Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 17-18 (20.4.1932)
- Date
- 1932-04-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ä fWt 6V. zipill 1 VO£i Frankfurt a. M., den ~u. Niß->n ssss Uuer Israelin Ein Cenfralorgan tflr das orthodoxe Judentum fffiUl /// Begründet von Dr. Lehmann in Mainz- \\\ I Hl mm Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.3V Mark monatlich; Ausland: Vterteltahrpretse (entsprechend dem deutsche« Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Lsterreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab l Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga 5. Holland 2 fl.; Italien ab 1.1.28.18 Lire; Jugoslavien 55 Din.; Litauen 7.50 Sit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Gold, mark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn ' Pengö 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Goldpf. für die fiebengesp altene - ‘ --—tellengesuch " ~-- Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 8.— füll., vorletzte Textsette 2.60 Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufende« Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de« Verlag des Israelit G. m. o. H., Frankfurt a. M., Rechneigrabenstratze 7, Tel. Hansa 21084 sow. durch sämtl. Annoneen-Erped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Frankf. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendstratze 83 Tel. 45868. Platzvorfchr. ohne Verbindlich!. _„,.t direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Pc. 19802. Varschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VHI7254. — Postscheckamt Amsterdam Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Budapest Nr. 18424. — Postscheckkonto " Bukarest und ihre sämtl. Filialen M. Die heutige Doppelnummer Nr. 17/1$ umfaßt 32 Seiten einschließlich der Beilagen: Aus Welt und Leben, Literarische warte, Erziehung und Lehre, Blätter der Agudas Iisroel sowie eine Gmertabelle. Die nächste Nummer wird Mittwoch, den 4. Mai, ausgegeben. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat Mai Wird dies versäumt, so tritt eine" Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Freiheit und Erlösung. Gedanken zu Pessach. Von Dr. 3. Meillis in Berlin. xbx 'min •’ipn bh „Lese nicht eingegraben, sondern Freiheit." (Erubin 54a). Diese exegetische Interpretation der Agada zum biblischen Text vom 2. Luch Mos. 32, 16, wo es .von den Tafeln des Lundes, die Moses erhalten hat, heißt: „ . . . und die Schrift war eine g'ttliche Schrift, eingegraben auf die Tafeln", charakterisiert den jüdischen Geist besonders treffend. Also Freiheit stand in den Tafeln der Gesetzgebung und Freiheit war ihre tiefere Ledeutung. Lefreiung brachten sic der im tiefsten Dunkel einer heidnisch-materialistischen Welt, einer weit vom Licht der Wahrheit lebenden Menschheit. Damit Israel für die Freiheit! n der (Ordnung würdig sein soll, führt eine zweite feinsinnige Agadastelle aus, mußte ihr der Akt der äußeren Lefreiung, der Auszug aus Aegypten vorangeben. Cs lag gewissermaßen im plane G'ttes, Israel für die innere Freiheit durch die äußere Befreiung vorzubereiten, es dafür erst reif zu machen. Deshalb folgt auch nach der jüdischen Tradition chronologisch wie historisch dem Akte der Lefreiung aus i Aegypten die Tat am Sinai, der äußeren L ö - 1 fung die i n nere Lind u n g. i Aber auch der Akt des Auszuges ist in seinem Wesen von jeder anderen Vefreiungsart, die sich von jeher in der Welt draußen vollzog, grundverschieden. Dieser Auszug trug in seinem Schoße keine Befreiung (um etwa mit Kant zu sprechen) v o n Aufgaben und 'Pflichten, von den Lebens- und Wahrheitskämpfen, sondern umgekehrt, er leitete den Kampf um die wahre Freiheit ein, jener Freiheit, die zur Erfüllung von Aufgaben und Pflichten, die zur gesetzmäßigen (Ordnung und nicht zur chaotischen Lösung führt. Mit anderen Worten, die Parole der jüdischen Freiheit war: keine Befreiung von den Lasten der (Ordnung und der Weltgesetze, sondern ein Aufsichnehmen von Pflichten, ein Freisein zum Erfüllen derselben. Deshalb war ihr Kampf gegen die widerstreitenden Mächte und Kräfte des täglichen Lebens, die cs oft zum Spielbal! dunkler und ordnungsloser Zufälligkeiten degradieren möchten, gerichtet. So verstand nian im alten Israel die Tat der Befreiung und um sie rangen die besten Geister des jüdischen Volkes, um ihr zum Sieg zu verhelfen, was für Wunder nun, daß man die