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Der Israelit · 1932-04-14 · Heft 16 (14.4.1932) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 16 (14.4.1932)
Date
1932-04-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 16 Wir glauben nicht, datz eine derartig einfache und anspruchslose Tanzveranstaltung, wie die unsere war, geeignet sein könnte, Antisemitismus zu erregen. Wir können Herrn Lehrer Kahn auch versichern, datz durch eine solche Veranstaltung die Wohltätigkeit, die in Hanau nicht weniger als anderswo geübt wird, in keiner Weise beeinträchtigt wird. Der Vor st and des des Jüdischen Jugendbundes Hanau a. M (Wir sind der Meinung, datz jüdische Vereine schon aus religiösen Gründen Tanzveranstaltungen unterlassen sollen. Red.) Der Israelit 14. April 1932 anzugeben, um wieviel mehr ist es erforderlich, auch die Talmud babli. An der Feier nahmen zahlreiche Rabbiverwandtfchaftliche Beziehung zum Heimgegangenen in ehr erbietiger Form zum Ausdruck zu bringen. H. E ZNazzausbestellung. In Nr. 13, Jhrg. 31 des Jsraelits hatte Fr ein Kenner der Verhältnisse auf die Fülle der Befurch langen hingewiesen, die bei jeder Mazzausbäckerei vor Händen, die nicht von einem gewissenhaften Schäumer beaufsichtigt wird. Aber auch einer solchen sollten un berechtigte Wünsche der Kunden nicht Schwierigkeiten bereiten. In den Bäckereien, in denen viereckige Mazzau so aus der Walze geschnitten werden, datz keine Reste bleiben, die in dem nächsten Teig verarbeitet werden sind viereckige den runden vorzuziehen. Doch kann zumeist der Bäcker nicht gegen das Vorurteil der Kunden au kämpfen, datz die Mazzo durchaus rund sein mutz. Unberechtigt ist der Wunsch, datz das aus Mazzaus hergestellte Mehl ganz weiß sein mutz, da doch bei ganz weitzen Mazzaus zu befürchten ist, datz sie nicht durchgebacken sind. Merkwürdig ist auch die Bestellung von Mizwaus für den Sederabend, die nicht aus Schmuroh Mehl hergestellt sind, das, weil es vorschriftsmäßig vom Schnitt an vor Feuchtigkeit geschützt ist, etwas teurer ist. Obgleich die Bestellkarte diese Schmuroh-Mazzaus aufführt, werden von sehr vielen Kunden nicht diese, sondern Mazzaus aus dem Mehl aus dem die anderen gebacken, für den Seder verlangt, die aber daran als Mizwaus kenntlich sein müssen, datz sie besonders dick sein müssen und d(e gewünschten Löcher aufweisen müssen, die die Rangordnung aus der Seder-Schüssel bestimmen Durch solche Bestellungen, deren Nichtbeachtung vielfach dem Bäcker die Kundsschaft verlieren läßt, werden Konflikte hervorgerufen, die durch Mazzausbestellungen, die der Vorschrift entsprechen, vermieden werden. Dr. M. Moderne Todesanzeigen. Die Juden zählen zu den modernsten Menschen. Alles Neue findet in ihnen feine ersten Darsteller und rührigsten Verbreiter. Für die absonderlichsten Kleidermoden, die auskommen, fehlen die jüdischen Damen nicht, die sie oer staunenden Mitwelt vor Augen führen. Die extremsten politischen Strömungen, kaum entstanden, zählen Juden zu ihren Vertretern, und gar moderne Erziehungmethoden, sie werden erst recht von Juden, die sich bekanntlich für ihre Kinder ausopsern, alsbald übernommen und zur Anwendung gebracht. Hierin liegt an und für sich nicht gerade etwas Tadelswertes. Die Welt soll nicht stehenbleiben, sondern stetig sortschreiten. Das Bedauerliche ist nur die Wahllosigkeit, mit der oft die Uebernahme des Neuen geschieht, das Fehlen einer gründlichen Prüfung und Ileberlegung, die doch notwendigerweise vorausgehen mühte. Datz daraus häufig allerlei Schäden und Nachteile entstehen, liegt auf der Hand. Wir haben schon wiederholt Veranlassung genommen, au* die widersinnige Nachäffung von Aeuherlichkeiten hinzuweisen, die zu Lächerlichkeiten führen, zum Beispiel bei der Namengebung der Kinder. Heute möchten wir die Form der Todesanzeigen beleuchten, die in der letzten Zeit in unsren Kreisen üblich geworden ist. Gestern ist nach kurzer Krankheit unser Herr Dr. Siegmund Weser von uns geschieden. