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Der Israelit · 1932-11-10 · Heft 46 (10.11.1932) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 46 (10.11.1932)
Date
1932-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 46 Seite 7 10. November 1932 D er Israelit verbände, sowie je drei weiteren Mitgliedern, und zwar einem Rabbiner und zwei Laien aus jedem Ritus. Das vierte Kapitel schließlich enthält die bis zur endgültigen Konstituierung des mosaischen Kultus in Rumänien notwendigen Uebergangsbestimmungen. Bei Beratung der Organisation der Gemeinden nach Riten betonte Senator Dr. Niemirower den Grundsatz der Eniheit und Einheitlichkeit der mosaischen Religion, ein Grundsatz, der auch nach Inkrafttreten des Vlad'schen Gesetzes verfochten werden müsse. Andererseits aber müsse den erworbenen Rechten der orthodoxen und spanolischen Verbände Rechnung getragen werden. Einen der Höhepunkte der Debatte bildete die Aussprache über das Verhältnis der B e e r d i g u n g s b r ü d e r s ch a f t e n (Chewra Kadischa) zu den Gemeinden. Diese Gesellschaften verfügen in Rumänien über den Hauptteil der zu Kultuszwecken zur Verfügung stehenden Mittel. Es wurde beschlossen, daß die Beerdigungsbrüderschasten unabhängig bleiben, aber verpflichtet sein sollen, ihr gesamtes Einkommen den Gemeinden zur Verfügung zu stellen. Es wurde festgelegt, daß der oberste Rabbiner jeder Gemeinde im Vorstand Sitz und Stimme, sowie ein Vetorecht in religiösen Fragen betreffenden Beschlüssen haben solle. Wir kommen auf den Entwurf, zu dessen Inkrafttreten das Einvernehmen auch der neurumänischen Gemeinden erforderlich ist, noch einmal zurück. Eine Verordnung des rumänischen Unterrichtsministeriums zugunsten der sabbattreuen Schüler. Bukarest, 1. Nov. Die jüdischen Parlamentarier und Führer der großen jüdischen-Organisationen und Gemeindeverbände in Rumänien führen seit Jahren einen zähen Kampf um Befreiung der jüdischen Schüler in den Staatsschulen von schriftlichen und sonstigen manuellen Arbeiten an Sabbat- und jüdischen Festtagen. Als Ergebnis dieser Bemühungen ist ein soeben vom Kultusministerium an die Leitungen aller Staatsschulen hinausgegebener Erlaß anzusehen, in welchem dies angewiesen werden, bei Ausstellung der Stundenpläne nach Tunlichkeit die Ansetzung von Unterrichtsstunden im Schreiben und in Handfertigkeitsgegenständen an Sabbat- und jüdischen Feiertagen zu vermeiden. Der Erlaß des Unterrichtsministeriums betont ausdrücklich, daß diese Maßnahme zu treffen sei, -um einem wiederholt geäußerten Wunsche der jüdischen Bevölkerung zu entsprechen. In jüdischen Kreisen hat der Schritt des.Kultusministeriums, obwohl er die jüdischen Forderungen nicht zur Gänze befriedigt, als Zeichen des Verständnisses für die religiösen Belange der sabbattreuen Bevölkerung Genugtuung ausgelöst. England. Eine ungeahnte Anerkennung Herbert Samuels. London,?. Nov. Eine ungeahnte und ungewollte Anerkennung feiner Amtswaltung in Palästina würde Herbert Samuel im Unterhause zuteil. Während der Debatte über dos Abkommen von Ottawa, dessen schutzzöllnerischer Charakter bekanntlich den unentwegten Freihändler Sir Herbert Samuel zum Austritt aus demjetzigen Kabinett bewogen hat, griff der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister Herbert Samuel an und führte aus, man hätte lange suchen müssen, um einen unentwegteren Schutzzöllner zu finden, als es Sir Herbert Samuel zu der Zeit gewesen ist, da er als High Commissioner für die Palästina-Administration verantwortlich war. Er habe damals einen hohen Einfuhrzoll auf Salz gelegt, wodurch er es erreichte, daß Palästina nicht nur alles Salz zu eigenem Gebrauch, sondern auch. Salz für den Export nach Aegypten zu produzieren in der Lage war. Während er in England Freihandel predigte, praktizierte er in .Palästina Schutzzollpolitik; so habe er einen Tabakzoll eingeführt, der Palästina in die Lage versetzte, seine eigene Tabakindustrie zu entwickeln. (Na, also! Red.) Samuel bemerkte, es handelte sich hierbei nicht um einen Schutzzoll, sondern um eine innere Besteuerung. Cunliffe-Lister bemerkte, ihm liege es fern, Sir Herbert Samuels Tätigkeit als High Commissioner anzugreifen, er wolle nur beweisen, daß sogar ein Freihändler wie Samuel, wenn er für die praktische Verwaltung verantwortlich ist, von seinem Prinzip abweichen muß. In der vorangegangenen Sitzung, während der Debatte