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Der Israelit · 1932-04-07 · Heft 15 (7.4.1932) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 15 (7.4.1932)
Date
1932-04-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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7. I 7. April 1932 r 3c6 zakke jfinen 2 Millionen s'LLwenn Sic das 8t*oße~£os gewinnen! 43'/r°/o aller Lose gewinnen. Schon ein mittlerer Treffer bedeutet: Umwälzung Ihrer Existenz Hoch 1iiajfen-£ofe frei. Ziehung schon am 22. u. 23. April 1932 HarKngKausen Staat!. Lotterie Einnehmer Ad 1. April Gr. Friedbergerstr. 23 Tel. 27732 gegenüber Rory (früher Zeit 26). tragen, erlangbar ist. Sie hört erst recht aus, eine Wizwo zu sein in Fällen, in denen das Land aus areligiösen, rein nationalen Selbsterhaltungsgründen unter Verleugnung der rui»K' unter offener, dauernder und grundsätzlicher Empörung gegen den Willen G'ttes „aufgebaut" wird. Weiter erklärt R. Benjamin, das Leben in Crez Israel fei „nicht irgend eine Wizwa, sonder n eilte 6er wenigen Wizwos, d i e alle anderen aufwiege n." Das; diese Behauptung nicht zutreffen kann, ergibt sich schon aus den vorher mitgcteilten unbestrittenen Halachoth. Der Ausruf: '.Trmaw nisa bz la» Vmw’ pnrr iw entstammt dem Munde zweier Amoräer, die aus irgend einem Grunde Crez Isroel verlassen mussten und ihrem Schmerze in der Trennungsstunde mit jenen pathetischen Worten Ausdruck verliehen. Aber! selbst wenn man diesem Ausruf halachifche Gültigkeit beimessen will, so bedeutet er ja nichts anderes wie beispielsweise die gleichartige Charakterisierung der rrx’x nixa. Weil und wenn rpS’S nixa zur Beobachtung aller anderen Thorapflichten führ t: vnian? (onix arrwsn 'n rma b? rixdarum und dann ist sie n*vmai£/ nisa VaV nbipv- Wohnt jemand in Reinheit und Heiligkeit, ganz der Crringung der G'ttesnähe hingegeben, ängstlich bedacht, jeden Fehltritt und jede Profanation des G'ttesnamens zu meiden, in Crez Isroel, dann allerdings ist in dieser einen Mizwo die ganze Thora beschlossen. Aber was besagt das für diejenigen, die umgekehrt nach Crez Israel kommen, die der Cnge des heimatlichen Ghettos mit seinen ihnen unerträglich gewordenen religiösen Bindungen, die dem „Konfessionalismus" des Golusjuöentums überhaupt entrinnen wollen, die also den Boden der alten Volksheimat nurbetreten, um dort ihrer nationalen und individuellen Freiheit, ob auch in schwerster Arbeit, froh zu werden? Das zürnende jesajanische Wort dst>b rmt wpa 'NLN oi»> das von mehreren Größen der Vergangenheit den nach Crez Iscoel einwandernden Gesetzesübertretern entgegengeschlcudert worden ist, soll sich nach Rabbi Benjamins misrachistischer Theologie nur auf diejenigen beziehen, die „in Crez Israel zu ihrem eigenen Rutz und Frommen wohnen, ohne Sorge zu tragen für den Ausbau des Landes." Aber alle Großen Israels seien zu allen Zeiten der Meinung gewesen, daß „der Aufbau des Landes auf jede Weise*) etwas Großes ist." „Auf jede Weise" — das kann in diesem Zusammenhang nur heißen, selbst wenn der sogenannte „Ausbau" unter Riederreiß ung des von G'tt gestifteten, durch die Zeiten reichenden iv ny pa des Judentums erfolgt. „Etwas Großes" also soll es sein, in Palästina Schulpalüste zu errichten, in denen die Herzen der Jugend dem Worte der G'ttesoffenbarung systematisch entfremdet werden; „etwas Großes", ohne nsin pwnp in wilden Chen die sogenannte m'W msa pxr? zu erfüllen oder für die Volksernährung durch Kaninchenzucht und arabische Metzgereien zu sorgen! Man braucht diese Dinge nur bei Ramen zu nennen, um die heillose Begriffsverwirrung zu erkennen, zu der diese ebenso unlogische, wie zwecklose Methode, modern-zionistische Gedankengänge mit Gewalt in die alte Thorawahrheit hincinzuinterpretieren mit Rotwendigkeit führen muß. Sie ist wahrlich ernster, wahrheitsliebender Männer, welcher Gesinnung auch immer, unwürdig. Akzeptiert der Misrachi die zionistische Auffassung von dem S e l b st w e r t des Rationalen und der Relativität der religiösen Werte, dann mag er es sagen, ohne zu dieser Umwertung aller jüdischen Werttheorie Thora und Tradition zu bemühen. Lehnt er sie ab — was gewiß für Tausende von Misrachisten zutrifft —, dann kann diese