Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1932)
- Date
- 1932-03-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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lö Der Israelit 24. März 1932 größten Beliebtheit. In seiner bekannten Bescheidenheit wünscht Herr Kaufmann von einer entsprechenden Feier Abstand zu nehmen. Möge es dem Jubilar vergönnt sein noch viele frohe Jahre im Kreise seiner Gemeinde zu verbringen. Nentershausen (Kreis Rotenburg), 20. März. Am 29. März vollendet Herr Lehrer M. Katz hier das 70. Lebensjahr. Nach kurzer Tätigkeit in Falkenburg kam Herr Katz nach hier. Obwohl er vor einigen Jahren in Pension ging, blieb er als Religionslehrer, Vorbeter und Schachet tälig, sodaß er heute auch auf eine 50 jährige gesegnete Täuglcii zurüäschauen kann. Die Liebe und Anhänglichkeit seiner Gemeinde und ehemaligen Schüler kam so recht zum Ausdruck, als Herr Kat; in den offiziellen Ruhestand trat. Damals nahm das ganze Dorf an der Feier teil. Heute beklagt es Herr Katz, daß es so merklich still um ihn geworoen ist. Die einst blühende, große Kehiilo Nentershausen, in deren Schule Herr Kai; 5? Schüler unterrichtete, ist zu einem „Jischum" geworden. Die staatliche Lehrerstelle ist nach seiner Pensionierung cingegangen. Die Gemeinde zählt nur noch 7 Familien mit 3 Schulkindern. Herrn Kat; aber, der noch in Jugendfrische dahinschreilet, rufen wir zu: w"jn»p- Schenklengsfeld, 21. März. Herr Lehrer Grünwald bittet uns berichtigend zu bemerken, daß er nicht wegen Erreichung der Altersgrenze, sondern auf Grund der preußischen Notverordnung mit Erreichung des 62. Lebensjahres zum 1. "April pensioniert morsen ist. Wien, 15. Mürz. Vor wenigen Wochen verschied nach kurzem Leiden in K o w n o Professor Dr. Jonas Jczas, der erste Ilnterrichtsminister des 1918 neu gegründeten litauischen Staates. Er gehörte zu der geringen Schar derer, die schon vor dem Kriege für ein selbständiges Litauen in Wort und Schrift nuuig gekämpft haben., Seine vielseitige Bildung und sci.iü'chohe menschliche Persönlichkeit machten ihn in ganz besonderem Maße zu dem schweren Amt geeignet, zu welchem er bereits 1918 in Wilna, dem Sitz der ersten litauischen Regierung, berufen wurde. Auch die jüdische Gemeinschaft innerhalb und außerhalb Litauens verehrt in Jczas mit dankbarem Herzen den Mann, der wie kaum ein anderer in dem neuen Staate mit wahrhafter Toleranz und Menschenliebe für die jüdisch-geistigen Interessen eingetreten ist. Schon in den ersten Wochen seiner Amtstätigkeit hat er. auf Intervention von Dr. Rachmilewicz, der damals als Vizemiiiister für Handel und Gewerbe segensreich wirkte, im Unterrichtsministerium eine autonome Abteilung für das jüdische Schulwesen begründet und der Schreiber dieser Zeilen, der von Professor Jczas in dieses Amt berufen wurde, darf es vor der Geschichte bezeugen, daß Jczas in keinem Stadium seiner Amtstätigkeit jemals die jüdischen Interessen aus irgendwelchen nationalen oder anderen Motiven heraus zurückgestellt hat. Neben dem großen litauischen Staatsgymnasium verlieh er persönlich dem ersten Kownoer jüdischen' Realgymnasium das Prüfungsrecht und war im tiefsten Innern damit einverstanden, den großen litauischen Jeschiwoth Fakultätsbezw. Seminarr'kchte einzuräumen. Em diesbezüglicher Gesetzentwurf wurde von seinem unmittelbaren Nachfolger genehmigt und erfuhr erst im Laufe der späteren Entwicklung eine bedauerliche Abschwächung. Nach seinem Ausscheiden aus dem Ministeramt übernahm er eine Professur für Geschichte an der Universität Kowno, blieb aber weiter mit allen jüdischen Kulturinteressen verbunden. Aus seiner segensreichen Arbeit für die Jugend hat ihn der Tod allzufrüh abberufen. Seine Verdienste um den litauischen Staat und die jüdische Gemeinschaft werden aber unvergessen bleiben. Vermischtes. Berlin, 13. März. Aus dem Jahresbericht des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" ist folgendes zu entnehmen: Von den fünf Sommerferienkolonien für Kinder der ärmsten Schichten in Polen, zu deren Errichtung vom Hilfsverein in den letzten anderthalb Jahren Mk. 50.000 zur Verfügung gestellt wurden, sind im Sommer 1931 drei in Betrieb genommen worden. 