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Der Israelit · 1932-04-20 · Heft 17-18 (20.4.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 17-18 (20.4.1932)
Date
1932-04-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 17/18 D e r Israelit 20. April 1932 am Für und Wider des Lebens verzehrt, packt sie mit erschütternder Gewalt und treibt sie zum Kampf für die Befreiung, zur Erlösung. Ueberall sehen sie nur äußere Umstände, Fragen des satten oder des hungrigen Magens — darüber hinaus gibt es keine Wahrheit. Diese Kreise wollen und können auch gar nicht tiefer blicken. Im besten Falle sehen sie nur noch die kämpfenden, schwachen und sich zerfleischenden Men- Pferdewettspiel gewinnen wir die Araber, mitj S a b b a t h-e i l i g u n g hergestellt sind, den Makkabiaden und den damit verbundenen Fuß- Denn das darf zum Ruhme Crez Israels festgestellt ballkämpfen erobern wir uns aber das Herz und die' werden: (5s wird wohl leider am Sabbat Fußball Achtung der C n g l ä n d e r." „Und der Karnevals"! gespielt in Erez Israel, nirgendwo aber, von Grenze — „Diesen machen wir ja für C u ch, wir müssen doch! zu Grenze jraiy 1x2 iy po am Sabbat gearbei - den Fremden etwas bieten. Wir in Tel-Awiw und t e t. Kein jüdischer Laden ist auf, und kein jüdischer in Erez Israel haben ganz andere Sorgen." Die Erfahrung hat diesen gewiß aus tiefster Liebe zu Erez Israel geborenen Wunsch nicht bestätigt. Das scheu und glauben, wenn die Form geändert ist, dann! Echo in der arabischen Presse zeigte, soweit die Stimijt dem bitteren Kampfe, dem Ehaos, ein Ende gesetzt, j men in den bebräischen Zeitungen wiedergegebcn wurbann gibt es Freiheit in Hülle und Fülle. Den tiefe-! den, daß die Araber sich wohl freuten, beim jüdischen re» Zusammenhang, die schwere Schicksalsverbundenheit der Menschen unter- und miteinander wollen sie gar nicht wahrnehmen. Ihr Blick ist beschränkt und wenn sic von Freiheit reden, so sehen sic nur den frei zu machenden Sklaven vor sich, nicht aber den Versklavenden, der ebenso ein Sklave dieser Weltordnung und all ihrer Ungerechtigkeiten ist wie jener. Sie glauben durch die Befreiung der Sklaven der Welt Pferderennen den ersten Preis gewonnen zu haben, im Ganzen aber, aus eigenem bösem Gewissen getrieben, all den Veranstaltungen eine nationale Rote unterschieben. Gewisse Vorkommnisse nach der Purimwoche in vcrscheidcnen Gegenden von Palästina werden von den Zeitungen, mit Recht oder Unrecht, in indirekte Verbindung mit der durch jene Veranstaltungen und Demonstrationen geweckten nationalen Freiheit geschenkt zu haben, vergessen aber ganz, daß > Eifersucht in Verbindung gebracht, es auch dann immer noch Freie und Unfreie, Unterdrücker und Unterdrückte geben wird, weil ihre Freiheit nur reines Menschenwerk ist. Die innere Freiheit, die Freiheit in der Ehrfurcht und Demut, in der freien Unterordnung und Erfüllung der gesetzten Aufgaben, ist ihnen fremd und unverständlich. Sie ist unjüöisch und kann auch keine endgültige Erlösung bringen. Das jüdische Volk, das das wahre Ideal der Freiheit erkannt und auf sein Banner geschrieben hat, begann seine Geschichte mit dem g'ttlichen Lefreiungsakte aus Aegypten und setzt an das Ende derselben das messianische, von G'tt herbeigeführte Crlösungswerk. Beide, der Anfang und das Ende, sind nicht wegzudenkcnde Komponenten des jüdischen geschichtlichen Erlebens. In ihnen konnnt der starke Drang des Volkes nach der vollkommenen Erlösung, die eine Befreiung zur Ordnung, eine Freiheit in der G ' t t v e r b u n d e n h e i t ist, zum Ausdruck und die daher auch wahrhaftig und innerlich ist. 8 Wochenrundschau. Ein Aest der Aesle in Palästina. Eine geistig und gesellschaftlich hochstehende Dame in Tel-Awiw bemerkte zu unseren Bedenken über die sich häufenden Feste in Tel-Awiw (Pferderennen, Karneval, Makkabiade, Ausstellung): „Mit dem Die Skala der Feste in Tel-Awiw wird aber mit einer Veranstaltung gekrönt, deren Bedeutung von keinem, der das Land aufrichtig liebt, unterschätzt werden darf: mit der L e v a n t i n j s ch e n M e s s e und der damit verbundenen Ausstellung der Industrie und Landesproduktion, von allen Seiten wird die vortreffliche Organisation der Ausstellung der jüdischen Stadl lobend hervorgehoben. Sie bietet eine klare Ueberstcht über den industriellen