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Der Israelit · 1932-04-20 · Heft 17-18 (20.4.1932) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 17-18 (20.4.1932)
Date
1932-04-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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20. April 1932 Der Jsraelir Nr. 17/18 Seite 3 und Völkergeschick! Denn es ist ja nicht so, daß am zweiten Lholhamoed-Tage lediglich über diese oder jene Regierungspolitik in der ehemaligen preußischen Monarchie die Würfel fallen — es geht um Größeres. Mit der Frage, ob Preußen eine nationalsozialistische Faschistenherrschaft erleben oder ob der Geist staatspolitischer Vernunft und Sittlichkeit dort weiter herrschen - soll, ist das Geschick des ganzen Deutschen Reiches und damit der Gang der ganzen w e l t p o l i t i k aufs engste und notwendigste verknüpft. Das bedarf für einen denkenden Beobachter des Zeitgeschehens keines weiteren Beweises. Die bisherige Koalition hat in Preußen Recht und Ordnung mit gewissenhafter Ehrlichkeit aufrecht erhalten und damit Deutschland die Möglichkeit und die Grundlage seiner aus Völkcrvecsöhnung und Weltfrieden gerichteten Außenpolitik geschaffen. Kein Jude, dem das Wohl seines Vaterlandes und das Wohl der Menschheit im Geiste der religiösen Ueberlieferung des Judentums ein einheitlicher. Begriff ist, kann an dieser fundamentalen Tatsache vorübergehen, die zunächst die Stellungnahme für die gegenwärtige Regie rungskoalition in Preußen — Zentrum, Sozialdemokratie, Staats- Partei — begründet. Dieser Regierungskoalition ist im besonderen öic; — trotz aller antisemitischen Anfechtungen — mit eiserner Beharrlichkeit festgehaltene Gerechtigkeit in der Behandlung und auch bei der Einbürgerung unsrer ostjüdischcn Brüder in Preußen zugute zu halten, eine Großtat, die nicht so schnell vergessen werden sollte. Innerhalb der Regierungsparteien ist es vor allem das Z e n t r u m , das diesmal gegenüber dem Ansturm der Unzufriedenen rechts und links seine Position stark umkämpft sehen wird. Das Zentruni möglichst stack und ungeschwächt in den neuen Landtag Anziehen zu sehen, liegt aber ganz besonders im idealen Interesse der orthodoxen Iudenheit Preußens. Ihre heiligsten religiösen Anliegen auf dem Gebiete der Gemeinde- und Schulpolitik waren in den fänden der Zentrumspolitikec mit ihrem tiefen Verständnis für religiöse Gestnnungstreue und für die religiöse Gewissensfreiheit auch der Minderheiten von jeher am besten aufgehoben, und nicht nur die Dankbarkeit, sondern auch der Hinblick auf zukünftige Entwicklungen gebietet uns ein entschlossenes Eintreten für die Wahlliste des Zentrums. Selbst der Cinwand, das Zentrum werde, wenn es hart auf hart geht, eines Tages auch mit nationalsozialistischen Ministerkollegen vorlieb nehmen, schreckt uns nicht. Sollte, was die Vorsehung verhüten möge, jemals eine Konstellation eintreten, in der sich die führenden Zentrumspolitiker auf eine Koalition mit dem ihnen wahrhaftig nicht sympathischen nationalsozialistischen Wotan-Heidentum einlassen zu m-ü s s e n glauben, um ein Chaos zu verhüten, so werden auch die jüdischen Interessen dabei noch immer tausendfach besser gewahrt sein als in einem nationalsozialistisch-kommunistischen Bürgerkrieg. Die orthodoxen Juden Preußens, haben daher unsrer Meinung nach alle Ursache, wie e i n Mann an der Wahlurne zu erscheinen und die Zentrumsliste zu wählen. Der Untergang einer Religion. Von Dr. Hugo Spiegler in Wien. Eigene Sorgen lassen die in schwere wirtschaftliche Krisen verfallenen Völker Europas den Vorgängen in Gstasien, die sich zu kriegerischen Zusammenstößen zwischen Japan und China zuspitzten, nur mäßiges Interesse zuwenden. Ja, man wird hier in diesen Ereigniffen vielfach einen Akt ausgleichender Gerechtigkeit erblicken, warum sollen es die Völker der gelben Rasse besser haben, als die der weißen, die einander im Weltkrieg gründlich genug zerfleischt haben? Andere sehen den Konflikt im fernen Osten mit der Brille einer boshaften Philosophie: Japan und China haben sich — das eine mehr, das andere weniger — der europäischen Kultur erschlossen, warum sollten sie nun nicht auch die S e g n u n g e n dieser Kultur genießen, jene Segnungen, die ins Buch der Weltgeschichte mit Strömen vergossenen Blutes eingetragen sind? In der Geschichte der gelben Rasse spielt diese