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Der Israelit · 1932-04-14 · Heft 16 (14.4.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 16 (14.4.1932)
Date
1932-04-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 16 Der Israelit PreuB.-Südd.-Slaalslotterie Ziehung 1. Klasse 22. u. 23. April!S& 114 Millionen Preise für Achttl Viertel Halbe Ganze Doppellose 1. Klasse 5^ 10.- 20.— 4€L= 80 - Listenabonnement 1.—5. Klasse 90 Pfg. Prompter Versand auch per Nachnahme Anrlroap »ene Mainzer Ar. 23 WülUl vdw Am Schauspielhaus Staatl. Lotterie-Einnahme — Postsch -Kto. 15154 Telefon 27976 seinem Amte zurücktreten müsse. Vizepräses L e r n e r erklärt sich mit Masur solidarisch. Darauf faßte der Mehrheitsblock einen Beschluß, der sich gegen die Opposition wendet und den Rücktritt des Präsidiums nicht zur Kenntnis nimmt. Es wird vielmehr dem Präsidenten Masur das volle Vertrauen ausgesprochen und die Bitte unterbreitet, in dieser schweren Zeit seinen verantwortungsvollen Posten nicht zu verlassen. Mit allen Anstrengungen müsse die Pessachaktion in vollem Umfange durchgesührt werden, wenn nicht Tausende am Pessach darben sollen. Der Beschluß des Präsidiums ist noch nicht bekannt. Eine große orthodoxe Erez Israel-Manifestation. Warschau, 6. April. Die wirtschaftlichen Verhältnisse in Polen und die neue Welle der fixv v2'n brachten es mit sich, daß die Versammlung der Agudas Jisroel, aus der I. M. Lern i n über seine letzte Palästinareise zu berichten hatte, sich zu einer Massenversammlung von gewaltiger Be teiligung auswuchs. Parnes A. S. F r i e d m a n n eröffnete die Versammlung mit einem kurzen ergreifenden Nachruf auf Rabbi Chajim Sonnenfeld, worauf Herr I. M. Lewin das Wort zu seinem Referate ergriff. Redner schilderte einleitend seine persönlichen Gefühle und Eindrücke an den heiligen Stätten. Die ökonomische Lage im Lande ist wohl nicht besser als anderswo, doch sind dort die Menschen zufrieden, weil keiner das Bestreben hat, über seine Mittel zu leben. Erez Israel ist im Zeichen des Aufbaus, Jerusalem verdankt seine rapide Entwicklung in den letzten zwanzig Jahren einzig und allein dem orthodoxen Judentum. Die Kolonisation entwickelt sich musterhaft, besonders florieren die Orangerien, auch Handel und Industrie sind im Aufblühen. Tel-Awiw mit seinen fünfzigtausend Menschen, d. h. Ju-. den, ist ein Wunder jüdischer Kraft und jüdischen Willens. Die politische Lage ist schleierhaft. Außer der Möglichkeit, die hebräische Sprache zu entwickeln, hat England dem jüdischen Palästina nichts geboten. Die geistige Lage im alten Jischuw ist befriedigend. Das religiöse Element ist bei allen Landsmannschaften, insbesondere auch bei den Jemeniten, stark vertreten. Im neuen Jischuw fehlt der jüdischen Erziehung der originell jüdische Charakter. Hebräisch ist eine vollkommen lebendige Sprache. In den Kolonien spricht man nicht oder nur sehr gleichgültig von der Religion. Eine Revision sei nötig, aber nicht im Sinne der Revisionisten. Die Orthodoxie muß eine Revision des Aufbaues rvrmn mm vornehmen. Auch das Misrachi- Erziehungswerk befriedigt den Redner nicht. Eine rege Erez Jisroel-Arbeit muß von gesetzestreuer Seite einsetzen. Zur Frage der Uebersiedlung nach Erez Jisroel sagte der Redner: „Vermögende religiöse Juden sollten, nach eingeholter Erkundigung von sachverständiger Seite, massenweise nach Erez Jisroel auswandern. Die Kolonie brriv nw» jkann und muß zu einer Musterkolonie ausgebaut werden, die Palästinaproduktion muß mit Hilfe der Orthodoxie unterstützt werden. Der Vortrag wurde mit gespannter Aufmerksamkeit angehört und mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Gefährdete Lage der „Bank für Rooperatwe". Warschau, 3. April. Die dem bekannten vorwiegend zionistisch orientierten! Revisionsverband in der Rimarka 6 unterstehenden j Kooperativbanken sind trotz der weitgehend und mono- Die Woche. Berlin. Zur Erleichterung der Stimmabgabe von Krankenhauspatienten besuchte am Tage