Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1932-04-14 · Heft 16 (14.4.1932) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 16 (14.4.1932)
Date
1932-04-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450704-2450720--78705-2536410
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 16 Seite 3 14. April 1932. s sonstigen Verpflichtungen gegenüber den auf seine Hilfe angewiesenen Institutionen Nachkommen kann, sieht dahin. Das gerade wollte die volksparteijiche Obstruktion natürlich erreichen, wobei sie skrupellos genug war, sich über das Schicksal der betroffenen Institutionen weiter keine Sorge zu machen. Das entspricht ganz den Traditionen der Partei, die immer verstanden hat, auch andersdenkenden religiösen Gruppen gegenüber kräftig zu hassen und das „right or wrong my party" zu betätigen. Ob es der Volkspartei gelingen wird, auf dem von ihr eingeschlagcnen Wege die Alk. 5000.— für den Hechaluz schließlich doch noch herauszuholen, wird interessant zu beobachten sein. Erstaunlich ist die bei Gelegenheit der Budgetberatung diesmal bekannt gewordene Tatsache, daß der ehrenamtliche Präsident des Rates einschließlich Aufwandsentschädigung eine Remuneration von M. 8000.— im Jahre bezieht. Da der Präsident ein hohes richterliches Amt bekleidet, das ihm doch ausreichende und standesgemäße Subsistenzmittel gewähren muß, und da man doch unmöglich annehmen kann, daß die präsidialgeschäfte des Verbandes übermäßige Zeit in Anspruch nehmen, so scheint uns hier in der Tat eine finanzielle Fehlleistung vorzuliegen. Charakteristisch ist die auf den: verbandstag zutage getretene Meinungsverschiedenheit hinsichtlich der Benennung des immer noch in Geburtswehen befindlichen sogenannten Retchsverbanöes. Die Liberalen wollen ihn bescheiden und wahrheitsgemäß „Reichsbund der deutschen Landesverbände" nennen. Die Volkspartei dagegen, die überall ihre politischen Cinheitsideale, wenn auch nur des äußeren Scheines wegen, durchsetzen will, inöchte der Welt glauben machen, dieser Bund der deutschen Landesverbände sei eine Cinheitsorganisation der gesäurten deutschen Iudenheit und hält deshalb an dem hochtönenden Ramcn „Reichsverband der deutschen Juden" fest. Die Herren werden, auch wenn sie mit dieser falschen Titulatur durchdrungen, die Öffentlichkeit doch nicht über die Tatsache täuschen könneir, daß die unabhängige Orthodoxie in Deutschland die Einschachtelung in diese Reichsvertretung a b l e h n t und in dem in Halberstadt domizilierenden „Reichsbund gefetzestreuer Gemeinden" selbständig organisiert ist. Cs ist keine Eigenbrädelei, daß wir diese Tatsache nachdrücklich unterstreichen müssen, sondern eine bittere Rotwendigkeit. Denn gerade die Crfahrurrgen, die auch die diesnraligen Verbandsvechandlungen gezeitigt haben, zeigen mit voller Klarheit, welche ungeheure Gefahr die Auslieferung der Macht, die sich in der Bewilligung' oder Ablehnung von Subventionen zeigt, an gestnnungsfremde Körperschaften für die Erhaltung religiöser und kultureller Institutionen in sich birgt. Darüber wird noch besonders ein Wort zu redn sein. Der Israelit Es bleibt bei Hindenburg, aber... Cs bleibt bei Hindenburg! lautete die Botschaft der Rächt zu Montag. Rund zwanzig Millionen Deutsche, von sechsundöreißig Millionen, die zur Urne gegangen sind, haben kunögetan, daß die Aera Hinöenburg-Brüning fortbestehen müsse, um uns vor dem Chaos zu schützen, um uns in die Bahnen politischer und wirtschaftlicher Gesundung zu leiten. Knapp vor dem Abgrund hat das Gros der deutschen Ration die Kraft aufgebracht, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und Schluß mit der Hitlerei zu machen. Das Volk wird am 24. April, bei Anlaß der Preußenwahlen, in ähnlichem Sinne sprechen. Für absehbare Zeit ist die Gefahr abgewendet. Aber aus der anderen Seite bleibt die Tatsache bestehen, daß dreizehneinhalb Millionen Wähler, überein Drittel der wahlberechtigten Deutschen, der Werbetrommel für den Mann gefolgt sind, der aus Wolkenhöhen, in denen er sich nicht allein wahrend der Wahlpropaganda bewegt, ein neues goldenes Zeitalter verspricht, der die Grundpfeiler für sein imaginäres Reich im schwarzen Loden der Rotzeit und im Sumpfe tiefster