Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1932-03-24 · Heft 13 (24.3.1932) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
73 (1932)
Issue
Heft 13 (24.3.1932)
Date
1932-03-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2450704-2450717--78666-2536368
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ufa ff er de? fandesoeganifalion der Ügudas-Jiseoef in Dentfeifond. 8 Jahrgang Hamburg, 24. März 1932 / 16. Weadar 5692 Nummer 4 Schriftleitung: Wolf S. Iacoöfo« in Kamvurg. Notiz. Adressenänderung: Herr Wolf S. Jacobson siedelt am 1. Nissan nach Berlin über. Seine Adresse und diejenige der Redaktion dieser „Blätter" ist von diesem Tage an Berlin N. W. 87, Wullenweberstr. 3. Einsendungen für die „Blätter" sind dorthin zu richten. Aktivisten. Das holländische, in Rotterdam erscheinende Organ der Aguöas Iisroel Nr. 18 vom 12. Aöar 1 bringt das Programm der Aktivisten und den Brief des Herrn Liß; die Nachschrift der Redaktion geben wir hiermit in Uebersetzung: Die Aufnahme des Programmes der Aktivisten und des Artikels des Herrn Ciß bedeutet keinenfalls, daß wir dieses Programm unterschreiben und ganz bestimmt nicht die Anmerkungen des erläuternden Artikels. Dem Ersuchen der Leiter der Aktivisten, unseren Standpunkt in Bezug auf das vorläufige Programm auseinander zu setzen, wollen wir gern Nachkommen und die einzelnen Punkte des Programmes besprechen. wenn Mitglieder eines Verbandes sich zu einer Gruppe Aktivisten zusammenschließen, dann erweckt dies den Eindruck, daß sie das Programm des Verbandes unterschreiben und die Arbeit ihrer Organisation aktivieren wollen, wir hatten beim Lesen des Berichtes von der Errichtung einer Aktiviftengruppe in der Agudoh deshalb erwartet — und in diesem Sinne die Errichtung freudig begrüßt —, daß diese aktiven Mitglieder das Programm hätten, alle Agudisten, welche den Weltbund unterstützen und ausbauen wollen, zusammen zu schließen.. Das müßte das Arbeitsprogramm sein, nicht mehr und nicht weniger. Den Zweck der Agudoh, die Lösung der jeweiligen Aufgaben des durch die Tauroh konstituierten jüdischen Volkes im Geiste der Thora hätte die Aktivistengruppe im ganzen Umfange zu befördern. Das tut nun aber die Aktiviftengruppe nicht. Nachdem in Punkt a) des Arbeitsprogrammes der Hauptzweck des Zusammenschlusses aller Aktivisten festgesetzt ist, tritt das Programm in Details ein, in Details bezüglich des bei bestimmten Fragen zu befolgenden Verhaltens. Diese Details gehören nicht in ein Programm und ganz und gar nicht hier, wo dadurch einerseits der allgemeine Agudohzweck beschränkt wird — es hätten andere wichtige Punkte hinzugefügt werden müssen — und andererseits bei diesen Punkten ein dogmatischer Standpunkt eingenommen wird, wodurch die Aktivistengruppe in Gegensatz zur weltagnöoh kommen kann, und falls dies nicht der Fall ist, diese Punkte als überflüssig zu bezeichnen sind. Nehmen wir ein Beispiel: Die Auffassung der Aktivisten bezüglich der Palästina-Politik ist: Nach Innen absolute Unterstützung der selbständigen Orthodoxie, nach Außen Streben nach einer Uebereinkunft mit den Arabern, eine rein politische Anschauung, welche in keinem Zusammenhang mit der religiösen Auffassung steht. Gehört ein derartiger Punkt in ein Programm? Ferner: Die höchste Aguöoh-Instanz, die Kneisstoh Gedauloh samt Welt-Rabbinerrat haben sich für die positive Bereitwilligkeit ausgesprochen, unter bestimmten, stipulierten Bedingungen in der Iewish Agency mitzuarbeiten. Die Aktiviftengruppe erklärt: was auch geschehen mag, wir sind gegen jegliche Zusammenarbeit mit den Zionisten. Hierdurch ist die Aktivistengruppe faktisch bereits in Opposition gegen die Leitung der Agudoh getreten, welche sich auf einen Ausspruch der Kneisstoh Gedauloh stützt. Daß in Aktivistenkreisen