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Der Israelit · 1932-04-20 · Heft 17-18 (20.4.1932) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 17-18 (20.4.1932)
Date
1932-04-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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oeite 2 Nr. 5 Der Israelit Blätter 20. April 1932 Den kleinsten Widerstand bietet die Gründung eigener landwirtschaftlicher Siedlungen, wo man vielleicht nur sehr bescheiden, dafür aber jüdisch leben kann. Die Bearbeitung des Landes unterliegt am wenigsten den Kottektivierungsbestcebungen und darum ist dies der einzig einzuschlagende Weg. Aber nicht nur rein wirtschaftliche Momente sprechen dafür: nvp trana nn’ttb — dies ist eine wohlzu-- belegende 'Ansicht — schwer ist es, in der Stadt ein wahrer 'iin' zu bleiben. Wie halten wir unsere Jugend von den nnr nma»' die in der Großstadt in einem so gewaltigen Maße um sich greifen, zurück, wie ermöglichen wir die Schaffung eines wahrhaft jüdischen Milieus, in dem sich unsere Jugend jüdisch ausleben kann? In ein Ghetto können wir schwer zurück; aber selbst dann verbleibt das zu enge Zusammenleben mit den jüdischen und nichtjüdischen onratras sich bei der Jugend nicht immer besonders gut auswirkt. viel leichter können wir auf dem Lande die Jugend den fremden, schlechten Cinflüssen fernhalten. Die Landbevölkerung ist viel religiöser, als die städtische. Ein Zusammenkommen mit religiösen Christen ist dem jungen Juden weniger gefährlich als das mit Leuten, die gar kein Verständnis für das Religiösehaben. Dies ist schon so weit bekannt, daß auch „nationale" Juden, zur Bekämpfung der Gottlosenpropaganda den Zusammenschluß mit den religiösen Nichtjuden fordern. Auch die Verwirklichung des nun px ■jn VV-Prinzips, in dessen Dienst sich die deutsche Orthodoxie stellte, ist auf dem Lande viel eher als in der Stadt möglich. Sogar Gegner dieses Prinzips im Golus, geben die Möglichkeit seiner Verwirklichung in Crez Iisroel zu. Denn, — so motivieren sie — dort bleiben wir geschlossen unter uns, dort können wir selbst den Stundenplan für unsere Schulen festlegen, dort ist die Möglichkeit vorhanden, das *|T7 px der Tauroh unterzuordnen. Als sehr wichtiges Moment müssen wir noch in Betracht ziehen, daß wir unsere Jugend auf diese weise für ihren künftigen Beruf in Crez Iisroel vor bereiten können. — All diese Motive, glaube ich, sind ausschlaggebend genug, um uns zu bewegen, sich mit diesem Vorschlag endlich mal ernst zu befassen. Hier wäre auch endlich ein Programm — ein Arbeitsnicht bloß geistiges Programm — für die deutsche Agudo. Wenig reizvoll muß cs fein, der Agudo nur deswegen anzugehören, weil sie sonst keine Weltorganisation wäre, weil in ihr sonst eine bedeutende Richtung der Orthodoxie nicht vertreten wäre. (Dies war ungefähr der Tenor der Ausführungen in den Blättern während der Werbewochen.) Die, wegen ihres Erfolges, problematischen Geldsammlungen für die 2lgudofonds ersetzen uns kein Programm. Auch bloß ein Lernverein sind wir nicht und Gchiurim nicht unser einziger Zweck, viel mehr möchte die Agudas Iisroel sein — und sie m u ß es auch, wenn sie die Rolle, die der Orthodoxie innerhalb der Iudenheit zukommt — nämlich die führende — spielen soll. E i n Programm und ein Betäti gungsfeld hätte dann unsere Jugend, nicht bloß politisches Gehaben durch Bekämpfung orthodoxer und halborthodoxer Vereine. Zum Schluß möchte ich noch einiges hinzufügen, was vielleicht nicht in unmittelbarem Zusammenhänge mit dem vorhergesegten steht. Das hier entwickelte Programm ist bekanntlich ein Teil des