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Reinhold Weser Wer war der Verblichene? Ein entfernter Verwandter? Ein Geschäftsteilhaber? Aber nein! Es war der Gatte, der Vater, Bruder Motzvater': Waruni schreibt man denn nicht wie früher: „Mein lieber Mann, unser guter Vater, und Grotzvater usw." Fühlt man nicht die krasse Angehörigkeit, die in der Weglassung des verwandtschaftlichen Verhältnisses liegt, das doch gerade am bezeichnendsten für die Grütze des Verlustes ist, den der Tod verursacht hat? Mutz sich nicht das natürliche Gefühl dagegen aufbäumen, datz die Frau ihren vertrauten Lebensgefährten, das Kind seinen leiblichen Vater, für den es doch niemals einen Ersatz gibt, am Tage seines Hinscheidens nennt: „Unser lieber Herr Rechtsanwalt Karl Westerwald?^' datz die teure Mutter, die große Wohltäterin vom ersten Lebenstage ab, bezeichnet wird als „unsre liebe Frau ...?" Man kann gewitz verschiedener Anschauungen sein über die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit von Todesanzeigen überhaupt und auch über deren Form. Sicherlich haben sich auch im Laufe der Zeit die Umgangsformen zwischen Ellern und Kindern verändert. Aber das Gebot: „Ehre deinen Vater und deine Mutter" ist in voller Gültigkeit gebieben, und selbst hervorragende nichtjüdische Theologen haben es gerade jetzt am Platze gesunden, ihr? Schutzbefohlenen darauf aufmerksam zu machen, datz das Zehngebot im Wandel der Zetten nichts von ferner Bedeutung erngebützt hat. Wenn schon die Hrnterbliebenen es für unerläßlich erachten, Titel und Stand des Verstorbenen (Doktor, Professor, Rechtsanwalt) genauestes moan den zahlreichen Zuschriften, die hier im jüngste Anfrage betreffs 'iipa rmvsn Da von Anschluß an meine erschienen sind, keine einzige — soweit ich sehe — meine Frage beantwortet hat, so darf ich wohl mit Recht annehmen, datz es auf diese Frage nur eine Antwort gibt: Der betreffende, in den meisten unserer mv-nin und mivo.i stehende Passus ist fehlerhaft. Bei Neudrucken sollten die Verleger daher darauf bedacht sein, ihn durch eine richtige Angabe zu ersetzen. A. Frankel, Kiel. ner teil. Einer der Jeschiwolehrer hielt eine der Bedeutung des Tages gerechtwerdende Ansprache. London, 31. März. Im Beisein von zahlreichen englisch-jüdischen Führern und von Vertretern aller Teile der englischen Juden wurde das Iüdische Haus in London eröffnet. Das Haus, das mit einem Kostenaufwand von rund 100.000 Pfund erbaut wurde, ist ein Monumentalbau mit acht Stockwerken und soll die religiösen, sozialen und erzieherischen Institutionen der Londoner Judenheit beherbergen, so u. .a das Jewifh College, das die Rabbinerhochschule für das gesamte britische Reich ist, die Büros der United Synagogue, des Board of Deputies, der Anglo-Jewish Association, des Unabhängigen Ordens Bnei Brith, die Studentenhalle' .u. a. m. Später sollen ein jüdisches Museum und eine jüdische Bibliothek, die jedem zugänglich, sein sollen, dem Hause angeglredert werden. Die Weihegebete sprach Chiefrabbi I. H. Hertz, der in Berlin, 5. April. Auf Initiative des Zentralverbaneiner Ansprache ausführte, das neue Heim bilde einen —lr - ™ c‘ ~v Die Vermischtes. des ostjüdischer Organisationen Berlins fand am Mitt woch, den 30. v. Mts. eine Beratung statt, an der 61 Personen als Vertreter von 32 ostjüdischen Vereinen und Organisationen zwecks Schaffung einer zentralen genof fenfchaftlichen Darlehens- und Sparkasse teilnahmen Der Zentralverband hat diese Jnititiave ergriffen, um den kleinen Gewerbetreibenden und Kaufleuten in der Deckung ihres kleinen Kredits behilflich zu fein. — Nach einem Referat des Herrn Dr. Julius B r u tz k u s , der über die allgemeine Lage der Juden sprach, referierte Herr Dr. S i l b e r t