Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 17-18 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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20. April 1932 De r Israelit Nr. 17/18 Seite 13 Das Bürgertum hat es satt, noch länger die Zeche zu bezahlen für wilde Experimente, unfähige Parteibuchbeamte. Spreckjsaal. Tuberkulosen-Heilstätte. Zu dem Artikel unter diesem Titel in Nr. 14, ist folgendes zu bemerken: Es ist richtig, daß in den Jahren 1927-28 von der „Frankfurter Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden e. V." eine Lotterie veranstaltet wurde, deren Reinerlös für die Erstellung einer Tuberkulose-Heilstätte verwendet werden soll. Der Reinertrag wurde z. Zt. in fest verzinslichen Papieren angelegt. Die Arbeitsgemeinschaft, sowohl wie die Zentralwohlfahrtsstelle in Berlin waren seither ununterbrochen bemüht gewesen, eine Heilstätte ins Leben zu rufen. Dies scheiterte bisher immer an den zu hohen Forderungen für die angebotenen Objekte und auch vielfach daran, daß für geeignete Objekte die behördliche Erlaubnis für den Betrieb einer Lungenheilstätte versagt wurde. Trotzdem eine geeignete Heilstätte aus diesen Gründen noch nicht erstellt werden konnte, ist die Arbeitsgeineinschaft nichl untätig geblieben. Ein Teil der Zinsen wurde für dringende Tuberkulosefälle zur Verfügung gestellt. Verschiedene junge Menschen sind durch die Kur, die ihnen damit gewährt werden konnte, geheilt und wieder arbeitsfähig gemacht worden. Durch die außerordentliche Unsicherheit auf allen Gebieten ist die Arbeitsgeineinschaft im Interesse dör Sache zu außerordentlicher Vorsicht gezwungen. Zu Ihrer weiteren Orientierung wird Ihnen mitgeteilt, datz die Arbeitsgemeinschaft seit einiger Zeit wieder mit einer bereits bestehenden Heilstätte in Verhandlungen steht; ob dieses Projekt zu einem positiven Ergebnis kommen wird, kann heute noch nicht gesagt werden. H. W. Personalien. Trauerseier für Rabbi Chaim Sonnenfcld Berlin, 12. April. Die Adaß Jisroel-Gemeinde in Berlin veranstaltete in der Synagoge Artilleriestratze, eine Trauerfeier für Rabbi Chaim Sonnenseid i>"xr In einer einstündigen Rede schilderte Rabbiner Dr. Klein, die Persönlichkeit des großen p-ns, der in sich die Eigenschaften der Palme und des Cedcr nach einem Midraschworte vereinigte.' Er war gleichzeitig und mura. die nach dem Worte des Midrasch aus dem Holz der Zeder verfertigt worden. Er sorgte für die geistige und körperliche Nahrung der Söhne des wmnn mvi'D Als ein mainn -laus' betrachtete er sich während seines ganzen Lebens, der nicht müde wurde, an G'tt zu erinnern und zu G'tt zu führen. Den größten Schmerz bereitete dem großen Manne sicherlich die Tatsache, daß er in der Heimat der rrrn für die Reinhaltung der Thoratreue kämpfen mußte, daß er sich gezwungen sah, in hoheni Alter das Amt des Oberrabbiners anzunehmen und für etwas zu kämpfen, was ihm im heiligen Lande als Selbstverständlichkeit erscheinen nmßte. Der Verlust ist unersetzlich wie die Palme unersetzlich ist nmpaa Mit dem Wunsche, daß der mar des großen i>"XT nya» in diesen schweren Zeilen w Ws beistehen möge, schloß der wirkungsvolle mwa- Berlin, 16. April. Am 6. März ereilte uns die Schreckenskunde von dem jähen Hinscheiden Josef L e - winski' s. Einem jüdischen Gelrhrtenhause entstammend, war