Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 17-18 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 17/18 Der Israelit 20. April 1932 C.F. Nitsclie ir gegründet 1658 IST nach wie vor NURGoetbestr. 29 Telefon 29605 Aufbewahrung dieses Jahr bedeutend billiger läftinas auf die englische Regierung, auf Mitglieder des englischen Parlaments und auf die Juden Schritte unternehmen wolle, um eine strengere Presse-Zensur in Palästina durchzuführen. Der Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, es werde eine Aenderung des Presse-Gesetzgebung in Palästina in E wägung gezogen; das Presse- Büro der Palästina-Reg/erung sei vor kurzem neu gebildet worden, auch seine Funktionen seien erweitert worden mit dem Ziele, engere Beziehungen zwischen Regierung und Presse herzustellen. Wie aus Jerusalem berichtet wird, hatten dort die Mitglieder der arabischen Exekutive eine Besprechung mit dem High Commissioner, General Sir Arthur Wauchope, über die Frage der öffentlichen Sicherheit im Lande. _ Trauerkundgebungen. London, 14. April. In einem der größten Säle fand eine Trauerkundgebung für Rabbi Sonnenfeld und Rabbi Iecheskel Lipschitz Vs,, statt. Tausende strömten herbei. Es sprachen die Herren: Rabbiner Sänger, Rabbi Hillmann Rabbi Löw und Rabbi Pekarewitsch. Man beweinte die Säule des alten Jischuw in Erez Jisroel und rühmte die Größe und die Führereigenschaften des Kalischer Raw. Rabbi Lipschütz war kein Fremder in London. Vor wenigen Jahren hielt er sich längere Zeit in der englischen Metropole auf, als er sich auf dem Wege nach Amerika befand, um dort im Interesse von mpn xmisy zu wirken. Es herrschte größte Ergriffenheit im riesigen Auditorium, das beim i"»x-Gebet in lautes Schluchzen ausbrach. Palästina-Fragen im Englischen Parlament. London, 15. April. David Adams (Arbeiterpartei, erinnerte in einer im Unterhaus an den Kolomennünister gerichteten Anfrage an das in dem Schreiben des Premierministers MacDonald vom 13. Februar 1931 gegebene Versprechen, daß in Palästina Juden entsprechend ihrer Zahl und ihrer wirtschaftlichen Position an den öffentlichen Arbeiten Palästinas beschäftigt werden würden, und fragte, was nach dieser Richtung getan worden fei und wieviel Juden heute bei öffentlichen Arbeiten der Palästina-Regierung beschäftigt sind. Der Kolonienminister Sir Philip C u n! i f f e -L i st e r verlas zunächst den betreffenden Passus in dem Brief MacDonalds an Weizmann, der lautet: „Was staatliche und munizipale Arbeiten, die nicht aus öffentlichen Fonds finanziert werden, anbetrifft, soll der Anspruch jüdischer Arbeiter auf einen angemessenen Beschäftigungsanteil bei der Ausführung dieser Arbeiten auf der Grundlage der jüdischen Beiträge zu den öffentlichen Einkünften in Erwägung gezogen werden." Die Regierung in Palästina, fuhr Sir Philip Cunliffe-Lister fort, ist inr Einvernehmen mit der Exekutive der Jewish Agency bestrebt, eine geeignete Formel für die Festsetzung des jüdischen Anteils an der Beschäftigung bei öffentlichen Arbeiten zu finden; es sind auch schon Schritte unternommen worden, um die Zahl der bei öffentlichen Arbeiten beschäftigten Juden zu erhöhen. Abgesehen von den Hasenarbeiten in Haifa, wo am 31. Dezember 1931 340 Juden, gegen 183 Juden am 31. Dezember 1930, beschäftigt waren, sind weitere Zahlen nicht verfügbar. David Adams richtete an den Kolonienminister die Frage, ob er die Zahl jener arabischen Arbeiter in Palästina nennen könne, die Mitglieder einer Gewerkschaft sind, und ob er ferner mitteilen könne, wann das Komitee zur Festsetzung der Grundlagen einer Arbeitergesetzgebung in Palästina mit seinem Bericht fertig sein werde. Die Woche. Danzig. Die jüdische Bevölkerung in der neuen polnischen Hafenstadt Gdinia bei Danzig, durch die in Zukunft die Emigration aus Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei