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Der Israelit · 1932-03-31 · Heft 14 (31.3.1932) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 14 (31.3.1932)
Date
1932-03-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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31. März 1932 Der Israelit Nr. 14 Seite 7 Rabbi Jecheskel Libschütz war der Sohn des bekannten Lubliner Gaons, Rabbi Hillel Libschütz ^"31: auf nicht weniger als 18 Generationen rabbinifcher Größen konnte er in seinem Stammbaum zurückblicken. Schon in jungen Jahren als Thoragröße anerkannt, wußte sich Rabbi Jecheskel Libschütz auch ein bedeutendes allgemeines Wissen anzueignen und beherrschte eine ganze Reihe europäischer Sprachen. Nachdem er als junger Rabbiner in Jurburg bei Kowno amtiert hatte, fungierte er als Raw in den großen Gemeinden Baus und Plozk, um schließlich das Rabbinat in Kalisch zu übernehmen. Zahlreiche Berufungen, die ihm während seiner dortigen Amtszeit von Seiten.der größten Gemeinden des In- und Auslandes zugingen, hat er abgelehnt. Welt-: berühmtheit erlangte Rabbi Jecheskel Libschütz durch sein agadisch-halachisches Werk smsr?> das seine glänzenden Geistesgaben, Tiefe und Originalität der Gedanken, ein reiches Thorawissen und die Fähigkeit zu eindringlicher Erfassung der Umwelt in imposanter Weise offenbarte. Seiner Natur nach war Rabbi Jecheskel Libschütz jederzeit zur Konzilianz und zu vermittelndem Eingreifen geneigt. Trotzdem zweifelte niemand an der Tiefe und Ehrlichkeit seiner g'ttesfürchtigen Gesinnung. Alle, die ihm nahetraten, bezauberte er durch die Liebenswürdigkeit seines Wesens und die geistvolle Vielseitigkeit seiner Unterhaltung. Bei der Gründung des polnischen Rabbinerverbandes galt es als selbstverständlich,, daß man ihn an die Spitze stellte. Die polnische Judenheit, aber darüber hinaus Klall Jisroel, verliert in dem Heimgegangenen eine Führerpersönlichkeit von großem Ausmaße, die schwer zu ersetzen ist. An der Bestattung beteiligten sich neben einer unübersehbaren Menschenmenge aus allen Kreisen der Bevölkerung Polens auch die staatlichen und städtischen Behörden. Namens des Rabbinerverbanües sprach der Pabjaniczer Rabbiner, Rabbiner Alter, nach ihm die Brüder des Verstorbenen, die Rabbiner von Zdunska Wola und Konin. Die Palästina-Bewegung in polen. Warschau, 25. März. Der Vorsitzende der Jewish Agency in Polen, Leon Levite, berichtete in einer Presse-Konferenz, daß in den letzten Wochen 2200 polnische Juden als Touristen nach Palästina abgereist seien und daß der Andrang von Touristen-Gruppen noch immer a n d a u r e. Es fehle fast schon an Schiffsraum für einen so großen Touristenstrom. Die gleiche Erscheinung zeige sich in Deutschland, England, Rumänien und Amerika. Das feien deutliche Symptome einer neuen großen Alijah. Levite ist der Ansicht, Palästina sei auf diesen neuen Zustrom besser vorbereitet als im Jahre 1925. Man erhalte heute in Palästina Kredite zu 6—8 Proz. Auf Initiative der Jewish Agency in Polen sei eine Aktiengesellschaft in Bildung begriffen, die das Ziel hat, Palästina- Produkte in Polen abzusetzen. (Hinsichtlich der seelischen Hintergründe der neuen Palästina-Bewegung verweisen wir auf unseren letztwöchentlichen Leitartikel wir finden die Ausführungen des Herrn Levite reichlich optimistisch und möchten davor warnen, die Fähigkeit des Landes zur Ausnahme zahlreicher neuer Einwanderer zu'überschätzen. Red.). Eine stürmische Ratssitzung in der warschauer Gemeinde. Warschau, 17. März. Der empörende Ueberfall, den vor 5 Monaten zionistische Vorstandsmitglieder in offener Sitzung gegen den Präsidenten der Warschauer Gemeinde, Herrn Masur, verübten und bei dem dieser durch die gegen ihn geschleuderten Stühle eine nicht unbedenkliche Verwundung erlitt, hat jetzt, merkwürdigerweise recht spät, einen starken Widerhallin der Repräsentantenversammlung, im sogenannten Rat, gefunden. Der Staatsanwalt hat gegen die Hauptschuldigen schon vor längerer Zeit Anzeige erstattet und man wünschte nun, um die Position der Beschuldigten bei der noch ausstehenden Gerichtsverhandlung nicht zu gefährden, kein Oel ins Feuer zu gießen. In der Tat hatte sich auf Ersuchen der zionistischen Kollegen