menschlicher Gesunkenheit am besten verankert glaubt. Erschütternd, daß über dreizehn Millionen deutsche Menschen, mit Äugen und Ohren, um zu sehen und zu hören, mit Herz und Gehirn, um zu fühlen und zu denken, geschlossenen Auges, die Sinne vom lauten Getrommel betäubt und betört, an die Wahlurne gehen, um sich für den Mann und sein Programm des Riederrcißcns alles Bestehenden zu entscheiden. Diese Masse, eine große Minorität des deutschen Volkes, wird weiter ihren Führern Folge leisten, ihren Mißerfolg durch doppelt wildes Gebaren ersetzen und den Aufbauprozeß, der im Ganzen für einige Jahre gesichert ist^, erschweren. Immerhin darf man sich der Hoffnung hingeben, daß das Ausland das Wahlresultat von Sonntagnacht in dem Sinne richtig deutet, daß in Deutschland die nationalsozialistische Welle wohl im wilden Steigen ist, sich aber doch an dem klaren Willen des seiner Verantwortung sich bewußten Großteiles des deutschen Volkes wie an einer ewigen Mauer bricht. Wir haben in Jerusalem jüdische Männer gesehen, die an den heiligen Ouadern der Westmauer für den Wahlsieg Hindenburgs Psalmen beteten. Das ferne Ausland mag die Lage in Deutschland zu schwarz und die Gefahren für die Juden im vcrgrößerungsglase der Bruderliebe zu groß sehen. Im Tiefsten fühlen doch aber jene alten Inden, daß die dunklen Mächte, die sich in der Welt gegen die Liebe und den Frieden, gegen G'tt und sein Volk verschworen haben, die Hemmnisse auf dem Wege nur häufen, der zum Aufbau der Ruinen — und damit zum sittlichen Wiederaufbau der Welt führen soll. Diese alten bärtigen Juden, die zum Teil noch in der Sprache der FüllfederfiaHer. 1000 schreibfertige Halter zur Auswahl! . mit 14karat. Goldfeder ab Rmk. 3.— Osmia-Supra, Parker Duofold, Montblanc, Pelikan, Soennecken Hausmarken: Ceka und Juwel und andere Marken CARL KLIPPEL Kaiserstrasse 75 Schreibwaren aller Art alten deutschen Heimat, aus der ihre Väter auf dem Wege über die slawischen Länder nach dem heiligen Lande gekommen sind, sprechen und beten, sind aufrichtigere Freunde Deutschlands, als jene volkstribune, die ein „Ausweisungsprojekt für die jüdischen Ausländer" als ersten Regierungsakt für das Dritte Reich vocberciten. Die dunklen Mächte sind am Werke, aber die Vernunft siegt, das die Botschaft der Rächt von Sonntag! Was ist eine „Einheiksgemeinde"? Inmitten der aufgeregten Szenen, die sich am vorigen Donnerstag in der Berliner Repräsentantenversammlung abspielten, hat der Vertreter der zionistischen Minderheit im Gemcindcvorstand eine Definition des Begriffes „Linheitsgemeindc" verkündet, die in ihrer schlagwortartigen Formulierung über den Kampf des Tages hinaus festgehalten zu werden verdient. Herr Dr. Kollenscher meinte, eine „Linb e i t s gemeinde" fei eine solche Gemeinde, deren Glieder in weltanschaulich-religiösen Fragen „nicht einig" sind! Mit größerer Klarheit und Eindringlichkeit hätte niemand den Standpunkt der selbständige n Orthodoxie gegenüber dem territorialistischen Gemeindezwang vertreten können, als cs Herr Dr. Kollenscher hier getan hat. Die Einheit dieser Territorialgemeinden, soweit sie den festen Boden des Thoragesetzes verlassen haben, besteht in ihrer R i ch t - Einheit — und eins ist drei und drei ist eins, das ist das Hexen-Cimnaleins! Unter der täuschenden Maske der S^nagogengemeinde birgt sich also eine bloße Ramcnsgemeinschaft, die leider nicht mehr durch gemeinsame religiöse Uebcrzeugung, sondern durch das Band geschichtlicher Erinnerungen, durch blut- und gefühlsmäßige Bindungen und nicht zulotzt durch den Haß von außen zu- Einige Erklärungen zu Pefsach und zur Hagada. Bearbeitet nach «"'»an atzn --.nii»« Wna "in’VN ’iav (Wilna 1927) Von Dr. C. Deuischländer in Wien, l. Daß die wunderbare Errettung unserer Väter aus Aegypten vom Allmächtigen selbst durchgesührt wurde, wird in der Hagada und an anderen Orten mehrfach hervorgehoben: (s. talm. jerusch. Sanhedrin II, 1) in« s'ji «in ’3« ...tpt7 «bi n« —irr!,» «bi nx •-■a'is» fi«a 'Niavi Nicht ganz im Einklang zu diesen so bestimmt gehaltenen Auslassungen steht nach Auffassung mancher der Schristvers ,qiaab aavin *>« «i3b rvwan ],t «bi .