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Der Israelit · 1932-04-14 · Heft 16 (14.4.1932) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 16 (14.4.1932)
Date
1932-04-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr .16 I t t I 2 r a,e l t t 14. April 1932 von diesem verurteilt und in abgeschmacktester Weise hingerichtet wird. So sicher es fein dürfte, daß die Alten und Besonnenen in der Jerusalemer Orthodoxie keinen Anteil an diesem unwürdigen Spiel haben und es, wie wir, verurteilen, so gewiß wäre es vonnöten, daß der Jugend, bei aller Stählung des jüdischen Willens und Charakters auch einiger Sinn für Ehrfurcht und Anstand anerzogen wird und besseres Verständnis für die Grenzen des Kampfes, der in der Sache unentwegt, in der Form aber würdig und thoragemäß bleiben muß, wenn er zu einem Siege führen soll. Daß die Gegenpartei aus diesem unerfreulichen Vorkommnis Kapital schlagen würde, war ohne weiteres zu erwarten, und man muß es auch begreiflich finden, daß nach diesem Vorkommnis bei Rabbiner Kuk leicht die Furcht erzeugt werden konnte, er werde bei der Bestattung tätlichen Angriffen oder Beleidigungen von seiten der Purimspiel-Jugend ausgesetzt sein, m’ay nvna n-rny- Der Empfang für die Reisegesellschaft der p. Z. der Agudas Jisroel. Jerusalem, 5. April. Am Mittwoch, den 16. März, abends veranstaltete die Jerusalemer Agudas Jisroel in ihren Räumen einen Empfangsabend für die Gäste, die mit der Reisegesellschaft der P. Z. hierhergekommen sind. An dem Empfange beteiligten sich alle Agudainstanzen, sowie der Vorstand des Waad Hoafchkenafim. Als erster ergriff Rabbi Mosche Blau das Wort, um in groß angelegter Rede die besondere Bedeutung dieser Alijah der Orthodoxie zu zeichnen. Wenn auch nur besuchsweise könnte der Aufenthalt orthodoxer Menschen aus dem Westen im Lande segenbringend, erzieherisch und anregend wirken. Redner berührt die Lebensaufgaben der Orthodoxie in Palästina in einer Zeit, da die andere Seite mit Olympiaden Land und Leben ganz für sich in Anspruch zu nehmen sich anschickt. Rabbi Raphael K atzen elbogen begrüßt die Gäste im Namen der orthodoxen Gemeinde Waad Hoaschk e n a s i m. Auch er fordert die „Sendboten der orthodoxen Golah" auf, zu Hause vom schweren Kampf der Orthodoxie in Erez Israel um ihre Existenz zu berichten und die Diaspora zu ihrer Unterstützung aufzurufen. Es sprechen noch Rabbi Ahron Katzenelbogen im Namen der Zeirei Agudas Jisroel, worauf Herr Baruch R a b i n o w i tz, Direktor der Pekidim- Schule, das Wort zu einem größeren Referate über die Aufgaben, Arbeiten und Erfolge der Agudajugend in Palästina erhält. Redner entwirft ein klares Bild über das Erreichte und noch zu Erreichende. Mittags- und Abendkurse für Händler und Handwerker sind stark besucht, alle Bestrebungen zur Fortbildung der Jugend finden größten Anklang. Auch die Arbeit zum Schutze des Sabbat geht vorwärts. Eine frische, frohe Tätigkeit macht sich überall bemerkbar und die Erfolge sind vielversprechend. Von den Gästen ergreift nun Herr Redakteur S. Schachnowitz, Frankfurt a. M., das Wort, um im Namen der ganzen Gesellschaft für den überaus herzlichen Empfang zu danken. Er schildert anschaulich, mit wieviel Liebe, Hoffnung und inniger Teilnahme Frankfurts gesetzestreue Jugend sie auf ihrer Reife begleiten. Rühmend hebt er das von der Gesellschaft besuchte orthodoxe Schulwerk in Jerusalem — ein Grundstock erst — hervor. Herr Referendar M. Neuberger, Frankfurt a.M., sprach dann im Namen der Frankfurter Agudajugend und brachte das tiefe Sehnen der gesetzestreuen Jugend Deutschlands nach Erez Jisroel zum Ausdruck, die auf die erfahrenen Männer in Palästina vertraue, daß sie ihr den Weg zu dieser Alijah zeige. An den Märtyrergräbern von Hebron hätte er wie seine Freunde still gelobt, für jeden Einzelnen, der hier ermordet wurde, Dutzende und Hunderte junger Juden hinzubringen. Dieses Gelöbnis wolle die Jugend einlösen, so ihr nur die Möglichkeit dazu gegeben werde. Rabbiner M. Blau schloß die würdig verlaufene Versammlung