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Der Israelit · 1932-03-31 · Heft 14 (31.3.1932) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 14 (31.3.1932)
Date
1932-03-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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31. März 1932 Nr. 14 Seite 9 anzugeben, an welche solches zur Linderung größter Daseinsnot überwiesen werden kann, anstatt durch protzenhafte, nach außen sich aufblähende, in Wirklichkeit gar nicht.vorhandene Reichtumsillusion nichtjüdisches Publikum gegen Juden und Judentum aufzuhetzen. Der „traditionelle" Purim, den Gr.-Kr. durch einen Purimball feiern zu müssen glaubt, würde viel mehr durch die altjüdische Sitte geheiligt, die die uns lehrt: ni» nVwa nunai wxih sowie durch Ausübung aller jener n, in heutiger Zeit so sehr vernachlässigten Milchten, die dem Purimfeste erst den wahren jüdischen Charakter verleihen. Lehrer Hermann Kahn. >' Tuberkulofen-Heilstätke. An die Redaktion des „Israelit"! Im Jahre 1927/28 wurde unter großem Kräfteaufwand und unter Mitwirkung weiter Kreise eine Lotterie veranstaltet, deren Reingewinn zur Gründung einer jüdischen Tuberkulosenheilstätte in Deutschland Verwendung finden sollte. Seither sind vier Jahre vergangen, ohne daß die Oeffentlichkeit etwas davon erfahren hat, was seitdem geschehen ist. — Zur selben Zeit waren von anderer Seite Bestrebungen im Gange, die das gleiche Ziel im Auge hatten, und für welche namhafte Persönlichkeiten ihre Mitwirkung zugesagt hatten. Lediglich um der einheitlichen Bearbeitung willen sind beim Bekanntwerden anderweitiger Bestrebungen Schritte in der Oeffentlichkeit unterlassen worden,, um jede Zersplitterung zu vermeiden und das Ziel zu fördern. Die dabeiinteressierten Herren und Wohlfahrtsorganisationen haben ihre Kräfte für den Losverkauf eingesetzt. Vom Erfolg hat man bis heute nichts gesehen. Es würde interessieren, wie weit die Angelegenheit gediehen ist. . S.. I. Familiennachrichken. Barmizwoh: Hans, Sohn des Herrn Arthur Kahn, Frankfurt a. M., Nefenstr. 5, 9. April, Synagoge Börneplatz. Barmizw oh: Ernst, Sohn des Herrn Donat Gotthold, Charlottenburg, Bismarckstraße 85 's p naa? y’irxv 9. April 1932, in der Synagoge Goethepark. B'armizwoh: Edgar, Sohn des Herrn Nathan Otto Kassewitz Lindenstr. 15. Samstag 2. April, Synaoge Unterlindau. — Reinhold Sohn der Frau Prof, ul. Hülsen, Arndstr. 30. Samstag, 2. April, Synagoge Unterlindaü. Geburtstag: Am 4. April 1932, feiert Frau Baruch Goldschmidt, Iettchen geb. Strauß, aus Hochstadt hre n 86. Geburtstag in voller Gesundheit und Rüstigkeit. Verstorben: Frau Judith (Ludwig) Frank, geb. van Gelder, 36 Jahre, Frankfurt a. M., (Alsbach). Frankfurter Berichte. Zum 100jährigen Jubiläum des Verlags I. kauffmann. I. K a u f f m a n n — der Name ist ein Signal und ein Gattungsbegriff. Ein Signal, das rückwärts weist in unsere Jugendzeit, da wir, die ältere Generation, noch „Gebete lallten, halb Kinderspiele, halb G'tt im Herzen" und da wir als schlichte Selbstverständlichkeit in uns hegten, daß der materielle Grundstoff, die äußere Substanz, aus der sich unser jüdisches Wissen, unsere jüdische Begeisterung formten, aus dem Verlag und der Buchhandlung Kaufsmann stammten. Und der Name ist zugleich ein richtunggebendes Signal für eine zumeist in der Anbetung der rohen Kraft erstarrte Gegenwart, um ihr zur Erkenntnis zu bringen, sie möge wahrmachen das Goethe'sche Wort: Was du ererbt von deinen Vätern hast — erwirb es, u m es z u besitzen, bringe auch dafür materielle Opfer, um dir immer wieder zu eigen zu machen und geistig einzuverleiben, was dir als Jude wert und teuer sein muß. erwirb es, um es zu besitzen, nicht um es in die Leih- und Freibibliothek zurückzutragen. Und auch ein Gattungsbegriff ist der Name I. Kaufsmann. Der deutsche jüdische Buchhandel hätte niepials, auch in' Vorkriegszeiten nicht, aufblühen können, hätten ihn nicht der weite Blick, die emsige Behendigkeit, die machtvolle jüdische