Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 17-18 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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20. April 1932 Der Israelit flr. 17/18 Seite 5 3 Gründe zwingen Sie am 24» April Deutsche Staatspartei zu wählen: 1, Sie müssen verfassungstreu wählen 2- Sie müssen eine Partei wählen, die es unmöglich macht, daß die Nationalsozialisten zur Macht kommen 3« Aus diesem Grunde müssen Sie einer Partei Ihre Stimme geben, die sowohl zur Mehrheitsbildung notwendig ist und bei der Sie eine Garantie für eine gradlinige Politik besitzen Deshalb: Deutsche Staatspartei, Liste 7 (Beckmann - Kniest - Dr. Rosa Kempf) Oesterreich. Keine jüdischnationale Politik in Oesterreich mehr. Wien, 14. rü. Die jahrzehntelange jüdisch-nationale politische Arbeit in Oesterreich ist jetzt bei den Wiener Gemeinderats- und Landtagswahlen zum erstenmal unterbrochen worden. Keine zionistische oder jüdisch-nationale Parteigruppierung wird sich än diesen Wahlen durch jüdische Kandidaten oder auch nur jüdische Wahlarbeit beteiligen. Die Ursache liegt in der für kleinere Parteien durchaus ungünstigen Wahlkreiseinteilung, sowie im Zerfall der national-jüdischen und zionistischen Front in Oesterreich. Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich hat bereits vor zwei Jahren anläßlich der Parlamentswahlen der landespolitischen Betätigung überhaupt entsagt. Diesmal hat die von den Revisionisten und anderen jüdischnationalen Gruppen gebildete „Jüdische Volkspartei Oesterreichs" in einem Aufruf an die jüdische Wählerschaft Wiens absolute Wahlenthaltung proklamiert, da nach ihrer Ansicht vom jüdischen Standpunkt (nationalpolitisch wie wirtschaftlich) keine der wahlwerbenden Parteien empfohlen werden kann. Auch die radikalen Zionisten haben die Losung auf Wahlenthaltung ausgegeben. (ITA.) peffachhilfe der wiener Kultusgemeinde. Wien, 15. April. Die Winterhilfsaktion der Israelitischen Kultusgemeinde Wiens ist in den letzten Tagen abgeschlossen worden. Tausende bedürftiger Juden wurden in den schweren Wintermonaten mit Lebensmitteln und Kleidungsstücken bedacht. Anfang April hat die Hilfsaktion für die Pesfachfeiertage begonnen. Eine sehr große Menge bedürftiger jüdischer Familien wird mit Mazzoth, Zucker, Fett u. a. m. versorgt. Auch eine Ausspeiseaktion an den Seder-Abenden wird eingerichtet. Etwa 4000 Familien mit 14 000 Seelen haben Gesuche um Peffachhilfe eingereicht. Um kostenlose Zuweisung von Mazzoth bezw. um Zuteilung von Mazzoth zu Minimalpreisen haben etwa 20 000 Juden angesucht. Tschechoslowakei. Das Budget der Prager Jüdischen Gemeinde. Prag, 11. April. In der letzten Sitzung der Repräsentanz der Prager Jüdischen Gemeinde wurde das Budget für das Jahr 1932 in der Höhe von Kc 2.353.000 angenommen. Das Budget ist mit Kc 800.000 gedeckt. Der Rest wird durch Steuern aufgebracht. Es wurde festgestellt, daß der Steuerrückgang im Verwaltungsjahr 1931 Kc 82.000 betragen habe. Um diese Summe mußte das neue Budget verkürzt werden. Der Voranschlag sieht für Religionsunterricht an öffentlichen Schulen Kc 51.800 vor (die Subvention der Prager Stadtgemeinde zu diesem Proz.); 478 (0,6 Proz.). Fürth 3116 (13,8 Proz.); 2826 (4,2 Proz.); 2504 (3,4 Proz.). Bamberg 708 (2,7 Proz.): 1177 (2,4 Proz.: 972 (1.9 Proz.). Was die Erwerbsverhältnisse der jüdischen Bevölkerung in den bayrischen Städten