 1611. Er war Rabbiner in Posen, vorher in Grodno, Lublin u. a. O. Am vie Aachsolge Rabbi Chajim Sonnenfelds Wie aus den schon vor den Festtagen im Nachrlchtenteil unseres Blattes veröffentlichten Jerusalemer Berichten hervorgeht, bereitet die Wiederbesetzung des durch den schmerzlichen Heimgang Rabbiner Sonnenfelds verwaisten Oberrabbinats der orthodoxen Gemeinde in Jerusalem keine geringen Schwierigkeiten. Obgleich man schon seit Jahren an alle Cventualitäten gedacht unö vor einer Reihe von Monaten, nach vorangegangenen mündlichen Verhandlungen, einer rabbinischen Autorität ersten Ranges; Öberrabbiner Sack in Riga, einen in aller Form ausgefertigten Rabbonusbrief übermittelt hatte, liegt noch immer kein Definitivum vor. Cs läßt sich verstehen, daß eine Gemeinde wie Riga nichts unversucht läßt, um sich ihr hochverehrtes geistiges Oberhaupt zu erhalten und die eigene Gemeinschaft vor den mit einer Neuwahl verknüpften, unvermeidlichen Kämpfen zu schützen. Daß es außerdem nicht gerade ein leichter Entschluß ist, aus, einer gesicherten und friedlichen Position in der Diaspora in vorgeschrittenem Alter den heißen Boden der heiligen Stadt zu betreten und dort sich in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzungen zu stellen, ist ebenfalls psychologisch höchst verständlich. Allein über diese normalen Schwierigkeiten der Lage hinaus muß auf die keineswegs selbstverständlichen, sondern im höchsten Maße beschämenden Kesseltreibereien hingewiesen werden, die von einer Stelle, die darüber, erhaben sein sollte, nämlich vom offiziellen Oberrabbinat Palästinas, dem M i s r a d - h a r a b a n u t h , in den letzten Wochen veranstaltet werden, um die Uebernahme des aschkenastschen Oberrabbinats durch eine so bedeutende Autorität wie Öberrabbiner Sack zu v e r h i n d e r n. wir hegen nicht den Verdacht, daß eine Persönlichkeit, wie Oberrabbiner Kuk, fetter dieses Kesseltreiben veranlaßt oder billigt. Aber es geschieht, wie die uns vorliegenden Originale beweisen, im Rainen des Oberrabbinats und Besd i n und wird durch den bekannten Generalsekretär des Oberrabbinats, Schmuel Aron Weber, mit der diesem bewährten Kämpfer eigenen Rücksichtslosigkeit und Skrupellosigkeit veranstaltet. So liegt uns z. B. ein Brief vor, den dieser Herr im Namen des Oberrabbinats und des Besdins an die Leitung der H e - broner Ieschiwo, Kneses Israel, unterm 9.. Nissan gerichtet hat und der in wörtlicher Uebersetzung wie folgt lautet: „Wir haben gehört, baß auch im Namen der Leitung Ihres Instituts, die Einsetzung eines neuen Rabbiners für die Gemeinde der Afchkenasim unterzeichnet wurde im Gegensatz ZUM Willen des orthodoxen Judentums in Jerusalem mb im Gegensatz zu der Ansicht der überwiegenden Mehrheit derjenigen, die Ihr Institut unter- Strafe ist sehr groß. — Es lehrte R. Jehofchua ben Levi: „Jeder, der aan n»n» an» pa mit ganzer Kraft nachsagt, ia'n nta li» psnp, dem „zerreißt" man böse Verhängnisse." Wir möchten außerdem darauf Hinweisen, daß gerade beim »mp die Pflicht des Nachsagens viermal in direkter Befehlsform ausgedrückt ist: pa mnai, und sprechet Amen. Wie oft gibt es in Gemeinden Streitigkeiten, ja Zerwürfnisse wegen dieses oder jenes Paragraphen in der Synagogenordnung, wegen eines. Ornamentes, eines Deckchens oder Vorhangs. Es geht mitunter um Lappalien. Dem gegenüber sei gesagt: Führt Aufsicht über das Nachsagen. Es ist die altjüdische und idealste Synagogenordnung. Keine bessere kann es geben. Das pa soll von allen . an jedem nana-Schluß, nicht eher und nicht später in gleicher Tonstärke,, wie der Vorbeter sie anwendet, gesprochen werden. Das verlangt die Synagogenordnung der viel verspotteten „Judenschul". — Und Ihr im Trauerjahren die ihr um jedes »mp feilscht, beherzigt doch, daß em richtiges Nachsagen die Wirkung hat, als hätte man dienanaoder das »»np selbst gesprochen, und bedenkt doch, daß das »mp des Trauernden um fern Jota anders lautet als das »mp ttn ganzen Jahr unter normalen 'Verhältnissen. Sollten derlei Erwägungen uns nicht mahnen, das »mp immerwährend hochzuschätzen und dies durch gewissenhaftes Nachsagen zum Ausdruck zu bringen? 3. Wir lesen in der Zeitung von heftigen Angriffen; auf Juden und Judentum im Landtage zu M. Alle Minen läßt der skrupellose Antisemit springen und findet natürlich den lebhaften Beifall seiner Gesinnungsgenossen. Ihm tritt in glänzender Abwehr der bekannte Gelehrte Prof. Dr. K. entgegen. Punkt um Punkt nimmt er sich her und zerpflückt die Behauptungen des Judenfeindes in ein wahres Nichts.