gehen soll, ist heute so sehr angewachsen, daß man bereits Schritte zur Gründung einer jüdischen Gemeinde unternommen hat. Plätze für eine Synagoge und einen jüdischen Friedhof wurden bereits angekauft. Prag. In Böhmen haben sich, wie das Statistische Staatsamt mitteilt, 28 Personen römischkatholischer Konfession zup jüdischen Nationalität bekannt. Sind es katholische Juden oder jüdische Katholiken? Paris. Die Stadt Paris hat im Museum Carnavalet soeben eine Ausstellung von etwa 17 000 Objekten (Dokumente, Zeitungen und Bücher, Photographien, Zeichnungen usw.), die auf die Dreyfus-Affäre Bezug haben, ausgestellt. Die Sammlung wurde der Stadt Paris von einem kürzlich verstorbenen reichen Pariser Juden, Herrn Ochs, vermacht. Bukarest. Ungefähr hundert rumänische Deputierte begeben sich nach Palästina, aus welchem Anlaß, auf Anregung des jüdischen Klubs, in der rumänischen Kammer eine P a l ä st i n a i n - formations- und Propaganda- Stelle errichtet wurde. In der Wandelhalle des Parlamentes ist eine große hebräische Wandkarte Palästinas angebracht. Dublin. Die vom Deputierten Campbell eingebrachte Bill über humanes Schlachten ist vom Parlament des irischen Freistaates in zweiter Lesung angenommen worden. Die Bill macht eine Ausnahme für das Schächten nach jüdischem Ritus, das in dem Umfange gestattet werden soll, als die jüdische Bevölkerung Koscher-Fleisch benötigt, kowno. Die Brüder Oscher, Isaak und Jakob F i n k e l - st e i n haben der „Ose" in Litauen 5000 Dollar zur Verfügung gestellt zum Bau einer Zentralen Kinderkolonie, die hundert schwächliche Kinder auf einmal aufnehmen und verpflegen kann. In den herrlichen Wäldern vor Kowno wird die Kolonie nach allen modernen hygienischen Forderungen so rasch errichtet, daß sie schon im Mai ds. Js. ihren Betrieb aufnehmen kann. London. Wie der Verband jüdischer Hilssgesellschaften, deren Präsident Chiefrabbi Dr. I. H. Hertz ist, mitteilt, sind durch den Verband Pessach-Pakete an 10 000 jüdische Familien mit insgesamt 40.000 Seelen in Rußland abgeschickt worden. Kapstadt. Nach dem Keren Hajessod- Bankett in Durban in Südafrika, auf dem Dr. Chaim Weizmann vor seiner Abreise aus Südafrika, zum letzten Male gesprochen hatte, zeigten sich bei etwa 30 Personen, die an dem mit der Kundgebung verbunden gewesenen Essen teilnahmen, mehr oder weniger schwere Vergiftungserscheinungen. Die Gäste des Abends, Dr. Weizmann und seine Gattin, sowie Dr. Alexander Goldstein, erkrankten ebenfalls. Alle erkrankten Bankett- Teilnehmer befinden sich auf dem Wege der Genesung. Jerusalem. Aus Anordnung des Hauptkommissars wurde eine Kommission zur Restaurierung der Zitadelle auf Zion, eines der ältesten jüdischen Denkmäler, gebildet. Den Vorsitz hat der Distriktskonnnissar K e i t h R o a ch. .. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, die einzigen arabischen Gewerkschaften in Palästina, über welche Zahlen bekannt sind, seien die Christliche (orthodoxe) Gewerkschaft und die Geverkschaft arabischer Zimmerleute; die erste zählt 300, die zweite 150 Mitglieder. Ueber die Mitgliedschaftshöhe verschiedener anderer arabischer Gewerkschaften sind Zahlen nicht bekannt; auch sei gegenwärtig nicht festzustellen, wie viele Araber überhaupt Gewerkschaften angehören, eben so wenig die Zahl jener Araber, die nicht auf rassischer oder religiöser Basis organisierten Gewerkschaften angehören. Hinsichtlich der Arbeitergesetzgebung in . Palästina, fuhr der Kolonienminister fort, kann ich eine endgültige Information nicht geben; ich erfahre, daß das Komitee in der Lage sein dürfte, gegen Ende Mai einen vorläufigen Bericht über die Grundlagen einer Arbeitergesützgebung in Palästina zu unterbreiten. Palästina. Um die Sabbat-Spiele im heiligen Lande. Tel - Awiw, 14. April. Zwischen dem Präsidenten des Makkabi-Weltverbandes, Dr. Hermann Lelewer, der