Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1932)
- Date
- 1932-03-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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24. März 1932 Der Israelit Nr. 13 Seite 7 ging. Die Exekutive erörterte eingehend diese Ereignisse und faßte den Beschluß, James Parkes (Verfasser des Buches „The Jew and his Neighbour") mit der intensiven Behandlung dieser Fragen innerhalb der nächsten Monate zu betrauen. Die Ergebnisse der Vorarbeiten von Mr. Parkes werden der nächsten Exekutive-Sitzung (anläßlich der Jahrestagung der I. S. S.), die Ende Juli in Brünn stattfinden wird, zur Beratung und Beschlußfassung vorliegen. Ein Sekretär des Völkerbundes, Minister Dufours-Fereuce, wohnte der Pariser Sitzung bei. Polen. Unzulänglichkeit der warschauer Polizei bei der Ankunft des „Gerrer Rebbe". Warschau, 18. März. In der polnischen Judenheit herrscht ungeheure Empörung über das über alle Matzen skandalöse Verhalten der Warschauer Polizei bei der Ankunft von Rabbi Alter aus Gura Kalvarja (Gerer Rebbe) auf dem Warschauer Hauptbahnhof. Der Rabbi war von einem mehrwöchigen Aufenthalt aus Palästina zurückgekehrt. Die zu seinem Empfang auf dem Hauptbahnhof versammelt gewesenen Tausende Chassidim wurden von der Polizei mit Gummiknüppeln geschlagen und rücksichtslos auseinandergejagt. Unter den Mißhandelten befanden sich der agudistische Sejmdeputierte Minzberg, der Warschauer Rabbiner Kanal und der Führer der polnischen Aguda I. M. üewin. Vielen der Versammelten wurden die Hüte von den Köpfen geschlagen, so daß zahlreiche Chassidim, um nicht barhäuptig zu bleiben, mit Taschentüchern als Kopfbedeckung in ihre Heime zurückkehrten. Sejmdeputierter Minzberg führte beim Polizeihauptkommandanten Malaszewski Beschwerde über das Verhalten der Polizei. Malaszewski versprach, eine strenge Untersuchung durchzuführen und die Schuldigen zu bestrafen. Rabbi Alter selbst wurde bei seinem Eintreffen durch eine Hintertür des Bahnhofs ins Freie geführt und setzte sofort die Reife nach Gura Kalvarja fort. Vor der Einfahrt in Gura Kalvarja wurde er von der gesamten Einwohnerschaft, Juden wie Christen, herzlichst begrüßt und im Triumph in seine Wohnung geleitet. Ruhland. Oer Anti-lpessach-Fel-zug in Sowjetrußland hat begonnen. Moskau, 16. März. Die „Apikojres" sich nennende jüdische Sektion des Gottlosenverbandes hat am 15. März den Anti-Pessach- Feldzug proklamiert, der bis Ende April zu dauern hat. In der Proklamation werden die jüdischen Atheisten aufgefordert, den Aktionen der „Klei-Kojdesch„ (ironische Bezeichnung für jüdische religiöse Funktionäre), sowie der Kampagne zur Beschaffung von Mazzoth entgegenzuwirken. Ferner werden die Atheisten aufgefordert. Tausende neue Mitglieder für die Gottlosen-Vrigaden anzuwerben. Der Plan sieht die sofortige Entsendung sogenannter Zehner-Brigaden in die jüdischen Kolonien zur Führung des antireligiösen Werkes vor. Für diese Brigaden werden Arbeiter, Studenten und Jugendliche angeworben. In den Städten werden Tausende antireligiöse Proklamationen und Exemplare der Zeitung „Apikojres" verbreitet. Die jiddisch-kommunistische Tageszeitung „Emeß" bedauert die vom Volkskommissar Smidowitsch in der Öffentlichkeit abgegebene Erklärung, daß jetzt, wo