kostbare Tinte eine verhältnismäßig g e - ringe Rolle. Dabei ist diese Geschichte n i ch t jünger u n d n i ch t w e n i g e r r u h m v o l l, als die Gesamtheit dessen, was man in europäischen Schulen als „Weltgeschichte" kennen lernt, während sich dem Weißen in dem ganzen, Jahrtausende umspannenden Zeitraum, den die westliche Kulturforschung historisch erfaßt hat, Geschichte als ein fortwährendes Kommen und Gehen immer neuer Völker darstellt, die, einander ablösenö, irgendwann aus dem Dunkel prähistorischer Barbarei ins Licht der Kultur treten, diese Kultur auf ihre weise irgendwie bereichern und dann, wie nach Erfüllung einer ihnen vom Schicksal gestellten Aufgabe entweder ganz vom Schauplatz verschwinden oder zumindest ihre politische Herrenrolle mit einer bescheideneren Stellung in der Rangordnung der Rationen vertauschen müssen (was Hegel für den Sinn der Weltgeschichte hält), zeigt die Geschichte der gelben Rasse eine merkwürdige Stabilität. Unbeeinflußt von außen hat hier ein Volk von heute 400 Millionen, die Chinesen, ein kulturelles Eigenleben geführt, dessen Grundprinzip das gerade Gegenteil dessen darstellt, was das Ferment der abwechslungsreicheren Entwicklung im Westen bildet und von dem altgriechischen Philosophen Heraklit in die bezeichnende Formel gekleidet wurde: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge." ZiflamIS!49 Wolf China hat den Beweis erbracht, daß es auch ein anderes, gesünderes Lebensprinzip für Völker geben kann. Es hat eine, vielleicht gleichfalls kriegerische Kindheit mit einer großartigen strategischen Abwehrgeste abgeschlossen: mit der Errichtung der chinesischen Mauer, die das ganze Hoheitsgebiet des Volkes schützend umschließt. Mit dieser Tat — Großtat schon mehr im t e ch n i s ch e n , als im militärischen Sinne — hat China in grauer Vergangenheit seine Abkehr von jeder Politik der Gewalt vollzogen und zwar nicht nur nach außen, sondern auch im Innern. So wie fortab auf kriegerische Eroberungen außerhalb der Mauer verzichtet wurde, so entbehrte auch die innere Struktur des Staates jenes Aufgebots all brutaler Macht, ohne die sich die anderen Staaten ihre Erhaltung gar nicht vorstetten konnten. Ja, es fehlte sogar die Voraussetzung eines militärischen Machtaufgebots: das Retz der Auftnarschstraßen, deren 2lnlage z. L. bei den Römern das Erste war, womit sie ihre Herrschaft in neu eroberten Provinzen zu festigen suchten. Ohne Obrigkeit konnte natürlich auch der chinesische Staat nicht auskommen. Aber die chinesischen Behörden tragen keinen militärisck-bürokratischen Charakter, sondern werden durch di^. Gelehrte n repräsentiert: die Mandarinen (was Plato seinen Rassegenossen vergebens empfohlen hat!) Hierin zeigt sich schon äußerlich der ungeheure Kulturwillc dieses Volkes, das fast alle zivilisatorischen Erfindungen des 2lbenölandes (Schrift, Maße, das Papier usw.) längst vorweg nahm. 2luch das Schießpulver kannten und gebrauchten die Chinesen schon lange vor Lerthold Schwarz. 2lber der Unterschied im Gebrauch, den sie und die Europäer von dieser Erfindung gemacht haben, ist zugleich charakteristisch für den Unterschied der sittlichen Entwicklung im gelben Osten und im weißen Westen. Wahrend in Europa die Explosivkraft des neuen Pulvers sofort in den Dienst des K r i e g e s gestellt wurde, diente es in China lediglich zur 2lusschmückung von Festen durch Raketen und so zur Vergrößerung friedlicher Fciertagsstiinmung. Um diese chinesische Ethik wäre cs schade, wenn sie zum Untergang bestimmt erschiene. Mögen die materiellen 2lnswirkungcn der chinesischen Kultur von der europäischen und amerikanischen Technik in den Schatten gestellt werden — in sittlicher Hinsicht könnte das 2lbendland heute noch viel vom „Lande der Mitte" lernen. Darum werden den Tieferblickenöen die jetzigen Creignisse im Fernen Osten nicht teilnahmslos lassen, sondern mit wehmutvoller Trauer um eine untergehenöe Kultur erfüllen. Denn Nacht, das ist. zwei Stunden vor Mitternacht. Der Beginn der Erlösung erfolgte indessen frühestens zur Mitternacht. Nun war Nabbi Elieser ein Schüler Schamais. Die Schule Schamais lehrte aber, man möge am Sederabend das zweite Kapitel des Hallel-Lredes, nämlich „als Israel aus "Aegypten zog", nicht vor der Mahlzeit singen, weil die letztere vor 'Mitternacht stattfmdet, der Auszug aus Aegypten jedoch