Bezeichnung der ungeheuerlichsten Entweihung des g'ttlichen Ramens als „etwas Großes" gewiß nicht gerechtfertigt werden. Was R. Benjamin sonst n o ch ausführt: über den Segen der Einheit, den Fluch der Spaltung, die Zwecklosigkeit bloßen Kämpfens und protestierens gegen den Abfall, über die Möglichkeit langsamer Gewinnung der Arbeiterjugend für die religiösen Ideale und schließlich über die Sicherheit der endlichen Rückkehr des ganzen jüdischen Volkes nach der Heimkehr auf jüdischen Boden zu G'tt und seinem Gesetze — das alles sind Gedanken, über die sich reden läßt und über die es auch i m R a h m e n der Thora-Ueberlieferung verschieden nuancierte Meinungen von jeher gegeben hat. Uns darüber auseinanöerzusetzen, sind wir gerne bereit. Ader das Feststehende einerseits, das Indiskutable andererseits wollten wir doch zunächst einmal in aller Klarheit aus der Diskussion ausscheiden. *) Im Original gesperrt. Wochenrundschau. Die zerbrochene Falle und der demontierte Galgen. Wir haben in der vorigen Rümmer unseres Blattes eine feinsinnige homiletische Studie unter dem Eitel "aaw:i nsn" veröffentlicht, die den Sinn der am 5.?lbav stattgehabten Reichspräsiöentenwahl in Deutschland in den Ausdrucksformen der überlieferten Thoraweisheit widerspiegelt. In der Tat: es hat den Anschein, als dürfte die jüdische Geschichte diesen 5. Adar des Jahres 5692 einorönen in die Reihe der großen Rettungs- und Crlösungserlebniffe, die sich so oft im verlaufe der Golus-Iahrtausende in jenen Tagen des Adar abgespielt haben. In viel höherem Maße als man vorher vermuten konnte, hat die letzte Woche mancherlei Rachrichten gebracht, die erkennen lassen, was des deutschen Volkes und insbesondere seiner jüdischen Bürger gewartet hätte, wäre an diesem 5. Adar den Mächten der Finsternis und des Haffes der Sieg zugefallen. Durch die von der amtlichen Bayerischen Pressestelle zu Beginn der Woche veröffentlichten Ermittlungen ist klargestellt worden, daß führende Kreise der nationalsozialistischen Partei' entschlossen waren, schon um die Wittern a rf) tsstunde des 5. Adar im Falle ihres Sieges die Macht im Deutschen Reiche gewaltsam zu ergreifen. Bis ins Einzelne waren die Maßnahmen vorbereitet, die mit der Beschlagnahme des gesamten Fernsprechverkehrs beginnen und die dann zweifellos, wie in den unseligen Tagen des Münchener putsches, mit der Verhaftung von Geiseln, der Besetzung der Aemter und der Ctablierung einer nationalsozialistischen Schreckensherrschaft im ganzen Deutschen Reiche ihre Krönung gefunden haben würden. Aber die Analogie mit den weit ferneren Tagen, in die uns die Crinnerung des Aöar-Monats alljährlich zurückführt, geht noch weiter. In dem sonst nicht gerade durch historische Bedeutung ausgezeichneten Ddenwaldstädtchen Langenbrombach haben die Rationalsozialisten wenige Tage vor der Reichspräsidentenwah! auf einem alten Sockel einen kunstg erecht e n Galgen, allerdings nicht von 59 Cllen, aber immerhin von 4 Meter Höhe, a u f g c r i ch - t e t, der von den Beteiligten jetzt als harmloses „Symbol für vergangene Zeiten" bezeichnet wird, der aber im Ernstfälle, da er doch nun einmal vorhanden war, gefü Brie listif Pecs Ten lich ten bror w a r e t Cnt Hab mn Iud mel bcrg Sinnbild oder Selbstwerk? Zur Hirfchischen Symbolik der pessachgesehe.*) Von Bezirksrabbiner Dr. V. Cohen in Friedlichstadt. Im gegenwärtigen Zeitalter spricht am deutlichsten zu uns das Sinnbild des Bitterkrauts. Es ist (Komm. 12, 8) nicht das Bild der Arbeit an sich sondern "us der „schikanösen Quälereien", mit denen die Aegypter unser Leben verbitterten. Arbeit an sich, auch härteste Arbeit ist dem Volke Israel niemals als Fluch erschienen. Eine solche Behauptung könnte nur der Unwissenheit über unsere Geschichte oder dem bösen Willen entspringen. Ex. 1, 14: Sie verbitterten ihr Leben mit harter Arbeit in Lehm und in Ziegeln und mit jeglicher Arbeit aus dem Felde, verbitterten alle Arbeiten, die sie durch sie mit Härte ausführen liehen." Dazu Komm.: „Hier . . . schuftete man eine doppelte Bitterkeit in den Lebenstrank der Juden, verteilte die Arbeit in absichtlicher Unangemessenheit zu den Kräften der einzelnen Arbeiter, eben um die Kräfte durch die Arbeit „auszureiben", — das wörtliche °ps, — und diese, schon ohnehin keine Freude an der Arbeit zulassende raffinierte Härte verbitterte man noch durch erfindungsreiche Schikanierungen." Auch Feldarbeit ist hier benannt, die ja an sich nicht aufreibend und quälend fein muß, sondern sogar gesundheitsfördernd sich bewähren kann; die Aegypter aber hatten es verstanden, auch diese Art der Arbeit den Juden in geradezu aufreibender Weise zu verleiden. Das sollte auch für heute zu denken geben. Gewiß tut uns ebenso wie den Anderen Berufsumschichtung not; vielleicht infolge der Nachwirkung der Ghettoberufe in etwas größerem Maße als den Anderen. Aber wenn wir hoffen, eine ländlichere Berufsschichtung der Juden könnte uns bei unseren eingeschworenen Feinden von Nutzen sein, — dann dürfte dies eine trügliche Hoffnung fein. Sie werden einen Weg finden und haben ihn teilweise schon gefunden, um auch die ländlichen Berufe uns zu verleiden. Ist doch der Landesteil mit landsäffigster Judenheit zugleich der Stammsitz des Judenhasses gewesen. Ein Befreiungsmahl mit. dem Sklavenbrot allein zu essen, genügt nicht. Erst ein Befreiungsmahl mit Bitterkraut gewöhnt an eine richtige Einstellung zu Berus und Arbeit. Ohne G'tt waren wir noch in der Auszugsnacht Menschen ohne Freude an ihrer Arbeit. Mit G'tt wurden wir seit jener Nacht G'ttes Diener, denen jede Arbeit zum Segen gereicht. Von der Menschen Gunst und Gnade hängt es nicht ab, ob wir vom Berufe Freude haben; das Handwerk oder das Geschäft selber, auch wenn es Tausende einbringt, kann uns keine Arbeitsfreude bescheren, ja kann durch Unzufriedenheit unser Leben verbittern und in karger, armer Zeit uns aufreiben; auch die gesundeste Arbeit kann uns zugrunde richten. Aber aus der Menschen Fron können wir uns durch g'ttliche Hilfe zur Lebensbejahung emporreißen. Wenn am Ende von Kidduschin gesagt ist, nicht Reichtum komme von der Arbeit und nicht Armut komme von der Arbeit, sondern im Gebete müsse man Reichtum und Sorglosigkeit von G'tt erlangen, so ist damit ganz gewiß nicht, jedenfalls nicht allein irdischer Reichtum gemeint, sondern die innere Freude des Berufs, die Kunst, den Beruf als Berufung zu empfinden. Dieses seelische Gut ist im Alter, wie es dort in Kidduschin heißt, nur aus der Thora zu erlangen. Die Zufriedenheit, die in den Sprüchen der Väter als wahrer Reichtum benannt ist, fördert erfahrungsgemäß Leben und Gesundheit des Schaffenden. Auf dieses seelische Kraftzentrum haben es von Urbeginn an die Feinde unserer Lehre abgesehen. Sie wußten immer unser Leben zu verbittern, „die Last des Schwachen dem Starken, die des Starken dem Schwachen aufzuerlegen" und so Jedem das Leben zu verleiden. Aber wer beim Befreiungsmahl sich durch Genuß von Vitterkraut dazu zwingt, sich daran zu erinnern, daß irdische Dinge überhaupt nicht entscheidend für Lebens- und Schaffensfreude sind, — hat eben durch dieses Sinnbild in sein Inneres eine Einstellung geprägt, die ihn auch im ganzen Jahre mit besonderer Kraft erfüllt und zum G'ttvertrauen erzieht wenn die Mizwa selber längst vergessen ist. Wenngleich sonst nur Thora selber über die Zeit der Beschäftigung mit ihr den Menschen schützt, die schützende Wirkung der Mizwa jedoch mit ihrer Ausübung endigt, so kann doch nicht geleugnet werden, daß die seelische Nachwirkung sinnvoll geübter Mizwoth im ganzen Leben weiterklingt und die Mizwoth vor allem gegeben sind, um „die Menschen zu veredeln", nämlich zu kräftigen und ihnen Lebensfreude zu jeder Zeit zu sichern. Nach diesen Gedankengängen mag uns des Meisters unausgesprochene Sinnbildlehre manches anderen Peffach" gebotes von selbst klar werden. Von den vier Bechern des Sederabends wissen wir von allersher, daß sie den vier Benennungen der Geulla Ex. 6, 6/7 entsprechen. Hirsch lehrt uns an diesen Namen die Stufen des Elends wiedererkennen, aus dem Israel erlöst worden ist. In „den mit höhnender Härte aufgebürdeten Lasten Mizrajims", nicht in der. Arbeit an sich haben unsere Väter die tiefste Stufe „Jnnui" der Qual empfunden. Die Erlösung aus dieser Qual ist mit den Worten verheißen: Ich werde *) Vgl. Jahrg. 71, Nr. 14/7 und 72, Nr. 13.

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