Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 15 (7.4.1932)
- Date
- 1932-04-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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7. April 1932 . e e* s raeI i nicht unser Freund. Der Name Sonnenfeld tauchte o t als Stein des Anstoßes auf dem Wege ^unserer Wiedergeburt oder sagen wir aufrichtiger, auf dem^Weg«, den wir für den zur Wiedergeburt ' Haltens > au. Aber er gehörte zu den gewaltigen Persönlich- -keiten, wor denen sich alle beugen muhten. Ein berühmter französischer Schriftsteller, der Palästina besuchte, äußerte sich einmal: Zwei Dinge fand ich in Palästina: einen blauen Himmel und die Augen des Rabbi Sonnenfeld ..." „Sind wir dessen so sicher," schließt der Artikel, „daß wir im Rechte sind? Vielleicht waren doch die Voraussetzungen der Geullah gerade in dem starken eifernden Glauben jenes wundervollen Rabbi geborgen, der sechzig Jahre seine armselige Behausung in -der Altstadt nicht verlassen hatte; vielleicht waren sie in seinen Tränen und Gebeten besser gehütet als in ' unseren Siegesliedern? ..."-° Auch die offiziöse Zeitung, „Haaraz" bringt ehrende Nachrufe. Andere Zeitungen erwähnen folgendes Faktum: Als eine Kommission in Verbindung mit dem PalästinamtlNdat^ an Rabbi Sonnenfeld die Frage richtete, ob er ernstlich' glaube, daß so ein kleines, beengtes Ländchen wie Palästina die fünfzehn Millionen Juden der Welt aufnehmen könnte, gab der Rabbi die spontane Antwort: „Habt Ihr schon je eine Mutter gesehen, die gesagt hätte, es sei in ihrer Stube kein Platz für ihre Kinder vorhanden? ..." '-*! Zerusaletzrer Brief. 1 TNakkabia. — Bürgermeisterkonferenz. — Verfassungsänderungen. Mtte!fkUnds-Einwanderüng. ' Jerusalem, 31. März. Die M a k k a b i a in Tel-Awiw nahm den programmmäßigen Verlauf. Es waren mehr als 20 000 Zuschauer bei den Konkurrenzspielen anwesend, die sich aus Leichtathletik, Speerwerfen, Stasettenlauf, Hochsprung, Hand- und Fußball erstreckten. Der High Commissioner wohnte den Endspielen bei. An der auf den 30. März nach Jerusalem einberufenen Konferenz der Bürgermeister und Stadtratpräsidenten der Städte Palästinas nahmen 14 Araber und 6 Juden teil. Der High Commissioner hielt eine Eröffnungsansprache, in der er die Wirtschaftslage als stabil bezeichnete, jedoch gebe die Landwirtschaft wegen des Ausbleibens des Regens Anlaß zu Besorgnis. Der High Commissioner kündigte ein neues Gesetz über die lokalen Verwaltungen an. In der Aussprache fanden Auseinandersetzungen über die Organisation der städtischen und staatlichen Polizei statt. Der Bürgermeister von Tel- Awiw forderte größere Autonomie für die lokalen Behörden. Sämtliche Bürgermeister forderten Wiederherstellung der Steuerhoheitder Kommunen, wie in der Zeit vor. der britischen Okkupation.! Die arabische Presse kündigt baldige Verfassungsänderungen für Palästina an. Der High Commissioner habe erklärt, daß er dem Vorschläge der Einrichtung einer parlamentarischen Regierung großes Interesse entgegenbringe? ' Die Agency verhängt' wegen weiterer inwander u n g s e r.l e' i ch't e r u n g e n für ' fachkundige Fabrikanten, auch'wenn sie kein großes Kapital besitzen. Rumänien. Traucrwoche in Zassv. U- Bestattung der geschändeten Thorarallen. - -:i . - ■. Jassy, 30. März. Die ganze'Stadt steht unter dem Eindruck der Exzesse am 23. März, bei denen 10 Thorarollen zerrissen und verbrannt wurden. Das Geschäftsleben in den jüdischen Vierteln stockt. Es spielen sich dort herzergreifende Szenen ab. Man sieht alte fromme Juden, die aus Trauer übe? das Geschehene "tw-ip reißen". Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde und der Rabbinische Rat haben einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, in dem die laufende Woche als Trauerwoche proklamiert wird, in der kein Jude-Vergnügungen nachgehen oder öffentliche Lokale besuchen darf.- Die Truppe des Wilnaer Jiddischen Theaters, .die vor kurzem in Jassy eingetroffen ist, hat den Beginn ihrer Vorstellungen auf unbestimmte Zeit verschoben. Man rechnet mit einer Massenbeteiligung an der rituellen Bestattung der Thorareste, die in den nächsten Tagen vorgenommen werden soll?' ' Vermischtes Hamburg, 29. März. Die hiesige Frauengruppe der Agudath Jisroel versamchelte am Dienstag, den , 16. März, ihre Mitglieder und einige geladene Gäste in den' Räumen von Frau Mälie Flörsheim °zü einem Tee unter dem Motto: „M'schenichnath Ador marbin B'simchoh". Der zielbewuhte Vorstand, hatte sich mit dieser Veranstaltung die Aufgabe gestellt, einem heiteren Fest im Sinne agudistischer Auffassung Inhalt und Form zu geben. Der Festverlauf hat gezeigt, daß der Vorstand und das ihn unterstützende Festkomitee sowohl die berechtigten Ansprüche eines kultivierten Publikums abzuschätzen und zui achten wissen, als auch andererseits innerhalb der Befriedigung dieser Ansprüche den Darbietungen jene Prägung zu geben, die sie als einzigartig und wesensecht'von allen Veranstaltungen ähnlicher Absichten und Ziele unterscheidet. Ein solches Fest mit solchem Programm, solchem Verlauf und solcher Stimmung darf unbedingt als Eigenstil der Veranstalter und Teilnehmer in Anspruch genommen werden. Damit wird hinsichtlich des Tees der Hamburger Agudoh-Frauengruppe das schwierige Problem eigener agudistischer Lebensgestaltupg als gelöst betrachtet werden können. Es ist ferner ein beachtenswertes Verdienst des Vorstandes, daß er alle in unserer Gruppe schlummernden Kräfte zu wecken bestrebt ist. und durch das gelungene Fest den Beweis erbracht hat, daß er sie'zu-Gunsten der Einzelnen und der; Gesamtheit zu aktivieren versteht. Diese Seite agudistischer Erziehung wird im Allgemeinen vom Einzelnen und den Gruppenleitern nicht genügend als Aufgabe angesehen, die es züm Nutzen des orthodoxem Judentums zu pflegen gälte. Mit genauer Jnnehaltung der festgesetzten Zeit — die manche Agudohfrau pipj'-das Vergnügen brachte, die witzigen Einleitungsworte der Konferenciere zu hören, — begann die Eröffnung des Festes, dessen straffe Zusammenfassung durch die sehr geschickte Konference gewährleistet wurde. „Die jüdische Freude hat immer Niveau", war da als Einleitungswort zu vernehmen, und die Konferenciere als ihr heutiger Führer hielt Wart, obwohl wegen des nahenden Purimfestes das schwere, sonst auf den Tees der Frauengruppe übliche Geschütz der belehrenden Vorträge diesesmal „seinem leichteren Bruder, dem Witz, das Feld räumte." Und witzig wurden^ dann Purimfest und Goethejahr in Beziehung gebracht, ehe die Konferenciere sich ihrer eigentlichen Aufgabe, der Ansage der einzelnen Darbietungen, zuwandte, welche bis zum Schluß des abwechslungsreichen Programms mit stets neuen geistvollen und witzigen Pointen durchgeführt wurde. Die einzelnen Darbietungen 5er Mitwirkenden standen unter dem Gesichtspunkt, die Agudoh-Frauengruppe in allen ihren Jntereffenrichtungen in die Erscheinung treten zu lassen. Ausgehend vom Satz der Megilloh, wo die Rede ist von Mischlauach Monauth isch le Reähu Umatonaus Loewjaunim als einer Mizroo, deren Ausübung von jeher hauptsächlich in Händen der Frau lag, wurde eine dezente Werbung für die gemeinsam mit andern jüdischen Frauenvereinigungen organisierte Pfundhilfe eingeleitet. Aus