Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1932)
- Date
- 1932-04-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 16 Der Israelit 14. April 1932 gem. § 9 d.Planes 3cfi zakke Jfinen 2 Ulilfionen wenn Sie das Sropc-Cos gewinnen! 43l/s% aller Lose gewinnen. Schon ein mittlerer - Treffer bedeutet: Umwälzung Ihrer Existenz > 1 flocfi K(ajfen-£ofe frei. HaröngKau/en Ziehung schon am 22. u. 23. April 1932 Ab 1. April Gr. Friedbergerstr. 23 gegenüber Roxy (früher Zeil 26). Staat!. Lotterie-Einnehmer lei. 27732 jammengehaltcn wird. Aber um diesen — an sich ganz gewiß durchaus w e r t h a l t i g e n und l e g i - t i m e ii — Gemeinsamkeiten den körperschaftlichen Ausdruck zu verleihen, dürfte eben nicht die Relig i o n s g e m e i n d c, die S y ii a g o g e n g e - m e i n d e hcrhalten, die l o g i f ch e r und sittliche r Weise nichts weiter sein darf als die Pflegerin und Vollftreckerin des in der Thora niedergelegten, Einheit schaffenden G'tteswillens. Patten wir solche wahrhafte Cinheitsgemcinden an Stelle der unwahrhaftigcn Zwangsgebilde, die beute den heiligen Namen der Einheit widerrechtlich usurpieren, dann wäre es leicht, auch für die geschichtliche und gefühlsmäßige Gemeinsamkeit wie für diejenige der geistigen und politischen Abwehr sittlich reine Drganisationsformen zu finden. Die Zerlegung der Berliner Vielheits-Gemeinde in bekenntnismäßig geeinte Gemeinschaften wäre der erste Schritt zu einer solchen Gesundung und versittlichung unsres religiösen Gemeinschaftslebens. Jüdische Erwerbslosenfürsorge. Die Fürsorge für das große Peer der Erwerbslosen, die in materieller pinficht Sache der staatlichen und kommunalen Behörden ist, birgt in vielleicht noch höherem Grade als diese vom Staate anerkannte Verpflichtung zum Schutze vor punger und physischem Untergang die Aufgabe in sich, vor allen Dingen eine m o r a l i s ch e Verwahrlosung der zum Müßiggang gezwungenen jugendlichen Menschen zu verhüten. Das alte talmudische Wort K'n» n^’öan mnyw daß Nichtstun zum Wahnsinn führt, hat noch nie eine so schicksalsschwere und geradezu lebenbedrohende Bedeutung gewonnen, wie heute in den gesegneten Tagen unserer europäisch-amerikanischen pochkultur, und es ist ja klar, daß diese Aufgabe der moralischen Fürsorge für die erwerbslose Jugend im wesentlichen zweckmäßig nur von den konfessionellen Organisationen gelöst werden kann Die Orthodoxie insbesondere hätte hier eine gewaltige Aufgabe. Sie müßte die Zeiten des erzwungenen 'Nichtstuns dazu benutzen, um den jungen'Männepn ein gediegenes Maß von .Thorawissen und auch den Mädchen jüdisch-religiöse Kulturwerte systematisch zu vermitteln. Inwieweit dies bisher geschehen ist, ent zieht sich unseirec-lkenntnis. Wir halten es aber, für unsere Pflicht, über eine wie uns scheint recht bedeutsame Veranstaltung ausführlicher zu berichten, die sich vom allgemein jüdischen Standpunkt aus mit dem Problem befaßte und die von der Arbeitsgemeinschaft „Jüdische Gefährdclen-Fürsorge" (Lerlin-Charlottenburg, Kantsir. 