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Der Israelit · 1932-03-31 · Heft 14 (31.3.1932) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 14 (31.3.1932)
Date
1932-03-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Crzic^ung und E»el? äda^jcKjis acjc zum Organ -es Kun-es gesetzestrener Mischer Kehrer Deutschtan-s. Z«W Verantwortliche Schriftleitung: L. Kaufmann, Sprendlingen (Kreis Offenbach). Erholungs- und Altersheim für jüd. Lehrer und Kantoren E. V. 1. Wir haben beschlossen, den Kreis der Aufzunehmenden dahin zu erweitern, daß wir auch Gemeindebeamte aller Kategorien und Sozialbeamte nebst Ehefrauen, sowie deren Witwen als Mitglied und als Insassen aufnehmen. 2. Der Verpflegungssatz wird für Dauerinsassen auf monatlich Mt. 120.—, für Ehepaare bei Inanspruchnahme eines Zimmers auf Mt. 230.— ermäßigt. Der Tagespreis für das Erholungsheim soll in diesem Jahre Mt. 4.50, für die Peßach-Tage Mt. 5.50 betragen. Doch gelten diese Preise nur für Mitgliedes. 3. In den Sommerferien haben Lehrer den Vorzug. 4. Anmeldungen und Anfragen an I. B. Levy, Frankfurt a. M., Ravensteinstraße 5, erbeten. 5. Es wird dringend um Einsendung der Mitgliederbeiträge für 1932 im Mindestbeiträge von Mt. 5.—, sowie weiterer Spenden an das Postscheckkonto des Erholungs- und Altersheims für jüdische Lehrei und Kantoren e. V., Frankfurt a. M., 5680 gebeten. Der Verwaltungs-Ausschuß. An die Mitglieder des «Anabhängigen" israelitischen Lehrervereins im Volksstaate Hessen! Die für den 3. April dieses Jahres vorgesehene Jahreskonferenz nruß leider aus wirtschaftlichen Gründen ausfallen. In vielen Lehrerfamilien sind die Emtünfte derart reduziert, daß sie nur für Bestreitung der allevnotwendigsten Lebensbedürfnisse ausreichen und eine Reise nach Frankfurt nicht gestatten. Haben wir doch Kollegen, die seit Monaten überhaupt kein Gehalt mehr beziehen. Aus der Hilfskasse können die Reisekosten mit Rücksicht aus deren geringe Einnährnen (bleiben Spenden doch vollständig aus) und größere Verpflichtungen gegen Witwen und verarmte Kollegen ebenfalls nicht bestritten werden. Hoffen wir, daß gegen Iknde des Jahres bessere - Verhältnisse herrschen, damit wir uns in den Weihnachtsserien doch einmal treffen können, um wichtige Fragen zu regeln und durch kollegiale Aussprache uns gegenseitig in diesem harten Lebenskämpfe in unserem Vertrauen aus G'tt zu stärken. Mit den besten Wünschen Der Vor st and I. A.: Hermann Kahn, Höchst t. O. Religionsunterricht nach methodisch-didaktischen Prinzipien. Ein Tätigkeits- und ErfahrungSericht von L. Warhaftig. Darmstadt. D o r b e m e r k u n g. Die vorliegende Arbeit stellt einen Tätigkeits- und Erfahrungsbericht dar, den der Verfasser zu einem Eramen vorlegte und der deshalb allgemein-verständlich — auch für nichtjüdische Lehrer — gehalten sein müßte. Einleitung. In den meisten Religionsschulen ist die Klasseneinteilung nicht wie in den profanen Schulen durchgesührt. Wohl ist die Religionsschule nach dem System einer 3 klassigen Volksschule in 8 Jahrgänge geteilt, aber es befinden sich otf in einer Klasse Schüler von verschiedenen Jahrgängen. Dies ist deshalb nicht zu vermeiden, weil in keinem anderen Fach als im jüdischen Religionsunterricht die private religiöse Unterweisung und Vorbildung derart bei den einzelnen Schülern verschieden ist, so daß man gezwungen ist, die vorgebildeten Schüler durch Einstufung in die passende Klasse zu berücksichtigen. Die Ungleichheit in der Klasse geht auch manchmal — wenn auch selten — aus die äußere Ursache zuürck, daß manche Eltern ihre Kinder beim Volksschulbeginn nicht gleichzeitig in die Religionsschule schicken. Auch werden in einer Klasse Knaben und Mädchen zusammen unterrichtet. Ein weiterer Nachteil liegt in der Tageszeit, in der der Religionsunterricht erteilt wird. Die Kinder kommen nachmittags zur Religionsschule, nachdem sie am . Vormittag schon 4 bis 5 Stunden Schule hatten und bringen gewiß nicht mehr volle Geistesfrische mit. Aber mehr als diese äußeren Belastungen empfand ich die inneren Schwierigkeiten. Es liegt ün Wesen der Religionsschule, daß sie in den Augen der Kinder zu leicht als eine Einrichtung privaten Charakters erscheint. Gerade gegen diese Auffassung suchte ich mit aller Kraft anzukämpfen. Galt es doch hier, ein Vorurteil auszumerzen. Hier bedurfte es gewandter pädagogischer Führung und methodisch-geschickten Verhaltens, um zum Ziele zu kommen. Ich war im Unterricht darauf bedacht, trotz einer gewissen Dertrauenssphäre, die zwischen Lehrer und Schüler bestand, doch eine geordnete Disziplin zu erhalten. Durch diese äußere Einwirkung hoffte ich auf die innere Einstellung meiner Schüler zur Religionsschule zu wirken, und ich konnte an mehreren Anzeichen zu meiner Freude erkennen, daß mir ein gewisser Erfolg beschieden war. Alle diese erwähnten Eigenarten der Religionsschule lassen voraussehen, daß eine Uebertragung sämtlicher Methoden der Profanschule auf sie nicht vollkommen durchführbar ist. Dennoch suchte ich so weit wie möglich alle meine pädagogischen, methodischen und didaktischen Erfahrungen anzuwenden. Dies konnte nur geschehen, wenn ich mir das Ziel des Religionsunterrichtes im allgemeinen und des jüdischen Religionsunterrichtes im besonderen vor Augen hielt. Denn jeder Erzzieher muß das Ziel und die Mittel kennen, um das Ziel zu erreichen. Als das Ziel des allgemeinen Religionsunterrichtes betrachtet „Zurhellen" folgendes: „Wir hoffen durch den Religionsunterricht die Weltauffassung und die Jdealbildung der Schüler zu beeinflussen und auf ihren Willen zügle,ch befreiend und richtunggebend einzuwirken." Der jüdische Religionsunterricht hat darüber hinaus noch ein Zweiteres Ziel: Befähigung zum selbständigen Thorastudium. Bei Erreichung dieses Zieles wäre den Kindern nicht etwa nur ein Wissensgebiet eröffnet, vielmehr liegt nach fundamentaler jüdischer Auffassung im Thorastudium die einzige starke Anregung und Voraussetzung zum pflichtgetreuen jüdischen Leben. Die schriftliche und die mündliche Lehre sollen dem jüdischen Menschen richtunggebend sein für sein Leben als Mensch und für sein Leben als Jude. Rur das Thoralernen vermag zur Tat zu führen. Tauro mewio lide maaso. „Das Lernen führt zum Tun." Diese Wahrheit ist im 5. Büch Moses Kapitel 31 Vers 12 verankert, indem es dort heißt: „ ... damit sie (Männer, Frauen und Kinder)) hören und lernen, daß sie G'tt, Euren G'tt, fürchten und gewissenhaft erfüllen alle Worte dieser Lehre". Durch Lernen zur Erfüllung. Der jüdische Religionsunterricht vermag in den abgezählten Stunden, die ihm eingeräumt sind, das obengenannte Ziel nicht zu erreichen. Er vermag nur in der Richtung zu ihm zu wirken. Den Schülern soll aber doch ein abgeschlossenes Ganzes in der religiösen Unterweisung geboten werden. So ließ ich mich in der Auswahl des Unterrichtsstoffes stets von dem Motiv leiten, den Schülern möglichst das zu bieten, was sie mit den religiösen Grundfragen des jüdischen Volks- und Gemeindewesens bekannt macht. Andererseits ist es unsere