der Verewigte der würdige Sohn seines großen Vaters, des angesehenen Dajan zu Breslau, Rabbiner Schaje Lewinski. Josef Lewinski hatte die echte Frömmigkeit seines Elternhauses in fein eigenes Heim getragen, das er in Berlin aufgebaut hatte. Seine Gattin, eine Tochter des Lehrers Oppenheim in Treysa, beglückte ihn mit vier Kindern. Da, beim letzten Kinde —' dem heißersehnten Sohn — traf ihn der erste, harte Schicksalsschlag. Die Lebensgefährtin wurde ihm nach der Geburt des Kindes durch den Tod geraubt. Die Art, wie er dieses schwere Geschick zu tragen wußte, mit welcher Würde und mit welchem G'ttvertrauen, war geradezu vorbildlich. Mit seiner jüngsten Schwester Hanni von frühester Jugend an aufs engste verbunden, versuchten sie den Kindern Vater und Mutter zu sein, eine Aufgabe, die nur ein Mensch mit solcher Selbstlosigkeit wie er sie besaß, lösen konnte. Da kam vor V/2 Jahren eine neue schwere Prüfung über ihn. Die beste Schwester, die verdienstvolle Begründerin und Leiterin des Jüdischen Hilfswerks, Hanni Lewinski, starb nach kurzem Krankenlager. Von neuem vereinsamt, entschließt er sich, den Kindern eine zweite Mutter zu geben, die er in der Tochter des Lehrers Bachrach findet, die ihm die treueste Lebensgefährtin, den Kindern die beste Mutter wird. Befriedigt und beruhigt, ausgesöhnt mit den Prüfungen, gehen nur wenige Monate dahin; dann kommt das kurze Krankenlager und das jähe Ende Josef Lewinskis. Mit ihm ist ein selten aufrechter Jude, ein Mensch mit den vornehmsten Charaktereigenschaften dahingegangen. Neben der tiefgebeugten Gattin und den Kindern trauert eine große Zahl von Verwandten und Freunden um diesen schmerzlichen Verlust. Für alle, die ihn kannten und verehrten, wird er weiterhin als leuchtendes Vorbild fortleben. Würzburg, 12. April. Durch das Hinfcheidcu von Gustav Sachs hat die Gemeinde Würzburg einen ihrer Besten verloren. Wie noch wenige unter den streng konservativ eingestellter Juden Würzburgs, verband er mit einer tiefen Allgemeinbildung auch ein reiches jüdisches Wissen. Er war in des Wortes wahrster Bedeutung ein Jude, der nach dem Grundsatz „Thauroh im derech erez" sein Leben einrichtete, Gesehestreues Juden- Nicht Experimente Nicht Parteiherrschaft Nicht die radikalen Parteien von rechts und links tum war ihm Herzenssache, Betätigung in jeder Lebenslage. Durchdrungen von dem Schriftsatz: „Das ist mein G'tt. ich will ihn verherrlichen", begnügte er sich nicht init der einfachen Erfüllung der religiösen Vorschriften, sondern es lag ihm daran, diese auch schön zu begehen und mit verständnisvoller Liebe zu umgeben, und Festesfreude bedeutete für ihn stets Anlaß, andere zu erfreuen. Er gehörte als Vorsitzender dem Jüdischen Hilfsverein, als Verwaltungsmitglieo der Israelitischen Kranken- und Pfründnerhausstiftung, der Franken-Loge, der Zentrale für Jüdische Wohlfahrtspflege, außerdem vielen anderen Körperschaften an in denen seine Auf sassung größte Beachtung erfuhr. Er hatte ein feinfühliges Herz für Arme, Bedürftige und Bedrängte, denen er überreichlich spendete, ohne daß die Empfänger den Geber wissen durften. Viele Notleidende werden ihn in Zukunft stark verniissen. Daß er ganz hervorragenden Anteil an dem Emporblühen der Firma von Ruf is. Sachs, Kleiderfabrik, Würzburg hat, ist in der Geschäftswelt zur Genüge