Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 17-18 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Aus\Wcff un<f JLeie Olluslrierfe Beilage zum„3sraelif Das Rothschild'sche Krankenhaus in Frankfurt am Main. (Georgine Sara von Rothschild'sche Stiftung) Zum Umbau und zur Steuer Öffnung. Im Januar 1S70 begründeten Freiherr w i 1 h e l m L a r l v o n R o t h s ch i l d und Frau H a n n a h ITl a t b i l 6 c Freifrau von Rothschild die Georgine Sara von Rothschild ' sch e S ti f t u n g mit einenr Anfangskapital von 50 000 süddeutschen Gulden Rung erhielt am 2. Dezember 1870 durch königlichen Erlaß aus dem Hauptquartier Versailles die landesherrliche Genehmigung und die Rechte einer juristischen Person. Sie sollte einerseits eine Lücke ausfül.en, die das Frankfurter wohlfahrrswesen aufwies, andererseits ein bleibendes Erinnerungszeichen an die frühzeitig verstorbene Tochter des Ehepaares 'werden. Dieses Freifraul e i n Georgine Sara von R o t hschild mus; den von altersher traditionell bekannten Tvp der Familie von Rothschild, eine Mischung von tiefer Herzensgute und klarem, überlegtem Denken in reiner Ausprägung verkörpert haben. Sie äußerte oft, wie schmerzlich sie es empfand, daß in Frankfurt keine Möglichkeit vorhanden war, jüdische, religiöse, unbemittelte kranke von auswärts in eineni Hospital unterzubringen. Auf dein geweihten Grunde dieser Anschauung wurde am 8. Mürz 1870 am Unterweg 20 ein kleines Krankenhaus mit zunächst 6 Betten eröffnet und von der Baudeputation des Magistrats provisorisch als solches zugelassen. Die ärztliche Leitung wurde Herrn Dr. med. Marcus Hirsch übertragen. Lei der tiefreligiösen Einstellung der Stifter mag es als selbstverständlich erscheinen, daß mit scharf betontem Rachdruck als Fundamentalbestimmung der Statuten der Satz gemeißelt wurde: „Es ist unser Wille, daß diese Anstalt für ewige Zeiten streng nach den religiösen Vorschriften des orthodoxen Judentums gehanöhabt werden soll". Um für die Zukunft Bürgschaft für die Einhaltung dieser Vorschrift zu schaffen, wurde das Krankenhaus für alle Zeiten der Aufsicht und Verwaltung des Rabbiners und Vorstandes der Israelitischen Religionsgesellschaft Frankfurt a. M. unterstellt. Ihnen gesellt wurde eine Verwaltungskommission, deren religiöse, und menschliche Gesinnung und Betätigung sich harmonisch und vollkommen den Intentionen der Gründer einfügte, mit denen sie in stetem Kontakt blieb. Wie erhaben und zugleich demütig die Anschauung dieser Verwaltungskommission war, mag, um nur ein Beispiel herauszugreifen, daraus erhellen, daß ein Inventarium des Gebäudes Unterweg 20 vom Jahre Die Stif- 1876 auf der Umschlagseite in hebräischer Sprache Georgine Sara v. Rothfchild f. A. Kinderbildnis nach einem Oelgemälde von Steinle. an der Spitze das Psalmwort als Aufschrift trägt: „G'ttes ist die Erde und was sie füllt". Bald wurde die Behausung am Unterweg zu eng für die vielfachen Ansprüche. Cs wurden Grundstücke in freier Lage am Röderbergweg erworben und in den Jahren 1875—1878 ein vornehmer, gediegener Reubau nebst Seitengebäuden errichtet, mit dessen (Oberleitung der Architekt Franz von Hoven betraut wurde. Die Bauausführung übernahm Architekt Franz Brofft. Das inmitten eines großen Gartens gelegene, auf Grund der Angaben von Dr. | Marcus Hirs ch nach den hygienischen Anforderungen der damaligen Zeit eingerichtete und in allen Beziehungen reich ausgestattete Krankenhaus wurde am 26. September 1878 der Administration übergeben. Cs enthielt Krankenzimmer für je neun Männer und Frauen, mehrere große Rekonvaleszentenzimmer, gedeckte Terrassen, eine festgebautc Laubhütte und alle sonstigen Einrichtungen und Räume, die für Hospital und Personal erforderlich waren, 12 späterhin 15 Betten waren für unbemittelte fremde Kranke bestimmt, der Rest für hier beheimatete oder sich hier aufhaltende jüdische Glaubensgenossen. Ein Rückblick auf die Wirksamkeit des Krankenhauses am Unterweg ergibt folgendes Bild: vorn März bis 51. Dezember 1870 54 Patienten mit 815 verpflegungstagen; vom 1. Jan. bis 51. Dez. 1871 64 Patienten mit 1814 verpflegungstagen; vom 1.,Ian. bis 51. Dez. 1872 58 Patienten mit 2171 verpflegungstagen; vom 1. Jan. bis 51. Dez. 1875 56 Patienten mit 2150 verpflegungstagen; vom I. Jan. bis 51. Dez. 1874 49 Patienten mit 1516 Verpflegungstagen; vom 1. Jan. bis 51. Dez. 1875 25 Patienten mit 2122 verpflegungstagen; vom 1. Jan. bis 51. Dez. 1878 46 Patienten mit 1658 verpflegungstagen; vom 1. Jan. bis 51 Dez. 1877 57 Patienten mit 2024 Verpflegungstagen; voin 1. Jan. bis 51. Dez. 1878 59 Patienten mit 2028 verpflegungstagen. Das neue Krankenhaus entfaltete nach vielen Richtungen hin eine außerordentlich segensreiche Wirksamkeit. Go wurden beispielsweise im Jahre 1885 von 99 Kranken 86 frei behandelt und verpflegt, im Jahre 1902 von 166 Kranken 109 mit zusammen 4488 Verpflegungstagen; 1912 225 von 557. Die Verpflegung war individuell zugeschnitten und sehr splendid. Reben der materiellen Fürsorge, die die Stifter stets mit fürstlicher Munifizenz ausübten, widmete sich die Familie von Rothschild den Kranken in einer bis ins einzelne und kleinste gehenden Anteilnahme. Freiherr Wilhelm Earl von Rothschild ließ sich über alle Dinge ständig Bericht erstatten und sprach das letzte entscheidende Wort.