mit Worten des Dankes an die Gäste und mit der Bitte, den Führern des orthodoxen Judentums in der Gola die Grüße der Gesinnungsbrüder in Erez Israel zu überbringen. Rußland. Antipeffach-Rampagne des Zentralrats der „kriegerischen Apikorsim". , Moskau, 4. April. Der Zentralrat des „Verbandes der kriegerischen Apikorsim" (Atheisten) gab mittels Zirkularschreibens allen seinen Stadt- und Rayon-Komitees Direktiven über die Art der Führung der diesjährigen Antipessach-Kampagne. In dem Schreiben heißt es: Im Hinblick darauf, daß die kapitalistische Welt einen Ausweg aus der scharfen Wirtschaftskrisis in einem Krieg gegen die Sowjetunion sieht, und die Geistlichen aller Religionen Anteil nehmen an der Herbeiführung einer Intervention gegen die Sowjetunion, bedeutet der Kampf gegen die Religion Kampf gegen den Klassenfeind. Gegenwärtig muß der Kampf gegen das jüdische Pessachfest geführt werden. Es müsse darauf gesehen werden, daß sämtliche jüdischen Arbeiter in den Pessachtagen auf ihren Arbeitsplätzen erscheinen. Schulkinder und Eltern sollen in den Vorpessachtagen über die Schädlichkeit der Religion aufgeklärt werden. Ferner sollen antireligiöse Filmvorführungen stattfinden. Unter der Maske von Peffach, heißt es in dem Schreiben weiter, bemüht sich die ausländische jüdische Bourgeoisie, eine Verbindung mit den Resten der jüdisch-kapitalistischen Elemente in der Sowjetunion aufzunehmen, um den Fünfjahresplan zum Scheitern zu bringen. Die Antwort muß fein ein verschärfter Kmnpf zur Vernichtung der Reste des Kapitalismus. Anti-Pestach-Ausstellung in Odessa. Moskau, 11. April. Im Zuge der „Anti-Pessach-Kampagne" des jüdischen Atheisten-Verbandes „Apikojres" wurde in der antireligiösen Abteilung des den Namen des jüdischen Dichters Mendele mocher sforim tragenden ukrainischen Staatsmufeums für jiddische Kultur in Odessa eine Anti-Pessach- Ausstellung arrangiert. Die Ausstellung hat den Zweck, den Klassencharakter der Religion im allgemeinen und des religiösen Pessach-Festes im besonderen zu erweisen. In mehreren Groß- und Kleinstädten wurden sogenannte „Stäbe" zur Führung der Anti-Pessach-Kampagne gegründet. Die jiddisch-kommunistischen Zeitungen erklären, die diesjährige Peffach-Kampagne müsse der Beginn einer planmäßigen antireligiösen Erziehung der Juegnd und der Volksmassen, die das ganze Jahr über dauern soll, sein. Die Zeitungen wissen zu berichten, daß in den verschiedenen Städten und Städtchen Sowjetrußlands von der jüdischen Bevölkerung umfangreiche Vorbereitungen zur Begehung des Peffach-Festes getroffen werden. Ueberall wurden Mazzo-Bäckereien eröffnet, aus dem Auslande treffen Pakete mit Pesiach-Nahrungsmitteln ein. Wie alljährlich vor den Pessach-Tagen haben auch in diesem Jahre die kommunistischen Arbeiterklubs eine Kampagne für Umwandlung von Synagogen in Arbeiterklubs eingeleitet und diesbezügliche Gesuche an die lokalen Exekutivkomitees und Sowjets gerichtet. (ITA.) Rumänen. Scharfer Angriff des rumänischen Ministerpräsidenten gegen den jüdischen Abgeordneten Landau. Bukarest, 5. April. In der gestrigen Sitzung der Kammer wies Ministerpräsident Jorga auf die Schwere der Exzesse in Jassy hin und richtete einen scharfen Angriff gegen den jüdischen Deputierten Landau, indem er erklärte, Landau sei nicht der „General-Verifikator" des Landes, der einmal am Dnjeftr, einmal in Bukarest und einmal in Jassy Tatbestände und Rechtslage festzustellen habe. Die Mehrheitsparteien begleiteten diesen Ausfall Jorgas gegen den jüdischen Deputierten mit stürmischem Beifall. Obwohl Jorga von den Jassyer Universitätsbehörden die Schließung des sogenannten „Kultur"-Hauses, von dem die Exzesse ihren Ausgang nahmen, und die Suspendierung der Vorlesungen an der Universität verlangt hatte, sind sowohl das Kulturhaus als auch die Universität weiterhin geöffnet. Der Mniisterrat beschloß, die Eiserne Garde wegen deren Agitation bei den Wahlen in Jassy und Tutova im ganzen Lande a u f z u l ö s e n. Das Auflösungsdekret wurde bereits erlassen und wird jetzt