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Der Israelit · 1932-03-31 · Heft 14 (31.3.1932) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 14 (31.3.1932)
Date
1932-03-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 Nr. 14 Der Israelit 3. Kapitel. In der Näh st ubc. „Wir sind wieder unten", rief Dickchen mit lauter Stimme. Die Mutter hatte in der Zeit die beiden Mädchen hereingerufen. Sie setzten sich gleich hin und nähten. Dickchen probierte sonst sehr ungern an, aber heute hielt er so schön still, daß sich die Mutter ver-- wunderte. Die Mutter zeigte den beiden Mädchen, wie sie es machen sollten. — Dickchen hatte sich in einen Winkel verkrochen, wo er mit seinem Baukasten, welchen er zu Lhanukoh bekommen hatte, spielte. Eben war er gerade mit dom Turmbau zu Babel beendet. Nun fiel er über den Turm her und alles stürzte zusammen. Das war nun die größte Freude Dickchens. Er klatschte in die Hände und hüpfte von einem Bein aus das andere. Wenn eben nicht die Mutter gekommen wäre, ihn zu mahnen, daß er noch einmal anzuprobieren hätte, wäre er sicher über alles, was in der Stube gewesen war, hergefallen. Aber Dickchen war gehorsam und folgte noch lachend seiner Mutter. Drinnen in der Stube saßen Emma und Kittchen und nähten emsig. Als Dickchen fertig anprobiert hatte, fiel er seiner Mutter um den Hals und versprach ihr immer gehorsam zu sein. „Aber eines", sprach die Mutter, „verspreche mir noch, daß du nichts dem Vater sagst." „Ja, ja." sagte Dickchen. 4. Kapitel. Dickchen t r ä u in t. Am Abend war Dickchen so müde, daß ihn die Mutter schon um 7 Uhr ins Bett bringen mußte. Bald war er auch eingeschlafen. Er hatte einen schönen Traum geträumt. Er war folgender Maßen: Er war zu Purim nach Berlin zu seinen Großeltern eingeladen worden. Seine Eltern fuhren auch mit. Die Eltern wollten den Großeltern die Freude nicht verderben und so willigten sie gerne ein. Am lneisten aber von allen freute sich Dickchen Erstens, auf den Käsekuchen, Schlagsahne, Eis, u. a. S. Zweitens, daß er mit seinen Großeltern in die Srnagoge gehen durfte. Nun, morgen früh mußte er schon um halb 7 Uhr aufstehen und um 7.21 Uhr ging schon der Zug/ Da mußte man sich aber eilen! Es war fchon wieder hell und Dickchen mußte aus den Federn. Er war noch so müde. Aber Käsetorte, Schlagsahne, 'Eis, u. a. S., da durfte nian nicht müde sein. Schnell mit beiden Füßen heraus. Dann trank er feinen Kaffee und nachher zog er sich an und ging mit seinen Eltern zum Bahnhof. Bald waren sie am rechten Ort. In Berlin angekommen empfingen sie die Großeltern. — Wenn eben nicht die Mutter hereingekommen wäre, und ihren Jungen aus dem Bett geholt hätte, hätte er noch weiter geträumt. „Schade, daß es nicht wahr war", sagte Dickchen/ 5. Kapitel. Der P u r i m t a g. Jetzt war Dickchen einfach nicht mehr zu halten. Draußen tummelten die Kinder im Mummenschanz. Maske nach Maske gingen aneinander vorüber. Der Vater sollte erst heute kommen. „Wie wird Vater staunen, wenn er mich sieht", sagte Dickchen. „Klinge — Ling — Ling Ling — Ling — Ling" tönte draußen die Glocke. Man merkte an den Kinderstimmen und an dem lauten Gelächter daß es Dickchens Altergenossen und Altersgenossinnen waren. Schnell öffnete man ihnen die Türe. Herein stürmte: „Ein Teufel!" „Ein Teddybär!" „Ein Engelchen" „Ein Koch!" „Eine Puppe!" und ein kleiner „Gernegroß!" Dickchen hielt sich lachend den kleinen runden Bauch. „Kling — Ling — Ling — Ling — Ling — Ling" tönte es wieder. „Das wird Papa sein, das wird Papa sein" ries Dickchen, „wird er mich denn erkennen". Wirklich, es wat Dickchens Vater. Von allen Seiten wurde er bestürmt. Selbst der kleine Fritz und die kleine Lea wünschten Dickchens Vater „Gut Purim". Plötzlich erklang eine Stimme. „Papa, Papa, ich bin auch dabei" rief Dickchen aus dem Hintergrund. Nun