156) veranlaßt war. Die Sitzung beschäftigte sich zuerst mit der Fürsorge-Erziehung, einem nur äußerlich mit dem uns hier interessierenden Thema in Verbindung stehenden Gegenstand. Man verlangte hinsichtlich dieser Fürsorgeerziehung gefährdeter Jugendlicher die Schaffung von Aebergangsheimen, die nach Vollendung der eigentlichen Zwangsfürsorgccrziehung für die Rückkehr in das freie bürgerliche Leben den jungen Menschen erst eine systematische Vorbereitung gewähren. In Berlin existiert ein solches Rcbergangsheim unter dem Rainen Jugendwohnheim für Knaben, für Mädchen müßte eines erst geschaffen werden. Man ging dann zur Besprechung der Arbeit für die erwerbslose jüdische Iuge n d ' über. Frau Bertha Falke nb erg berichtete zunächst über die Maßnahmen für die erwerbslose weibliche Jugend: Auf Grund eingehender Umfragen ist festzustellen, daß für die erwerbslosen Mädchen so gut wie nichts geschieht. Zum Teil hängt es mit finanziellen Gründen zusammen, zum Teil mit der Indolenz mancher Mädchen selbst, die den Aufforderungen, sich zur Erwerbslosenfürsorge zu melden, nicht folgen. Aus den einzelnen Berichten fei folgendes kurz hervorgehoben. In Berlin sind die wichtigsten Maßnahmen für erwerbslose Mädchen der unentgeltliche Besuch von Paushaltungsschulen. Einige werden zur Mitarbeit in Kinderhorten und Küchen als pelferinnen herangezogen. Der verband Berlin des I, F. L>. hat Kurse, und zwar abends für Sprachen, Stenographie, Schreibmaschine, Rähen, Gymnastik eingerichtet. Die Kurse sind gut besucht, etwa der Mädchen sind erwerbslos. Der Unterricht wird von jungen Mädchen und Frauen erteilt, p a m b u r g hat für erwerbslose jüdische Mädchen Stenographie-,' Schreibamchsinen- und Sprachkurse zu kaufmännischer und beruflicher Fortbildung eingerichtet, fernerhin Kurse für Waschen, plätten und pausarbeit. Breslau, Köln, Mannheim und Karlsruhe haben Kurse für erwerbslose Mädchen eröffnet! 'In Köln steht den Jugendlichen das Erwerbslösenheim der Synagogengemeinde einige Stunden tagsüber zur Verfügung. Die Jugendlichen, auch überwiegend männliche, entwerfen selbst einen wöchentlichen Stundenplan. Das peim steht unter Leitung einer pädagogisch geschulten Istau. Es ist wünschenswert,, daß die eriwerbslosen Mädchen nicht als „Sonderklasse" behandelt, sondern mit arbeitenden zusammen in Kursen sortgebildet oder für eine Lcrufsumschichtung unterrichtet werden. Diese Zusammenschlüsse — das gilt auch für männliche Jugendliche — ob in buchenden, ob in neu zu begründenden Jugendheimen, müssen unter der Leitung eines reifen Menschen stehen, d. h. einer.'persönlichkeit, die die . Jugend mit allen ihren Röten, ihrem Streben, ihren Schwächen versteht, die klug und unbemerkt diese.Jugendlichen davor bewahrt, daß sie sich gegenseitig noch mehr in die poffnungslosigkeit ihrer Situation versenken, sich in Radikalismus verlieren und dem Judentum verloren gehen. Rach den Erfahrungen, die man jetzt gesammelt hat, würde sich vielleicht noch mehr empfehlen, Sie Mädchen in Porten, Kindergärten und Küchen zu beschäftigen, als sie in Kursen zu sammeln, da ersteres ihrer Eigenart mehr entspricht. Sie müßten allerdings für alle diese 'Arbeiten ein gewisses Entgelt erhalten, In der Debatte wies A d l e r -Rudel darauf hin, daß es zweifelhaft fei, inwieweit die in Frage