- Jedes Wort ein Keulenschläg; stützen und ihm angehören, die weit entfernt sind von Politik, und deren Herz einig ist mit dem für die Gemeinden der Afchkenasim eingesetzten Rabbinat, von dem das Institut immer Nutzen gezogen hat und auf das es sich zu jeder Zeit stützte. Indem wir Ihnen dies mitteilen, lenken wir Ihre Aufmerksamkeit auf den öffentlichen Schaden, der G'tt behüte hieraus erwachsen könnnte, damit Ihr den Fehler, solange es noch Zeit ist, wieder gut macht. Wir erwarten Eure Antwort nicht später als Dienstag, den 13. d. M., damit wir wissen, womit wir es zu tun haben und nach dem Gesetze verfahren können." Diese unverfrorene Boykottandrohung, die sich auf keinerlei juridisches oder moralisches Recht stützen kann, ist,von der Ieschiwo, deren Leiter bekanntlich, Rabbi Rlosche Rlordechai Cpstein, Mitglied des Rabbinischen Rates der Agudas Iisroel ist, unbeantwortet geblieben, von der großen Zahl anderer Institute und Kolalim, die ähnliche Drohbriefe erhalten haben, versuchen sehr viele, durch nichtssagende Formeln die Schwierigkeiten der Lage, die aus dem Gegensatz zwischen Geldinteressen und innerer religiöser Ueberzeugung erwächst, zu umgehen. Das ganze Material der Antworten hat man^ nun in liebenswürdiger weise Herrn Öberrabbiner Sack übermittelt u n d i h n zu einem Din-Thora wegen Grenzverrückung (^m rnipn) gelade tu. Der politische Haß hat also die Begriffsverwirrung in den Kreisen des Misrad-harabanuth bezw. in den Kreisen des waad kol hakolelim, der als Briefträger fungiert, derart gesteigert, daß man tatsächlich dem Rächstbeteiligten und der Welt Vortäuschen will, das Oberrabbinat Kuk habe irgend welche Kompetenzen gegen überdemwaadhairAfchken a s i und gegenüber den 20 000 volljährigen orthodoxen Juden, die aus der Kneses Israel rite ausgeschieden sind und damit das Tischtuch zwischekt sichunddemOberrabbinatderKneses Israel zerschnitten haben! Cs ist indessen nicht anzunehmen, daß die Jerusalemer Mataöore über die Ungesetzlichkeit und über die Unstttlichkeit ihres ganzen Vorgehens im Zweifel sind, aber sie glauben, durch ihren Terrorismus politische Erfolge erzielen und die unabhängige Orthodoxie tot machen zu können. Und der Zweck heiligt bei manchen Leuten bekanntlich das Mittel. Als ein Mittel z u m Z w e ck muß auch die künstlich geschürte Entrüstung über das bekannte Purimspiel der Agudojugend in Jerusalem jetzt gekennzeichnet werden. Der ganze Vorfall ist von vorneherein durch die leitenden Organe der Agudas Iisroel in Jerusalem unö insbesondere auch von Seiten der Weltorganisation aufs schärfste mißbilligt unö von dieser als ein Verbrechen an der Seele der, Jugend wie als ein Ehillul-haschem ersten Ranges gebranömarkt worden. Aber man wird nicht verjeder Gegenbeweis von zwingender Ueberzeugungskraft. Von den Bänken der Linken wie aus der Mitte. des Hauses Beifall, leider nur schüchtern und schwach, nicht wie es die Verteidigungsrede sachlich verdient hätte. Es hätte ihre Wirkung sicher stark gesteigert. .Es gibt in unseren Gt'teshäusern. ähnliche Bilder. Die Nachsagenden sind wenig, und die wenigen sprechen dazu noch halblaüt, vielleicht sogar schwach und leise. Es fehlt der Geist, Kraft und Schwung. Immer noch bleibt es wahr, daß der Ton die Musik macht. Warum also hier nicht? Darum ruft uns N. Schimeon ben Lakisch zu: py ja »ny» ib n»nniB ma bss pa naiyn l-a Jeder, der pa mit ganzer Kra ft nachsagt, dem öffnet man die Pforten des Garten Eden. Und ' »an y»in' Sohn Levis lehrte: Wer aan n»n» an» pa mit seiner ganzen Kraft nachsagt, dem zerreißt man sein böses Verhängnis. — Die Ophanim und die Ehajat erheben sich den Seraphim gegenüber Vna »na mit großem Getöse. Die Engel lassen die Worte G.ttes mit lauter Stimme hören, n"n o»p^a »nan Vipa nn» nan»a n»y»n»n Die Dynamik als rethorisches Moment ist nicht zu entbehren bei öffentlichen Vorträgen, bei Musik und auf der Bühne. Sie ist lebenswarmer Ausdruck des inneren Erlebens. Das gilt auch für das Nachsagen, ina!>aa d. h. inavia lwa Mit seiner ganzen Kraft, d. h. mit seiner ganzen Andachterläutern die Weisen. Lautes Nachsagen gilt als Maßstab für wahre Herzensandächt, für echte Kawono. Das sollte jeder beherzigen. Wie bei Tausenden von Dingen im Leben es auf das „Wie" ankommt, so auch beim Nachsagen. 4. Herr Arthur Vaumgarten betreibt ein großes Metallwarengeschäft, ein väterliches Erbe. Er beschäftigt nur

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