an die Lokalbehörden weitergelettet. Griechenland. Oer Salonikier Pogrom vor Gericht. Saloniki, 6. April. In dem in Verria bei Saloniki stattfindenden Prozeß, gegen die Anstifter zu dem Judenpogrom in Saloniki im Juli 1931 wurde am 4. April mit dem Zeugenverhör begonnen. Zwei Salonikier jüdische Bürger, die als Zeugen vernommen wurden, erkannten in'den Angeklagten Boussolidis und N i c o l a i d i s diejenigen, die sie während des Pogroms uberfielen und ihnen schwere Verletzungen beibrachten. Der Salonikier jüdische Deputierte des Griechischen Parlaments, V e s s a n ch i, erklärte als Zeuge vor Gericht, die Ursache der gefährlichen antijüdischen Unruhen vom Juli v. I., die in der Niederbrennung des jüdischen Wohnviertels Campbell gipfelten, sei in der systematisch geführten Haßpropaganda und in den äusgestreuten Verleumdungen über angebliche staatliche Untreue der Juden zu suchen. Das oön der. antisemitischen Presse und den Agitatoren in Saloniki, verbreiteten Gerücht, daß ein Vertreter der Salonikier jüdischen Sportorganisation Makkabi einem in Sofia, der Hauptstadt. Bulgariens, stattgefundenen Kongreß der Mazedonischen Organisation beigewohnt und dort erklärt hätte, die Juden Salonikis stünden auf der Seite der mazedonischen Bulgaren, deren Ziel es fei, Saloniki von Griechenland zu trennen und es Bulgarien einzuverleiben, fei von Anfang bis zu Ende erfunden. (ITA.) * * Saloniki, 8. April. Am 8. April wurden in dem Prozeß gegen die Anstifter des Pogroms in Saloniki vom Juli 1931, der in Verria bei Saloniki staUfindet, Juden, die direkte Opfer des Pogroms waren, als Zeugen vernommen. Ihre Aussagen machten auf das Gericht einen so erschütternden Eindruck, daß der Gerichtspräsident tiefbewegt ausrief, nur Wilde konnten solche unmenschlichen Taten vollbringen. Joseph Romano, ein jüdischer Beamter des Presse- Büros von Saloniki, gab eine eingehende Schilderung des Pogromverlaufs und der Niederbrennung des von Juden bewohnten Salonikier Wohnviertels Campbell. Die Synagoge von Campbell wurde von den Huligans angezündet, nachdem sie vorher die Thora-Rollen aus der Gesetzeslade herausgenornrnen und zerrissen hatten. Den Flammen fiel neben den zahlreichen Wohnhäusern auch die neuerbaute jüdische Schule zum Opfer. Ein schwerer Verlust für die Judenschaft von Saloniki war die Niederbrennung der nach dem katastrophalen Brande von 1917, der den größten Teil der Salonikier jüdischen Wohnhäuser vernichtete, durch das American Joint Distribution Committee für die Abbrändler erbauten Wohnhäuser. . Es folgte das Verhör von drei anderen jüdischen Opfern des Pogroms, die plastisch schilderten, wie der aufgehetzte Mob gegen die jüdischen Bürger Salonikis wütete und wie insbesondere das Wohnviertel Campbell in Brand gesteckt worden ist. Nachdem die Ausschreitungen den ganzen Tag über gedauert hatten, umzingelte der Mob spät in der Nacht das Stadtviertel Campbell, goß überall Petroleum aus und zündete es an. Rings um Campbell entstand auf diese Weise ein Flammenring, der auf das ganze Stadtviertel Übergriff. Verschiedenen glücklichen Umständen ist es zu verdanken, daß die Juden, die von den Huligans immer wieder in die brennende Stadt zurückgetrieben wurden, sich am Ende dennoch retten konnten. Ein Offizier der Luststreitkräfte, der ebenfalls Zeuge des Pogroms war, rührte mit seiner Schilderung der Vorgänge den Gerichtspräsidenten, die Jury und den Staatsanwalt zu Tränen und veranlaßte sie zu Ausrufen der Empörung. Er schilderte, wie alles vorbereitet worden war, um die jüdischen Einwohner in den Flammen umkommen zu lassen, und wie er, der Zeuge, einen jüdischen Apotheker aus seinem ganz von den Flammen eingeschlossenen Hause unter eigener Lebensgefahr herausholte und so vor dem sicheren Feuertode rettete. Der jüdische, Deputierte von Saloniki, B e s s a n ch i, legte vor Gericht die Grundlosigkeit der Beschuldigungen dar, daß der Makkabi sich mit mazedonischen Terroristen- Organisationen verbunden hätte.

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