über das Mißtrauensvotum der Arbeiter-Partei gegen die Regierung Macdonald, griff LloydGeorge, der bekanntlich noch weiter links steht als Sir Herbert Samuel, seinen früheren engsten Mitarbeiter in der großen Liberalen Partei an und sagte, die große Rasse, deren ausgezeichnetes Mitglied Sir Herbert Samuel ist, war einst in Sadduzäer und Pharisäer geteilt. Die Sadduzäer waren tolerant und faßten ihre Glaubensdoktrine weltlicher auf, während den Pharisäern ein kleinliches rechthaberisches Wesen eigen war. (Lloyd George scheint das treffliche Buch seines Landsmannes Herford nicht gelesen zu haben. D. Red.) Die Simon-Liberalen sind die Sadduzäer, die Samuel- Liberalen die Pharisäer. Sir Herbert Samuel rief ihm zu: Es gab auch die Essäer, die sich in die Wildnis zurückzogen . . . - Board of Deputier. London, 4. Nov. In der letzten Sitzung des Board of Deputies gelangten im Rahmen der reichbesetzten Tagesordnung zwei Punkte zur Besprechung, die über den englischen Kreis hinaus von starkem Interesse sind. Bekanntlich ist es bei der Einführung des Sonntagsruhezwangs für das Friseur- und Barbiergewerbe gelungen, eine Ausnahmebestimmung zu Gunsten der am Sabbat geschlossenen Friseur- und Barbierläden durchzusetzen, die am Sonntag die verlorene Arbeitszeit nachholen dürfen. Eine Deputation des parlamentarischen Komitees des Friseurgewerbes hat sich nun beschwerdeführend an das zuständige Komitee des Board of Deputies gewendet und hat Material unterbreitet, aus dem heroorgeht, daß diese Klausel zu Gunsten der sabbattreuen Juden leider in empörender Weise mißbraucht worden ist. Es sind Fälle vorgekommen, in denen ein und derselbe Inhaber verschiedene Läden betreibt, von denen er einen Teil am Samstag und einen Teil am Sonntag offen hält. Manchmal hat man auch einfach diese gleiche Jnh'aberschaft verschleiert durch Eintragung des einen Ladens auf den Namen eines Familienmitgliedes. Es herrschte selbstverständlich allgemeine Entrüstung über diese Mißbräuche, gegen die man von jüdischer Seite mit der allergrößten Energie vorgehen wird und muß. Es handelt sich hier auch keineswegs bloß um die Erhaltung der Sabbatklausel, in dem Spezialgesetz für die Friseure, sondern es wird natürlich, wenn solche Mistbräuche ungesühnt bleiebn, dann auch sehr schwer werden, ähnliche Vergünstigungen bei einer weiteren Ausdehnung der Sonntagsruhegesetzgebung aus andere Erwerbszweige durchzusetzen. Aus diesem Grunde muß gegen die Gesetzesbrecher mit größter Rücksichtslosigkeit vorgegangen werden. Der Bericht des Komitees für Naturalisationsfragen gipfelte in einem Antrag, die jüdischen Gemeinden des Landes darauf hinzuweisen, daß sie heute zur Besetzung ihrer Rabbiner-, Prediger- und Vorbeterposten in genügender Zahl qualifizierte Kräfte in England selbst finden könnten und daß es daher nicht nötig fei, für die Zulassung ausländischer Bewerber um solche Posten einzutreten. Aus der Versammlung heraus wurde gegen diese Klausel stark opponiert und sie verfiel denn auch mit 36 gegen 18 Stimmen der Ablehnung. Tagung der Anglo-Jewish Association. London, 7. Nov. Am 6. November fand in London eine Tagung der A n g l o - I e w! s h Association statt. Der Präsident der Anglo-Jewish Association, Leonard G. Montefiore, der den Vorsitz führte, brachte den Brief der polnischen Gesandtschaft in London an einen aus Polen stammenden Rabbiner zur Sprache und gab seiner Verwunderung Ausdruck, daß die Gesandtschaft das Vorhandensein von Antisemitismus in Polen überhaupt in Abrede stellt. Dankbar müssen wir aber der polnischen Regierung sein für die von ihr kürzlich gemachten Interventionen zugunsten jüdischer Staatsangehöriger Polens in Luxemburg, Rumänien und Deutschland; die Interventionen waren von sehr großem Nutzen. Leonard Stein wandte sich scharf dagegen, daß American Jewish Congreß beim englischen Botschafter in Washington Vorstellungen wegen der bekannten Aeußerung des palästinensischen Kronanwalts Elliot erhoben hatte. Auf eine Bemerkung von Laiches, er sehe nicht ein, weshalb American Jewish Congreß solche Vorstellungen nicht erheben sollte, erwiderte Leonard Stein, er beurteile das Vorgehen des American Jewish Congreß als „unverschämt". Leonard G. Montefiore berichtete über die Lage der Juden in Aden und über seine Intervention beim Jndia Office in London. Von den nach den Unruhen ausgewiesenen 70 Moslems und 11 Juden durfte eine Anzahl