Kraft und die strenge Methodik von Kauffmann Wege und Ziele gewiesen, hätte dieser Verlag und dieses Sortiment ihn nicht ins Schlepptau genommen und segeln gelehrt. Jede Sache, die um G'tteswillen, um einer reinen g'ttlichen Sache willen unternommen wird, muh schließlich gelingen. Lebendige und leuchtende Verkörperung dieses alten Wahrwertes ist die Firma, der diese Zeilengewidmet sind. Ein schlichter, einfacher Jude, Jsaac Kauffmann, wandert im Jahre 1832 aus dem Elsaß nach Frankfurt a. M. ein. Er war nicht gespeist und gepfropft mit dem ganzen weltlichen Wissen der damaligen Zeit, er war nicht gefüllt und getrieben von dem Der Israelit hastigen Drang nach Erwerb. Dafür aber ein Talmud Chochem, der in sich ein Herz voll G'ttesfurcht und voll Liebe zu seinen Brüdern barg. Und siehe da, nicht allzulange dauerte es und es entpuppte sich, eine wie weise und gütige Vorsehung ihn hier hatte landen lassen. Aus dem kleinen fliegenden Buchhändler, der seine Sforim meist halb verschenkte, um sie nur an den richtigen Mapn zu bringen, der daraus „lernte", wurde ein aufmerksamer Beobachter, ein williger und immer begeisterterer Anhänger des Riesen Samson Raphael Hirsch, dessen Vorlesungen ihn in einem Maße fesselten und entzückten, daß er es Jfaac kauffmann 17. Juli 1805 — 19. Oktober 1884 war, der ihm den Gedanken einer Ausarbeitung und Veröffentlichung in Buchform nahelegte. Was Geschlechter allerorten in stillen Weihestunden der geistigen Vertiefung und seelischen Erhebung den unvergänglichen Werten dieses Großen dankten — nächst ihrem Schöpfer gebührt die Anerkennung dem Initiator Jsaac Kauffmann, der sie in Verlag nahm. Die Welt neigte und neigt zur Schöngeisterei. Eine verhältnismäßig nicht allzugroße Schar von Auserlesenen macht stets gerne und willig gedankliche Hochflüge mit, hat Sinn und Muße für Tiefenblick. Die große Masse, hier nicht mit verächtlichem Beigeschmack gemeint, erfreut sich lieber an lebendigen Bildern aus dem jüdischen Dasein, die dein Herzblut ihrer Verfasser entquollen sind und das Herzblut ihrer Betrachter in Bewegung setzen. Welch ruhiger Scharfblick Kaufmanns und welche glückliche Fügung waren es, daß in Rabbiner M. Lehmanns unvergleichlichen Erzählungen die von Hirsch meisterlich theoretisch erörterten und erläuterten Probleme UNd Gesichtskreise in warmen, herrlichen Gestalten vom Verlag präsentiert wurden. Ignatz Kauffmann 5. Juni 1849 — 14. Dezember 1913 Wir sagten eben, daß das Herz Jfaac Kauffmanns voll G'ttesfurcht und 'voll Liebe zu seinen Brüdern war. Aber wie hätte er seinem Betätigungsdrang in letztem Betracht genug tun können, wenn nicht — wiederum eine neue glänzende Spur der Allgegenwart G'ttes — eine sich immer tiefer und reicher entwickelnde Beziehung zu dem entstanden wäre, der, ein Fürst jüdischen Wissens und jüdischer Hingabe, zugleich ein Fürst des Geldes und feiner edelsten Betätigung, der Philantropie war — zu Fr ei Herrn Wilhelm Carl von Rothschild? Dessen Bücherei schuf mit, ergänzte, erweiterte, verwaltete, als getreuer Wardein Jsaac Kauffmann, für die in aller Welt herumrollenden materiellen Schätze, soweit sie der Wohltätigkeit gewidmet waren, für diese Schätze, die im Endresultat der Zeitlichkeit entrückt und der Ewigkeit aufbewahrt bleiben, war er ihm ein kluger und feiner Berater als Almosenier. „Das Alte stürzt — es ändern sich, die Zeiten". Jsaac Kauffmann wuchs ein Sohn, Ignatz, heran, der in den Fußtapfen des verehrten Vaters wandelte in der leidenschaftlichen und hochentwickelten Hingegebenheit an die Verbreitung jüdischen Wissens. Der aber zugleich ein moderner Mensch war, von der Pike auf in einer Buchhandlung seinen Beruf erlernte und eine kraftgeschwängerte Natur voll Mut und Beharrlichkeit entfaltete. Es war für einen Verleger ein Wagstück, die orientalistischen Schriften von Moritz Steinschneider und Leopold Zunz zu veröffentlichen: es war ein genialer Schachzug, daß er im Jahre 1900 die durch ihre Gebetbücher für werktägliche und