die Synagogen in Arbeiterklubs umgewandelt worden sind, die Fortsetzung der antireligiösen Kampagne nicht mehr so wichtig sei. Die Zeitung berichtet, daß der Präsident eines Kollektivs im jüdischen Rayon Freidorf den Ortsrabbiner zu einer Tagung der jüdischen Landwirte eingeladen hat, bei welcher Gelegenheit der Rabbiner über das Thema der Brüderschaft Israels und der Bürgschaft der Juden für einander predigte. Nichts, fährt die Zeitung fort, beweise mehr die dringende Notwendigkeit der Fortführung der antireligiösen Propaganda als dieses Faktum. Das neue Siedlungsjahr in Sowjetrußland. Moskau, 18. März. Auf der ersten Tagung des neugewählten Präsidiums der Regierungskommission für jüdische Kolonisation und Jndustrialisation Kmozet hielt Boris, Trotzki, der anstelle des wegen nachlässiger Führung des Kolonisationswerkes verabschiedeten Mereschin in das Präsidium hineingewählt worden ist, eine großangelegte Rede über die Ansiedlung von Juden im Jahre 1932, in der er äusführte: Während im vergangenen Jahre sich die jüdischen Einwanderer in die Krim und in Biro-Bidschan hauptsächlich aus den größeren Städten rekrutierten, werden in diesem Jahre die Siedler aus den kleineren Städten gewählt, wo die Möglichkeiten für Rekrutierung neuer Einwanderer noch unerschöpflich sind. Die unbefriedigenden Ergebnisse der diesjährigen Kampagne zur Gewinnung neuer Einwanderer seien der verspäteten Organisierung zuzuschreiben. Nichtsdestoweniger wird es gelingen, im Verlauf des Jahres 1932 14 000 jüdische Seelen in Biro-Bidschan und 1300 in der Krim anzusiedeln, wobei die Hälfte der Siedler aus Weißrußland und diej andere Hälfte aus der Ukraine rekrutiert würden. Trotzki erklärte weiter, die lokalen jüdischen Führer hätten sich gegen die Werbung von Neusiedlern für Biro-Bidschan ausgesprochen, sie erklärten, die zur Neusiedlung sich meldenden Juden seien besser nach den drei bereits bestehenden nationalen jüdischen Rayonen in der urraine und in der Krim zu bringen, um diese Rayone zu stärken, die sonst wegen Abwanderung der Jugend dem Untergang geweiht wären. Diese Einwendungen, sagte Trotzki, haben sich als nicht stichhaltig erwiesen. Es seien genug jüdische Menschenreserven vorhanden, die bisher nicht erfaßt worden waren. Ihm, Trotzki, fei es gelungen, die Einwendungen der ukrainischen jüdischen Führer zu widerlegen und die dem jüdischen Siedlungswerke entgegenstehenden Schwierigkeiten, die die Arbeit für Biro-Bidschan und die Krim gelähmt hatten, aus dem Wege zu räumen. Palästina. Oer Uampf um den Sabbat in Crez Jisroel. Jerusalem, 21. März. Im Büro der Jewish Agency fand eine Sitzung statt, in der unter Teilnahme von Oberrabbiner Kuk, Rabbiner Ostrowski, Rabbiner Fischmann und H. Farbstein vom Misrachi, ferner Dr. Arlosoroff, Usfifchkin und Leo Hermann die Frage der Sabbatruhe in den landwirtschaftlichen Siedlungen des Keren Hajesfod behandelt wurde. Es wurde beschlossen, auf eine Abstellung der Sabbatentweihungen in diesen Siedlungen hinzuwirken. Der Präsident des Schomre Schabbos-Weltverbandes, Dr. Samuel Grünberg aus Berlin ist hier eingetroffen, um auf eine Abstellung der viel erörterten sabbatlichen Fußballspiele zu dringen. Die Arbeitgeber sollen ver-- anlaßt werden, einen Wochennachmittag für