die Aguda-Fraktiön bereit erklärt, den Gegenstand durch Ueberweisung an die Geschäftsordnungskommission zu erledigen unter der Bedingung, daß ein solcher Antrag in der Sitzung von der zionistischen Fraktion gestellt werde. Statt dessen traten die zionistischen Rädelsführer, insbesondere das enfant ferrible der Fraktion, Herr Kirschbaum, gleich zu Beginn der Sitzung wieder mit den wüstesten Schimpfereien und Beleidigungen gegen die Agudas Jisroel auf den Plan, so daß sich eine im höchsten Grade peinliche Debatte von stundenlanger Dauer entwickelte. Sie gab wenigstens dazu Gelegenheit, daß von agudistischer Seite Herr Henüeles in einer Die Woche. Berlin. In der Hauptversammlung des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten wurde mitgeteilt, daß das Manuskript für die genaue Liste der 12000 im Weltkriege gefallenen Juden Deutschlands abgeschlossen und in Druck gegeben ist. — Die Jüdische Volkspartei veranstaltete eine Massenkundgebung für die jüdische Schule. Kollenscher und Klee griffen die .liberale Mehrheit der Gemeindekörperschasten an, weil zum Oster-Termin nur Vs der zu den untersten Klassen der Gemi^noe- Vokksschulen angemeldeten jüdischen 'Kinder ausgenommen wurden. Würzburg. Der Landesverband Bayern des Centralvereins veranstaltete einen Schulungskurs zur Abwehr des Antisemitismus für die Schüler der beiden oberen Klassen der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würburg. Riga. Der lettländische Unterrichtsminister kündigt Maßnahmen zur Beschränkung des Anteils der Juden an den medizinischen und juridischen Berufen an. Budapest. Der Kultusminister empfing zu seinem Amtsantritt eine Abordnung der orthodoren Landeskanzlei unter der Führung des Präsidenten Adolf Frankl, alsdann eine solche der Kongreßkanzlei. Prag. Das Innenministerium hat das Tragen von Hakenkreuzabzeichen im ganzen Gebiet der Tschechoslovakischen Republik verboten. Posen. In der Nachbarstadt C u r n i k kam es auf Grund nationalsozialistischer Hetzereien zu schweren anr'ljüdischen Ausschreitungen. Die Polizei mußte von'der Waffe Gebrauch machen. 22 Personen wurden verhaftet. Rom. Pros. Guido Tedeschi hat einem JTA-Bertreter gegenüber erklärt, daß seine Anregung zur Schaffung einer internationalen Rechtskonvention gegen den Antisemitismus starkes Echo bei führenden Persönlichkeiten finde. Er wird den Plan energisch weiter verfolgen. Warfchatt. Die Regierung hat dem Sejm einen Gesetzentwurf vorgelegt, durch den das Problem der Erstellung von Leichen für die Universitätsanatomien gelöst und die Reibungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Studenten beseitigt werden sollen. Die Leichen der in staatlichen oder städtischen Hospitälern Verstorbenen müssen der Anatomie übergeben werden, es sei denn, daß die Verwandten die Leiche innerhalb 24 Stunden reklamieren. — "Hefter 70 000 Familien sind in Gefahr in Polen aus die Straße gesetzt zu werden. Das 'Schutzgesetz für Mieter läufig im Frühjahr ab und wenn es nicht verlängert wird, werden 180 000 Seelen kein Dach über dem Kopf haben. London. Nach neueren 'Bestimmungen steht Personen, die über ein Kap'ital von Lst. 1500.— bis Lst. 1000 verfügen, die Einwanderung nach Palästina frei, falls das Kapital zur Ausübung ihres Berufes ausreicht, der Beruf im Lande nicht übersetzt und der Einwanderer für die Ausübung qualifiziert ist. — „Daily Herald" berichtet über die Aufsehen erregenden Versuche der Hitler-Partei, in England vermittelst der dort lebenden deutschen Kolonie festen Fuß zu fassen. In Südengland wird die Bewegung durch Dr. T h o st, den Loirdoner Korrespondenten der .deutschen Hitler-Presse, in Nordengland durch einen gewissen Hans Erich B e n'i n g geleitet. Jerusalem. Wegen der aufhallenden 'Trockenheit, die bedrohlich zu werden beginnt, sind in allen Synagogen Bittgebete um Regen ungeordnet worden. Newyork. Der 'berühmte jüdische Arbeiterdichter und Sozialistenführer Morrrs "W i n t s ch e w s k y ist im Alter von 76 Jahren gestorben. — Der "bekannte Gründer r-cr Bezalel-Schule in Jerusalem, Pros. Boris Schatz, ist hier im Alter von 66 Jahren verschieben. — Zur diesjährigen Palästina-Eempagne, die mit einer großen Kundgebung tii der Stadthalle eröffnet