Aufschwung Tel- Awiws, und das Weltintereste an dieser aufblühenden Stadt an der Pforte des Orients ist groß. Ein Bild der Regsamkeit und der gesunden Entwicklung auf allen Gebieten menschlicher Betätigung entrollt sich in den Gängen der Ausstellung, auf dieser orientalischeuropäischen Waren- und Proöuktenschau. Ein kleiner Völkermarkt, denn fast alle Rationen sind an dieser Rieste beteiligt und vertreten, ohne die starke einheimische Produktion zu verdecken. Mit dem Respekt, den man der Stadtverwaltung von Tel-Awiw und allen daran beteiligten Instanzen für die Inszenierung der Messe schuldet, kann man die Hoffnung verbinden, daß aus dieser öffentlichen Schaustellung dessen, was Tel-Awiw und das arbeitende Palästina kann, geleistet hat und noch zu leisten verspricht, eine neue Betriebsschornstein raucht, in Tel-Awiw und den jüdischen Kolonien auch die n i ch t j ü d i s ch e n nicht. Wenn der Eindruck der am besten springenden jüdischen Pferde auf die Araber, und wahrscheinlich auch der geschickt ballwerfenden Jünglinge auf die Engländer ausgeblieben ist (weil die Araber ihre Pferde und die Engländer ihre Bälle noch bester meistern, welchen Ruhm wir ihnen neidlos überlasten), so wird der Eindruck dieser Messe sichganz gewiß in unermeßlichem materiellem Gewinn für das Land und seine Menschen auswirken. Der Karneval als Attraktion und Mittel zur Hebung der Fremdenindustrie scheint uns mehr als problematisch. Schon aus dem Grunde, weil der Strom der Palästinatouristen heute, wie wir uns persönlich überzeugen konnten, zum geringsten Teile von der Vergnügungssucht über das Mittelmeer getrieben ist. Cs ist auch nicht allein die Palästinasehnsucht, die sie ja immer schon schließlich hatten und ruhig auf dem Asphalt im Scheine der elektrischen Bogen in den europäischen und amerikanischen Großstädte auskosteten. Mindestens jeder dritte Tourist kommt heute mit Plänen ins Land, die alte Sehnsucht, in einer Zeit, da das alte Europa abbaut und einpackt, irgendwie gewinnbringend im Lande des Aufbaus anzulegen. — Die zwei anderen Touristen wollen sich mindestens u m s e h e n. Diese neue Kategorie von Touristen kommt nicht ins Land, uni festzustellen, daß ein Pferd bester rennen kann als das andere, daß der eine Jüngling mit dem Fuß- oder Handball bester hantieren kann als sein Freund und einen sauberen Kinnhaken dem Partner zu versetzen vermag, sie kommen auch nicht zur A d ö el 0 j a d a (die schöne Bezeichnung für den Karneval nach dem hebräischen y*p 137)' sie wollen im Gegenteil wissen und prüfen und erwägen, was das neue Palästina an Möglichkeiten zur kaufmännischen, landwirtschaftlichen und industriellen Betätigung heute bietet oder nicht bietet. Und diesen neuen „Kunö- Äera des wirtschaftlichen Aufschwunges für Palästina ^^rn im guten, fegenverheißenden Ginne wird beginnt, eines wirtschaftlichen Aufschwunges, möch-! ^ie Messe und die Ausstellung der beste^Anfchauungsten wir noch betonen, der uns ungetrübte Freudej ^ntrern^ Jc*n' ^-r beglückwünschen Tel-Awiw zu beeeitet, weil er nicht um den Preis geistiger und religiöser Werte erkauft werde. Es darf nämlich ein Moment, waran man vielleicht am wenigsten denkt, nicht verschwiegen werden: die erste Messe und Warenausstellung wohl in der Weltgeschichte, auf der alle landwirtschaftlichen wie in du st riellenprodukte, so-, weit sie pan rnnxirv sind, unter strengster i geschick zum Ausdruck zu bringen. Ueber Menschendieser Messe, zu diesem F e st e a l l s e i n e r F e st e l Die Entscheidung in Preutzen. Zum dritten Male in diesen Frühlingstagen werden die Bürger Preußens zur Wahlurne berufen, um in der nüchternen Form eines Wahlzettels ihr entscheidungsvolles Votum über Menschen- und Völker- Aus der Hagadah. Von Willy Wolf in Köln. «rrvir p nViiV iy „Bis Ben Soma es erklärte." Wie in der Sedernacht die ausführliche Erzählung des Befreiungswunders, so ist auch an den übrigen Tagen des Jahres das Gedenken desselben unsere Pflicht. Die Weisen beschränken nun das Gebot dieses täglichen Gedenkens auf den Tag, während R. Eleasar ben Asarja es aus die Nacht ausdehnt. In unserm Abschnitt, welcher aus einer Mischnah in Berachoth 12 b entlehnt ist und außerdem im Sifre 5 B. M. 16,3 vorkommt, bezieht sich R. Eleasar ben Asarja nach der Erklärung von Raschi und Rambam aus den letzten