Fußballspiele freizugeben. Nicht ungünstige Arbeitslage in Palästina. Jerusalem, 17. März. Die jüdischen Arbeiterräte der Städte und der Kolonien Palästinas hielten in Tel-Awiw eine Beratung ab, die der Lage auf dem palästinensischen Arbeitsmarkt gewidmet mar. Es wurde festgestellt, daß es in ganz Palästina 800 jüdische Arbeitslose, hauptsächlich in den Städten, gibt. Man beschloß, Arbeitslose aus den Städten in die Kolonien zu bringen, wo ein Mangel an Arbeitshänden spürbar ist. Unter Hinweis auf die erstatteten Berichte und auf das Versprechen der Regierung, Juden an den öffentlichen Arbeiten in einer gerechten Proportion zu beschäftigen, kam die Konferenz zu dem Beschlüsse, daß eine Erhöhung der Arbeiter-Einwanderung vollkommen berechtigt, ja geboten ist. Neue Arbeitskräfte sind notwendig sowohl für speziell jüdische als auch staatliche Arbeiten, wie Hafenbau in Haifa, Legung der Oelleitungen (Pipeline)), sowie für die neuen Orangenplantagen, die in der nächsten Zeit um rund 17 000 Dunam vergrößert werden. Jerusalemer Brief. Abschied des Gerrer Rabbi. — Reue Steuern. — Erziehungsgesetz. — Sabbat als öffentlicher Ruhetag. — Sabbatenkweihung. Jerusalem, 10. März. Der Gerrer Rabbi hat am Mittwoch mit seiner Begleitung das heilige Land verlassen. Zu den vorher veranstalteten Abschiedsfeierlichkeiten waren viele Hunderte von den Verehrern des Rabbi aus ganz Erez Jisroel zusammengekommen und die Liebe und Begeisterung fand in diesen letzten Stunden des Zusammenseins noch einmal einen rührenden Ausdruck. Der Aufenthalt des Rabbi hat belebend auf die Geister gewirkt und er wird nicht verfehlen, insbesondere in Polen die Chibbas hoorez und wohl auch die praktische Alijo mächtig zu steigern. Der Schwiegersohn des Rabbi, Herr I. M. Lewin, Mitglied der Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganisation, hat seinen Aufenthalt zur Stärkung des Agudo-Gedankens erfolgreich benutzt und es sind überall Ansätze zur Erweiterung der Gruppen und zur Gründung neuer geschaffen worden. Die Angehörigen der Kneses Israel sind durch eine soeben vom High Commissioner genehmigte neue Steuer für die Zwecke des Waad leumi überrascht worden: sie besteht in einem Zuschlag von 6 Proz. zum Mietpreis jeder Wohnung, der neben dem bisherigen 20prozentigen Zuschlag für allgemeine .Kommunalzwecke jetzt als eine Art jüdischer Gemeindesteuer bezahlt werden muß. Damit haben die Zuschläge zu den Mieten 32 Proz. erreicht, ein Satz, der für diese rohe Besteuerungsart schwer erträglich ist. Als neue Steuer steht die Erziehungssteuer bevor, sofern das soeben veröffentlichte neue Erziehungsgesetz, das erst ein Entwurf ist, durchdringen sollte. Gegen dieses Gesetz bestehen vom Standpunkt der Orthodoxie aus gewichtige Bedenken, über die man sich in allen Kreisen klar ist. Die Agudas Jisroel hat die Führung der Opposition gegen die Bestimmungen dieses Gesetzes übernommen. Die Afefath-haniwcharim hat in ihrer letzten Tagung beschlossen, den Schabbos als ’*vox nrmn dr. d. h. als öffentlichen Ruhetag anzuerkennen. Selbstverständlich hat sich die die Versammlung beherrschende Arbeiterpartei zunächst davon überzeugt, daß durch diese Anerkennung lediglich die Büros der öffentlichen jüdischen Institutionen betroffen werden, daß aber der