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Der Israelit · 1932-04-07 · Heft 15 (7.4.1932) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 15 (7.4.1932)
Date
1932-04-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 15 Der 2 s r a e l i t 7. Aprili 1932 fließenden Hebräisch über das Erziehungsziel der Schule, der er den Dank der Abgehenden zum Ausdruck brachte. Der zweite Vortrag „Zum Goethe-Tag 1932", gehalten von Carl Benjamin, beschäftigte sich in bemerkenswerten Ausführungen mit der heute sooft erörterten Frage der Stellung unserer Zeit zur Klassik:- Hieraus folgte eine französische Rede von Fanny Mandelbaum über die Erschütterung der geistigen Situation in Deutschland. Die Vortragende bewies mit ihren formal und inhaltlich überaus bemerkenswerten Ausführungen eine ganz ungewöhnliche Begabung.- Die Ansprache des Direktors der Jawne, Herrn Dr. K l i b a n s k y , ging auf die Bedeutung des Ausbaus zur Vollanstalt grundsätzlich ein und wies auf die Aufgabe der Schule hin, gerade in dieser Zeit des Schwankens der scheinbar so fest gegründeten Kulturwerte der Umwelt das Licht der Thora um so mächtiger als Wegweiser fürs Leben draußen erstrahlen zu lassen. Wenn die Wirrnis dieser Tage auch den geistigen Bestand des Abendlandes in ungewöhnlichem Maße erschüttert habe, die Position des Judentums sei nicht in Gefahr, solange es sich nur an das halte, was feit jener Verheißung an Abraham in allen Zeiten sich bewährt habe. Er erinnerte daran, daß das nunmehr 13jährige Bestehen von Jawne in Köln die Schule wie einen Barmizwoh vor neue Pflichten stelle. Der Redner dankte besonders herzlich dem Lehrerkollegium, das in unermüdlicher Arbeit und mit grüß? tem Idealismus am glücklichen Gelingen mitgewirkt habe. Er wandte sich endlich mit ernsten Worten an die. Abiturienten, denen er für den Weg ins Leben, den sie als Juden nicht unbefangen und leichten. Sinnes, sondern voll Vertrauen und Zuversicht einschlagen würden, die besten Wünsche der Schule mitgab. Dann händigte er den 13 Abiturienten die Reifezeugnisse aus und den 19 Untersekundanern die Zeugnisse der Obersekundareife. Herr Gemeinderabbiner Dr. R o s e n t h a l überbrachte als Vertreter des Preußischen Landesverbandes, dessen Glückwünsche und wandte sich dann als Vorsitzender des Kuratoriums der Jawne besonders herzlich zur Leitung der Schule, zu Lehrern und Abiturietnen. Er wies auf den großen Eindruck hin, den die mündliche Prüfung, an der er teilgenommen hat, auf ihn gemacht habe, und die einen Beweis dafür ablegte, was die Jawne an jüdischem Geist und Wissen, Willen und Leben übermittelt hat. Er wünschte ihr ein weiteres gedeihliches Wirken zu Nutzen und Ehren des ganzen Judentums. Dis Glückwünsche des Schulvereins überbrachte Herr Isaak van Eleef. Für die Synagogengemeinde Köln sprach Herr Studienrat Wolfs. Die Gemeinde nehme an der Entwicklung der Jawne nicht nur materiell, sondern auch moralisch und geistig innigsten Anteil. Er wies darauf hin, daß diese Schule den Abiturienten jüdische Werterlebnisse gegeben habe, die sie vor jedem Minderwertigkeitsgefühl schützten. Herr Rabbiner Dr. D. Carlebach beglückwünschte dann namens der Adaß Jeschuruyin Köln den Direktor, die Lehrer pnd die Abiturienten.., Der^Rednep