Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1932)
- Date
- 1932-03-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450704-2450717--78657-2536359- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Amman 1× ep/1044017
OCR text
Der Israelit 24. März 1932 den Erklärungen des Vorstandes ergab sich, daß man die bestehe. So wurde denn ein Zuschuß von Mk. 1000.— Subvention für das Kölner Seminar streichen wollte, sür das Seminar bewilligt. weil der Berliner Landesverband das Kölner Seminar j Die ostjüdische Talmud Thora erhielt Mk. 2000, die nicht mehr „anerkenne". Der Vorstand hatte sich anschei- Talmud Thora von Dr. Wolf Mk. 1000. nend keine großen Gedanken darüber gemacht, auf welche Motive diese Nichtanerkennung des Kölner Seminars In der Frage des Entwurfs des Judengesetzes schloß sich die Nepräsentantenversammlung der Stellungnahme des Berliner Landesverbandes an. Seite 6 Nr. 13 die Tierquälerei befaßt und zu § 412 des neuen Strafrechtsentwurfs die Einfügung eines Absatzes 2 mit folgendem Wortlaute beschlossen: „Handlungen an Tieren dürfen nicht mit Strafe bedroht werden, soweit sie zur Verfolgung, ernster wissenschaftlicher Zwecke oder zur Erfüllung der Gebräuche einer Religionsgefellfchaft des öffentlichen Rechtes geboten find." Es handelt sich hier um die unveränderte Uebernahme einer auf Antrag Dr. Bells eingefügten Bestimmung, die bereits der Strafrechtsausschuß des vorigen Reichstags beschlossen hat. Reifeprüfung und Goethe-Feier der Adaß Jisroel- Schulen. Berlin, 21. März. Am 15. März fand im Oberlyzeum, am 16. März im Realgymnasium der Israelitischen Synagogengemeinde Adaß Jisroel zu Berlin die Reifeprüfung unter Leitung des staatlichen Kommissars, Oberstudienrat Gerstenberger, statt. Sämtliche 8 bezw. 9 Prüflinge bestanden das Examen, unter ihnen 3 bezw. 4 mit „gut". Am 20. März versammelten sich die Lehrer und die Schüler der Adaß Jisroel-Schulen mit ihren Eltern, sowie fast sämtliche Mitglieder der Adaß Jisroel zum Abschluß des Schuljahres und zur Entlassung der Abiturienten, an die sich eine Goethe-Gedenkfeier anschloß. Der große Festsaal des „Tisrgartenhof" war überfüllt. Nach Begrüßungswortsn des Gemeindevorfitzenden, Martin B o n d i überbrachte der Direktor der Abteilung für das höhere Schulwesen im Provinzialschulkollegium für Brandenburg, Geheimrat Dr. Israel, feine und seiner Behörde Glückwünsche für Schüler und Lehrer. Er drückte mit besonderer Wärme dem Führer der Gemeinde, Rabbiner Dr. Esra Munk, feine Bewunderung für das auf dem Gebiete von Schule und Erziehung Geleistete aus . und betonte, er habe in jahrelanger Beobachtung und Zusammenarbeit das gesetzestreue Judentum kennen und schätzen und in seinen geistigen Führern verehren gelernt und es mit Genugtuung in treuer Pflege deutscher Kultur und uneigennütziger Vaterlandsliebe bewährt gefunden wie nur irgend einen anderen Teil des deutschen Volkes. Geheimrat Israel schloß: Trotz der kulturwidrigen Verquickung unseres Höchsten — des Nationalen — mit Elementen des Haffes und der Volksverhetzung in weiten Volkskreisen wird Deutschland die innere Zwietracht überwinden. Sollten aber doch aus Schatten und Gespenstern Taten werden — ich brauche nur anzudeuten, was ich meine, im jüdischen Kreise werde ich ver-- standen werden — so werde ich mich schützend vor Sie stellen im Kampf für Ihr Recht! Dieses Eintreten des hochgestellten strenggläubigen christlichen Dezernenten des jüdischen Schulwesens für Gleichachtung und Lebensrecht des jüdischen Volksteils löste stürmische Beifallskundgebungen aus. Herr Kober für die Eltern der Abiturienten und je ein Abiturient und eine Abiturientin dankten der Schulleitung für ihre Leistungen. Mit besonderem Nachdruck appellierten die jungen Redner an die Berliner Judenheit, das Schulwerk zu erhalten. Direktor Dr. Nachman Schlesinger mahnte die Abiturienten, der Schule und der Gemeinde, deren Energiezentrum das Schulwerk geworden ist, die Treue zu bewahren. In der sich anschließenden Goethe-Feier trug ein älterer Schüler eine kurze biographische Skizze vor. Ein Schülerorchester spielte kleine Musikstücke aus der Goethe- Zeit, Knaben- und Mädchenschulchor und einzelne Schiller und Schülergruppen