private Chillul-Schabbos und der Chillul-fchabbos der aus allgemeinen Mitteln subventionierten Institutionen durch diese platonische Bestimmung in keiner Weise berührt wird. Große 'Aufregung herrschte am letzten Adar-Sabbat in der Kolonie Sfar Saba. In die von Menschen belebten Straßen der Kolonie fuhr um 2 Uhr mittags plötzlich ein großer Dampftraktor der Gesellschaft „Jochin" ein, um sich nach Telmond zum Umpflügen der dortigen Keren Kajemeth-Böden zu begeben. Eine Menge Spaziergänger und Baalebatim aus der Kolonie sammelten sich um die Maschine und suchten ihre Weiterfahrt zu verhindern. Es kam zu aufgeregten Zusammenstößen und zu Schlägereien zwischen Arbeitern und Bürgern, bis der Tranktor durch eine Schutztruppe von Arbeitern gedeckt und unter entrüsteten Zurufen „Nieder mit dem Keren Kajemeth, bannet den Keren Hajesfod, herunter mit den Büchsen von den Wänden" die Kolonie verließ. Briefkasten. S. A. in B. Herr Oberrabbiuer Dufchmski von Chust hat selbstverständlich^ nicht bloß zufällig das gleiche Schiff wie die Reisegesellschaft der Palästina Zentrale benutzt sondern er hat sich mit seiner Familie gleich allen anderen Teilnehmern rechtzeitig augemeldct und der agudistischen Neisegesellfchaft angeschlossen, deren Mittelpunkt er wohl gebildet haben wird. Personalien. Frankfurt a. M., 22. März. Am 20. März feierte Frau Bertha Kelscu Wwe., Hegelstraße 22, in voller geistiger Frische ihren 75. Geburtstag. Möge der Jubilarin ein froher Lebensabend beschert sein. ' Düsseldorf, 14. März. Einen schweren Verlust hat unsere Adaß Jisroel betroffen. Am 16. Adar 1 verschied Herr Siegfried Lahn im Alter von 62 Jahren. Das hiesige gesehestreue Judentum verliert in ihm eine der verdienstvollsten Persönlichkeiten. Alle gutjüdischen Institutionen, die im Lause von annähernd drei Jahrzehnten hier geschaffen wurden, verdanken ihm ihr Entstehen und vor allem ihren Weiterbestand. Schule, Mikwoh, Schechitoh und Friedhof, Dinge, die anderswo Selbstverständlichkeiten sind, hat er hier miterkämpfen helfen. "Als es im Kriege zu Schwierigkeiten in der Versorgung von Koscher-Lebrusmitteln kam, stellte er sogar seine Wohnung, seine Zeit zur Verfügung und übernahm selbst die Verteilung ungeachtet aller persönlichen 'Miß- Helligkeiten. Er war einer der eifrigsten, sicher der tätigste Gründer der hiesigen Adaß Jisroel, deren langjähriges Vorstandsmitglied er blieb. Selbst während seines langen Leidens nahm er eifrigsten Anteil an der Leitung der und war noch bis in die letzten Tage ihr bewährter Berater. Als Anerkennung seiner großen Verdienste hat ihm der an vor einigen Jahren den ian-Titel verliehen. Ein Mann von folgerichtiger Frömmigkeit, von unbestechlichem Gerechtigkeitssinn und strengster Redlichkeit ist in ihm von uns gegangen. rrasan- Dieburg, 21. März. Am 1. April begeht Herr Lehrer Kaufmann, wie bereits kurz gemeldet, sein 50 jähriges Dienstjubiläum in der Gemeinde Dieburg. In seltener Pflichttreue und Liebe zu seinem Berufe hat Herr Kaufmann getreu den Ileberlieferungen, sein Amt ausgeübt. Nicht allein die jüdische Gemeinde Dieburg schätzt und achtet ihren greisen Lehrer, auch bei der übrigen Bevölkerung und weit über die Grenzen seiner Stätte, die ihm zur Heimat geworden, erfreut sich der Jubilar der