frühestens um Mitternacht begann. Dementsprechend dürfen wir wohl annehmen, daß es nicht im Gedankenkreise des Rabbr 'Elreser lag, die Erwähnung des Auszugs aus Aegypten für eine Zeit (das erste Drittel der Nacht) anzuordnen, kn welcher die Erlösung noch nicht angefangen hatte. Die Annahme eines solchen Gedankenganges erscheint uns durch 'den HnMtck au, "Raschr, zur Eemoro Berächoth 4 b gerechtfertigt, woselbst Räschi (“imon m rrn) den Zeitpunkt der Erlösung in der Liturgie des Alltages genau Beobachtet. Dazu kommt, daß Rabbi Elieser damals infolge einer halachkschen Meinungsverschiedenheit mit Rabban Gamliel dem öffentlichen Leben fernstand und auf die Festsetzung der Halacha keinen Einfluß auslrbte. — Rabbiner Dr. 'Ehrentreu Vst führt im Jahrbuchs der „Jüdisch-Literarischen Gesellschaft", Jahrgang 1916, Seite 209, die Lesart des Ranrbanr an: sra«*» irur. „Es |agi zu ihnen R. Eliasar ben Asarsa". Er schließt aus dieser Lesart, daß R. Elrasar ben Asarja hier zu den vorher genannten vier Weisen am Sederabend in Bne 'Brak spricht. Dies setzt voraus, daß dre 'Pesachfeier in Bne Brak stattfand, als R. Eliasar ben Asarja schon zum Fürsten ernannt war; denn die Worte „Ich bm wie em Siebzigjähriger" sprach er zur Zeit, als er bereits das Fürstentum bekleidete. — Halevy vertritt in seinen Darlegungen die Ansicht daß sich der Sederabend zu Bne Brak vor der Erhebung des R. Eliasar ben Asarja zum Fürsten erergneie. Für diese Ansicht spricht, wie wir glauben, der Umstand, daß Rabbi Elieser an der Pesachfeier in Bne Brat keilnahm. Als R. Eliasar ben Asarja zum Fürsten gewählt war, befand sich R. Elieser schon im Jabne und verkehrte nicht mehr wie ehedem im Kreise der Genossen. — Wir sind tn unserer Darstellung der Ansicht Halevys gefolgt. Bemerken möchten wir noch, daß Ben Soma als Darschon heroorragte. cvv klagt die "Mischna in Sota 9,15 „als Ben Soma starb, hörten dre Darschonrm, die öffentlichen Schrifterklärer, auf". Im Midrasch Rabba 1. B. M., Perascha 5, spricht R. Levi „Es gibt Darschonim — —z. B. Ben Asai und Beu Soma". — Kleines Feuilleton. 'L -7T7KD -pfeD 'v -2N1P2 ‘■HKl Eine Erklärung von Josef Wohlsarth Der Grund des Fehlens des unscheinbaren rnn int ersten und sein Vorhandensein im zweiten, war Gegenstand einer an mich ergangenen Frage, die nach einiger Ueberlegung folgendermaßen beantwortet wurde: Das fehlende vxi rückt die Worte einander näher. Die zu vergleichenden Wesen scheinen dem (also die '« scheinen n'-apn) nebengeordnet, nehmen mit ihm scheinbar nahezu die gleiche Stufe ein. Es sind die 'R, die gewaltigen von G'tt geschaffenen und mit überwältigender Stärke ausgestatteten Naturkräfte, die um dieser Stärke willen, vielfach verehrt und gefürchtet werden. In ihrer Größe imponieren sie dem Menschen als selbständige Gewalten und figurieren in der Vorstellung als g'ttgleiche Wesen. Sie rangieren in der Idee als G'tter neben G'tt; — der Unterschied scheint höchstens ein gradueller, kein solcher in der Wesensart. — Dieser letztere, Wesens- Unterschied tritt erst in die Erscheinung, wenn wir uns G'tt als -ni« denken, als welcher er sich offenbarte. Mit dem izmpn m wird erst die Welt zu einer sittlichen Welt, und alles Geschehen ist im Hinblick auf das sittliche Schöpfungsziel zu würdigen. Zwischerr der Naturgewalt und dem «mpn nw liegt allerdings eine unüberbrückbare Kluft-, hier stellt sich berm Vergleich ein Wesensunterschied heraus, der da^ -pso scharf von dem '» anderer Mächte separiert, die nur „Macht" — aber kerne nmj> kennen. Lin neues Heft des «Aufstieg". Non Nathan Vinbaums Aufstieg ist soeben das Nissan-Heft erschienen. Der Herausgeber setzt sich darin einleitend mit der neu gegründeten Aktivistengruppe in der Agudas Jisroel auseinander, der er ebenso kritisch gegenüber steht, wie dem heute geltenden Programm der Agudas Jisroel. Er bricht erneut eine Lanze vor allem für die Verländlichung, die ihm die „Rettung des jüdischen Menschen aus den entsittlichenden und von G'tt trennenden Fängen der Großstadt und vor den rationalisierenden Mächten kommerzieller Inzucht" bedeutet. Irr den „Bemerkungen" wird getadelt, daß die orthodoxe Oeffentlichkeit nicht in genügendem Maße gegen die russische E'ttlosenbewegung und gegen die dortigen Relrgionsverfolgungen protestiere. Interessant ist in diesem Zu-

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