brachten Prosa und Verse Goethes zu Gehör. Den Abschluß bildete ein Sprechchor „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" und die Beethoven'sche Musik zu diesen Versen. Ihren Ausklang fand die Feier in einer Ansprache von Rabbiner Dr. Esra Munk, der darlegte, daß auch eine Schule überlieferungstreuer Juden in Ehrfurcht dem Genius Goethes huldigen dürfe, weil das Höchste, was. er geschaffen, auf biblischem Gedankengut beruhe und zu religiöser Gläubigkeit führe. Aus der Kölner Gemeinde. Köln, 17. März. In der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung wurde die Budgetberatung fortgesetzt. Im Mittelpunkt der Debatte standen die umstrittenen Subventionen der Gemeinde für das Kölner Lehrerseminar, für die o st jüdische Talmud Thora und für die Talmud Thora von Rabbiner Dr. W o l f. Aus Die Woche. Berlin. Im Mamorsaal des Zoologischen Gartens fand wiederum ein Gemeindeabend statt. Der Riesensaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Es sprachen der Gemeindevorsitzende Dr. Wilhelm ftlcemann über die Einheit der Gemeinde, das Vorstandsmitglied Wilhelm G r a e tz über die Finanzpolitik, Dir. H. Stahl über die Wirtschnftsnot und ihre Bekämpfung durch die Eemeinoe. — Der „Zeutralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" erläßt einen Ausruf zu Spenden für den Kampf-Fond 1932. Es wird daraus hingewiesen, daß die Landtagswahlen in Preußen Bayern und anderen Ländern stärkste Ansprüche an die Abwehrtätigkeit des Vereins stellen. — Der 85. Geburtstag des bekannten Philantropen, Hermann Abraham, der als Gründer des Vereins für Kindererholung:Heime und Organisator zahlreicher Volkswohlfahrtseinrichtungen bekannt ist, wurde von weiten Kreisen feierlich begangen. Es gingen Glückwünsche vom Retchspräst.enten, vom Re chKanM, vom Vorstand der jüdischen Gemeinde und zahlreichen Notabilitäten ein. Werschau. JevA führt Beschwerde darüber, daß die polnische Negierung von 7 Millionen Zloty, die für Speisung der Hungernden in Warschau bereit gestellt worden waren, weniger als 1000 Juden berücksichtigt hat (von 22000 Bedach en), obgleich die Juden x/3 der Eesamtbevölkerurg ausmachm. Bukarest. Im rumänischen Parlament kam es zu einer lebhaften Debatte über die Legende vom jüdischen Wucher. Deputierter Isaak wies die antisemitischen Angriffe, gestützt aus reiches Material, scharf' zurück. Madrid. Das unter dem Namen „Die Protokolle der Weisen von Zion" bekannte antisemi.ische Pamphlet wird jetzt auch ins Spanische übersetzt werden. London. Der Jahresbericht des Board os Guardians zeigt die Not, die unter den Londoner Juden infolge der Arbeitslosigkeit herrscht Kapstadt. In der Jahresversammlung der hiesigen jüdischen Armenbehörde wurde mitgetcilt, daß der Voranschlag für 1931 um 15000 Pfund überschritten werden mußte. Die Arbeitslosigkeit stellt die Wohlfahrtskassen vor ungeheuren Ausgaben. Jerusalem. Bei der Vorführung des englischen Kriegssilms Tel-England, der die Kämpfe bei Eallipoli darstellt, kam es hier wie in Bagdad zu anti-englrchen Kundgebungen des arabischen Publikums. Der Film mußte infolgedessen abgesetzt werden. — Dr. Chajim Arloseroff, der Leiter der Palästina-Erekutioe der Jewish Agency, begibt sich nach Amman, der Haupstadt Transjordaniens, zu einem Besuche des Emir Abdullah. — Der Palästina-Währungsausschuß hat festgestellt, daß die Währungsverluste Palästinas durch den Pfundrückgang am 30. September 186 000 Lst. betragen haben. Tel- Awiw. Die hier stattfindende Levante-Messe wird vom High Eommissionär am 7. April eröffnet werden. Der Einweihungsseier soll der ägyptische Premierminister, der Gouverueuer von Cypern und eine Reihe von Vertretern europäischer Staaten beiwohnen. Washington. Vertreter verschi.'dencr jüusche: Organisationen plädierten vor dem Einwanderungskomitee der Regierung für die Zulassung der Einwanderung von Angehörigen amerikanischer Einwohner in die Vereingten Staaten. Bern. In der schweizerischen Bundesversammlung erklärte auf eine Interpellation die Regierung, sie könne ausländische Organisationen von dem Gründung einer jüdischen Genoffenschaftsbank in Köln. Köln, 11. März. Am 3. März sprachen in einer vom vorbereitenden Komitee zur Gründung