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Der Israelit · 1932-04-14 · Heft 16 (14.4.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 16 (14.4.1932)
Date
1932-04-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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verbunden ist mit dem Feste der g'ttlichen Offenbarung^ so wird sich auch in der Alenschheit Mitte mit der Anerkennung des allmächtig alle denkenden Geister und edlen Gemüter sich erobernden Huma n i t ä t s p r i n z i p e s , auch die immer mehr fort schreitende und breitere Ilreifc umfassende Anerkennung und Huldigung der in der Thora niedergelegten G ' l t e s e r k e n n t n i s und G ' t t e s h u l d i - g u n g zur untrennbaren Einheit verbinden, „wenn G'tt das Haus nicht baut» vergebens bemühen sich dann seine Baumeister". Ohne G'ttescrkenntnis und G'tteshuldigung bleibt das Humanitätsgebäude der Menschheit auf schwankendem Rohr errichtet. Soll ich erzählen von jenem abgefallenen Sohne Israels, einem der größten Dichter der Reuzeit» der in seinen journalistischen Arbeiten all die mannigfaltigen Irrnissc und Wirrnisse unseres Zeitalters vorausgesagt und die Emanzipierung des Menschen von aller religiösen Bindung als die Hauptvorbedingung für die Gesundung und Rettung der Menschheit aus allem sozialen Leid und Jammer verkündet hatte. Der aber nachher» da er Jahrzehnte hindurch in seiner berühmten »»Maicatzengruft" in Paris in unnennbarem Jammer und Elend dahinsiechte» die Irrtümer seines Lebens auf tiefste bereute, sie wiederricf und sein Testament mit den Worten beginnt, daß er i m f e st e n Glauben an den einen einzigen G'tt sterbe und dessen Gnade für seine un - sterblicheSeeleanrufe?! Fürwahr» eine Worten: erschütternde Illustration zu 'inb 21V21 nnaaa 'pba 'n ns ma? ah nnn „Und wenn du den Ewigen» deinen G'tt nicht m Freuden dienst," so wirst du Ihn anerkennen, so die Stürme des Lebens dich umbrausen werden! Uns aber umrauscht der süße Klang des Hallelliedes: ''n ’ipya nsorn rrns ’D nivrr sV „Ich sterbe nicht» sondern lebe und verkünde die werke G'ttes". Auch der soziale A l t r u i s m u s muß im G ' t t c s b e w u ß t s e i n verankert sein, s o n st verweht er wie die Stop p e l n. Ohne feste Verankerung in wahrhaftiger G'tteserkcnntnis muß auch das edelste soziale wollen und Streben zur Verbreitung allgemeinster Wohlfahrt unter den Menschenkindern in Verirrungen und Radikalismen ausarten» die die Menschheit noch tiefer ins Elend versinken lassen. Ein Beispiel hierfür gibt uns das größte Reich Europas, wo anstatt des niedergeriffenen tPTav n'2 des Zarentums eine neue Sklaverei des Körpers und der Seele die scheinbar Befreiten umschließt. So wollen wir denn hoffen» daß n&:r rnnn» auch in dieser Beziehung die Wahrheit sich bewähren wird: „Und von unten wird es emporw a ch s e n! " O'Q ijnn d’b?r> „Aus seinen Eimern rinnet Wasser» sein Same an vielen Wassern." Auch die aus Israels heiliger Ouelle hervorsprudelnde wahre G'tteserkenntnis wird feste Wurzel in der Allmenschheit fassen» und ihre Heilessaat an vielen Strömen» überall in der Menschenwelt segenbringend hervorsprießcn. Am Ende wird alles Fleisch einsehen» daß der Mund G'ttes gesprochen! Daß ohne G'ttesglauben und G'tteshuldigung alles Menschenglück und Heil eitel Tand, Schaum und Traum ist und bleibt. Und wie der T h o r a g e i st , dieser Lebensodem Israels, so wird auch der Träger dieses Geistes: das jüdische Volkstum sich als u n - sterblich bewähren: Und von unten wird e s e m p o r w a ch s e n! " Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat Mai Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt a.M. Wochenrundschau. Die Xaqunq des Berliner Landesverbandes. In den führenden Kreisen des Berliner preußischen Landesverbandes herrscht üatzenjammerstimmung. Das läßt sich begreifen» denn der Verlauf der