anlangt, so haben diese eine ähnliche Struktur wie im Gesamtstaat und in anderen Städten: Starkes Ilebergewicht der Handelsberufe und des selbständigen Elements. In München z. B. 1925 von den 10 068 jüdischen Einwohnern iin 'Ewerbsleben 4522, lebten von 'Renten, Pensionen, auch Unterstützungen 1322, waren Famrlienangehörrge ohne eigene Erwerbsquelle 4224. Die meisten jüdischen Erwerbstätigeen waren in Berufen.des Handels und Verkehrs beschäftigt nämlich 2770. In gewerblichen Berufen waren 1054 Juden erwerbstätig, davon 474 in selbständiger Stellung. Von den stärker besetzten „geistigen" Berufen seien genannt: Rechtsberater 132, Bildende Künstler, Privatgelehrte, Schriftsteller 71, Aerzte 164. Wochenkalender. vom 23. - - 38. April 1932 vom 17. — 24. Ntßan 5692 ■»»v tp Samstag 23 17 tr5p>* D’T»K?n T>17 v"wn nav I Sonntag Montag 24 25 18 19 l n2?snn 5in Dienstag 26 20 T 1 Mittwoch £ 27 21 n 't dt> noa Donnerstag 28 22 v 'n dt» noa Freitag Samstag 29 30 23 24 *1, Hwnpaia» 'KpiD-nriK Donnerstag nachm. 4 N Rn, sm«» Posten beträgtnur etwas über Kc 3000), Kc 54.000 für die Talmud Thora-Schule. 30.000 für das Krankenhaus, 11.000 Kc für das Jüdische Lehrlingsheim. Für verschiedene jüdisch-kulturelle Institutionen sind 7000 Kc, für den Keren Hajessod 5000 vorgesehen. Das von der Jüdischen Gemeinde Brünn beschlossene Budget beträgt V/2 Millionen. Der Steuerrückgang im Jahre 1931 betrug 5 Proz. der vorgeschriebenen Beträge. Personalausgaben und Tempelerhaltung sind mit 928.000 Kc dotiert, jüdische Unterrichtszwecke mit 81.000, Jugendförderung mit 10.000, Bibliothek mit 15.000, Baufonds für soziale Institutionen und Arbeitslosenfürsorge- Beitrag mit 40.000, Subventionen mit 115.000 Kc. Ein Fortschritt in Munkacs. Bratislava, 18. April. Wir lesen in der Wiener „Jüdischen Presse": Aus Munkacs ist etwas Erfreuliches und aufrichtig Begrüßenswertes zu verzeichnen: Die Gemeinderepräsentanz beschloß in ihrer Sitzung vom 26. Adar II, einen Teil der in der gleichen Sitzung vorgenommenen fünfzigprozentigen Erhöhung der Gabella zur Errichtung und Erhaltung einer Religionsschule für Mädchen zu verwenden. Zur Pesach-Hagadah. Von Rabbiner Dr. Kl. Lewin in Hamburg. I. Der Kelch des Eliahu. Pesfach, das Fest des Frühlings und der Freiheit, ist vor allem auch das Fest der Familie. Dieses war es bereits bei der ersten Peffachfeier in Aegypten. Die Erlösungsstunde schlug unfern Vätern, als sie drinnen in ihren Häusern und Familien G'ttes Gebot erfüllten. "na->nnawn5 Für eure Familien" nehmet und schlachtet das Passahlamm, so hatte es G'ttes Wort gefordert und so hatten es Israels Kinder gehalten. Darum wurden sie der Erlösung gewürdigt. Das jüdische Haus wurde Israel damals zum Quell seiner Kraft geweiht, die Familie zur Trägerin und Beschützerin seiner Aufgabe und Bestimmung eingesetzt. Israel ist G'ttes Volk, solange seine Häuser den Stempel religiöser Weihe tragen. Die Heiligkeit und Reinheit der jüdischen Familien ist die Vorbedingung für den Adel und für die unversiegbare Kraft unseres Volkstums. Wer unser Volk liebt und seinen Bestand ersehnt, der muß auch das Pessachwort der Schrift beherzigen: ,ipa ns iw2 nna» v'rr irrxn k5 anrri „Ihr dürft nicht hinausgehen, keiner aus der Tür seines Hauses bis zum Morgen". Dieses zuerst für die Erlösungsnacht gesprochene Wort gilt für die Ewigkeit der Zeiten. Der Morgen kann nur dann uns anbrechen, wenn wir von