einer jüdischen Genossenschaftsbank in Köln einberufenen Versammlung die Herren Dr. Wilhelm Kleemann und Dr. Boris Silbert über die Bedeutung der genossenschaftlichen Selbsthilfe der Juden in Deutschland. Die Versammlung war von zahlreichen Interessenten aus allen Kreisen der Kölner jüdischen Bevölkerung besucht. Das vorbereitende Komitee, das zu dieser Versammlung einlud, setzte sich aus allen Kreisen und Schichten der Juden in Köln zusammen. Herr Dr. K l e e m a n n führte in seinem Referat aus, daß es notwendig sei, den Juden in Deutschland den Gedanken der genossenschaftlichen Selbsthilfe in viel größerem Ausmaß als bisher näher zu bringen. Aus diesem Grunde trete er auch, trotzdem er Gegner der konfessionellen Genossenschaftsbewegung ist, für die Gründung einer beschränkten Anzahl jüdischer Genossenschaftsbanken in den Großgemeinden Deutschlands ein, da die Schaffung solcher Banken die Juden dazu anregen würde, sich auch an allen andern Plätzen an der allgemeinen Genossenschaftsbewegung intensiv zu beteiligen. Er betonte die sich anbahnende Entwicklung zub kollektivistischen Wirtschaft und sah im Genossenschaftsgedanken eine glückliche Verbindung zwischen staatskapitalistischer und privatkapitalistischer Form. Im Anschluß an dieses Referat sprach noch Herr Dr. Silbert über Einzelheiten der genossenschaftlichen Arbeit. Herr Dr. Frank, Vorsitzender der Kölner Gemeinde, setzte sich sehr warm für die sofortige Ausnahme der Tätigkeit der Bank ein und versprach die Unterstützung der Gemeinde. Herr S t e i n i tz stimmte den Ausführungen von Herrn Dr. Frank zu und gab über die bisherigen Vorarbeiten des Gründungskomitees Mitteilung. Die Räume für die Genossenschaftsbank stehen bereits gratis zur Verfügung. Auch ein großer Teil anderer Vorbereitungsarbeiten ist günstig erledigt worden. Eine Reihe von Mitgliedserklärungen zur jüdischen Genossenschaftsbank erfolgten noch am selben Abend. Oesterreich. Durchreise des Gerrer Rabbi. Wien, 16. März. Der Gerrer Rabbi nahm gestern auf der Durchreise von Erez Jisroel nach Warschau hier Station. Aus diesem Anlaß fand Mittwoch Mittag eine Sitzung des Wiener Geschäftsausschusses der „Agudas Jisroel" statt, in der das Mitglied der Exekutive, Herr I. M. fietoin, einen ausführlichen Bericht über die derzeitige Lage in . Erez Jisroel und über seine dortige Tätigkeit erstattete. Herr Lewin gab der Ansicht Ausdruck, daß es ungeachtet der Krise immer noch gut möglich sei, sich in Erez Jisroel wirtschaftlich zu betätigen und daß die Arbeit für die agudistischen Erziehungs- und Wohlfahrtseinrichtungen mit verdoppeltem Eifer fortgesetzt werden müßten. Mittwoch Nacht setzten die Herren die Reise nach Warschau fort. Charakter der Nationalsozialisten auf Schweizer Boden nicht dulden. Prag. In dem seit 2 Jahren schwebenden skandalösen Ritnalmordprozeß von Velke Berezna hat der Staatsanwalt die Anklage fallen lassen. Es ist erwiesen worden, daß der ganze Tatbestand aus der Luft gegriffen von Seiten des Landesverbandes zurückzuführen sei, sondern m diesem Punkte plötzlich eine merkwürdige Disziplin gegenüber den Berliner Herren an den Tag gelegt, die Disziplin des Nichtzahlens. In der Repräsentantenversammlung aber hatte man für diese Unterordnung unter die Berliner Gesichtspunkte wenig Verständnis und es wurde von allen Seiten geltend gemacht, welch vitales Interesse vom allgemein jüdischen Standpunkt aus an der Erhaltung der alten Kölner Pflanzstätte für Lehrerbildung Frankreich. Jüdische studentische Angelegenheiten auf der Tagung der Exekutive des International Student Service. Paris, 11. März. Die hier stattgefundene Sitzung der Exekutive des International Student Service hatte auf ihrer Tagesordnung auch jüdische studentische Angelegenheiten behandelt. Die Sitzung fand unter dem Vorsitz des britischen Delegierten Dr. Taylor statt. Für den Weltoerband jüdischer Studenten nahm Alexander Teich als Mitglied der Exekutive an den Sitzungen teil und referierte über die Lage der jüdischen Studenten an den verschiedenen Hochschulen Europas, wobei der Referent namentlich auf die antisemitischen Unruhen an den einzelnen Hochschulen insbesondere Polens, Deutschlands und Oesterreichs ein-