der Reichspräsidentenwahl ein fliegender Wahlvorstand die Krankenhäuser und nahm von Bett zu Bett von den Patienten die Stiinmscheine in verschlossenen Umschlägen entgegen. Im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde in der Ererzierstraße, in welchem jederzeit auch eine Anzahl nichtjüdischer Patienten untergebracht ist, wurden 6 Stimmen für Hitler abgegeben. Königsberg. Die Synagoge in M o h r u n g e n (Ostpreußen) ist vor kurzem dadurch geschändet worden, daß Hakenkreuze mit Oelfarbe aus die Eingangstüre gemalt wurden. Der Oberstaatsanwalt in Braunsberg hat gegen die Täter, Angehörige der NSDAP, ein Strafverfahren eingeleitet. Einer der Täter ist der Sohn des Ortsgruppenleiters der NSDAP in Mohrungen. Clevelanb. Charles Wolfram, der Nationalsekretär der Steuben-Gesellschaft, der bedeutendsten Organisation von Deutsch-Amerikanern, hat in einer in Cleveland stattgefundenen Konferenz des Unabhängigen Ordens Bnei Brith eine Ansprache gehalten, in der er ein Verdammungsurteil über die Hitlerbewegung' in Deutschland sprach. Genf. In Genf tagt die 5. Session des Völkerbundkomitees zur Bekämpfung des Frauen- und Mädchenhandels. Die Londoner Jüdische Gesellschaft zum Schutz von Mädchen und Fraue n. vertritt Herr S. Lohen, der auch ein Referat halten wird. Der Konferenz liegt ein Bericht des Völkerbundssekretariats über die Feststellungen der zum Studium des Frauen- und Mädchenhandels nach dem Orient entsandten Kommission vor. Diese Kommission hat auch Palästina besucht und die Zustände in diesem Lande in ihrem Bericht geschildert. Rom. In diesen Tagen fand in Rom die feierliche Einweihung der neuen spaniolischen Synagoge zu deren Bau Ruinen alter spaniolischer Synagogen Roms, die aus dem 14. Jahrhundert stammen, verwendet worden sind. Die Synagoge ist ein Werk des bekannten jüdischen Architekten Del Monte. Budapest. In Nagy-Koeroes haben Huligans die Fenster der Synagoge und vieler jüdischer Häuser zertrümmert. Jüdische Firmen der Stadt, die Arbeiter in großer Zahl beschäftigen, haben ihre Betriebe geschlossen unv erklärt, sie würden sie nur dann wieder öffnen, wenn die Behörden in der Lage sind, die Garantie für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu übernehmen. Bukarest. Unter den Ortschaften, die durch die infolge der plötzlichen Schneeschmelze eingetretenen Ueberschwemm u n g e n besonders schwer betroffen wurden, befinden sich die vorwiegend von jüdischer Bevölkerung bewohnten Städte Wischnitz und Waschkoutz in der Bukowina und S o r o c a am Djester (Beßarabien). In Soroca sind nicht weniger als 300 Häuser vollständig von den Fluten bedeckt, viele andere ragen nur zur Hälfte aus dem Wasser empor. Tausende Einwohner warteten verzweifelt auf den Dächern aus die Rettungsbarken. Es find auch einige Menschenleben zu beklagen. 'Warschau. Das jüdische Reitungskomitee hat soeben einen Tätigkeitsbericht veröffentlicht, dem zu entnehmen ist, daß sich rund 100 000 Warschauer 'Juden (das ist ein ganzes Drittel der Warschauer 'jüdischen Bevölkerung) an das Komitee um Hilfe gewandt haben. Für die Pesachhilfe in diesem Jahre sind ebenfalls 100 000 hilfsbedürftige Juden registriert worden. Warschau. In Sokolub in der Nähe von Stry in Ostgalizien verstarb in diesen Tagen Schmuel Hirsch So - ko l o w e r im Alter von 117 Jahren. Er war der älteste Jude Polens und bis in seine letzten Tage körperlich rüstig und geistig frisch. — Im Warschauer jüdischen Wohnviertel passierte der folgende seltsame Fall: Einige Huligans überfielen einen jüdischen jungen Mann; dieser suchte Schutz in dem Erfrischungskiosk des "43 jährigen Chajim Altschuler. Die Hulrgans stürzten in den Kiosk und demolierten ihn. Vor Schreck verlor Altschuler gänzlich das Augenlicht und muhte ins Krankenhaus gebracht werden. Addis Abbeba. In Addis Abbeba, der Hauptstadt Abessiniens, wurde die erste Talmud-Thora Schule für Kinder der Falaschas eröffnet. Die Lehrerschaft setzt sich ausschließlich aus Falaschas zusammen, die in jüdischen Zentren des Auslandes studiert haben. _ 14. April 1932 polartigen Bevorzugung durch die Foundation des Joint und der Jca vom Zusammenbruch bedroht. Das hat zu schweren inneren Riebungen, dabei aber auch zu einem Konslikt mit der Foundation geführt, die die Forderung stellt, daß ihr für ihre schwer gefährdeten Darlehen die von den einzelnen Genossenschaften und Banken der Zentrale gelieferten Sicherheitswechsel in Höhe von Zloty 1,700,000.