unfern Häusern alles Unheilige fernhalten und diese als Bollwerk gegen alles Unjüdische immer von neuem weihen. Das ist der Sinn der Sederfeier, die alljährlich wir drinnen im Hause begehen. Sie will uns zur Selbstbesinnung führen und uns mahnen, nicht nur während der Festwoche, sondern überhaupt unsere Fa¬ Der Beschluß wurde auf Vorschlag der Herren H. M. K a l l u s ch und Jech. Schlüssel gefaßt und von allen Anwesenden mit Befriedigung ausgenommen. Wir erblicken in diesem Beschluß einen großen Fortschritt, einen Fortschritt, wie er auf dem Gebiete des religiösen Gemeinschaftslebens einzig und allein berechtigt ist, nämlich einen Fortschritt in den Vorkehrungen und Maßnahmen zur Mehrung des jüdischen Wissens, zur Erstarkung des jüdischen Lebens und zur Ertüchtigung der Heranwachsenden Generation in der Erfüllung der ewigen und temporären Aufgaben, die ihr aus der Verpflichtung auf das Thoragesetz erwachsen. Wir freuen uns dieses Beschlusses vom Gesichtspunkte der zielbewußten Gesetzestreue und freuen uns seiner doppelt vom Standpunkte der Agudas Jisroel, wenn wir sestzustellen in der Lage sind, daß unser Mahnwort und unser Warnruf endlich auch in Munkacs ein williges Ohr gefunden hat, und daß sich Männer von orthodoxer Gesinnung aufrafften, einem Nebel zu steuern, das seiner Natur nach — bei einer weiteren Verzögerung der Abhilfe — bavnaä) angetan war, im innersten und intimsten Wesen der jüdischen Massen im Osten unseres Landes Verheerungen anzurichten, die nicht mehr gutzumachen wären. Es war höchste Zeit, der von uns — und ein Jahrzehnt hindurch leider nur von uns — verkündeten Erkenntnis auch in Munkacs Geltung zu verschaffen, daß den Verwüstungen, die durch die säkularimilien so einzustellen, daß „alles Gärende" aus ihrer Mitte fernbleibe. In diesem Geiste mögen wir den Becher des Eliahu füllen und ihn grüßen als den Genius des jüdischen Volkes, der in unsere Häuser kommt, -aniarr 5s? n’sa a5i am 5s? mas a5 a'vm daß er das Herz der Eltern den Kindern und das der Kinder ihren Eltern zuwende. II. Wer soll zur Pessachfeier geladen werd en? In den die Hagada einleitenden Sätzen, die wir als Heroldsruf des Judentums bezeichnen können, die Geist und Wesen unserer Lehre verdolmetschen, hören wir die doppelte Aufforderung: 5a«i "w paai 5a, Wen es hungert, der komme und esse, nva'i w" i'ist 5a, jeder, der bedürftig ist ,komme und feiere das Pesfach. Es ist klar, daß hier zwei Kategorien von Leidenden zu Gast geladen werden. Zunächst natürlich die wirklich Hungernden, die es vor allem gilt zu sättigen. Wer sind nun die anderen? Das sind jene, die auch in der Fülle nicht feiern können, weil sie sich vereinsamt fühlen, — das sind, die des Geistes Not fühlen, weil sie niemand haben, mit dem sie regen Gedankenaustausch pflegen können, die so geistig leicht verkümmern und sich nach dem Manna des Herzens und nach einem Labetrank für die Seele sehnen. Diese auch sollen wir zur Pessachfeier um uns scharen, sollen sie aus ihrer Vereinsamung herausziehen und ihnen das bieten, was sie so dringend benötigen: innere Sammlung und geistigen Anschluß. In Israel soll niemand sich fremd und verlassen wähnen, das darf nicht nur am Seder so sein, sondern überhaupt in allen gehobenen Feierstunden des Jahres. III. Der Mutter heilige Pflicht. Als letzter der zu Belehrenden wird das Kind angeführt, 5i«v5 jnr> nnt© das nicht zu fragen versteht.