bekannt, dazu verhalfen ihm seine bereits genannten hervorragend hohen Geistesgaben, seine große Fachkenntnis und seine edlen kaufmünnifchen Eigenschaften. Die Beerdinungsfeier gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung,, bei. der Herr Rabbiner Dr. Harr o v e r ein Lebensbild des Verblichenen in mustergültiger Weise entwarf und von den Körperschaften, deren Verwaltungsmitglied er gewesen, Dankes-Abschiedsworte gesprochen wurden. Mögen sich Viele an seinem Andenken zu gleichem Denken und Handelrr emporranken. Neustadt a. Aisch (Mittelfr.) 10. April. Noch vor Vollendung des Trauerjahres um ihren Gatten David Wollenreich verstarb Frau Minka Wollenreich geb. Schwarz aus Egenhausen und wurde am 30. März unter außergewöhnlich großer Beteiligung auch der nichtfüdischen Bevölkerung an der Seite ihres Gatten bestattet. Das Ableben dieser edlen Frau bedeutet einen großen Verlust nicht nur für deren Familienkreis, sondern auch für die hiesige Kultusgemeinde. In ihrer seltenen Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit hatte sich die Verblichene jegliches Lob am Grabe verbeten. In Berücksichtigung dieses Wunsches konnte Lehrer S. Blument h a l ihr Leben und Wirken nur in kurzen Worten streifen. In tiefer Ergriffenheit sprächen an Ihrer Bahre Worte des Abschiedes der Schwager der Verstorbenen, Lehrer S. Sulzbacher, Biebrich, sowie ein Bruder, Ludwig Schwarz. Nürnberg. Vermischtes. Frilda, 16. April. Die Herstellungsarbeiten für das I ü d. A l t e r s h e i m schreiten rüstig voran, so daß die Eröffnung am Anfang des Sommers erfolgen kann. Die Lage des Gebäudes ist eine angenehme; ein schöner Garten bietet Gelegenheit zum Aufenthalt im Freien. Die Zimmer versprechen recht gemütlich zu werden. Selbstverständlich wird auch für erstklassige Verpflegung gesorgt werden. Die Verwaltung wird bestrebt sein, den Preis an die heutigen Verhältnisse anzupassen. 5 bis 6 Plätze find noch frei. Reflektanten werden gebeten, sich an Herrn Gustav Nußbaum, Bahnhofstraße, zu wenden. Bad Dürrenberg, 15. April. In einer Zeit, in der man mit Sorgen und Bangen die Auflösung vieler jüdischer Gemeinden beobachten kann, muß gewiß die Neugründung einer Gemeinde erwähnt werden. Der selbstlosen entschlossenen Arbeit und dem freudigen Opfersinn einiger bewußter Juden ist es gelungen, in Bad Dürren b e r g bei Halle a. Saale eine Jüdische Gemeinde mit eigenem Betraum für Männer und Frauen zu errichten. Auf diese Weise ist es möglich, den wenigen hier wohnenden jüdischen Familien ihre g'ttesdienstlichen Bedürfnisse zu befriedigen, und es kann jeder Jude, der hier zur Kur weilt, am Schabbos und Iomtof einem konservativen G'ttesdienst beiwohnen. Möge dieser Keim sich zu einem großen und mächtigen Stamm einer blühenden jüdischen Gemeinschaft entwickeln. Florenz, 15. April. Am 13. April hielt die Leiterin des Beth Jacob Seminars in Krakau, Frl. Dr. sondern sachliche Arbeit sondern Dienst am ganzen Volk sondern die vaterländische bürgerliche Mitte bringt den Judith Rosenbaum, im hiesigen jüdischen Frauenbund einen mit großem Interesse aufgenommenen Vortrag in französischer Sprache über das Beth Jacob-Schulwerk. Namens des Vereins dankte Frau Prof. Margulies der Neferentin. Am 15. sprach Frl. Dr. Rosenbaum im „Convenio Ebraico" über die geistige Lage der jüdischen Jugend im allgemeinen und insbesondere der weiblichen. Es gelang, einen großen Kreis führender italienischer Persönlichkeiten für das Beth Jacob-Werk zu interessieren, in deren Namen Ilniversitätsprofessor Bonaventura der Rednerin für ihre formvollendeten und zu Herzen gehenden Ausführungen wärmstens dankte. Briefkasten. E. L. in Metz. Am 29. 