Aulimprogramms. Die Llulim, denen man das Fehlen eines positiven, aufs praktischste gerichteten Zieles zum Vorwurf macht, sind die einzige orthodoxe Organisation, die mit einem praktischen Arbeitsprogramm auf wirtschaftlichem Gebiete kommt. Wer den Auliin vorwirst, daß ihre Geöankengänge bloß für Kozker Chassidim passen, ist denkfaul und kennt das Programm der Aulim nicht. Die Aulim sind stolz darauf, daß ihr Programm einerseits sogar den Kozker Chassidim entsprechen würde, und daß sie andrerseits nicht weltfremd wurden und die wirtschaftlichen Belange des jüdischen Volkes im Auge behalten haben. Die Aulim betonen und wollen das vorherrschen des Geistigen, aber sie vergessen dabei nicht das Materielle. wer aber nicht glaubt, daß die Aulim-Forderungen auf dem geistigen Gebiete in Erfüllung gehen können, kann auch nicht an den Fortbestand der Gesetzestreuen glauben. Wer nicht die Rotwendigkeit und zugleich Möglichkeit des VSJ.i paizm zugibt, weiß nicht oder vergißt, daß dies eine Hauptforderung des Judentums ist. Da die geistige Grundlage der Aulim die Tauroh ist, kann niemand, der es wahr um die Tauroh meint, an der Verwirklichung der Hauptpostulate der Aulim zweifeln. Die Agudas Iisroel ist für uns nicht nur politische Organisation, die beweisen soll, daß die Orthodoxie ihre Angelegenheiten selbst erledigen kann und der Vormundschaft anderer nicht bedarf. Wir anerkennen natürlich auch diese Seite ihres Programms, aber es erschöpft sich darin für uns nicht. Als kulturelle Gemeinschaft, die den geistigen Ausstieg des jüdischen Volkes bezweckt, fassen wir die Agudas Iisroel auf. Alijoh ist heute nötig, das muß jeder' bestätigen und zur gemeinsamen Alijoh rufen die Aulim. Kommt helft uns geistig aufzusteigen, denn nur, wenn auch ihr wollt, hat unser Tun einen Sinn. Rachbemerkungen der Redaktion. Die Lanöesorganisation hat sich auf der Berliner Konferenz mit der Frage der Verländlichung wie das Protokoll ausweist, in den Sitzungen der Wirtschaftskommission gründlich und ausführlich befaßt. Cs muß jedoch dringend vor jeder Täuschung und Selbsttäuschung gewarnt werden. Rlit dem Schlagwort der „verländlichung" allein ist es noch nicht geschehen. Cs dürste kaum leichter sein, jüdische Landsiedlungen einzurichten als jüdische Fabriken; die Aussichten jüdischer Bauern dürften kaum größer sein als die jüdischer Handwerker. Darum lehnt' die Agudo es ab, und sie weiß sich darin sicherlich völlig einig mit Dr. Rathan Birnbaum ihr soziales Programm einseitig auf ein einzelnes Schlagwort festzulegen. Sie empfiehlt vielmehr ganz im Geist der Katto witzer Formulierung „Lösung der jeweiligen Gesamtheitsaufgaben" für jedes Land und für jeden kreis, die Ergreifung derjenigen sozialen Aufgaben, die sich aus der Konstellation ergeben. So galt es z. B. die gesetzestreuen Interessen beim R. I. S. zu vertreten, und so gilt es, von der durch die Rotverorönung geplanten Randsiedlung für Erwerbslose zu Gunsten unserer kreise Gebrauch zu machen Hierin liegt vielleicht auch vorläufig die Zurückhaltung mancher agudistischer kreise gegenüber den Aulim, weil sie glauben, daß die Aulim in der Verländlichung nicht nur, was gewiß richtig ist, ein Wittel zur Förderung jüdischer Sittlichkeit erblicken, sondern wirklich ein soziales, durchgreifendes und dabei leicht zu verwirklichendes Heilmittel. völlig eins weiß sich Agudas Iisroel mit demjenigen Teil des Aulimprogramms, der sich auf.die Organisation eines autoritativen Rabbinats bezieht und vor allem in dem Streben nach individueller Selbstvervollkommnung. Tätigkeitsbericht der Agudas