-ans» nx epaaV m i3vi in welchem eigentlich vorausgesetzt wird, als ob doch ein strafender Engel im Aufträge- G'ttes in der Unglücksnacht Aegyptens tätig war. Es hätte prägnanter stehen können rvw «bi „G'tt sah das Blut und sandte das Verderben nicht in dieses Haus." Dennoch aber ist die eingangs angeführte Textierung mit Bedacht gewählt In jeder Stunde des Tages und der Nacht muß sich das Erdenschicksal vieler Sterblicher auf dem natürlichen Wege vollenden. Auch in der Befreiungsnacht unseres Volkes war für so manchen dex Augenblick des Abschiedes von der Erde gekommen; diese sollten aber durch den Todesengel gerade jetzt verschont bleiben, um keinen Vergleich mit dem Schicksal der Aegypter aufkommen zu lassen. Die Worte n'nvnn im «bigalten also nur diesem Vollstrecker des g'ttlichen Willens, die Häuser der Israeliten aus dem angeführten Grunde vor jedem normalen Sterben zu verschonen. II. -niiBvn p b«-w' '22 ina«'i -b’Isö nbv nn’i Raschi erläutert vivirav nvbv, damals sei nicht der wirkliche Tod bei Pharao eingetreten, sondern der König wurde vom Aussatz befallen, nva aivn Viixa'Rasch i fügt weiter hinzu: aan rnm nipivn amer 'in. Die Grausamkeit des Tyrannen erfuhr noch eine Steigerung: Er badete sich im Blute der ermordeten Kinder. Mit dieser Erklärung wird auch der Zusammenhang zwischen dem Tod des Königs und dem verstärkten Aufschrei der gequälten Sklaven verständlich. - - - ipypi - - inax’r Viele Beispiele der Geschichte lehren, daß der wirkliche Tod mancher Tyrannen den von ihnen Unterdrückten meist eine Atempause brachte, wenigstens solange, bis die Edikte durch den Nachfolger erneuert wurden. Ebenso bietet die Weltgeschichte eine Reihe von Parallelen zu dem Verhalten Pharaos, die beweisen, daß niedrige Charaktere durch Not oder Krankheit in ihrer gansamen Veranlagung noch verstärkt (Nero), während edle Naturen im Leid geläutert werden. Die Grundlage für diese Auslegung, daß nicht der physische Tod eingetreten sei, findet der Gaon im Text dadurch angedeutet, daß der Titel ib» beibehalten ist. Der Titel „König" entfällt beim wirklichen Tod.pvbvp« man ai'2- Beispiele dafür sind zahlreich: -'2i N'3« 33v'1 ,BV3N1 3BV'i ,i'M2« BV Nvbv 33v'i Dagegen heißt es im Berufungskapitel Jesajas nara in'n? ib»nmaim Todesjahr des Königs Usia, wo die Ueberlieferung ebenfalls lehrt, daß hier jener Zeitpunkt angegeben ist, in welchem Usia infolge Erkrankung an Aussatz den Thron verlassen mußte und sein weiteres Leben noch 17 Jahre währte. III. •q»a»n nsar? m ba«' mx» ,*ns» barm b’»’ nsav Zu diesen beiden a'piao werden drei wichtige Anmerkungen gemacht: a) Das Mazzogebot wird in zwei aufeinander folgenden Versen mit auffallender Wiederholung eingeschärft. b) Die Form des Gebotes ist im ersten Absatz aktivisch, im zweiten passivisch. c) Die Schreibart des Wortes Mazzo findet sich zuerst in der unvollkommenen Form (non), an der zweiten Stelle mit i, («b»)- Diese drei nicht zu übersehenden Besonderheiten bilden die Stütze für drei praktische Gesetzesbestimmungen. In jerusch. Baba bathra l, 4, ebenso im Remo zu m« (v"2n -'v) wird gelehrt, daß jeder Arme, der 12 Monate in einer Stadt wohnt, ein Recht auf Mazzos hat, und daß jeder zu dieser Mizwo beizutragen verpflichtet sei, der sich ebenfalls 12 Monate in dieser Stadt aufhält. Nun bezieht sich der e r st angeführte Possuk auf die Pflicht jedes Jehudi, Mazzo zu essen, daher wird die kal-Form verwendet. Die Nifal-Form im 2. Possuk bezieht sich auf die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß (io«’) jeder Mazzo z u essen hat. Während aber für die Eigen Pflicht ein kleines Quantum genügt und demzufolge Mazzo im ersten Possuk ivn geschrieben ist, muß man bei der Zumessung von «nva-i «map für die Armen daran denken, daß ii>3«i ivavi i'isVa sie sich zu sättigen haben; und das wiederum wird sinngemäß durch die «i-v-schreibung angedeutet. IV. Im Talmud Jeruschalmi (Pesachim 7, 13) heißt es: IN« «'Xlv PX1 '13117 IN« 13117 17' d. h., wenn jemand einen Knochen vom Pessachopfer zerbricht, macht er sich schuldig und ebenso jeder, der nach ihm den Knochen zerkleinert. Wenn dagegen jemand einen n’ta des Pesfachmahles aus der Gesellschaft hinausführt und ein zweiter ihn weiter trägt, so!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.