anläßlich der 1. Makkabiade im Lande weilte, und dem Präsidenten des Weltoerbandes Schomre Schabbos, Herrn Dr. Samuel Grünberg, Berlin, der z. Zt. ebenfalls in Erez Jisroel ist, fand eine grundlegende Aussprache über die Frage der S a b b a t - W e t t s p i e l e des Makkabi statt. Dr. Lelewer erklärte, daß auch der Makkabi grundsätzlich gegen die Veranstaltung öffentlicher Spiele am Sabbat sei. Er erblickt in Uebereinstimmung mit Dr. Grünberg den geeigneten Weg zur Vermeidung der Sabbatspiele darin, daß die Spiele an einem anderen Wochentage veranstaltet werden, wobei insbesondere der Mittwoch - und Freitagnachmittag (Wir halten, den Freitagnachmittag aus naheliegenden Gründen für sehr ungeeignet. Red.) in Betracht kommen. Zu diesem Zwecke wird übereinstimmend für notwendig befunden, daß die jüdischen Behörden, Schulen und Arbeitgeber des Landes den betreffenden Nachmittag als Spielnachmittag freigeben. Am selben Tage fand auf Initiative des Herrn Dr. Grünberg und des Oberrabbinats von Tel- Awiw im Rathaus Tel-Awiws eine Sitzung statt. Einmütig kam der Wille zum Ausdruck, die Wettspiele am Sabbat unter allen Umständen zu beseitigen; die Fragen der Einsetzung eines Ersatzspielnachmittags wurden ausführlich besprochen und auch die entgegenstehenden Schwierigkeiten nach den verschiedenen Seiten beleuchtet. Als Abschluß der Beratungen konstituierten sich die Anwesenden zu einem Aktionskomitee, das bei den jüdischen Behörden und Institutionen sowie bei den Arbeitgeberverbänden und Arbeiterorganisationen im Interesse der Einsetzung eines wachentägigen Spielnachmittags intervenieren wird. Der Aktionsausschuß soll sich durch Kooptation führender Persönlichkeiten der verschiedenen Organisationen und Institutionen des Heiligen Landes erweitern und die Arbeit unverzüglich aufnehmen. Die Leitung des , Ausschusses liegt in den Händen der Oberrabbiner A r o n - sahn und Usiel sowie der Herren Bialik und S ch i n k a r und eines Vertrteers des Tel-Awiwer Magistrats. Der Makkabi soll auch von dieser Seite ersucht werden, die Sabbatspiele für einige Wochen zu unterlassen, um so dem Aktionsausschuß die Arbeit zu erleichtern. Am Spätnachmittag des 4. April nahm Dr. Grünberg auf Einladung des Waad Leumi an einer Besprechung teil, bei der auch Vertreter der I e w i s h Agency und der palästinensischen Sportverbände anwesend waren. Wiederum wurde auf allen Seiten der Wunsch betont, die Fußballspiele am Sabbat zu vermeiden. Die Vertreter des Waad Leumi und der Agency sagten sofort ihre Beteiligung an dem neugebildeten Arbeitsausschuß und seinen Bestrebungen zu, die Vertreter der Sportvereinigungen stellten ihre Mitarbeit unter Hervorhebung der zu überwindenden Schwierigkeiten in Aussicht. Amerika. Pessach-Not unter den amerikanischen Juden. N e w y o r k, 13. April. Wie Philip Stein, der erste jüdische Einwohner von Los Angelas, mitteilt, sind in diesem Jahre nicht weniger als 1400 jüdische Familien in Los Angelas auf Pessach-Unterstützung angewiesen; Mazzoth und andere Pessach-Nahrungsmittel werden unter diese Notleidenden verteilt. Das Mount Sinai-Siechenheim in Los Angelas steht infolge Mangels an Mitteln vor der Schließung, die Lieferanten haben die Kreditierung von Nahrungsmitteln und anderen Waren für das Heim eingestellt. Es wurde eine Mitgliedschaftswerbekampagne zur Aufbringung der unverzüglich benötigten 15.000 Dollar eingeleitet. In Cleveland hat der Verband jüdischer Holzarbeiter und Zimmerleute 4000 Dollar zur Beschaffung von Pessach-Nahrungsmitteln für 150 verarmte jüdische Familien aufgebracht. In Newark, wo i. I. 1931 etwa 200 jüdische Familien mehr als 1930 mit Peffach-Nahrung versorgt werden mußten, ist in diesem Jahre die Not weiter gestiegen. Alle diese Nachrichten kennzeichnen eine noch nie dagewesene Not unter der jüdischen Bevölkerung Amerikas. (ITA.)