erinnerte daran, daß die Schule ein Kirch der^Mäß.sei, die wie eine Mutter-mit-iüefem Kinde Isir^gVoAteÄ^ustd schmerzlichstes Opfer gebracht habe. In dies Haus sek'Lebeit eingebaut. Um so größbr'sei die-Genugtuung über das heute Erreichte. Die Fei^,' diein ihren^ Verkauf von Eindringlicher 'Wirkung war, wurde eingelsitet und beendet-mit deutschen und stLSMißhen Gesängen.' Ursi AististellZ jÄich die Darbietungen des Sprechchors unter Leitung von Frl. Dr. Fro n k und des Schülerorchesters trugen nicht wenig zur Verschönerung der Festesstunde bei. polen. Redakteur Schub freigesprochen. - ' Wilna, 31. März. Bekanntlich hattendie -mannhaften Aussätze, die der Herausgeber der Wstnaer agudistifchen- Zeitschrift „Das Wort" vor zwei Jahren aus Anlaß der bekannten Aufoktroyierung des Senators Rabb. Rubinstein als Oberrabbiner von Wilnä gegen die dabei zutage getretenen Methoden veröffentlichte, zu einer Reihe von Preßprozeffen gegen Herrm'Schub geführt. Jetzt ist 'am Taanis Ester der letzte dieser Prozesse zu Gunsten des viel angefeindeten orthodoxen Journalisten entschieden worden. Es war eine vom Staatsanwalt erhobene Anklage wegen Beleidigung, die darauf gestützt worden war, daß Schub den areligiösen, zum Teil auch antireligiösen Charakter der Gemeinden trotz der Fiktion einer Religionsgemeinde nachgewiesen hotte. Durch zahlreiche Zeugenvernehmungen in Wilna selbst und an auswärtigen Orten überzeugte sich das Gericht davon, daß in den Gemeinden vielfach Vorsteher gänzlich antireligiöser Gesinnung amtieren, und daß diese-''Gesinnung der Vorsteher auch auf die Verwaltuygstätigkeit der Gemeinden einen starken Einfluß ausübt. Infolgedessen würde i der,angeklagte Redakteur freigesprochen und die Gerichtskosten der Staatskasse auferlegt. Das Urteil ist in orthodoxen Kreisen mit großer Befriedigung ausgenommen worden. i Litauen. Ehillu! Schabbos des Rlakkabi auch im Auslande. K o w n o, 31. März. . Größte Erregung hat in allen hiesigen Kreisen die Abreise der nach Tel-Awiw fahrenden Makkabi-.Exp e d i t i o n am letzten Freitag ausgelöst. Etwa 80 Teilnehmer aus Kowno und der Provinz traten , die Reise mit dem Berliner Schnellzug am Freitag Mittag an und verbreiteten zunächst das Gerücht, man werde in Eydtkuhnen den Sabbat verbringen. Das erwies sich leider als unwahr. Die Reisegesellschaft hielt es vielmehr für angemessen, zur höheren Ehre des heiligen Sports am Sabbat früh in der deutschen Reichshauptstadt einzutreffen. Unsere nationalen Helden scheinen in dieser Methode eine Art von Training zu erblicken, um die ihnen anvertraute Jugend , von vornherein an die obligaten Fußballspiele am Sabbat zu gewöhnen. Palästina. Zwei Morde in Jerusalem. Jerusalem, 5. April. Am 1. April wurde ein amerikanischer Tourist, I. Wolf, und am 3. April der 21jährige arabische Chauffeur E l a r e f f ungefähr an der gleichen Stelle mit durchschnittener Kohle tot ausgesunden. Man glaubt, daß Beide Opfer einer arabischen Terroristengruppe sind, die die Morde zum Zwecke der Erregung von Unruhen organisiert haben. Die palästinensische Regierung ließ die Herausgeber der Zeitungen zu einer Besprechung über die Fragen der öffentlichen Sicherheit einladen und sie ersuchen, die Regierung bei den Bemühungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung im Lande zu unterstützen. In Kfar Chassidim haben Araber vergangenen Freitag jüdische Pflüger angegriffen. Die Juden wiesen den Angriff zurück. Ein Jude und ein Araber wurden leicht verletzt. Die Bestattung Rabbi Chajim Sonnenfelds Jerusalem, 29. März. Seit Wochen sorgte man sich um das kostbare Leben des Greises, der noch vor einigen Monaten so jung und frisch schien, daß er allein zum srnrn in hinausging und am Sabbat weite Fußgänge machte, um ni"» nvsa auszuüben. Am isfva na» blieb der vertraute Freund und Arzt des Rabbi, Dr. Wallach (Leiter des Schaare Zedek-Hospitals) fast ganz am Krankenbette. In. den Synagogen und ander Kothel wurde Thillim gebetet. Sonntag früh lag trüber Nebel über Jerufa.lem'j; als nach ,10 Üstr,.die Stimme der Ausrufer duxch die'verschiedenen Schechunoth dröhnte, die im Namen des Rabbinats der Aschkenasim die vi'vs kündeten, l>iva anordneten und zur ''ii> um 2 Uhr mittags riefen. Unbeschreibliche Aufregung bemächtigte sich aller Kreise der Stadt. Gegen 2 Uhr waren alle Zugänge zum Deutschen- Platz und zur Wohnung des Rabbiners geradezu verstopft. Alle Dächer waren voller Menschen. Jüdische und englische Polizisten hielten die Ordnung aufrecht und den Durchgang für die offiziellen Vertreter frei. Ein hoher Peamter erschien in Vertretung des Hochkommissars. Kavasfen in ihrer bunten Uniform bahnten ihren Konsulen den Weg zu ihren Ehrenplätzen, unter ihnen sah man in seiner Amtstracht Chacham Rabbi Jacob M e i r. Von den Sefardim aller Schattierungen (Jemeniten, Grusen, Kurden, Bucharen, Perser) waren sämtliche Chachamim mit dem Großteil ihrer Gemeinden anwesende Ergreifend war es, als sich zu den Kindern des -Disl kin'schen Waisenhauses auch die bucharische.n und jemenitischen Schüler gesellten, um unter.Führung ihrer Lehrer in ihrer eigenen herzerschütternden Melodie Psalmen'vor der Bahre zu rezitieren. Gegen 3 Uhr wurde die vv» hinausgetragen. Es begannen vor der vieltausendköpfigen Menge die Hespedim. -u Zuerst sprach der Chuster Raw, der als Tourist mit Her Reisegesellschaft der PalästinaZentrale der „Agudas. Israel" ins Land gekommen und am Montag noch sinmal bei Reb Chajim erschienen war, um sich zu. verabschieden' just die Stunde, da die große Seele aus dem-alten gebrechlichen Körper schied . . . Mit tränenerstickter Stimme schilderte der Redner, zumeist in lapidaren Thora- und Talmudsätzen, was Gefamtjisrael am dieser Säule der Thora und Emunah verloren hat. Es sprachen nacheinander Rabbiner M e l z e r vom Rabbinat Sonnenseld, Chacham I o s s e f L e v i für die Sefardim (hebräisch), Rabbi Pinchas E p st e i n und Rabbi Benzion I a d l e r. Der Heimgegangene hatte wiederholt geäußert, man möge an der Bahre von Lobreden absehen.. und ihm höchstens nachrühmen, daß er „ein alter Erez Jisroel-Jude war. So bewegten sich all die Reden um den „alten Erez Jisroel-Juden", der sechzig Jahre lang Jerusalem nicht verlassen hatte und von seinem Heime aus, — wie bescheiden ist doch dieses Heim! — das den,schönsten Ausblick aufVipvn oip» bietet, mit eiserner Kraft , über die Heiligkeit des altey. Jischuw in diesen Jahrzehnten elementarer Wandlungen wachte. Es war 5 Uhr, als sich der Zug