683 Knaben und Mädchen vom Säuglingsalter bis zum 18. Lebensjahr fanden dort Erholung: zwei weitere Sommerferienkolonien werden im Mai 1932 eröffnet werden. Der Bau des Kinderhauses in Kowno, zu dem der Hilfsverein Mk. 24.000 beigesteuert hat, wurde im Jahre 1931 begonnen und zu Ende geführt. Es hat vier Stockwerke, 6jOO cbm Raum, einen Garten von 2000 qm, und ist für 120 Kinder eingerichtet, davon 50 Säuglinge. Das Haus ist im Februar 1932 eröffnet worden. Der Hilfsverein sorgte für Verschickung von erholungsbedürftigen Kindern mittelloser Eltern in Memel. Dem Israelitischen Kindersparverein in Köln bewilligte er auch im Jahre 1931 einen namhaften Betrag. In Rumänien wurden wie in den^ Vorjahren die jüdische Volksuniversität, die zentrale jüdische Berufsberatungsstelle, die Knabengewerbeschule „Ciocanul", eine Mädchengewerbeschule und das jüdische Mädchenheim in Bukarest, ferner eine Anzahl von Elementar- und Fachschulen sowie gewerbliche Kurse bei Waisenanstalten in Galatz, Jassy und Kischinew unterstützt. Die Gesamtzahl der Schüler in diesen Anstalten betrug 2500, die Aufwendungen des Hilfsvereins Mk. 12.251. Für Schulen in Polen und Palästina wurden Mk. 10.677 bewilligt. Aus Mitteln der Haffkine-Stiftung wurden im Jahre 1931 erstmalig Jeschiwot (Talmudhochschulen) in Litauen, Polen, Rumänien, Ungarn und der Tschechoslowakei unterstützt. Mk. 19.200 wurden für die Wiederherstellung von kranken und erholungsbedürftigen Jefchiwazöglingen hergegeben, Mk. 19.150 für den Bau bezw. Renovierung von Lehrhäusern, Internaten und Jeschiwamensen, Mk. 2960 für Werkstätten bei Jeschiwot, Mk. 3000 für Ueberführung von Jeschiwazöglingen aus Polen nach Lettland und Mk. 3420 für akute Notfälle. Die Emigrantenfürsorge, die sich infolge der Weltkrise, Arbeitslosigkeit und Absperrung, der meisten Länder gegen die Einwanderung überaus kompliziert gestaltet, erforderte im Jahre 1931 hohe Anspannung der organisatorischen und finanziellen Kräfte des Hilfsvereins. Vom Bahnhofsdienst des Hilfsvereins am Schlesischen Bahnhof in Berlin sind 18.900 Personen, Aus- und Rückwanderer, betreut worden. Für die ukrainischen Waisen, denen angesichts der wachsenden Arbeitslosigkeit in Deutschland andere Länder erschlossen werden müssen, wo sie Arbeit finden sollen, wurden im Jahre 1831 Mk. 14.253 aufgewandt. Das Studentenhilfswerk erforderte .im Jahre 1931 einen weiteren Zuschuß in Höhe von Mk. 6191. Berlin, 17. März. Das Israelitische Krankenheim, das Krankenhaus der Chewra Kadischr der Adaß Jisroel- Gemeinde in Berlin, Elsasferstr. 85, hat, vielfachen Anregungen folgend, es übernommen, in diesem Winter für die Mitglieder der Gemeinde und ihre Freunde Vortragsabende mit Themen allgemein interessierenden Inhalts aus dem Eefamtgebiete der Medizin zu veranstalten. Diese selbstverständlich kostenlosen Veranstaltungen, die in der Aula des Gymnasiums der Adaß Jisroel-Eemeinde Siegmundshof 11 stattenden, dienen zugleich dem Zweck, den Könner zwischen den Mitgliedern der Gemeinde und ihrem Krankenhause zu festigen. Der erste Abend am 2. Februar stand unter der Leitung des Gynäkologen des Krankenhauses, Herrn Dr. Josef