ein Oppositionsgeist gegen die Leitung herrscht, ist an und für sich nichts, wogegen wir etwas einzuwenden haben. Selbstverständlich können in der Agudoh verschiedene Auffassungen herrschen. Man hätte aber seinen Oppositionscharakter deutlich aussprechen müssen. Nehmen wir z. L. den heftigen Widerspruch gegen das „Neutralisieren" der. Jugend, nach Herrn Liß die Forderung eines der Führer. Herr Eiß richtet gegen diesen Führer den Zuruf: wie lange willst Du noch auf zwei Gedanken hinken? Das ist doch wohl ein deutlicher Beweis von Oppositionsgeist. Ls kommt uns übrigens vor, daß dieser Vorwurf ganz unbegründet ist. wie es scheint, hat der Schreiber hier die Errichtung von Keren Hatauroh und Beis Jakob-Jugend- und Schülergruppen im Auge, welche auf Grund der Berliner Konferenzbeschlüsse in Rheinland-Westfalen ftattfinden soll, und an deren Stelle er Agudoh-Iugendgruppen haben will. Herr Liß kann aber wissen, daß die 2lgudoh-Leitec in Berlin dies ebenso wie er gewünscht haben — wie aus dem Bericht in den „Blättern" ersichtlich —, daß es aber eine Unmöglichkeit war. Nicht nur keine 2lguöoh-2lbtcilungen, selbst keine „neutralen" Esragruppen wollen die Eltern an den betreffenden Plätzen, und die einzige Möglichkeit, um die jungen Leute für das Judentum zu behalten und sie nicht den a- und antireligiösen zionistischen und kommunistischen Einflüssen zu überlassen, war die Errichtung von K. H.- und B. I.- Gruppen» in welchen ohne Zweifel eine echijüdische aguöistischc Ideologie herrschen wird, wir haben alle 2lchtung vor den Leitern, welche es für selbstverständlich halten, daß das allgemeine jüdische Interesse den Vorrang haben muß und dafür auf den Agudohnamen Verzicht leisteten. Diese Leiter bewiesen, weniger „enge Parteimenschen" zu sein, als. Herr Eiß und die Seinen. Und nun der Streit um Stütze den Streitern für die Selbständigkeit der Orthodoxie in Erez Iisroel. Die Agudoh hat erklärt, unter welchen Bedingungen sie mit den anderen Parteien Zusammenarbeiten könnte. Diese Bedingungen wurden nicht erfüllt, und die Agudoh war deshalb gezwungen, selbständig vorzugehen und die unabhängige Orthodoxie so kräftig als möglich zu unterstützen. Sie hat das auch in der Tat stets getan. Daß dieser Punkt in das Programm der Aktivisten Aufnahme gefunden hat, erscheint aber wie ein Vorwurf an die Aguöohlcitung, daß sie die aus der Kenesses-Jisroel Ausgetretenen im Stiche lasse. Dieser Vorwurf ist unseres Erachtens ganz unbegründet. wenn die Leitung in besonderen Fällen erwägt, ob sie nicht mit den Zionisten Zusammenarbeiten müsse, dann handelt sie im Geiste des kneissioh- Gedauloh-Beschlusses, und wir sind überzeugt, daß sie nichts ohne Zustimmung der betr. rabbinischen Autoritäten tun wird. Punkt b) des 2lrbeitsprogrammes spricht votn Bestreiten von Strömungen, welche die Kräfte der Orthodoxie verbröckeln. Herr Eiß sagt, daß er keine „Tarjag"-Organisationcn dulden werde. Glaubt er, daß die Agudohleiter diese wirklich gern sehen oder vielleicht gar fördern werden? Aber weder Herr Eiß noch die Agudohleiter werden dieselben verhindern können. Nehmen wir als Beispiel den Schabbos. Zweifellos hätten auch die Agudohleiter viel lieber gesehen, daß diese Organisation eine Unterabteilung der Agudoh wäre. Sie ist aber nicht von 2lgudisten aufgerichtet worden, sie wurde von Kreisen außerhalb öet Agudah gestiftet und wäre auch ohne Mitarbeit seitens der Agudisten gekommen. Der weite Standpunkt der Aguöohleitung war deshalb: Zusammenarbeit. Das allgemeine jüdische Interesse geht über das Parteiinteresse. was Herr Eiß mit dem Beispiel der Haffkin- Stiftung will, ist nicht deutlich. Nehmen wir an, daß der Grund von Pros. Haffkin, um sich von der Aguöoh zurück zu ziehen, wirklich war, weil die Aguöohleiter im Namen einer