kommenden/erwerbslosen Mädchen zu der vorgeschlagencn'Beschäftigung in peimen, Küchen usw. bereit sein würden^ sofern nicht von vornherein die Gefahr irgendeiner Konkurrenz mit den beruflich tätigen Arbeitskräften ausgeschlossen sei. Man müsse sich darüber klar sein, daß man es mit einer neuen, kollektiv gesinnten Iugestd zu tun habe. Dr, Georg Lu bi ns ki berichtete in folgendem über die Maßnahmen für erwerbslose männliche Jugendliche. Die Arbeit für männliche erwerbslose Jugendliche hat sich erfreulich gestaltet. In Berlin ist es gelungen, von der Reichsarbeitsverwaltung Wittel zur Einrichtung eines freiwilligen Arbeitsdienstes in der Kleiderkammer der jüdischen Gemeinde zu erhalten. Cs werden dort zurzeit ,14männliche und 6 weibliche Erwerbslose beschäftigt, die ein tägliches Entgelt, von Mk. 2'.75 erhalten. Die Arbeit ist zunächst für 12. Wochen genehmigt, mit einer Arbeitszeit von 4 Stunden täglich. Zur Fortbildung von stellenlosen kaufmännischen Angestellten und Lehrlingen haben die beteiligten Stellen, unter finanzieller Förderung des Arbeitsamtes Berlin- Mitte, einen ca. 20 Wochenstunden umfassenden Kursus zur beruflichen Fortbildung eingerichtet (Französisch, Englisch, peb'räisch, Schreibmaschine, Stenographie, Buchführung, Rechnen, Warenkunde, Staatsbürgerkunde und Rechtskunde). Die Teilnehmerzahl beträgt 50. Das neu errichtete peim für erwerbslose jüdische Jugendliche wird täglich von 80—90 Jugendlichen besucht, von den Besuchern sind 60 proz. ungelernte und angelernte Arbeiter und etwa 40 proz. gelernte pandwerkec und Kaufleute. Cs wird zurzeit geplant, im Westen Berlins ein zweites peim für erwerbslose jugendliche essizurichten.,. . . macht sich nur der erste schuldig, der zweite ist-straffrei. Die gleiche, Entscheidung. trifft, der Rambam. Es erhebt sich nun die Frage, .w o ,i.m Schriftvers diese unterschiedliche.'Behandlung' 'zrvisch?n dem. . ichiä Und d6m '‘«form sestgelegt ist. Die Frage wird vom'Gäbst durch.die Berufung auf. den Possuk st’2in KMar> m»») ... . ,,i; ,12 ni» osyi nfin iwa l» man-IP. gelöst,' und zwar durch den Hinweis auf die zwingende Tatsache, daß beim Ser Plural, beim x’xio der Singular gebraucht wird. Sinnbild oder Selbstwerk? ' Zur Hirschischen Symbolik der "Pesfachgefetze.*) Von Bezirksrabbiner Dr. B. 'Cohen' in Frivdrichstadt. (Schluß.) Die Gründung Israels als des VolkestzAlichen Sollens ist ja nach der Auslegung des Meisters der eigentliche Sinn der Sonderbestimmungen des in Mizrajim selber vorm Auszuge geopferten Peßachlamms (Mifchna Peß. 9, 5). Es wurde am zehnten des Monats Nissan gekauft, also an einem Tage, an welchem nach menschlicher Berechnung noch keine Aussicht auf Erlösung war. Das war die erste Handlung reinen G'ttesvolktums: Vertrauen auf G'tt als ^rste gemeinsame Bekundung ganz Israels: „G'tt hat geholfen" als Leitgedanke des Volkslebens. Das Blut des Peßachlamms, mit Mop auf die Schwelle und Pfosten gesprengt, also mit der bescheidensten der Pflanzen, lehrt: „Schwach und bedeutungslos ist der Gebende und gewinnt nur Kraft und Zukunft durch das Blut des Peßach", nämlich die innere Kraft, feine Ueberzeugung nach außen unbeirrt zu vertreten. *) Vgl. Iahrg. 