mußte der arme Papa auch noch Dickchen suchen. Endlich hatte er ihn und er hob ihn in die Höhe und gab ihm einen Kuß. 6. Kapitel. Das Wunder. Jeder Tag verging so lustig. Am letzten Purimtag geschah etwas, was für Dickchen etwas „sonderbares" war. Abends durfte er bis 9 Uhr aufbleiben. Die Mutter brachte ihn dann zu Bett. Als er eingeschlafen war und gebetet hatte, hatte er wieder einen „seltsamen Traum". Er träumte, er liege in einem Bett, welches purpurne Decken besaß. Ein Nachthemd hatte er an, das war ganz aus Seide. An der. Decke hing ein silberner Kronenlüster. Wo man hinsah, war alles echt, von Gold oder von Silber, alles war prachtvoll. Eine Kammerzofe kam gerade zur Türe herein und brachte einen silbernen Becher mit Wein. Dauernd war etwas anderes. Wenn er einen Wunsch aussprach, bekam er ihn sofort erfüllt. — Jetzt wachte er auf. „Ja was ist denn das?" fragte Dickchen erstaunt, „ich dachte, es wäre noch Purim". „Nein, nein, Liebling, Purim dauert nur 2 Tage, aber nächstes Jahr wirst du wieder maskiert", sagte die Mutter. „O, ja, fein, Mutterl, ich bin mit einverstande" sagte Dickchen. Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt am Main. Am 25. Januar ds. Js. fand die diesjährige Generalversammlung der Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen in Frankfurt a. M. im Kaffee Falk statt. Der seitherige Vorstand, Dr. I. Härter, I.' B. Leor, S. Eschwege, I. Flörsheim, A. Speyer und Frl. Schleifer wurden wiedergewählt. Die verschiedenen Kommissionen wurden in der seitherigen Zusammensetzung ebenfalls^ wiedergewählt. Neu hinzu kommt eine Arbeitsgemeinschaft für Talmud und Neligionsphilosophie, die von Kollegen Dr. I. Dick angeregt wurde. Der Verein zählt 57 Mitglieder. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht. Anschließend fand die Besprechung der von den Kollegen I. B. Levy, H. Lichtenstein und I. Flörsheim bearbeiteten Leitsätze zur Gestaltung eines zeitgemäßen hebräischen Unterrichts statt. Alle Thesen wurden mit geringen Abänderungen nach eingehender Aussprache einstimmig angenommen. Wir lassen den Jahresbericht des Vorsitzenden folgen. Sehr verehrte Amtsgenossen! Im Leben genau wie in der Natur gibt es keinen Stillstand alles ist in Fluß und Bewegung: ebenso ist es im Leben und in der Geschichte einer Vereinigung wir der unsrigen. Es ist heute Aufgabe des Vorstandes, der Generalversammlung Rechenschaft abzulegen über die Tätigkeit im letzten Jahr und noch einmal in aller Kürze das Wesentliche, den Hauptinhalt der Jahresarbeit vor unseren Augen erstehen zu lassen. Mit Trauer im Herzen begannen wir das Geschäftsjahr, mit der Gedenkfeier für unseren treuen, unvergeßlichen Amtsbruder Dr. David Hartmann, dem wir vor kurzem das Kernwort unseres Nachrufs auf den Grabstein geschrieben haben: „Die 'Lehre der Wahrheit war in seinem Munde und Falsch ward nicht auf seinen Lippen befunden." — Der Ausklang des arbeitsreichen Jahres war heiter; die Monatsversammlung im Dezember widmeten wir der Pflege der Geselligkeit und veranstalteten an diesem Abend unter Leitung von Herrn Alfred Speyer und Mitwirkung von Herrn David N o s e n w a l d eine wohlgelungene Chanukkafeier. Einen wissenschaftlichen Vortrag über „Das Wesen der Mystik" bot uns Herr Dr. Hamburger, eine Tages- und Zeitfrage behandelte in gemeinsamer Sitzung mit der Ortsgruppe Frankfurt a. M. des jüdischen Friedensbundes Herr Rabbiner Dr. S a lz b e r g e r : „Wie erziehen wir unsere Jugend zum Frieden?" Anläßlich des deutschen Lehrertages in Frankfurt a. M. Pfingsten 1931 wurde auf Anregung und Einladung des Jüdischen Frauenbundes mit den Nachbarvereinen (Unabh. Lehrerverein Hessen, Jsr. Lehrerverein im ehemaligen Herzogtum Nassau und Jsr. Landeslehrerverein im Volksstaat Hessen) und der Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Jüdischen