singendem Kindermund erging der Aufruf an alle Anwesenden, sich aktiv und passiv, gebend und nehmend, schwesterlich zu dieser Mizwoh der Gemeinschaft zu vereinigen. Es folgten Rezitationen eines Gedichtes von Jehuda Halev.y und des Psalm 91, welche durch einen Sologesang des „Höre Israel" abgelöst wurden. Ein Zwiegespräch zwischen Waschti und Ester, von einer Agudohschwester für den Abend verfaßt, das nun folgte, gab Gelegenheit, unsere Antwort auf die Fraueyfrage in witziganmutiger Form zu vernehmen. Interessiert folgte man dem graziösest Geplauder der beiden Königinnen und ihrem amnuftgen; Spiel. Nach einem sehr humoristischen Jargonlied wurde ein gemeinsames Lied gesungen, welches als„Schirchodosch'^.dex., Frauengruppe..gewidmet. worden..war.. Die Verfasserin desselben hatte es'sich im oben ausgefuhrten Siüne''zur Aufgabe gemacht, ein eckstes Agudohfestlied, kein übliches Tafellied, zu schaffen und vielstimmig^ 'erklang wie ein Psalm nach der Melodie i/Zom'v Nafschi l'elokim ein vielstrophiges Lied,, welches, in scherzhafter' Weise die Beziehung, der Frauengruppe zu den 24 Büchern des Tenach äufzuzeigen suchte. Das nun folgende' größere Festspiel befaßte sich in lustiger Weise mit dem vielseitigen Arbeitsprogramm des vergangenen Winters. Nach dem. mit großem Beifall aufgenommenen Festspiel wird von der Ansage wieder die Megilloh herangezogen, und der wehmütige Teil des schönen Festes beginnt, das leider zugleich ein Abschiedsfest ist für das Vorstandsmitglied und die Mitbegründerin unserer Gruppe, Frau Käthe Jacobson, die uns verläßt, um ihren Wohnsitz in Berlin zu nehmen. Seien ihr die Worte der Konferenciere hier nochmals in aller Oeffentlichkeit als Dankesworte der Hamburger Agudoh-Frauengruppe gewidmet, die ihr vielen Dank schuldet: „Auch schlaflose Nächte haben ihre guten Seiten! Das wird besonders am Pruüm niemand bestreiten. Nur werden die .Verdienste nicht immer in den Chronik verzeichnet sein. Map gräbt sie sich'in das Gedächtnis ein. Und ich dachte, wie man einer Frau Ehre zollt, die sicher ernstlich darüber grollt, wenn man in diesem Kreis sie rühmt. Und doch glgube ich, daß es sich ziemt, ihr in wenigen Worten zu sagen, wie wir sie im Herzen tragen. Was sie gepflanzt in langen Jahren, wir werden es pflegen, wir werden es wahren, im Sinne unserer Frau Käthe Jacobson, ich weiß, das allein ist ihr höchster Lohn. Ihre zehn Getreuen, die wir kennen, müßte wie Hamans Söhne in einem Atem man nennen, nicht wegen ihrer Bosheit. nein, um sie zu ehren, weil sie unlöslich zusammengehören. Eine Gattin und Mutter, wie sich's gehört, als jüdische Hausfrau bewundernswert, aber in jeder kurzen freien Zest indessen widmet sie sich im Lernen und Lehren der Förderung jüdischer Interessen. Wenn man an die Abschiedsstunde auch mit Wehmut denkt, so sind wir doch froh, daß diese Frau uns einst ward geschenkt." Nach kurzen Worten besonderer Herzlichkeit aus dem Munde einer Freundin und Mitarbeiterin, findet das Fest seinen Ausklang — dieses Mal übergeleitet durch kraftvoll ernste Worte der Ansügerin — in einem Chorgesang des Psalm 100, der jubelnd ertönt. Alle Teilnehmer verdanken diesem Tee heitere, harmonische Stunden, die einer schweren, zerrissenen Zeit abgerungen wurden durch die Möglichkeit einer Herrschaft des Geistes, — nennen wir ihn jüdischen Geist, nennen wir ihn Gemeinschaftsgeist wie auch immer — über die Materie, die uns knechten und drücken will. Das Bewußtsein der in uns lebenden positiven Kräfte, ist in jedem Teilnehmer gestärkt worden. Auch darin dürfen wir im Sinne der eingangs ausgesprochenen Gedanken einen entscheidenden