Jisroel-Jugendgruppe e. V., Frankfurt a. Al. 1031-1932. I. Wiederum versammelt sich die Agudistische Jugendgruppe, um sich Rechenschaft zu geben über die Arbeit einer langen Jahres. Was wurde in diesem Jahre erstrebt, was wurde erreicht, was wurde nicht erreicht? Die Agudistifchen Jugendgruppen erstreben die Erziehung ihrer einzelnen Mitglieder im Rahmen der Agudistischen Gemeinschaft zur Tauroh. Zwei Gefahrenmomente sind hierbei stets im Auge zu behalten, die in der individuellen Erziehungsarbeit stark hemmend empfunden werden, wenn sie auch notwendiger Weise nicht entbehrt werden können. Die schwerste Belastung, die eine Agudas Jisroel-Jugendgruppe zu tragen hat, ist der umfangreiche organisatorische Apparat, den die Tatsache, daß die Agudas Jisroel-Jugendgruppen ja nur Glied der großen Weltorganisation sind, notwendig mit sich bringt. Hinzu kommt hier bei unserer Jugendgruppe, daß der organisatorische Apparat entsprechend der großen Zahl der Mitglieder und entsprechend der zur Durchführung der geistigen Arbeit erforderlichen technischen Vorbereitung besonders umfangreich sein muß. Die Leitung der Jugendgruppe hat in konsequenter Durchführung der chon auf dem Delegiertentag der AJJO. 1930 zum Ausdruck gebrachten Ideen sich bemüht, die technische Arbeit nach Möglichkeit aufzuteilen und so die Leitung arbeitsfähig für die grundsätzlichen Fragen zu erhalten. Es ist dies ihr auch in der Hauptsache gelungen. Die Führerschaft derAgudistischenSchülergruppen wurde zur Leitung der geistigen und Erziehungsarbeit regetmäßig herangezogen und bildete der Vorstand lediglich eine Art Führerschaftsleitung. In letzter Zeit ist in Verfolg dessen die geistige Leitung der Jugendgruppe völlig aus die Führerschaftsleitung übertragen worden. Es wird Aufgabe der Mitgliederversammlung sein, die seit langem erstrebte völlige Trennung zwischen Führerschaft und technischer Verwaltung weiterhin durchzuführen. Zu dieser organisatorisch-technischen Belastung unserer Arbeit tritt ein weiteres hinzu: Die spezifisch agudistischideologische Erziehungsarbeit. Vielfach tritt nach außen in erster Linie dieser Zweig unserer. Tätigkeit hervor, obwohl er tatsächlich in unserer Arbeit keineswegs die Rolle spielt, wie es manchmal den Anschein hat. Wir sind uns durchaus der Gefahr, die in dieser ideologischen Erziehungsarbeit für die Natürlichkeit und die Tiefe der Jüdischkeit, die doch Hauptinhalt und Ziel unseres Wirkens ist, bewußt. Wohl ist diese agudistisch-ideologische Arbeit — nicht nur zur Abwehr — sondern auch als gemeinsHaftsbildendes Element zum Aufbau eines jugendlichen Kreises im Rahmen der Agudiftischen Bewegung unentbehrlich. Es erwies sich gerade im abgelaufenen Jahre wiederholt, wie notwendig diese Arbeit nicht nur im Interesse unserer Gemeinschaft als solcher, sondern in erster Linie für die einzelnen Glieder unseres Kreises ist und welche Bedeutung ihr zukommt. Die Betonung dieser ideologischen Arbeit bringt aber doch besonders auch für diejenigen, die bereits fest und treu in unserem Geiste stehen, eine Einbuße an religiösem, an jüdischem Gefühl, für die die ideologische Festigung vielfach einen ausreichenden Gegenwert nicht bietet. Die Gefahr der Ueberbetonung der in jüdisch-politischen Auseinandersetzungen täglich behandelten Frage nach dem Wesen der jüdischen Gemeinschaft gegenüber dem eigentlichen Inhalt unseres Jrrdeseins ist nicht zu unterschätzen. Die Leitung der Jugendgruppe war sich dieser Gefahrenmomente durchaus bewußt. Ihr Ziel war die Gestaltung des gesamten Lebens des Einzelnen im Rahmen unserer Gemeinschaft im jüdischen