Moslems und Juden Wieder nach Aden zurückkehren. Die jüdische Gemeinde von Aden hat von der Negierung in Indien Schadenersatz für die durch die Unruhen geschädigten Juden verlangt. Palästina. Das jüdische Palästina fordert die Entfernung des Uronanwalts Clliot von seinem Amte. Jerusalem, 3. Nov. Die Vereinigung jüdischer Anwälte Pal ä st i n a s befaßte sich in einer Sondertagung mit den antijüdischen Aeußerungen des palästinensischen Kronanwaltes L. F. Elliot vor Gericht. Elliot sagte, es sei in England allgemein bekannt, daß Juden ihre Läden und Warenbestände versichern und sie dann durch Feuer vernichten, um die Versicherungssumme einzustecken. Die Vereinigung nahm einstimmig eine Resolution des Inhalts an, daß diese Aeußerung des Kronanwalts eine Beschimpfung der Juden darstellt und daß L. F. Elliot nicht die Eignung besitze, die Posüon eines Kronanwalts in Palästina einzunehmen. Der Verband der Allgemeinen Zionisten Palästinas schloß sich der Resolution an. Auch der W a a d L e u in i hat in seiner am 3. November abends abgehaltenen Sitzung eine in scharfen Worten gehaltene Resolution gefaßt und der Regierung übermittelt, in der die Entfernung des palästinensischen Kronanßialts Elliot, der vor Gericht beleidigende und verleumderische Aeußerungen gegen die Juden getan hat, von seinem Posten gefordert wird. Die Agudas I i sroel Palästinas nahm eine ähnliche Resolution an und übergab sie der Regierung. Elliot hat sich nunmehr wegen seiner Aeußerung, die er als eine momentane Entgleisung bezeichnet, entschuldigt. Diese Entschuldigung vollzog sich in einer feierlichen Zeremonie. Der palästinensische Oberrichter, Sir William McDonnel lud die jüdischen Anwälte Jerusalems für den 4. November morgens in das Oberste Gericht. Kronanwalt L. F. Elliot gab vor den versammelten jüdischen Anwälten eine Erklärung ab, mit der sich die Anwälte zufrieden gaben. Der Zwischenfall darf als erledigt angesehen werden. m Die Woche. Israelitische Volksschule. Die Eintrittskarten zu der am 20. November stattfindenden akademischen Feier aus Anlaß des fünfzigjährigen Bestehens der Israelitischen Volksschule können nur im Büro der Israelitischen Religions-Gesellschaft und beim Pedell der Schule in Empfang genommen werden, nicht auch, wie ursprünglich mitgeteilt, im Volksbildungsheim. Iubiläums-Kaffee der Jüdischen Frauenvereinigung. Im großen Saal der Frankfurt-Loge bot die festliche Tafel mit brennenden Girandolen den 200 Teilnehmerinnen der I u b i l ä u m s - F e i e r der Jüdischen Frauenvereinigung E. V. ein schönes Bild. Vier bekränzte Stühle ehrten die Jubilarinnen, die Damen: Wohlfarth, Birnbaum, Levis und Cramer. Mit warmen Worten begrüßte die erste Vorsitzende, Frau Paula Nußbaum, die Versammlung, dankte in erster Linie, dem Fest-Komitee für seine große Mühe und Arbeit und gedachte voller Wehmut Frau Besthoff's die 20 Jahre als erste Vorsitzende in selbstlosester Weise erfolgreich den Aufstieg der Vereinigung gefördert hat; sie brachte am Schlüsse den Jubilarinnen die herzlichsten Glückwünsche der Vereinigung zum Ausdruck. In launigen, guten Versen kündete Frau Selka Ochsenmann Rednerinnen und Tischlieder an. Die Vorsitzende der Kommission für geistige Interessen, Frau Bertha Stiebel, betonte den gesetzestreuen Standpunkt der Vereinigung, die keinerlei Politik betreibe, hob die unermüdliche soziale Leistung der Vorstandsdamen und der Unterstützungskommission hervor. Frau Nanny Levis, seit 28 Jahren dem Vorstände angehörend und vorbildliche Kassiererin, dankte den Vorrednerinnen auch im Namen von Frau Hedwig Cramer für die hohe Ehrung, lieh in vorzüglicher Rede die Vergangenheit der Vereinigung aufleben und richtete einen sehr warmen Appell an alle Gleichgesinnten, besonders an unsere jungen Frauen, Mitglied zu werden, sich einführen zu lassen in unser Werk der Zedokoh und des echt jüdischen Gemilus Cheed. um unserem Liebeswerk Fortbestand zu sichern. Frau Fanny Neuberger brachte die Glückwünsche des Henriette Besthoff-Horts für jüdische Mädchen in Vertretung der Vorsitzenden, Frau Paula Breuer, zum Ausdruck und betonte, daß dieses Liebeswerk für Kinder nicht nur der Gründerin, deren Namen es trägt, am Herzen lag, sondern ein bevorzugtes Lieblingskind der Vereinigung sei. Frl. Rahel Mainz ehrte in liebenswürdigen Versen Frau Levis als unübertreffliche Kassiererin.

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