kurz über die Grundgedanken der genossenschaftlichen Arbeit, soweit sie im Zusammenhang mit der Darlehenskasse stehen. Es wurde einstimmig eine Resolution folgenden Inhalts angenommen: „Die am Mittwoch, den 30. März 1932 versammelten Vertreter von 32 ostjüdischen Vereinen Berlins begrüßen den Plan des Zentralverbandes ostjlldischer Organisationen Berlins zur Schaffung einer zentralen Darlehens- und Sparkasse und beauftragen die zu wählende Kommission, die Gründung dieser Darlehenskasse unverzüglich durchzuführen." Im Anschluß an diese Resolution wurde dann eme Kommission, bestehend aus folgenden Herren, gewählt, die sofort die Gründung der Darlehenskasse in Angriff nehmen sollen: Dr. Brutzkus, Dr. Koretz, Dr. Silbert, M. Anker, S. Berggrlln, I. Dlusniewski, D. Haber, S. Langnas, B. Ortner, I. Reinhold, H. Schönhorn, I. Tauber, N. Thau, H. Waldberg, K. Warth. Auskunft in allen Angelegenheiten erteilt der Zentralverband offfüdischer Organisationen Berlins, Berlin N. 54, Rosenthalerstr. 55, Telefon: D 1 Norden 5514. Nürnberg, 31. März. Am 24. März fand die Generalversammlung der Adaß Jisroel statt, die insofern ein bemerkenswertes Bild bot, als im Gegensatz zu der Atmosphäre der Depression und der Unzufriedenheit in den meisten größeren und mittleren Gemeinden allseitige Zufriedenheit mit der administrativen und der geistigen Leitung der Gemeinde zum Ausdruck gelangte. Der Kasenbericht für 1931 schloß mit einem Ueberschuß von Mk. 7000 ab, der allerdings bereits im Januar wieder in Anspruch genommen wurde, aber immerhin Zeugnis ablegt für die anerkennenswerte Opferwilligkeit der Mitglieder und für die gute Verwaltung. Erhält doch die relativ kleine Gemeinde eine eigene Volksschule'mit mehreren Lehrkräften. Die Wahlen ergaben die Wiederwahl der bisherigen Verwaltung. Heidelberg, 10. April. Am rpap'smtr, fjatte der Veri n gesetzestreuer Juden Heidelbergs eine Mitglieder zu einem Festg'ttesdienst anläßlich der Einweihung seines neuen noaan rv>a eingeladen. Dieser Einladung hatten auch viele Mitglieder der Hauptgemeinde und des ostjüdischen Vereins n"n py Folge geleistet. In seiner Ansprache begrüßte der 1. Vorsitzende, Herr Simon Ho ch h e r r, alle Erschienenen, insbesondere die offiziellen Vertreter der Hauptgemeinde, im Namen des Vereins. 10 Jahre seien verflossen, seit der Verein unter schwierigen Verhältnissen zur Pflege, Erhaltung und Förderung des gesetzestreuen Judentums tzLLründet morden fei. Wenn es heute trotz aller Schwierigkeiten noch bestehe, so sei dies dem unbeirrbaren Festhalten an den Idealen des Vereins zu danken. Insbesondere habe Herr Saul Deutsch, den er als die Seele des Vereins, wenn er auch nicht erwähnt fein wollte, bezeichnete, dazu in selbstloser Weise beigetragen. Wenn nun heute ein so würdiges G'tteshaus geschaffen sei, so hoffe er, daß die Mitglieder auch weiterhin den Idealen des Vereins treu bleiben werden. Zum Schluffe feiner Ansprache dankte Herr Hochherr den edlen Spendern für ihre Unterstützung, insbesondere aber Herrn Dr. Großberger, der trotz bescheidener Mittel eine so künstlerische und würdige Stätte geschaffen hat. Alle Anwesenden gewannen bei diesem Festg'ttesdienst, der durch den wunderbaren Vortrag des Kantors Finkelftein aus Frankfurt a. M. ein besonders feierliches Gepräge erhrelt, hohe und erhabene Eindrücke. TNeron, 5. April. Am 7. Adar fand am Grabdenkmal Rabbi Simon ben Jochais eine feierliche Gebetversammlung statt, in der für das Wohl der Gola gebetet wurde. Eine große Menschenmenge beteiligte sich daran. Nach dem Gebete wurden Slichaus und Haufchanos gesagt und man veranstaltete Umzüge um das Grab des Tanna, Rabbi Eliasar bar Rabbi Schimon, mit Lulow und Esrog. Diese Umzüge finden in Notzeiten auf Grund einer Stelle im Gin« 's) v'iv'n ra statt. Am gleichen Tage feierte die Jeschiwa>B a r Jo ch a i mit dem damit verbundenen