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Der Israelit · 1932-11-10 · Heft 46 (10.11.1932) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 46 (10.11.1932)
Date
1932-11-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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10. November 1932 Nr. 46 Seite 5 genden Not nutzbar zu machen. Es sollen schulentlassene, aus ihre Berusseignung geprüfte Kinder, die hier in Lehrstellen nicht unterzubringen sind, auf vorhandene freie Lehr- und Arbeitsstellen in Palästina gebracht werden, wobei ein dort bereits ^gebildetes Komitee die Aufsicht über die Kinder während ihrer Lehrzeit haben wird. Die erste Jugendlichengruppe aus Berlin, im Alter von 14 bis 16 Jahren, für die Lehr- und Arbeitsstellen in Palästina bereits beschafft wurden, refft demnächst ab. Der Thüringer Hotelbesitzerverband gegen das Schächtgesetz. Weimar, 2. Nov. In einer Eingabe an den Thüringer Landtag wendet sich der Thüringer Hotelbesitzerverband gegen den Ent- .wurs eines Schächtgesetzes, der dem Landtage vdrliegt. Der Verband betont, daß ihn selbstverständlich rein wirt-/ schaftliche Gesichtspunkte zu seinem Vorgehen bestimmen, und erklärt dann ü. a: „Das Bestreben der thüringischen Fremdenindustrie! ist es stets gewesen, allen Gästen, gleichgültig welch'e.r politischen oder konfessionellen Richtung sie angehörse'n, den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machest und die Gäste dadurch zu längerem Bleiben und stetem Wiederkommen zu veranlassen. Unter den gegenwärtigen Vrehältnissen, in denen das gesamte thüringische Fremdenverkehrsgewerbe verzweifelt um die Aufrechterhaltung seiner Existenz kämpft, müssen wir Verwahrung dagegen einlegen, daß uns durch augenblicklich nicht unbedingt notwendige Maßnahmen noch weitere Schädigungen verursacht werden. Eine solche Schädigung wirkt sich nicht nur auf das Hotel- und Gaststättengewerbe, sondern auf alle Wirtschaftszweige aus." : Die Terrorakte in den Gstmarken. , , Königsberg, 7. Nov. Der Prozeß gegen die nationalsozialistischen Terroristen, welche im Juli und August ds. Js. die für den Wahlausgang geplante „Bartholomäusnacht" mit Ueberfällen auf zumeist jüdische Personen und Bombenattentaten aus jüdische Warenhäuser im kleinen Rahmen feierten, wurde dieser Tage duchgeführt. Vor dem Sondergericht Allen stein standen 16 Nationalsozialisten, die am 8. August das dortige Kaufhaus Abraham mit Handgranaten in die Luft zu sprengen suchten. Es wurde im Geschäfte beträchtlicher Schaden angerichtet. Erwiesen ist es, daß der Sturmführer Weiß die Parole ausgegeben hatte, „Abraham umzulegen", zu welchem Zwecke sich die anderen Kameraden freiwillig zur Verfügung "^stellten. Außer ihm spielte der S.-A.-Führer Bruno Hellwich bei der Sache eine große Rolle. Es wird in der Verhandlung festgestellt, daß es die Attentäter auch auf das Leben des Ehepaares Abraham abgesehen hatten, von dem sie wußten, daß es sein Schlafzimmer daneben hatte. Ein Teil der Angeklagten verweigert die Aussagen, die anderen wollen einem höheren Befehle Folge geleistet haben. Weitere Auskunft bleiben sie schuldig. Vier Angeklagte, u. i. Weiß und Hellwich, erhielten je fünf Jahre Zuchthaus, andere kleinere Zuchthaus- und Gefängnisstrafen. Oesterreich. Der Austritt der wiener Orthodoxie aus dem Aultusvorstand. Wien, 4. Nov. Während die Wahlbewegung zu den bevorstehenden Kultusvorstandswahlen in vollem Gange ist, hat sich eine prinzipiell recht bedeutungsvolle Wendung in der Stellung der Parteien vollzogen. Es hatte vor 12 Jahren, im Jahre 1920, in weiten Kreisen Ueberraschung hervorgerufen, als die Schifffchul-Kreise, Ä. h. der Kreis der unabhängigen, im wesentlichen an der ungarischen Gemeindepolitik orientierten Orthodoxie seine bis dahin Jahrzehnte hindurch konsequent festgehaltene Abstinenz gegenüber der Kultusgemeinde aufgab und in den Vorstand dieser Kultusgemeinde hineinging. In den letzten Jahren machte sich nun insbesondere in den Kreisen der Jugend, die in der rührigen und auch numerisch starken agudistischen Jugendgruppe Wiens eine energische Vertretung besitzt, immer stärkere Unzufriedenheit mit der Teilnahme der Orthodoxie an der Gemeindeführung geltend. Man erblickte in dieser Mitwirkung