Tagung, über die wir vorige Woche berichteten» war, inerlei ob man äußere Form und äußeren Eindruck in Betracht zieht oder den geistigen Inhalt der Verhandlungen prüft, nicht gerade erhebend. Das In- Ansere Perspektive zur •ania» Von Jakob Tetzler in Nürnberg. Ueber das an den Sederabenden uns zur Pflicht gemachte Trinken der vier Becher finden wir in Midrafch- Nabbot (1., 88, 4; Talmud Ieruschalmi, 10, 1) verschiedene Ansichten. Nach Naw Huna deuten die vier Becher auf die vierfache Ausdrucksweise der g'ttlichen Verkündung, nVxm vixnrri, „Ich werde euch herausführen, ich werde euch eretten, ich werde euch erlösen, ich werde euch mir zum Volke nehmen." (2. Mos., 6. 6); nach Rabbi Samuel deuten die vier Becher auf die viermalige Wiederholung des Wortes „Becher" bei der Deutung des Mundschentraumes durch Josef; nach Rabbi Levi auf die vier, »diir /na ,p» 5aa :nvab», nach Rabbi Iosua ben Levi auf die vier „Becher", die in '•>»»» i"v ü'bnn Vorkommen. Der Sinn dürste, kuiH gefaßt, folgender sein: Bier Weltfakta rein historischer Natur bestätigen in unwiderleglicher Weise die g'ttliche Wallung auf Erden: 1. Der Auszug aus Aegypten, woraus die unwiderstehliche G'ttesmacht, Seine unendliche Güte und Liebe zu dem geknechteten Volke klar hervorgeht. („Ich werde euch herausführen usw., damit ihr erkennet, daß ich der Ewige euer G'tt bin"). 2. Die an den Aegyptern geübten Strafgerichte, wo G'ttes Gerechtigkeit sich so deutlich zeigt. •pttn i»aa ’atp iso piA .nyis via 3. Die Jahrtausend währende systematische Unterdrück u n g Iisroels, die ein beredtes Zeugnis von G'ttes Langmut ist. 4. Die mit Schrift und Siegel uns verheißene kommende Erlösung, deren Spuren und Vorzeichen als bevorstehendes Faktum unleugbar find. — Bei all diesen vier Weltdramen spielen wir unsere eigene Rolle —, einzig und allein zu Vorbereitung des G'ttesreiches auf Erden... Wir mutzten und müssen mit so manchem den Wermutbecher leeren — und trinken unsere eignen „Arba-Rausaus" — ja, wir überschreiten das Matz des Vorgeschriebenen und füllen, nach alter Vätersitte, einen fünften Becher, der mit dem vanrr --nnani, „Und ich bringe euch in das Land", als fünfter Ausdruck der Erlösung, seine Andeutung ebenfalls in der Thora hat, zur Ehrung des hohen unsichtbaren Gastes, des Propheten Elijahu, welcher, laut Midrasch (Ialkut-Schimauni, Rönigel, 17, 208), seinem Leben und Auftreten nach, ganz ähnlich unserem Lehrer Moses ist und uns den Weg zu Erlösung bahnen soll; — dem die große T'schuwo- Ausgabe „das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Rinder zu den Vätern zurückzuwenden", zufällt. (S. Pirke Elieser). Nach Ueberlieferung unserer Weisen nahm unser Stammvater Jakob aus dem Namen des Propheten Elijahu den Buchstaben Waw als Pfand zu sich, bis dieser seinen Rindern die Botschaft ihrer Erlösung bringen werde. (Bechaija zu mpna)- Dieses Waw bedeutet vermutlich das sechste Jahrtausend unserer Erlösungszeit und nach kabbalistischer Berechnung, aus Grund einer Soharstelle, befänden wir uns am sechsten Tag, kurz vor Sabbateingang (d. h. nach E'ttestagen berechnet, deren jeder ein Jahrtausend ist). teresse der Öffentlichkeit an der Tagung,-die man so gerne zu einem Parlament der preußischen Juden hinaufreden möchte, war gleich Rull, die Zuhörergalerie auffallend schwach besucht und von der Teilnahme irgendwelcher staatlicher oder kommunaler Behörden nichts zu bemerken. Die Generaldiskufston» die sich an den ziemlich inhaltsleeren Geschäftsbericht des Rates anschloß» ließ irgend welche geistige Höhepunkte vermissen» wenn man nicht die nachgerade schon etwas langweilig wirkende Anklammerung jeder Rede auf öffentlichen jüdischen Tagungen an das Goethejubiläum als ausreichende Fundierung des geistigen Gehaltes der Verhandlungen betrachten will. Das Schlimmste aber ist die vorläufig einmal eingetretene finanzielle Lahmlegung des Verbandes durch die O b st r n k t! o n s p o l i t i t d e r „Jüdischen V o l k s p a r t e i ". Diese Partei» die die goldenen Tage von Aranjuez» da sie noch über den gefüllten Kassenschrank der Berliner jüdischen Gemeinde unumschränkt verfügte» nicht vergessen und sich in die Rolle einer Minderheit nur schwer hineinfinden kann, war aufs äußerste erbost über das Verhalten der liberalen Mehrheit zu einer an sich gewiß nicht bedeutenden Angelegenheit: der Subventionierung des zionistischen Hechaluz mit Alk. 5000.