3. für Abonnement ffs. 25.— eingegangen. 2U. 71. in D. Wenn noch ungebraucht, j a! Familiennachrichken. Geburten: einen Sohn: Jacques, Emanuel Bloch, Strasbourg (Bas Rhin), 21 rue Sellenick. Verlobte: Hertha Zippel, Frankfurt a. M., Isaak Milgrom, Lodz. Geburtstag: 90 Jahre: Frau Sabine Katz Wwe., geb Mayer, Hünfeld, am 4. 5. 32. Die Woche. Die erste Sitzung der Jüdischen Frauenvereinigung e. D. ohne Frau Vesthoff Am Mittwoch, den 13. April, versammelten sich Vorstand und Unterstützungs-Kommission der Jüdischen Frauenvereinigung und der Vorstand des Hortes für jüdische Mädchen. Frau N u ß b a u m , als 2. Vorsitzende, ergreift das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der sie u. a. jagt: „Das letzte halbe Jahr hat mir den teuren Lebensgefährten und die treuste Freundin genommen; an ihrer Hand habe ich langsam den Weg ins Leben zurückgefunden, nun ist auch diese geliebte Hand für immer der ineinen entglitten". Daraus hielt Frau Erna Bawberger einen Nachruf, in dem sie nach ergreifender Schilderung des Verlustes, der alle beherrschenden Wehegesühle, folgendes Bild von der Wirksamkeit der Heimgegangenen entwarf. Vor 19 Jahren, im Jahre 1913, übernahm Frau Vesthoff aus den Händen von Frau Wohlfahrth die Leitung der Jüdischen Freuenvereinigung, die 1907 gegründet worden war. Mit unverbrauchter Kraft nahm sie die Zügel in die Hand und sehr bald, im Jahre 1914, entstand durch ihre Initiative der Hort für jüdische Mädchen. Klein im Anfang, von Jahr zu Jahr wachsend, wurde er eine segensreiche Institution, der sich Frau Besthoff mit voller Herzenshingabe widmete. Ihren Hortkindern galt ihr Sinnen und Trachten, ihnen, Licht, Freude, Sonne zu geben war ihr innigstes Zehnen, und es war ihr keine Mühe zu groß, um ihnen den Gartenaufenthalt in den Sommerferien zu ermöglichen. Mit welcher Spannung erwartete sie alljährlich den großen Beitrag, den einer ihrer ausländischen Neffen für dieses Liebeswerk zur Verfügung stellte. Man mußte sie bet den vorbereitenden Arbeiten dazu gesehen, mußte sie bei den Hortkindern beobachtet haben, um ihr liebreiches, warmes Herz zu erkennen. Der Hort war ihre Schöpfung und ihr Lieblingskind und ist es bis zum letzten Lcbenstag geblieben. Bei Ausbruch des Weltkrieges wurde von der Jüdischen Frauenvereinigung, als eine der ersten, eine Nühstube gegründet, die noch heute rege arbeitet. Kisten mit Wäsche für Soldaten und Lazarettzüge wurden von hier aus ins Feld geschickt uns es war der besondere Stolz von Frau Vesthoff, die Dankbriese zu zeigen, die wir damals von höchsten Stellen erhielten. Auf ihre Initiative wurde ein Kleiderdepot für Flüchtlinge eingerichtet, es wurden Flüchtlinge im Hörsaal der Schützenstraße untergebracht und Vcrpflegungsstationen am Bahnhof für die durchreisenden jüdischen Kinder organisiert. Wie verstand sie es, die richtigen Kräfte einzusetzten, die Aufstieg für alle 8tände und Berufe. Deshalb wählt die Partei des Bürgers Liste 5 Deutsche Volkspartei