eine untragbare Deckung thorawidriger Prinzipien und wies nicht mit Unrecht auch auf die völlige Unfruchtbarkeit dieser Mitarbeit in praktischer Hinsicht hin. Diese jugendliche Opposition hat nun gesiegt. Der Israelit Die Wvche. Altona. Auf dem jüdischen Friedhof in der Bismarckstraße in Altona wurden in einer der vergangenen Nächte eine Anzahl Gräber beschädigt, Grabsteine zerstört und sonstige Verwüstungen angerichtet. Auf fünf Grabsteinen fand man, offenbar von fachmännischer Hand, große Hakenkreuze eingemeißelt. Breslau. Hakenkreuzler haben in der Nacht zum Mittwoch das Grab Ferdinand Lasall e s auf dem Breslauer jüdischen Friedhof in der Lohestraße besudelt. Die nach der Straße zu gelegene Rückseite des Grabmals, an der sich eine kleine Gedenktafel befindet, ist mit einem großen Hakenkreuz in roter Farbe beschmiert worden. Essen. Aus dem jüdischen Friedhof in Mülheim a. d. Ruhr wurden in der Nacht zum 29. Oktober sieben Grabsteine zertrümmert., Die Täter sind unbekannt. Prag. Im Älönat Oktober 1932 waren in Prag zwei jüdische Geburten, 24 Todesfälle von Juden, 4 jüdische Eheschließungen und 8 Austritte aus dem Judentum zu verzeichnen. Eine traurige Statistik für die altehrwürdige Gemeinde Prag! Budapest. Am Sonnabend, den 5. November, kam es an der Budapester Technischen Hochschule wiederum zu schweren antisemitischen Ausschreitungen gegen einige wenige jüdische Hörer, die sich an diesem Tage in der Anstalt eingefunden hatten. Czernowih. Zur Ehrung von Dr. Mayer Ebner anläßlich seines 60. Geburtstages wird in Czernowitz eine Straße „Mayer Cbner-Straße" benannt. Warschau. Der junge jüdische Rechtsgelehrte Archur M i ller wurde zum Oberstaatsanwalt beim Obersten Gerichtshof Polens ernannt. Es ist dies einer der höchsten juristischen Staatsposten, Miller, der 33 Jahre alt ist und als Jurist einen großen Ruf genießt, ist der Schwiegersohn des Rabbiners Professor Scharr. Paris. Im Alter von 74 Jahren verstarb in Paris der berühmte Archäologe und Kunsthistoriker Solomon Re in ach. Mit ihm ist der letzte der drei Brüder Reinach (Joseph. Salomon. und Theodore) dahingegangen, die, Vertreter waschechter Assimilation, im wissenschaftlichen wie im gesellschaftlichen Leben Frankreichs eine führende Rolle spielten und bei verschiedenen Gelegenheiten für jüdische Rechte und Menschenrechte eingetreten waren. London. Das deutsche Beispiel macht in England Schule: Im Engg lischen Rundfunk leistete sich der Film- » kritiker Cedrik B e l f r a d g e eine durchaus I antisemitische Rede. Freilich weiß die I englische Presse sich gegen solchen Mißbrauch » des Rundfunks für antisemitische Zwecke ganz 8 anders zu wehren, als in Deutschland. Nach g einer Intervention der jüdischen Führer bei den I zuständigen Stellen wird es wahrscheinlich auch I noch eine Debatte im Unterhaus absetzen. I kowno. Der Rektor der litauischen Staatsunig versität in Kowno. Prof. Tschepinskas, 8 sprach sich jüdischen Pressevertretern gegenüber £ entschieden gegen das Verlangen nach Eing führung des Numerus clausus gegen die I Juden aus, das von mehreren litauischen Studen- > tenorganisationen ausgesprochen worden ist. — Viele Hunderte wirtschaftlich ruinierter oder vor dem Ruin stehende jüdische Familien wollen sich der Landwirtschaft zuwenden, um zumindest vor dem physischen Verhungern geschützt zu sein. Der „Ort" hat eine Verat u n g s st e l l e für diese Familien eingerichtet. Jerusalem. Das Jerusalemer Gericht verurteilte den Araber Jssa 2 w e k, der am 7. August ds. Js. während eines Straßentumultes in der Altstadt von Jerusalem einen Schuß auf den intervenierenden jüdischen Polizeioffizier Goldman abgab. zu sieben Jahren Gefängnis. Die arabische Exekutive und die arabische Presse leiten eine Protestbewegung gegen dieses Urteil ein. — Im S e pt e m b e r ds. Js. sind 1463 Personen, davon 1259 Juden, nach Palästina eingewandert. Es ist dies die Höchstzahl jüdischer Einwanderer, die während der letzten drei Jahre innerhalb eines Monats nach Palästina gekommen sind. — Im vergangenen jüdischen Jahre sind 17000 Dunam palästinensischen Bodens von Juden mit Orangen bepflanzt . worden. Im laufenden jüdischen Jahre werden weitere 30 000 Dunam jüdischen Bodens in Orangenhaine umaewandelt werden. Die bisherigen orthodoxen Kultusvorsteher und die Führer der Schiffschul und der Aguda, Wolf Pappenheim, Kommerzialrat Moriz Lettner, Michael S t e r n s e l d, Kommerzialrat Siegmund Bondi, Med.