Hirsch. Die einleitenden Worte über den Zweck und den Aufbau der Krankenhauspflege im Israelitischen Krankenheim sprach Herr Ge heim rat Ferdinand B l u m e n t h a l, der zweite Vorsitzende des Vereins der Freunde des Krankenheims, als derjenige, der am längsten an diesem Krankenhause mitgearbeitet hat. Äanach hielt Herr Dr. Hirsch einen Vortrag über das Thema: Geburtenrückgang und Men sch e n - ö k o n o m i e. Den Schluß bi.dete eine künstlerische Darbietung der bekannten Rezitatorin Frau Edith Herrn - st a d t - O e t t g e n , die aus Lion Fenchtwangcrs Werk Jud Suß die ^ene vorlrng, in der die Tochter des Jud Süß, vom Herzog bedrängt, den Freitod wählt, und ferner die Szene, in der der trauernde Vater den Tod seines Kindes beklagte. Allgemeiner Beifall belohnte die Vortragenden. War diese Veranstaltung schon sehr gut besucht, so faßte beim zweiten populär-wisfenscha;tl:chen Vortragsabend am 2^ März der Saal raum die Menge der Erschienenen. Nachdem als Einleitung des Abends Herr Ech ia v l v i au's 'Jerusalem das Köl niorei von Bruch auf 'dem Cello mit Klavierbegleitung vorgetragen hatte, sprach der dirigierende Arzt der chirurgischen Abteilung des Krankenhcims, Herr Dr. Alfred Peiser über das Thema: Die Geschichte der Chirurgie von der Urzeit bis zur Gegenwart. Als letzte Dorbielung des Abends folgten Vorlesungen aus der Bibel, die Frau F r i t t a B r o'd , das bekannte Mitglied der Reinhardt- Bühnen, übernommen hatte. Der starke Besuch und der reiche Beifall zeigen, daß diese Veranstaltungen in der Tat einem Bedürfnis der Geme'indemitglieder Rechnung tragen. Der nächste Abend findet am 6. April statt, an dem der Internist des Krankenchaujes Herr Dr. Dito Lucas über das Thema: Stoffwechsel und Verdaung sprechen wird. Weites Abende mit Herrn Ge che imrat Blumenthal und Herrn Pro'f. Hermann Zondek als Vortragenden sind vorgesehen. Montreur, 23. März. Die Semestereröfsming m der Schweizer Thoralehranstalt Jeschiwas Ez Chajim findet am 2. Jjar statt. Da nur soviel Schüler ausgenommen werden können, wie in der Villa Quifisana Platz haben, sind Anmeldungen bis spätestens 15. April an den Rektor, Herrn Rabbiner E. Botschko, zu richten. Es bestehen sowohl Kurse für Anfänger als für Fortgeschrittene. Neu geschaffen ist ein spezieller hebräischer Sprachkurs, der von einem tüchtigen Fachmann geleitet wird. Berichtigung. In unserer vorwöchentlichen redaktionellen Notiz über die koscher Margarine-Marken Schiroh, Jaffa und Towina hat sich ein bedauerlicher Druckfehler eingeschlichen. Der alleinige Hersteller dieser sehr preiswerten Margarine-Marken ist die Firma „Erste Elberfelder Margarinefabrik Gebr. Baum, Wuppe r t a st Elberfeld, nicht erste Bielefelder Margarinefabrik, wie es dort irrtümlich hieß. Die glückliche Geburt ihres Sohnes zeigen hocherfreut an EZECHIEL TIDER und FRAU FRANKFURT A. M., 18. März '932_ z.'zt^agernstr. 36 ™ " ■n,"a BELLA SEELIG EMIL LINK Verlobte Berlin W Büttelborn In Buttelborn v. 26.—28. März 1932 Berlin SW fra MINNA SÜNDERMANN LEO KAHN, Lehrer lt; Verlobte Gaukönigshofen/Mittelsinn Westheim bei Hafifurt Statt Karten MALCHEN LEITNER n"*a M. U. Dr. DEZSö OESTERREICHER zeigen ihre am Dienstag, den 29. März d. J. — p"S*) s. G. w , im lad. Rathause zu Prag, stattnndende TRAUUNG an Freundl. zugedachte Telegramme wolle man zu jüdisch. Zwecken ablösen. (Adresse: Lieben, Prag, Kozi 5). Marienbad (Gold.Schloß Wien VI, Mariahilferstr. 43 Besuchen Sie das neu eröffneie Cafe AllerBeiligensir. 83-85 früher Goldschmidt Etwas Neues für Frankfurt! n"3 ADOLF ETTLINGER JOHANNA ETTLINGER geb. Hess V ermählte. ■ Frankfurt a. M. 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