durch die oft lebensgefährlich angefüllten schmalen Gassen der Altstadt bewegte, durch Schaare Zion' und die Alte Mauer hindurch, den schwierigen welligen Weg zum „Har Hasessim" hinauf, anhaltend geleitet von den psalmsingenden Kindern. Wer diese endlosen Gräberfelder mit den plattliegenden' Denksteinen, vom Fuße bis zu den Hängen, und von diesen bis zum Gipfel, zwischen Felsen und weißen Sandinseln, mit dem klaren Ausblick auf die Hügel und Zinnen der heiligen Stadt ^i^ji gesehen, hat noch nie eine geweihte Gräberstätte gesehen. Wiederholt staute sich hier die Menge, zuweilen schien das Fortkommen auf dem chwierigen Gelände zwischen den drängenden Menschenmasten einfach unmöglich. Aber die Männer der „Heiligen Bruderschaft", die sich für diesen letzten Liebesdienst eigens geweiht hatten, vollbrachten Wunder an körperlicher und Seelenkraft. Unweit der Ruhestätte von Rabbi Schmuel Salant brtu an der Seite seines Rebben, des Kobersdorfer Raw W, fand' Rabbi Chajim, der letzte aus jener Generation, feine letzte Ruhe. Am frisch aufgeworfenen Hügel sprach noch Rabbi I u n g r e i s vom Rabbinat und als letzter der als Tourist im Lande anwesende Herr Redakteur Sch ach no w i tz- Franksurt a. M. Er schilderte mit kurzen Strichen, was der Name Rabbi Chajim für die gesetzeskreuen Erez Jrsroel-Freunde in der Gola, vorab in Deutschland unb Frankfurt, bedeutete. Lautes Schluchzen der Menge begleiteten die Worte, die den Empfang schilderten, den der schon so kranke Rabbi der Gesellschaft bei ihrer- Ankunft vor erst wenigen Tagen bereitete, und dessen Worte Wiedergaben. Als Rednervon der Brocho, die er von dieem frischen Grabe für die Gola und für die Brüder in Deutschland mitnehmen wolle, sprach, stimmte die tauendköpfige Menge spontan im Chore das Gebell uvmn»s io ..an.- .. . Die Sonne senkte sich hinter die Türme der heiligen Stadt;-über dem Gipfel des Zionberges feuchtete es glutrot auf. Langsam zerstreute sich die Menge. Am Fußedes Oelberges . setzten sich Hunderte von. Autos, Autobussen und Droschken' in''Bewegung. Eist Großer, vielleicht der letzte seiner Art aus deiy galten Jerusalem^ hat uns verlassen.' Oie palästinensische Presse über Rabbi Chajim Sonnenfeld. . Jerusalem, 31. März. Bezeichnend ist die aufrichtige Verehrung, die sich in den Nachrufen, der zum Teile radikalen hebräischen Presse in Palästina für Rabbi Chajim widerspiegelt. Die bekannte Arbeiterzeitung „Dabar" sagt, „der alte Rabbi aus dem Deutschen Platz war der älteste und ehrlichste Chaluz in Erez Israel, von dem der neue Jischuw mehr zu lernen hätte, als von all seinen Führern". „Doar Hajom" ehrte das Andenken des Rabbi mit zwei-Artikeln, die Aufsehen erregen. Das Blatt schreibt %-a.: „In der kurzen Zeitspanne zwischen Karneval undMakkabiade ist diese große Persönlichkeit von uns gegangen. An dem Tage, da die junge Nation tanzte und tollte und sich in der jüdischen Stadt Tel-Awiw . Esther zu Ehren wie wahnsinnig gebärdete, hatte der Greis in- Jerusalem, schwach und hinfällig, allen ärztlichen Verboten zum Trotze, Taanith Esther vierundzwanzig <51 u tt'b e n g e? a st e t. Ihm war Taanith Esther das große Fasten und Weinen der Nation geblieben. Er war-

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