-Rat Dr. I. Reiniger, David B o n d y veröffentlichen, ebenso wie die Schiffschul selbst und Salomon Aschkenazy, der Vizepräsident der österreichichen Landesorganisation der Agudas Jisroel, in der neuesten Nummer üer „Jüdischen Presse" Erklärungen, wonach sie ihre bisherige Mitarbeit an der Verwaltung der Wiener Kultusgemeinde aufgeben und wiederum die Position von vor 1920 beziehen. Man findet sich mit der Mitgliedschaft zur Kultusgemeinde, da sie vom Staat verlangt wird, ab, beschränkt sich auf das autonome orthodoxe Gemeindeleben, wie es die Schiffschul bietet und lehnt jede Mitverantwortlichkeit für die Kultusgemeinde ab. Die Erklärung Wolf Pappenheims sei hier im Wortlaute wiedergegeben: „Meine Stellungnahme zu den Kultuswahlen ist folgende: Die Adas Jisroel hat durch 72 Jahre hindurch keine Vertretung in der Kultusgemeinde gehabt. Vor den Wahlen von 1920 begann eine sehr starke antibiblische und nationale Propaganda. Wir gingen hinein mit der Absicht, dieser Welle ein wenig Einhalt zu gebieten und wenn wir schon drin saßen, wollten wir auch womöglich in religiösen Dingen positiv wirken. Daß dadurch auch unsere Position gestärkt werde, war zuversichtlich zu erwarten. Unser Eintritt in die Kultusgemeinde fällt zusammen mit einem Zug ins Religiöse im allgemeinen, so daß wir nicht sagen können, ob unsere Anwesenheit dort Einfluß übte auf die zweifellos vorgenommenen Verbesserungen. Eine - hundertjährige Erfahrung lehrt uns, daß sich die Orthodoxie nur in der absoluten Unabhängigkeit entwickeln kann. Unsere Position, die Position der Austrittsfraktion, hat sich in nichts gebessert. Wir müssen noch immer unsere Kinder in den zum größten Teil areligiösen Religionsunterricht schicken, obwohl sie mit sechs Jahren schon so gut von ihren Müttern beten gelernt haben wie viele Abiturienten. Wir müssen auch unsere Genossen, welche Scheidung oder Chaliza benötigen, ins Ausland schicken, da Rabbiner einer heterodoxen Gemeinde — und wären sie persönlich noch so streng religiös — für uns keine religiösen Funktionen verrichten können. Nachdem in den 12 Jahren unserer Tätigkeit nichts geschehen ist, um uns die Zusammengehörigkeit wohnlich zu gestalten, beziehen wir unsere Position von vor 1920. Da aber leider die Nationalen die Volksgemeinde anstreben, in der das Religiöse kaum entsprechende Pflege finden kann, werden bewußte, orthodoxe Juden nur a n - ti national stimmen können.". Selbstverständlich machen die misrachistischen Elemente und auch ein großer Teil der aus Polen stammenden orthodoxen Mitglieder der Kultusgemeinde diese Wendung in der Politik der unabhängigen Orthodoxie nicht mit, sondern versuchen weiter ihre Interessen innerhalb üer Kultusgemeinde zu vertreten. Diese Kreise haben für die Wahlen eine orthodoxe Liste aufgestellt, an deren Spitze der dem Misrachi angehörige Herr Jacob Holpern steht. Schweiz. Die Zewish Agency und die Mandatskommission. Genf, 4. Nov. Anläßlich der Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes, an der auch der Hochkommissar von Palästina, Sir Arthur W a u ch o p e , teilnimmt, überreichte die I. A. der Kommission ein Memorandum, das ausführlich über Bevölkerungsbewegung, Einwanderung, Kolonisation, Industrie, Unterricht, Gemeindeorganisation usw. in Palästina-berichtet. Es wird Bezug genommen auf das Schreiben W e i z m a n n s an die Mandatskommission im Jahre 1931, ebenso auf den Beschluß des Council der I. A. in Basel, die die Antwort des Premierministers an Weizmann wohl billige, aber nur als Grundlage zu weiteren Vrehandlungen betrachtete. Es wird dann auf den sogenannten French-Bericht vom Mai 1932 hingewiesen. Auf Grund dieser Korrespondenz bleibt es der ernste Wunsch der I. A., mit der englischen Regierung auf den Prinzipien des Mandats an der Entwicklung Palästinas mitzuarbeiten. Es wird aber Klage geführt, daß, entgegen allen Vresprechungen, jüdische Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten nicht genügend

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