—. Der Rat wollte diese Subvention streichen» der Haushaltsausfchuß stellte sie wieder her und fügte nur die Klausel hinzu: „unter dem Vorbehalt der üblichen Prüfung." Ueber den Ginn dieser Klausel gab nun der Jurist des Rates» Landgerichtsrat Dr. Lilienthal, eine Auskunft, die den Intentionen des Häushaltsausfchufses gewiß nicht entsprach: Cs solle jeder einzelne Lhaluz auf seine persönliche Bedürftigkeit geprüft werden. Alan wird bei objektiver Beurteilung zugeben müssen, daß der preußische Landesverband, wenn er schon als reine Verwaltungsgemeinschaft seiner Ratuc nach einen ausgesprochen religiösen oder überhaupt weltanschaulichen Standpunkt nicht einnchmcn kann, auch kein moralisches Recht hat» dem „Hechaluz", dem wir gewiß keine großen Sympathien entgegenbringen, die Subventionierung zu verweigern oder sie an erniedrigende Bedingungen zu knüpfen. Sachlich scheint uns die Volkspartei in diesem Falle also durchaus im Rechte gewesen zu sein. Aber die politische K o n s e q u e n z » die die offenbar von leidenschaftlicher Erregung erfüllten volksparteilichen Führer aus dieser Sachlage zogen, bat gewiß keinen Funkelt von sittlicher Berechtigung. Sie benutzten die Verfassungsbestimmung» daß die zur Balancierung des Haushaltes durchaus notwendige Rotstanösumlage einer qualifizierten Mehrheit bedarf, um diese Umlage a b z u l e h n e n und damit den ganzen finanziellen Apparat des Verbandes lahm zu legen. Zwar glaubt man» daß die regulären Einnahmen hinreichen» um die Angestellten des Verbandes zu bezahlen» aber wie der Verband seinen Möge nun die dem Sabbat vorangehenden Dämmerzeiten „zwischen Tag und Abend" (vivaempa) beim Uebergang zwischen empV Vin sich noch so finster und kampfartig gestalten —, die heranbrechende zum Sabbat zählende Nacht wird, wie einst in Aegypten, auch künftighin airnn^ »33, bsb am»!? werden!-Drei der Schimurimnächte haben wir bereits hinter nns und die vierte steht bevor (S. Targum-Ieruschalmi zum 2. B. Mos., 12, 42). — Wir Gläubigen — o*3■»«» ’3a a'3'an» sehen in unseren: tausendjährigem „Traume" das ./Antlitz" des Propheten Elijahu — ,m^na vas ntnp »n new •b ime? »» '»VN und wir sind von dem unerschütterlichen Glauben durchdrungen, daß ohne ■ den Geist des Propheten Elijahu auf uns zu übertragen, ihn uns zum Vorbilde zu machen —, die leidende Menschheit nicht genesen kann und keine irdische Macht die Welt aus ihrem Chaos dauernd befreien und erlösen wird! — Wie einst Elijahu alle Baalkulte und falsche Propheten verpönte, sollen auch wir unser Schicksal und die Gestaltung unserer Zukunft einzig und allein in die Hand unseres himmlischen Vaters legen und unseren Blick auf jenen Friedensboten richten, der von G'tt berufen ist, den Weg zum ewigen Frieden zu bahnen! (S. Tr. Edujoth, Ende). Bleiben wir als Bmidesgenosfen diesem nnan qnba treu, damit er auch uns treu bleibt... leben wir in seinem heiligen Geiste, der allein zur Neubelebung und Auferstehung führt.. (S. Tr. Sota, Abschn. 9, 15) Es ist dies unser einziger sehnsuchtsvollster Wunsch und hoffnungsvoller Ausblick! Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: S. Schach« nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Zermorr E> m. b. H., Frankfurt a. M- — Druck: ^tzermon-Druckerei, Frankfurt a. M.

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