Geschichte vom großen werdenden Volke mit dem Auszüge aus Aegypten begann? Nicht nur die großen Männer in Israel, die Propheten, blieben diesem alten Grundsätze treu und setzten im Kampf dafür ihre ganze Persönlichkeit ein, sondern vertieft wird er fortgesponnen im Erlösungsideal der späteren Zeit. Die Freiheit, die diese idealen Träger" des großen Crlösungsgedankens erfüllt, ist, um cs kurz zu sagen, keine vom Menschen aus gewonnene oder sich selbst gegebene Freiheit, der alle Mängel und Fehler, alle Unzulänglichkeiten und Schwächen des Menschen anhaften, sondern die wirkliche, wahre und große Freiheit war eine von G'tt aus gesetzte, ein Werk G'ttes. Nur durch die Verbindung der Befreiung mit G'tt, des Erlöfungswcrkes mit einem neuen Offenbarungsakte, konnte die Freiheit eine vollständige und makellose, eine gerechte und ewige sein. So sah der alte'Prophetismus die endgültige Befreiung und ihm folgte konsequent der Messianismus. Er orientierte sich weder an einer Sippe, Partei oder Klaffe, sondern an G'tt, der den Akt der Befreiung durch das jüdische Volk an der Menschheit vollziehen wird. Ihrem inneren Wesen nach macht die Erlösung die Freiheit des Menschen aus, die Befreiung von den inneren Widersprüchen des Lebens und der sündhaft-schwachen menschlichen Natur, die ihn tiefer, gerechter und wahrhaftiger machen und G'tt näher bringen will. Der beschränkten kreatürlichen Freiheit setzte man die vollkommene, g'ttliche Erlösung gegenüber. Sie kann erst den Menschen und mit ihm und durch ihn die Welt dauernd frei machen. Prophetismus und Messianismus gehendarin pand in pand, daß für sie die Lefreiung nicht letztes Ziel der Bewegung, sondern ewige Aufgabe ist.. Sie ist nicht im Sturm der Geschehnisse draußen in der Welt erreichbar, sondern in der stillen Vorbereitung des einzelnen Menschen, im ewigen Abmühcn bei der Erfüllung von Aufgaben und im endlosen Drange nach innerer Erlösung. Deshalb muß der Erlösung die innere Freiheit des Mensche n vorangehen, der Mensch muß, wie etwa die spätere Kabbalah sprach, G'tt und G'tt der Welt näher gebracht werden. Das Geheimnis der Erlösung liegt darin, daß die Menschheit ihrem g'ttlichen Ursprünge wieder zugeführt wird. wie groß ist aber der Unterschied zwischen diesem endlosen, erhabenen Erlösungsideal, das das jüdische Volk geschaut hat, und der heute so oft vernehmbaren propagierten Freiheit, was für eine tiefe Kluft teilt sie voneinander ab! Anstatt des wahren, befruchtenden Dranges zur Erlösung, der sich vor der Majestät des Alls in tiefer Demut beugt, setzt man ein Freiheitsidol, eine Freiheit der Widersprüche und der menschlichen Unzulänglichkeit. Anstelle der Befreiung des M e n s ch c n stellt man das Idol einer Klaffe oder einer bevorzugten (völkischen) Gruppe, im besten Falle einer Menschheit, die nach einem bestimmten Schema zurechtgemodelt ist. Der weitere Aspekt der wahren Befreiung fehlt. Daher kann die Freiheit, die von dort ausgeht, keine tiefe, sittliche Freiheit fein und sie kann auch keine endgültige Erlösung der Menschheit bringen. Sie fördert nur die menschlichen Schwächen und Mängel zutage, setzt sich durch ihre menschliche Beschränktheit und gewollte Unzulänglichkeit in Widerspruch mit dem Ewigen und kann daher die große erlösende Tat, auf die Millionen in grenzenloser Sehnsucht harren, nicht vollbringen. Sic berührt nicht die Tiefe des menschlichen Schicksals und die Mannigfaltigkeit der Lebensformen, sondern bleibt an der Oberfläche des Alltags und redet nur seine Sprache Diese Pseudofreiheit sozusagen sieht nicht' die Tragik des menschlichen Schicksals in seiner ganzen weite, sie hört nicht das Wehgeschrei der inneren, seelischen Zerrissenheit, sie hat kein Auge für den schweren Kampf, der da zwischen dem Guten und Bösen in der Welt tobt, sondern legt alles nach einer von vornherein zurechtgemachtcn Ideologie aus. schiebt das dem Kungcr und Sattscin, dem Bedrücker und Unterdrückten, dem Perm und Sklaven, zu. 'Alles hat seine Ursache in der ökonomischen Struktur, im Kampf um den Laib Brot. Für alles, auch für das Unerklärliche, ewig Rätselhafte, findet man eine Erklärung.. Daher sieht sie nicht die zerrissene, ans allen Wunden blutende Menschheit in ihrer Totalität, sondern immer nur eine leidende Gruppe, eine Klasse oder gar die fremde Nasse oder den eigenen Stamm. Nicht die innere Ruhelosigkeit stört sie auf, nicht die bittere Verzweiflung^ die sich