Faktor jüdischer Lebensgestaltung erblicken. Wir werden m in dieser Richtung fortfahren, das Gemeinschaftsleben in unserer Frauengrüppe zu formen. Fl. R. Berlin, 31. März! Die westfälische Presse bringt ausführliche aufgeputzte Berichte über ein Verbrechen, das in Paderborn an einem Mädchen begangen wurde. Am Freitag voriger Woche vermißte man die 25jährige Hausangestellte Martha Kaspar, die bei einem jüdischen Schlächtermeister und Viehhändler namens Meyer beschäftigt war. Bald darauf fand man an verschiedenen Stellen Paderborns Leichenteile und verhaftete den Arbeitgeber der Martha Kaspar und dessen Sohn. Im Verhör erklärte der Sohn, daß zwischen ihm und dem Mädchen intime Beziehungen bestanden hätten, die nicht ohne Folge geblieben seien. Bei einem Abtreibungsversuch fei das Mädchen gestorben.. Er habe, um die Entdeckung zu verhindern, die Leiche zerstückelt und die einzelnen Leichenteile zerstreut. 7 Der grauenvolle Vorgang erregte in allen Bevülkerungsfchichten Abscheu und Entsetzen. Die nationalsozialistische Presse Westfalens versuchte, durch Auffrischen der Ritualmordlegende die Paderborner Bevölkerung in eine Haßstimmung gegen jüdische Mitbürger und die Juden überhaupt hineinzuhetzen. Die nationalsozialistische „National-Zeitung" schrieb u. a. „ . . . eine derartig grausige Tat konnte nur in einem asiatischen Gehirn ausgeheckt werden, und die Ausführung derselben läßt Schlüsse auf eine geradezu abgründige Perversität der Täter zu, in die sich ein deutscher Mensch nicht einmal hineinzudenken vermag." Wie der „C. V.-Zeitung" mitgeteilt wird, war die Paderborner Bevölkerung den Bemühungen, aus diesem Fall einen Ritualmord zu konstruieren, dank ihrer Aufgeklärtheit nicht zugänglich. Zu den Auslassungen der „National-Zeitung" bemerkt die „C. V.-Zeitung": „Uns sind, ohne in Kriminalstatistiken zu blättern, aus der Erinnerung die Fälle der Massenmörder Denke, Harmann, Kürten, Angerstein, Großmann bekannt, von denen keiner dem Judentum angehörte. Es gehört also, um bei der Formulierung der nationalsozialistischen „National-Zeitung" zu bleiben, die „abgründige Perversität" einer nationalsozialistischen Redakteurgehirns dazu, um eine grauenhafte Untat, die unterschiedslos von allen Bevölkerungskreisen verdammt wird, zum Ausgangspunkt politischer Verhetzung zu machen und damit zu parteiegoistischen Zwecken zu mißbrauchen." ■■t-- Mineralwasser HDD IttO VENUS-QUELLE Unter; Aufsicht Sr. Ehrw, Herrn Rabb. Hirschfeld, Gieflen. best empfohlenes Tafelyvqsser .Vertreter: Manfred Gans, Frankfurt a. M. Julius ,Heymanstr. 4, Telefon 44jp5 Kinderreiche jüdische Familie, deren Oberhaupt seit Monaten trank ist, keine Erwerbslosenunterstützung empfängt und fast ohne sonstige Stütze, soll wegen Mietrückstands aus der Wohnung gesetzt werden. Helfe vor dem 5leutzersten retten, wer kann! Sollen die Kinder obdachlos auf > der Strafe liegen? Mit'600 Mk. wäre auf ein Jahr geholfen. Unterlagen stnd der Redaktion unterbreitet (wird bestätigt, Berlag des Israelit und Hermon 05. m. b. H.) Spenden unt. »Rettung 3385c' an den Berlag b. Israelit, Postsch.-Kto. 19802. jannBnnHBBBBiHHHnaj Erstaunliche Erfolge bei Magen-, Darm-, Nierenu. Zuckerkrankheit! durch Stodl’s Kreuznächer Grahambrote u. Diabetiker-Nährmittel „Vitanova" hergestellt unter"Verwendung der mineralischen Basen der radiumhaltigen Kreuznächer Heilquellen” (nach Anordnung : Dr. ,Aschoff Radiumbad Kreuznach). Von ersten Autoritäten verordnet. Kreuznächer Grahamhaus Karl Studi, Bad Kreuznach 12 Verkaufsstellen an allen größeren Plätzen werden nachgewiesen. Literatur und Kostproben gratis. B