jüdischen Partei auftraten, — etwas, was Herr Eiß erst nckch beweisen müßte. Ist dem aber so? präsentieren die Leiter die Agudoh als „eine jüdische Partei"? Soviel wir wissen, weisen sie stets oarauf hin, daß die Agudoh die einzige wahre, rechtmäßige Organisation des jüdischen Volkes ist. Die Gegnerschaft der Anderen ist es, welche die 2lgudoh zur Partei stempelt, und dadurch werden die Schwächlinge, welche „Mangel an Selbstvertrauen" haben, von ihr abgezogen. Der Fall Haffkin liefert unseres Erachtens nach nur sehr schwaches Material zur Anbefchlung des 2lktivismus. Die Idee einer Jeschiwoh-Lesteuerung für alle Kehillaus ist ganz artig, dafür braucht man aber keine Aktivistengruppe. Der Gedanke kann an die Keren Hatauroh-Zentrale weitergegeben werden. Ob es gelingen wird, ist sehr zweifelhaft und liegt zum großen Teile wiederum nicht in den Händen der Agudisten. Ist das nun aber ein Grund, weshalb wir darnach streben müssen, daß die Kekmlaus in unserem Geiste verwaltet werden? Den Zusammenschluß aller orthodoxen Journalisten halten wir für wichtig; das Problem unserer Presse kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, und wir würden sehr gern sehen, daß die Agudohleiung sich damit beschäftigte. Mir unterschreiben vollständig, was Herr Eiß in dieser Beziehung sagt. 2lber auch hierbei begreifen wir nicht den Zusammenhang mit der eventuellen Notwendigkeit einer Aktivistengruppe. Das sind so einige Anmerkungen, die wir zu dem Arbeitsprogramm der 2lktivisten für nötig erachteten. Mir haben den Eindruck bekommen, daß sie nicht nur die heutige Leitung aktivieren wollen, sondern daß sie zugleich in einer Anzahl von Fragen einen ausgesprochenen Standpunkt vertreten, der nicht dem der gegenwärtigen Leiter entspricht. Mir bedauern dies, weil dadurch wahrscheinlich viele von der Mitarbeit mit den Aktivisten noch zurückgehalten werden. Mir werden aber abwarten, ob die Konferenz der 2lktivisten alle diese Punkte in das Programm aufnimmt und im 2lllgemeincn etwas positives erreicht oder verspricht und hoffen ferner, daß auch andere holländische 2lguöisten ihre Meinung in unserem Blatte auseinandersetzen. Vorläufig erachten wir einige Zurückhaltung erwünscht. Um den Aklivistenverband. Von David Ullmann in Cassel. Nachdem nunmehr in der Miener „Jüdischen Presse" und in den „Blättern" der Agudas Iisroel, das Arbeitsprogramm und der Arbeitsweg des Aktivistenverbandes, versehen mit einem Geleitwort von Eh. I. Eiß, erschienen sind, ist es wohl gestattet, Einiges dazu zu bemerken. Mir stimmen vollkommen mit den bewährten Initiatoren des 2lktivistenverbandes darin übereilt, wie dies in den „Blättern" auch bereits ausgeführt wurde, daß es in der 2l. I. keinen geben dürfte, der etwa nicht für einen 2lktivismus wäre, wenn Aktivismus Lebendigkeit, Zielstrebigkeit und unbeirrbare Geradlinigkeit bedeutet. Mir glauben aber nicht, daß der 2lufgabenkreis der 21. I. bisher so wenig bearbeitet sei, wie vielleicht der Leser bei der Durchsicht der Artikel, die bisher von den Befürwortern des Aktivistenverbandos erschienen sind, meinen könnte. Mir verweisen in diesem Zusammenhänge nur auf die jüngst in den Blättern des Bayrischen Iugendverbanöcs der 21. I. erfolgte Zusammenstellung der 2lrbeitsgebiete und Leistungen der A. I. Trotzdem bleibt cs verständlich, und ist es sogar ein begrüßenswertes Zeichen, daß cs innerhalb der A. I. Kreise gibt, denen die A. I. noch nicht aktiv genug ist. Mir selbst haben uns dem Aktivistenverband schon nach seinem ersten 21ufruf in der Hoffnung angeschlossen, daß er tatsächlich ein die Wirklichkeit gestaltendes Programm vorlegen wirb, ein Programm, welches es ermöglichen wird, die breite Masse der agndistischen Anhänger zu intensi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.