Frauenbundes eine gemeinsame Besprechung über jüdische Fragen abgehalten. Im Vordergrund stand die Frage der religiösen Betreuung der kleinsten Gemeinden und ihrer Versorgung mit Relr'gionsunterricht. Besonders erwähnenswert ist die im letzten Jahre neugeschaffene Einrichtung einer Rechtsschutzkommission, die unter dem Vorsitz von Herrn Konrektor Jakob Hofm a n n die Aufgabe übernommen hat, den Mitgliedern oder ihren Witwen in Fragen des Rechts, der Anstellung und Versorgung Rat und Beistand zu gewähren. Bezüglich unserer Hilfskasse haben wir beschlossen, daß sie weiter selbständig verwaltet werden und die Verwendung ihrer Gelder für Unterstühungsfälle dem engeren Vorstand Vorbehalten bleiben soll. Obwohl die Arbeit des vergangenen Jahres sich lückenlos an die des früheren anschloß, hat sie doch ihr besonderes Gepräge gefunden. Wir befaßten uns an nicht weniger als drei Abenden mit der Methode des Hebräischen, und heute anläßlich der Generalversammlung soll in einer vierten Besprechung das Ergebnis aller Beratungen in Form und Thesen zur Erörterung stehen. Die Reihe dieser Sonderreferate erössneten die Kollegen Jakob Strauß und Heinrich Lichten st ein-Offenbach mit dem Thema: Wie wir den hebräischen Sprachunterricht in der Grundschule erteilen; die Fortsetzung gab Kollege H. Lichtenstein mit seinem Vortrag: „Die Verwendung der hebräischen Sprachtafeln im Unterricht" und den Abschluß bildete das Referat des Kollegen I. V. L e v i „Lehrprobe des hebräischen Unterrichts an Hand Ger Schaare Zed'ek". Die höchst dankenswerten Ausführungen und Anregungen aller Referenten führten eine fruchtbringende Aussprache herbei. Die eingehende Behandlung dieser methodischen Frage und die rege Anteilnahme beweist zur Genüge, daß wir den hebräischen Untenicht als einen wesentlichen Bestandteil des jüdischen Religionsnuterrichtes betrachten, aber auch als Sorgenkind, um dessen Leben und Gedeihen wir uns ernste Mühe geben. Eine Art Auftakt zu all diesen methodischen Erörterungen gab der Vortrag eines Außenstehenden, des Herrn Dr. med. Gustav Löffler über die Frage: „Wie erwecken wir der Jugend Freude am Judentum?" Er forderte freudiges Erleben in der Familie, in der Schule, in der Synagoge, dem Jugendbund und in der Organisation der Erwachsenen. ___ 31. März 1932 Wir sind uns bewußt, diese intensive Arbeit an uns selbst und an unserem "Unterricht, um ihn lebens- und freudvoll zu gestalten, in vollem Mäße getan zu haben. Die jüdische Lehrerschaft verschließt sich durchaus nicht der Kritik, wenn sie sachlich geführt wird in dem Bestreben, zu verbessern, aufzubauen und zu befestigen. Dankbar nehmen wir von allen Seiten Anregungen und Wünsche entgegen und bestreben uns, Mißstände, die sich hier und da zeigen, zu beseitigen. Wir haben selbst das allergrößte Interesse daran, daß unser Unterricht angesichts Zer ungeheuren' Schwierigkeiten, die die Stellung des Religionslehrers, des Religionsunterrichts im Rahmen der Höheren Schule, die Einstellung der erwachsenen Schüler und des Elternhauses zur jüdischen Religion bereiten, das Beste leistet, was nur möglich ist. Wir vertreten sogar den altjüdischen Standpunkt: viel habe ich von. meinen Lehrern, mehr von meinen Genossen, aber am meisten von meinen Schülern gelernt; je stärker und geschlossener die Lehrerpersönlichkeit ist, um so eher wird sie aus Wünsche der Schüler eingehen und individuelle Bedürfnisse zu befriedigen suchen. Seit Jahrzehnten arbeiten wir unausgesetzt an unserem Lehrplan, um den Lehrinhalt des Judentums, seine Geschichte und seine Gegenwartsbedeutung zeitgemäß, lebenswahr darzubieten, setzen unsere beste Kraft für die Schaffung neuer Lehrmittel ein, die dem Arbeitsunterricht entsprechen, känipfen unentwegt für eine tiefgründige wissenschaftliche Vor- und Fortbildung des Religionslehrers. Und nun sollen