Altersheim ihren jährlichen Sijum auf den Stolz und eine Freude der britischest Judenheit. Weiheansprache hielt Lionel de Rothschild. Briefkasten. Abonnent in Aschaffenburg, Sie überwiesen am 11.4. RM. 2.28. Wir bitten um Ihren Namen und Adresse. Familiennachrichten. Barmizwoh: Rudi, Sohn des Benno Bender, Frankfurt a. M.. Röderbergweg 38 'inrr na;?, Synagoge Friedberger Anlage. Die Nische. in Frau Henriette Besthofs ny. Daß dieser Name, dem man seit Jahr und Tag nur Verbindung mit Tat und Kraft und schöpferischer Liebe begegnete, nunmehr llcbcrschritt wehmutvollen und dankbaren Gedenkens sein soll, ist eine Tatsache, an die man sich erst langsam wird gewöhnen müssen. .Es fällt zunächst schwer, sich mit dem Gedanken abzufinden, daß in einer Zeit, die ihrer so dringend braucht, Henriette Besthoff uns verlassen sollte! Wenn es je einen Menschen gegeben hat, der seine ganze Kraft, alles Sinnen und Trachten, den ganzen Einfluß seiner gesellschaftlichen Stellung in den Dienst der Liebe, — der Liebe zu Volk und Gemeinde, der Liebe zum Wohltun an sich — gestellt hat, so rvar es Frau Henriette Befthoff. Seit einem Vierteljahrhundert bald, ast seit Bestehen der Jüdischen Frauenvereinigung, land sie an der Spitze derselben, und was unter ihrer Hand, mit Hilfe einer Korona gleichstrebender, zu ihr hinaufschauender Damen, aus dieser ursprünglich als Instanz für Geselligkeit und Wohltat im Kleinen gedachten Vereinigung geworden ist, ist weit über unsere Gemeinde hinaus wohl bekannt. Die Frauenvereinigung war zu Größerem berufen in Zeiten, da Vielen der Boden unter den Füßen zu wanken begann. Die Not machte seit der Kriegszeit mancherlei Wandlungen durch und nahm verschiedene Formate an, aber sie hörte nicht auf. Wie hatte die Frauenvereinigung unter Frau Besthoff, die Herz und Kopf der Vereinigung zugleich war, es stets verstanden, die Hilfeleistung den Wandlungen und der Strömung der Not anzupassen! . Kl e i d e rf a mmlu n g und Verteilung an die Armen, die das Nötigste entbehren mußten, K i nerhört und Sommerkolonien, Baruntertützu n g, Beratung und H i l f e l e i st u n g, so veit nur die Kräfte und die Mittel reichten. „Es muß Un!" war noch das letzte Wort Frau Besthoffs in einer Sitzung des Hortvorstandes am Mittwoch abend, dem vorletzten Abend ihres Lebens. „Es muß fein!" war ihre Parole, mit der sie von fe her alle ihre Mitarbeiterinnen, wenn alle Stränge zu reißen schienen, mitriß. Und das Unmögliche oft wurde möglich. Wer denkt nicht an die Kindertransporte nach der Schweiz und nach Holland in den letzten Kriegsjahren, da der Mittelstand von der Krisenzeit erfaßt und von der Sorge aller Sorgen, der um das schlechtgenährte Kind, betroffen wurde? Wieviele Menschenleben, wieviele Jugendkraft und Zukunftssaat wurden damals gerettet mit dieser Institution, die noch zudem die Bruderliebe weckte und ein Werk schönsten Friedens mitten im Morden der Völker bildete! Und darüber stand mit starker Hand, mit einem Organisationstalent, einer Sachkenntnis und Schaffensfreude, die alle technischen und behördlichen Schwierigkeiten spielend aus dem Wege räumte, unsere Frau Besthoff! Wie frohlockte ihr Herz, wie lachte ihr Auge, wenn sie vom Mädchenhorte, diesem Lieblingskinde der Frauenvereinigung und ihrer Vorsitzenden, sprach, oder wenn sie sich gar selbst bei kleinen Festlichkeiten unter den Kindern ihres Hortes befand und die hundert jungen Herzen ihr in Liebe und Dankbarkeit zujubelten! Wie glücklich war sie, wenn die warme Hochsommersonne sie hinauslockte in den Wald zu ihrer Ferienkolonie! Die Kraft und die Leistung dieser begnadeten Frau schien in dem Maße zu wachsen, wie die Krise um sich griff. „Ist die Flut der Not im Steigen, um so fester und größer der Damm der Liebe und Hilfsarbeit, der ihr entgegengesetzt wird!"

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