71, Nr. 14/7 und 72, Nr. 13. Denn die Aögypter verehrten düs''geopferte Tier abgöttisch, und es galt furchtlos die G'steseinzigkeit. öffentlich in der Apftzugsnacht ,zu bekennen; „G'tp Hilft"- -als Üeit-: gedanke des .Volkslebens. Doch nicht mit. großer und weitläüfiger Vorbereitung konnte und füllte sich Israel auf den Auszug rüsten! mit gegürteten Lenden, befchuhiten Füßen und mit dem Wanderstab in der Hand füllte: es das Befreiungsmahl genießen; —bereit zur G'ttesi gefolgfchaft vom ersten Augenblick an mußte Israel seine Sache auf das irdische Nichts stellen, mußte wissen, daß eine Pilgerfahrt unser Leben auf Erden ist und daß es das bittere Los der Heimatlosigkeit auf sichmehmen muß, wenn eine Heimat dem g'ttgehorsamen Menschen sich verschließt. Zugleich aber war jene Reiserüstung, beim ersten Peßachmahl eine Aufmunterung für Israel, für alle Zeiten: G'tt gibt euch überall ein Heim, wo er seinen Namen erwähnen läßt (Ex. 20, 21) und geleitet uns schließlich nach allen. Wüstenwanderungen des Galuth in unsere ewige Heimat; „G'tt wird helfen" als Hauptantrieb des Volkslebens. Wenn Jemand einen Beweis dafür wünscht, daß diese Gedanken alle nicht mit müßigem Scharfsinn in die Peßachvorschriften hineingelesen, sondern im: Leben des Gesetzes mitbegründet sind und infolgedessen auch in der Volksseele von selber leben, dann möge er sich die eben vom Volke selber eingeführten Bräuche ansehen, insoweit sie von' unseren Weisen als sinngemäß für den Seder anerkannt. wurden. Kaum, einer der obigen Gedanken, ..der nicht auch im Sederbrauch ausgesprochen wäre. Das weiße Festgewand, das angelehnte Sitzen, die Vorspeise und die anderen Dinge, die lehren, daß wir „freie Herren" geworden, — ihre Einführung lehrt, daß unser Volk die Befreiungslehren so empfunden hat wie der-Meister unserer Sinnbildlehre. Die Lehre, daß „Jnnui" (Qual), „Avduth" (Knechtschaft) und „Geruch" (Fremdheit), aber nicht die Mühen und Plagen des Eröenlebens uns als Fluch'erscheinen' 'sind daß, was dasselbe ist, unsere Bätet' sich wohl über iM- Befreiung, nicht aber^ über „den: Untergang ihrer Feinde froh sein konchen, — sie.findet ihren Ausdruck-,deutlich genug in ster Gepflogenheit, bei ofr Aufzählung der Plagen den Inhalt deb' Freudenbechers zu ' vermindern. Endlich ist das in manchen 'Gegenden, zur Sedermähl^eit gehörige Ei -sicherlich keine.Machahmung auherjüdischen 'Frühjahrsbrauchs, sondern Sinnbild des im Verborgenen allezeit schlummernden, zur rechten Zeit in einer für einen Menschen ja durchsichtigen Weise. erwachenden Lebens, also gleich. Mazzö und Peßach des nur von G'tt gegründeten und erhaltenen und nur ihm gehörigen Lebens jedes Sohnes Israels und unseres-ganzen. Volkes. So formt sich auch in unserem Volksbrauch, vom Geiste der Weisen geleitet, das Bild unserer Irrwege und unserer dereinstigen Erlösung. Wochenkalender. vom 16. - 23. April 1982 ' vom 10. - ,17. Ntßan 5692 »öl» tp o'nvs Samstag 16 10 Np N2v snxn Sonntag 17 11 mp Montag 18 12 v'p Dienstag 19 13 ' 2p Mittwoch 20 14 S3p nos iiy ynn ppiia 2-IN’v Donnerstag O. 21 15 rni>pV 2 'k Di’ nob Freitag 55 22 16 2 . '2 Dl’ nos Samstag 23 17 D’i’ibn i’v ' D-.iin nasr