Aufgabe, ihnen zu zeigen, wie das jüdische Wissen mit den Erkenntnissen und Formen des modernen Kulturlebens in Harmonie zu setzen ist. Die verschiedenen jüdischen Schulen haben nun nach Maßgabe der ihnen zur Verfügung stehenden Zeit! entweder ein erstrebenswertes, ein normales oder ein mininiales Ziel sich gesetzt. (Fortsetzung folgt.) Aufsätzchen in der jüdischen Schule. Von L. Freimark in Mainz. Schwere Zeiten. Von Felix Cahn. 3. Schuljahr An der Straßenecke steht ein alter Jude. Er hält einen Korb mit Wolle feil. Sein Gesicht macht einen kummervollen Eindruck. Früher ging es ihm besser. Durch den Krieg verlor er sein ganzes Gut. Er hatte eine Frau und sieben Söhne, drei davon wurden frühe Soldaten, Sein Beruf war Kronrabbiner in Moskau. Später wurden auch die anderen Söhne Soldaten und feine Frau Feldkrankenschwester. Durch ein Unglück verlor er sie alle; dann kam er nach Deutschland, konnte aber keine Arbeit finden und wurde Strahenbeltler. Run steht er da und hungert.— — Von Anneliese Loeb. 4. Schuljahr. 1. Kapitel. Dickchen maskiert sich! Dickchen, so hieß ein kleiner, dicker Junge von kaum 3 Jahren. Er war auch gar zu dick und man mußte lachen, wenn man ihn sah. Er saß in einem großen Schaukelstuhl und schlief. Plötzlich sprang er auf 'und lies schnurstracks hinauf zu seiner Mutter. „Mutter, Mutter weißt scho, morge isch Purim, un ich maskier mich. Einen großen Kragen zieh ich a,un lange Hose, en große Hut un e Paar Schuh", sagte er ganz aufgeregt. „So, das hast du vor?" fragte die Mutter erstaunt. „Ja, ja", bestätigte er eifrig. „Na, dann nachher flugs auf den Speicher", sagte die Mutter „wollen wir dann sehen, was noch bei all dem Krempel für dich zu gebrauchen ist". „Also jetzt flott wieder geschlafen", sagte die Mutter. „Bis nachher Mutterte", rief er noch. Eine Stunde war bereits verflossen, noch immer schlief Dickchen fest. Zwei Stunden, drei Stunden, endlich wachte er auf. „Bubi, Bubi" rief jemand auf dem Korridor „zieh dich schnell -an". Dickchen schlief noch halb, bis er endlich aufstand. Dann flog er der Mutter in die Arme und sagte, daß sie jetzt zusammen aus den Speicher gehen wollten. Die Mutter war damit gerne einverstanden. Nun gingen sie Arm in Arm auf den großen Boden. 2. Kapitel. AufdemBoden. Dickchen folgte eilends seiner Mutter nach. „Hoppln — Bums —" da lag er. Schnell richtete er sich wieder auf. Seine Mutter war schon längst aus dem Speicher angelangt. Noch 1 Treppe, nun war er oben. Der Schlüssel drehte sich schon im Schlosse. „Jetzt gehen wir zrlerst in die Rumpelkammer, sagte die Mutter. „Nun können wir hier auch gleichzeitig ausräumen". — Hier ist also ein Hut — „O, nein da haben ja die Mäuse daran genagt" fuhr Dickchen entsetzt zurück. „Aber hier", fuhr die Mutter fort „ist eine gute Hose, diese legen wir einmal zurück. Hier ist auch ein großer Kragen, kann dieser auch einmal zurückgelegt werden", sagte die Mutter freudig. „Nun fehlen uns noch die Schuhe un en großer Hut", sagte Dickchen verlegen. „Na na, Schuhe wirst du noch haben, du ziehst einfach deine guten Feiertagsschuhe an, und einen großen Kragen, daran wird es uns auch nicht mangeln und wenn es darauf ankommt, kaufe ich dir einen für ein paar Groschen. Da bin ich ja sicher der schönste von allen Kindern", lachte Dickchen in sich hinein. „So wird es schon kommen, sagte die Mutter „aber jetzt müssen wir wieder herunter, Emma und Kätchen müssen uns schneidern helfen, sagte die Mutter.

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