wurde, spendete Felir Marburg 50 000 Doll., Nathan Strauß jun. 10 000 Doll. groß angelegten Rede die ganze geineindepolitische Entwicklung des letzten Jahres zeichnete und den Nachweis führte, mit - welch äußerstem Entgegenkonunen und mit welcher Friedensliebe die Agudo auf ein sachliches Zufammenwirken mit der zionistischen. Minderheit > unausgesetzt hingearbeitet und welch schnöden Undank sie dafür bei der Gegenseite geerntet habe. Die Debatte endete trotz ihrer Schärfe damit, daß sich die Agudo-Fraktion * mit einer milderen Fassung der Tadelsresolution, wie sie von unparteiischer Seite vorgelegt wurde, einverstanden erklärte und daß schließlich folgende Entschließung mit Mehrheit angenommen wurde: „Im Zusammenhang mit dem Ueberfall einiger zionistischer Parnossim in der Sitzung der Gemeindeverwaltung vom 23. Oktober 1931, in der der Gemeindepräses, Herr Masur, eine Verwundung am Auge davon trug, beschließt der Gemeinderat: a) Der Rat protestiert mit größter Schärfe gegen solche Taten, die die jüdische Ehre erniedrigen und die geeignet sind, das jüdische gesellschaftliche Leben zu zerstören. b) Der Rat verurteilt aufs schärfste solche Dinge, die im jüdischen Leben überhaupt und insbesondere nicht auf dem Boden einer jüdischen Gemeinde Vorkommen dürfen." Rußland. Ein Fünfjahresplan für den Kampf gegen die Religion. Moskau, 25. März. Das Organ der jüdischen Gottlosen „Apikojres" führt aus, mit Beginn des zweiten Fünfjahresplanes der Sowjetunion beginne für die Gottlosen ein Fünfjahresplan der Bekämpfung der Religion'., Die Ursachen, die den „religiösen Aberglauben" speisen, müssen verschwinden, und die Klassen, die an der Existenz einer Religion interessiert sind, müssen mit den Wurzeln aus der russischen Erde herausgerissen werden. Das Präsidium des „Verbandes der kriegerischen Atheisten" hat in einer Resolution ein Programm der Religionsbekämpfung in 13 Punkten aufgestellt, das während des zweiten Fünfjahresplanes zur Durchführung gelangen soll. Rumänien. vom rumänische,: Antisemitismus. Bukarest, 28. Mär.;. Seit dem erregenden Zwischenfall bei Soroca ist die politische Atmosphäre in Rmänien unverkennbar außerordentlich stark verschlechtert worden. Man scheint auf antisemitischer Seite den Angriff für die beste Waffe der Verteidigung zu halten. Im Parlament hat der Abgeordnete Georg Cuza, der Sohn des berüchtigten Antisemitenführers Prof. Cuza, den Entwurf eines Gesetzes zum Schutze der nationalen Arbeit eingebracht, der ganz im Sinne Hitlers den völligen Ausschluß aller „Fremden" von jeder Art wirtschaftlicher Betätigung vorsieht. Zunächst soll unter den „Fremden" zwar nicht jeder Jude oerstanedn sein, wohl aber die Tausende jüdischer Einwohner, denen man die Einbürgerung, auf die sie nach den Friedensverträgen Anspruch hätten, mit Hilfe des Staatsgesetzes noch immer vorenthalten hat. Die Annahme dieses Gesetzes ist leider nicht als völlig ausgeschlossen zu bezeichnen. Die jüdischen Deputierten im Parlament werden von den Euzisten ständig bedroht, so daß sie eine besondere Delegation zum Kammerpräsidenten entsandt haben, uin dessen Schutz zu erbitten. In der letzten Sitzung zerrte Cuza jun. mit einem Gesinnungsgenossen einen jüdischen Abgeordneten von der Tribüne und mißhandelten ihn, so daß die Sitzung unterbrochen werden mutzte. In Jassy sind die Studenten in das jüdische Viertel gezogen und haben sowohl die Synagoge als auch eine Anzahl jüdischer Geschäfte demoliert. .Diese Studentenunruhen haben ihre Ursache in einem Konflikt zwischen der Regierung und den Studenten und dürsten jetzt wphl nach einem Empfang der Studenten beim König beendet sein. Palästina. Gberrabbiner Josef Lhajim Sonnenfeld Vsi- Jerusalem, 27. März. (Telegramm.) Oberrabbiner Sonnenfeld ist heute mittag im 84. Lebensjahre sanft verschieden. Jerusalem, 29. März. (Telegramnr.). Die Bestattung Oberrabbiner Sonnenfelds fand gestern mittag unter Beteiligung von vielen Zehntausenden statt, die ihrer Erregung und ihrer Trauer erschütternden Ausdruck verliehen. Der High Eo'mmisst'oner, die palästinensische Regierung und sämtliche kommunalen Be- ' Hörden hatten Vertreter entsandt. Die Reihe der Hes-

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