Teil von Schma. Der vornehmliche Inhalt desselben betrifft die Vorschrift der jts's, deren Erfüllung an die Zeit des Tages gebunden ist. Die Weisen vertreten daher die Ansicht, daß dieser Abschnitt beim Lesen des Nacht- Schma ausgeschaltet werde, während N. Eleasar ben Asarja ihn auch für die Nacht gewahrt wissen wollte, weil er in das Gedenken des Auszugs aus Aegypten ausklingt. Als R. Eleasar ben Asarja die in unserer Mischnah mitgeteilten Worte sprach, zählte er laut dem Berichte des babylonischen Talmuds ungefähr achtzehn Jahre. Seit der Sedernacht zu Bne Brak waren etwa 2 Jahre verstrichen. Inzwischen war R. Eleasar ben Asarja an Stelle des Rabban Gamliel zum Fürsten eingesetzt worden. Damit nun seine äußere Erscheinung trotz seines jugendlichen Alters mit der Achtung gebietenden Würde seines hohen Amtes übereinstimme, geschah ihm das Wunder, daß seine Haare sein Antlitz im Silberglanze umrahmten. Gleichwohl vermochte er in obigem Meinungsstreite mit den Weisen seiner Ansicht nicht zum Siege zu verhelfen, bis Ben Soma sie mit dem Schriftterte belegte. Mit der Erhebung R. Eleasar ben Asarja's zum Fürsten hatte im Lehrhause zu Jawne eine Zeitperiode begonnen, in welcher laut Berachoth 28 a alle unentschiedenen gesetzlichen Bestimmungen geklärt wurden. Als nun unsere Frage an die Reihe kam, war es Ben 'Soma Vorbehalten, sie in öffentlichem Lehrvortrage zu erörtern. Er löste sich im Sinne des R. Eleasar ben Asarja, und erst jetzt, nachdem sie vor dem zuständigen Forum der Genossen ihre Klärung gefunden, gewann sie dre Kraft einer allgemein verbindlichen Vorschrift. 'Wir halten es für möglich, daß diesem geschichtlichen Vorgänge gemäß das -nviiv" nicht einfach bedeutet, Ben tooma habe den Vers auf die genannte Weife erklärt d. h. erforscht, sondern, er habe ihn in dieser Erklärung in der Oeffentlichkeit v 0 r g e t r a g e n. Halevy führt für eine solche Bedeutung des Wortes tzm (5. Band, Seite 125) mehrere beweiskräftige Stellen an. Der öffentliche Vortrag, der "oi'a w-/ in jener für die Lösung der schwebenden Fragen bestimmten Zeit, statisand, bahnte der Ansicht des R. Eleasar ben Asarja den Weg zu ihrer Verwirklichung. — R. Eleasar ben Asarja hatte deshalb nicht der Ansicht der Weisen zügestimmt, weil laut Jeremia 23,8 die messianische Zeit den Auszug aus Aegypten an Bedeutung übertreffen werde. Die Weisen meinten dagegen, daß zwar die Herrlichkeit der kommenden Erlösung das Wunder der Befreiung aus Aegypten überstrahlen werde, daß aber auch dieses im Gedenken Israels ewig fortlebe, da es das göttliche Saatkorn war, aus welchem die Vollendung der messianischen Zeit heranreift. Malbim erwähnt einen beachtenswerten Zusammenhang zu der Frage, wie lange in der Sedernacht vom Standpunkte der Torah der Genuß des Pefachopfers gestattet ist. N. Eleasar ben Asarja meinte, die für diesen Genuß festgesetzte Zeit reiche nur bis Mitternacht, bis zu der Stunde, in welcher die Aegypier durch das Sterben der Erstgeborenen in solche Bestürzung (psn) gerieten, (siehe 2. B. M. 12,11), daß sie Israel des Landes verwiesen. Da somit um Mitternacht die Stunde der Erlösung schlug, und in unserem Verse das tägliche Gedenken des Auszuges aus Aegypten mit jener 'Bestürzung begründet wird, so sei nicht nur der Tag, die Zeit, in welcher Israel in Wirklichkeit aus dem Lande zog, sondern auch die Nacht, die Zeit, in welcher die Erlösung begann, für die Erwähnung des Auszuges aus Aegypten bestimmt. — Im Hinblick auf diesen Zusammenhang erscheint uns die Frage berechtigt, wieso R. Eleasar ben Asarja mit seiner Ansicht bezüglich des Nacht-Schma bis zur Erklärung des Ben Soma ohne Genossen geblieben. Rabbi Elieser, der Größte seines Zeitalters, stand doch hinsichtlich der Zeitgrenze des Genusses des _ Pefachopfers auf seiner Seite. Allein Rabbi Elieser schöpfte seine Meinung über diese Zeitgrenze beim Pesachopfer aus einem anderen Verse, in welchem der Ausdruck prsn nicht vorkommt, so daß für ihn die Beziehung von nos p-tj? pT, zur täglichen Erwähnung des Auszugs aus Aegypten nicht gegeben war. Außerdem konnte, wie wir glauben, für Rabbi Elieser folgendes Moment in Betracht kommen. Laut Anfang Berachoth betrachtete er als das Ende der Zeit für das Lesen des Nacht-Schma das erste Drittel der

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