— ausgeliefert werden. In einer stürmisch verlaufenen Plenarversammlung der Kooperativbanken und Genossenschaften beschlossen diese, die Forderung der Foundation als angeblich unbegründet a b z u l e h - n e n. Man geht damit um, im inneren Kreis uns eigenen Kräften Zl. 300,000.— aufzubringen, um eine unmittelbare Zahlungseinstellung zu verhüten und will dann unter Liquidation der bisherigen Zentrale eine neue Zentralbank ins Leben rufen. Man rechnet damit, daß die Foundation ungeachtet der jetzt gemachten Erfahrungen der neuen Bank mit weiteren Krediten zur Seite stehen wird. Trauerkundgebungen für Rabbi Chajim Sonnenfeld. Lemberg, 10. April. In Lemberg fand am Sonntag in der großen Vorstädtischen Schule, der größten Synagoge der Stadt, ein Hesped statt, bei dem Rabbi Aron Lewin aus Rzeszow vor einem tausendköpfigen Publikum die Persönlichkeit und die Wirksamkeit Rabbi Chajim Sonnenfelds imr, schilderte. Der zweite Teil des Hesped war dem Kalischer Raw, Rabbi Jecheskel L i p f ch i tz V'xr, gewidmet. England. Schaffung einer Legislative Asfembly in Palästina? London, 3. April. Der ITA. in London wird seitens des Colonial Office offiziell erklärt, daß die Meldungen der „Newyork Times" und der „Vossischen Zeitung" betreffend eine bevorstehende Schaffung einer Legislative Asfembly in Palästina ohne jede Grundlage sind. Die Zionistische Exekutive teilt der ITA. mit, daß ihr von irgendwelchen Absichten des High Commiffioners, eine Mitteilung über die bevorstehende Schaffung einer Legislative Asfembly zu machen, nichts bekannt ist. Palästina. Um die Nachfolge Rabbi Chajim Sonnenfelds Jerusalem, 8. April. Die Frage, wer dereinst das für Erez Jisroel, ja für die ganze Diaspora lebenswichtige Amt der Führung der unabhängigen Orthodoxie im heiligen Lande und das Rabbinat des Waad hair Aschkenasi übernehmen solle, hat natürlich nicht nur die verantwortlichen Kreise, sondern auch Rabbiner Sonnenfeld selber schon seit langer Zeit beschäftigt. Man hat nach vielen Erwägungen und Erkundigungen sein Augenmerk in erster Reihe auf den in der ganzen jüdischen Welt als hervorragende Persönlichkeit anerkannten Oberrabbiner von Riga, Rabbiner Sack, gerichtet und bereits vor etwa vier Monaten waren die Verhandlungen soweit gediehen, daß Herrn Oberrabbiner Sack ein von Rabbi Chajim Sonnenseld selber und von allen maßgebenden Instanzen Unterzeichneter Rabbo nusbrief übermittelt werden konnte. Rabbi Chajim Sonnenseld hatte diese Ernennung in besonderer mxn bv rmnw vollzogen, in dem Bewußtsein, damit die Erhaltung und Fortentwicklung seines Lebenswerkes zu sichern. Wie man hört, hat Oberrabbiner Sack sich grundsätzlich zur Annahme des Rabbinates bereit erklärt und es ist lebhaft zu hoffen und zu wünschen, daß die Verhandlungen über die Einzelheiten der Amtsübernahme einen befriedigenden Verlauf nehmen. Inzwischen darf es nicht Wunder nehmen, daß die Gegner der Agudas Jisroel und der selbständigen Orthodoxie im heiligen Lande überhaupt alle Minen springen lassen, um die Berufung einer so bedeutenden Persönlichkeit wie Oberrabbiner Sack und damit die weitere Festigung der um Agudas Jisroel sich gruppierenden orthodoxen Gemeinschaft zu verhindern. Man hat es an Schmähschriften mtb unmafyrett Ausstreuungen in Flugblättern und Briefen nach Riga nicht fehlen lassen. Ein Teil der Kolalim, die den Rabbonusbrief Unterzeichneten, ist von dem bekannten Sekretär und Inspirator des Misrad-harabanuth, Herrn Schmuel Aron Weber, mit:

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