festtägliche Andacht weitberühmte Druckerei von M. Lehrberger u. Co., Rödelheim, käuflich erwarb und im nächsten Jahrzehnt sorgsam ausbaute. Schmuckstücke in typographischer, textlicher und Uebersetzer-Beziehung sind es, die dann diese Druckerei verlassen haben: Reu ausgab en des alten Machsor von Wolf Heiden heim, mit einer wohlgeformten und feinen Uebersetzung von Rabbiner Dr. S. Bamberger, eine Pentateuch-Ausgabe des gleichen Verfassers, eine sich dem hebräischen Text fein anschmiegende Verdeutschung der Kinoth u. v. A. 1909, da sich Ignatz Kauffmann zur Ruhe setzte, wechselte das Bild — wechselte und wechselte in seinen Grundzügen doch nicht. Dr. Felix 5k a u f f m a n n , sein Sohn und heute noch Inhaber der Firmen, übernahm sie. Eine alte und doch in gewissem Sinne neue Phase begann. Dem Hellen Idealismus des Gründers, dem Tatendrang des Fortsetzers gesellte sich der Gelehrte, der akademisch vorgebildete Orientalist: der neben dem Verlag auch dem Antiquariat eine immer regere und reichere Aufmerksamkeit widmete. Nicht daß er den Verlag beiseite geschoben hätte! Er wärmte und frischte in der Schulbuchliter a t u r auf, was uns alle stets wärmte und erfrischte, ließ die Stern'sch e Bibel vom Sohne des Verfassers, dem nachmaligen Rektor Baxuch Stern, neu bearbeiten, gewann für Fibeln und Ueberfetzungen neue, treffliche Mitarbeiter: M. Abraham, I. B. L e v y, Einstädter, Rabb. May, ließ die Stern'scheu „Vorschriften derThora" neu bearbeiten. Unter seiner Führung erschienen u. a. Neuausgaben von Hirschs Pentateuch, Choreb, Tefilloh, eine Gesamtausgabe von Hirschs Schriften, die religionsphilosophischen Schriften von Jsaac Breuer und Franz N ofen zweig, Rabbiner Salon: on Breuers. „Predigten", der Jefaias-Kommentar von Julius Hirsch, das unvergleichlich wertvolle Dahlmann ' f ch e Wörterbuch in zweiter Auflage, K a - fowsky's Mifchna-Konkordanz, Werke von Steinschneider, Zunz, Lazarus, Hermann Cohen, Neubearbeitungen von Lehmann'fchen Erzählungen, besonders von dem heute noch frischen und ergreifenden und nun in moderner Gestattung vorliegenden „Rabbi Joselmann". Auch Gesamtausgaben und Festschriften entstanden: Gesammelte Schriften von Berliner, von Jacob Rosenheim. Die Jugendschriften-Litteratur wurde besonders gepflegt. 1912 gelang es auch, die Firma S. Lehrberger zu erwerben. Damit waren die Lehrberger'fchen Verlägsanftalten in eine Hand gekommen. Sie präsentierte u. a. eine wundervolle Neuausgabe des Sachs'fchen M a ch - f o r (polnischer Ritus) in 9 Bänden. Der Kreis rundet sich, wir kehren zum Anfang zurück. Eine allseitig begrüßte 15 0. Auflage (I u b i - läums-Ausgabe des Rödelheimer S i d u r erschien, des Sidur, der nie veraltet. Was veraltet scheint und doch in seiner Altertümlichkeit und um seiner Altertümlichkeit willen besonderen Reiz und Wert hat, dem Antiquariat, widznete der Gelehrte Dr. Felix Kauffmann eine besondere heimliche Liebe, erwarb zu dem vorhandenen unendlich reichen Bestand an Seltenheiten, Drucken, Inkunabeln Bibliothek über Bibliothek: die von Oehlenberg, Wien, Porges, Leipzig, Groß, Augsburg, Hoch seid, Berlin, Auerbach, Elberfeld u. v. A. Es ist ein Jubelpunkt, eine Jubeletappe, an der der Kauffmann'fche Verlag und die Kauffmann'sche Buchhandlung angelangt sind. Das Judentum hat ihnen vieles zu danken, wenn auch im Zickzack und in der Wellenbewegung der Zeiten Vereinzeltes unterlaufen sein mag, was uns nicht sonderlich anheimelt. Aber die Fülle von Wissen und Gemüt, der Reichtum an jüdischen Werten, der von ihnen ausging und stets fortwirkende Kraft ausströmt, machen es zur angenehmen Pflicht, von Herzen zu wünschen, daß eine innerlich gefestigtere und wirtchaftlich geebnetere Zeit der Menschheit Zeit und Mögichkeit zur Selbstbesinnung auf edelste Kulturgüter bieten möge, durch die auch die stetige Weiterentwicklung dieses jüdischen Verlages von Weltrang und Weltruhm weiter gehoben werden mag. M. Sp.

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