wir ruhig mit ansehen, wie das Gebäude, das wir mühsam ausgerichtet haben, mit einem Schlage zertrümmert, wie aus irgend einer persönlichen Erfahrung heraus der gesamte Religionsunterricht in Bausch und Bogen verdammt, wie eine der vornehmsten Institutionen der Gemeinde, der der Erhaltung des Judentums und der Gemeinde dienende Religionsunterricht rn ihrer offiziellen Presse in den Augen der Eltern und Schüler herabgesetzt wird. Ferner müssen wir stärkste Bedenken dagegen äußern, daß in der Jugendbeilage Schüler in der Frage des Religionsunterricht zu Wort kommen, so gleichsam zu Richtern über ihre Lehrer werden und deren Ansehen in der Öffentlichkeit zu schmälern vermögen. In keiner Presse und in keinem Fache ist das üblich; um wieviel weniger sollte es bei uns statthaft sein, da gerade unsere Jugend — wir müssen dies uns eingestehen — vielfach zur Ileberheblichkeit neigt. Welch ein völlig falsches Bild gewinnt man vom Nelig r'on su n terricht, wenn ein Schüler von seinem parteipolitischen, bündifchen Standpunkte aus den Unterricht bebezrv. verurteilt und seine uidividuelle Meinung als die der Gesamtheit hinsteklt. Wie schon oben angedeuiet, wollen wir die Jugend selbst hören und auf ihre Wünsche weitgehende Rücksicht nehmen. In der Klassengemeinfchaft, eoenjo außerhalb des Uniecd^tes, in Elternabenden m'bündischen Zusammenkünften, zu denen man uns heranzkehe, kann und soll eine ungezwungene Aussprache stattsinden und das Für und Wider erwogen werden. Haben die Schüler Beschwerden über den Lehrer vorzubringen, so mögen sie bezw. ihre Eltern sie an den Direktor der Anstalt oder an den Referenten der Jsr. Gemeinde richten. Mehr denn je sollten heute die. jüdischen Eltern nicht gegen uns, sondern mit uns gemeinsam arbeiten, um trotz der chaotischen Zeitverhältnisse eine ersprießliche religiöse Unterweisung und Erziehung zu ermöglichen und unserer Jugend den Glauben und die sittliche Grundlage zu erhalten. In diesem Sinne, liebe Amtsgenossen, bitte ich Sie, sich durch die unliebsamen Vorfälle nicht entmutigen und sich die Freude an unserer zwar mühsamen, aber doch schönen Berufsarbeit nicht beeinträchtigen zu lassen. Im Gegenteil, jeder einzelne an seinem Platze verdoppele seine Kraft und wir alle in der Vereinigung wollen-,mit gesteigertem Bemühen nach Mitteln und Wegen suchen'/ um unseren Unterricht zu einer Quelle der Freude und des Segens, für unsere, Jugend und deren Eltern zu machen. ■ Im letzten Jahre habe^ ich die Stiftung, die mir von Mitgliedern unserer Vereinigung und Freunden bei Gelegenheit der 150. Vereiussitzung gemacht wurde, ihrer endgültigen Bestimmmung zugeführt und dem Reichsverbänd jüdischer Lehrervereine übereignet. Ich hoffe zuversichtlich, daß die Stiftung, die nunmehr in Kraft getreten ist, in bescheidenem Maße dazu beitragen wird, die jüdische Lehrerschaft dazu anzuregen, den Religionsunterricht theoretisch und praktisch aus die Höhe unserer Zeit zu bringen, mit ihm die stärkste Wirkung zu erzielen und den Anforderungen gerecht zu werden, die moderne pädagogische Kunst, die Jugend wie die Elternschaft an ihn stellen. Mit „Chasak Weemaz" der Zukunft und ihren neuen Aufgaben entgegen. * I. Flörsheim, Schriftführer. Gin Lehrerjubilar. Am 1. April feiert Herr ■ Kollege Kaufmann 'in Dieburg, der Senior der hessischen Lehrerschaft, sein 50 fahriges Dienstjubiläum in der Gemeinde Dieburg. Da eine' Würdigung ' der Lehrerpersönlichkeit des Jubilars bereits im Hauptblatte des „Israelit" erfolgt ist, liegt es uüs noch ob, ihm im Namen des Bundes gesetzestreuer jüd. Lehrer, sowie des Unabhängigen Jsr. Lehrervereins im Freistaale Hessen herhlichste Glückwünsche auszüsprechen. Möge ihm '’wn noch weiter Kraft gewähren im Dienste des Judentums und seiner Gemeinde. -mv D’iwi nsw iv

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