Geiste, im Geiste der Tauroh. In diesem Zielsatz kommt schon ein wesentlicher Unterschied gegenüber der Arbeit, wie sie in früheren Jahren in der Jugendgruppe gepflegt wurde, zum Ausdruck. Mit der Erweiterung der Schülergruppenarbeit erreichte man in immer stärkerem Maße eine Heranziehung des Einzelnen durch den einzelnen Führer, erreichte man eine immer stärkere Individualisierung der Arbeit, die auch in den sonstigen Veranstaltungen — außerhalb der Schülergruppen — systematisch durchgeführt wurde. Die Leitung lehnte es ab, den immer wiederkehrenden Vorschlägen, die ihr unterbreitet wurden und die sich in völlig entgegengesetzter Richtung bewegten, Folge zu geben. Man legte keinen Wert darauf, daß man von uns sprach; im Gegenteil, wir bemühten uns zu erreichen, daß man nicht von uns redete, daß aber dafür etwas geleistet wurde. Die Leitung lehnte es ab, für eine Oeffentlichkeit zu arbeiten, die doch kaum Interesse für unsere Arbeit aufbrachte, sondern sie war bemüht, so weit dies in ihren Kräften stand, im Innern zielbewußt auf dem begonnenen Weg fortzuschreiten, ohne sich darum zu kümmern, wie man darüber bei Außenstehenden dachte. In dem obigen Zielsatz kommt aber ein weiteres Moment zum Ausdruck, welchem ebenfalls besondere Bedeutung zugemessen wurde: Die Stellung des Einzelnen zur Gemeinschaft und die Stellung des Einzelnen in der Gemeinschaft. Auch diese Frage spielte in der Arbeit des letzten Jahres eine entscheidende Rolle und wir können heute doch feststellen, daß' es uns gelungen ist, unsere Agudas Jisroel-Jugendgruppe in eine festgefügte agudistische Gemeinschaft umzuwandeln. In der oben skizzierten Richtung und im Zeichen dieser Grundsätze stand demgemäß die Arbeit der Jugend-;ruppe im letzten Jahre. Besonderer Wert wurde auf R m m u dgelegt. Es muß in diesem Zusammenhänge estgestellt werden, daß nach unserer Auffassung der jüdische Unterricht in der Schule, besonders auch was die Mädels anbetrifft, keineswegs als ausreichend bezeichnet werden kann. Es wird auch weiterhin Aufgabe der Führerschaft sein, hier neue Arbeitsmöglichkeiten zu suchen. Wir haben eine ganze Reihe neuer Schiurim eingerichtet, die von der Leitung für Jungens und Mädels sorgfältig zusammengestellte, geschlossene Zirkel bilden und die wirklich intensiv arbeiten. Die Teilnehmer der Gemoroschiurim kommen regelmäßig zur Ehasoro außerhalb der Schiurzeit in kleinen Gruppen zusammen. Neben den geschlossenen Zirkeln wurden noch einige öffentliche Schiurim für Jungens und für Mädels in größerem Kreise veranstaltet, deren Teilnehmer ebenfalls regen Anteil nehmen. Die Lehrgebiete der sämtlichen von uns veranstalteten Schiurim wurden ebenfalls so ausgesucht, daß gleichzeitig vielerlei verschiedene Lehrgebiete in den verschiedenen Schiurim wie Tenach, Gemoro, Mischna usw. durchgenommen wurden, so daß jeder das lernen kann, was er wünscht. Neben diesen Schiurim wurden in geschlossenen Zirkeln Fragen jüdischer Weltanschauung und Religionsphilosophie führerkursmäßig behandelt. In größeren geschlossenen Arbeitsgemeinschaften wurden die Frage des Nationscharakters des jüdichen Volkes und der Stellung Erez Jisroels vom agulistischen Standpunkt, wie er in den Schriften Jsaac Breuers zum Ausdruck kommt, behandelt. Die Leitung der Jugendgruppe ging auch hier ganz bewußt einen Weg der agudistisch-ideologischen Erziehung, wie er leider bislang von den leitenden Instanzen der Deutschen und der Weltaguda noch nicht eindeutig vertreten wird. Die Leitung der Jugendgruppe sieht aber keine andere Mög-

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