Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1932)
- Date
- 1932-03-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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17. März 1932 .Zum Jüngling herangewachsen und mit reichem geistigen Rüstzeuge versehen, begab er sich behufs weiterer Ausbildung nach Halberstadt und sah dort zu Fühen seines von ihm so hoch verehrten Lehrers, des dortigen Rabbiners Dr. S. Auerbach, zu dem er in ein besonders inniges. Vertrauensverhältnis trat. Ein schönes Zeugnis dafür bildet eine nach dessen Heimgange im Israelit erschienene Artikelserie „Erinnerungsblätter auf das frische Grab unseres Meisters und Lehrers Rabbiner Dr. S. Auerbach b"ar". Noch jung an Jahren muhte er, von den Verhältnissen gezwungen, das Joch auf sich nehmen und in den Dienst jüdischer Gemeinden in Oesterreich sowohl wie in Deutschland treten. Vor 25 Jahren kam er hierher nach Berlin. Aeherlich betrachtet, mag in solch wechselvollem Spiele ein grausamer Zug eines harten Geschickes zu suchen sein. Nichtsdestoweniger hat mein verehrter Lehrer wiederholt mir gegenüber betont, daß er rückschauend darin dennoch nur die gnadenoolle Führung der Vorsehung zu erkennen vermag. Hier in Berlin wußte man sofort, dah in der Person meines Lehrers ein Mann von ganz eigenem Formate zu sehen ist. Die Worte aus seinem Munde hatten so ganz anderen Klang, waren von einer so vollen Resonanz getragen, — an so etwas war man hier^ganz und gar nicht mehr gewöhnt. Wer aber, wie Schreiber dieses, sich seines vertrauten Umganges erfreut, weih, dah damit nur die eine Seite seines geistigen Schaffens umrissen ist. Schon feine äußere Haltung ist dessen ein Zeugnis. In aufrechter Haltung zwar einherschreitend, mit nach vorn ein wenig 'übergeneigtem Körper, weist der scharfe bohrende Blick des Auges stets nach innen. Man kann es förmlich beobachten, wie der Kopf unablässig am innern Werke sich abmüht. In unablässigem Ringen hat er dabei eine Wahrheit entdeckt, die fast wie eine Verheißung sich ausnahm und später sogar die glänzendste Erfüllung in sich bergen sollte. Er erkannte die folgenschwere Wahrheit, von der seitdem sein Leben sich getragen weih, daß nämlich hinter jeder großen geistigen Schöpfung so etwas wie ein erhabener Genius steht, von dessen Gnaden sie den direkten Ausfluß bildete Der Genius der hebräischen Sprache war es, der meinem Lehrer sein tiefstes Geheimnis enthüllt hat! In genialer methodischer Gestaltungskraft hat er ihm den Weg bis an das Herz der zartesten Jugend geebnet. Ein schönes Zeugnis dieser Bemühungen bilden seine Lehrbücher t=rnnV in welchen auch die Sprache des Talmuds miteinbezogen wurde. Hier ist alles aus einem einzigen ebenso großen wie kühnen Wurfe heraus geformt und gestaltet. Schließging er noch einen Schritt weiter und stellte in allgemeinverständlicher Sprache sein System dar, um auch das jüdische Haus für seine Sache zu gewinnen. Nichts ist bester dazu angetan, sein Ideal zu kennzeichnen, als ein Wort am Schlüsse der Vorrede seines Werkes „Grundlegung jüdischer Lehre": „Sonne, Mond und Steren bilden das tiefsinnige Symbol für die erste Familie in Jssael; die Sonne lichtspendend, der Mond lichtempfangend und sanft verklärt wiederstrahlend — um sie beide dann geschart die Sterne groß und klein, — aber alle geweiht, alle erleuchtet von einem Lichte. So soll es in Israel alle Wege sein und bleiben!" — Er will damit das jüdische Haus zu einer Werkstätte umgestalten, in welcher in den Feierstunden des Lebens an jüdischen Gedanken geschmiedet wird. Sein Ruf, den er in so hinreißender Sprache an die jüdischen Lehrer, an das jüdische Haus gerichtet hat, ist verhallt. Ein lebendiges Echo vermochte er nicht zu erwecken. Weit davon entfernt, sich durch diesen Mißerfolg niederbeugen zu lassen, griff unser Jubilar in der allerjüngsten Zeit zu einer weiteren Tat aus,. wie sie nur in einer Seele reifen kann, die von einem einzigartigen, unverwüstlichen Mut sich getragen weih. In einer Schrift unter dem Titel r-nspff.n mavsn wendet er sich an das Judentum des Ostens, um ihm den Weg des Aufstieges zu weisen. Meines Wissen geschieht es zum ersten Male, daß ein deutscher Gelehrter einen derartigen Schritt wagt. Der herrschenden Ansicht nach hat die jüdische Lehre ihren eigentlichen Sitz in den Ostländern und wir hätten von dort die Erleuchtung zu erwarten. Nun zeigt sich uns ein Schauspiel, angesichts dessen Rabbi Jochanan z. Zt. in den Ruf ausbrach: um mvrr „Behauptet man zwar die Thora wäre euer Besitz (der Palästinenser), tatsächlich aber gehört sie jenen (den Babyloniern)! Eben dieses Lebenswerk hätte bei meinem Lehrer leicht zu einer seelischen Katastrophe sich auswirken können, — käme ihm nicht auch hier eine merkwürdige Verkettung von Umständen zu statten. Ihr ist es zu danken, daß das preußische Unterrichtsministerium auf seine wissenschaftlichen, von unvergleichlicher methodischer Kunst getragenen Leistungen aufmerksam wurde. In eingehender mehrstündiger Unterredung nahm der Ministerialdirektor für das gejarhte höhere Schulwesen Veranlassung, über die hier erwähnten Forschungsergebnisse sich zu informieren. Wie nun einmal die Dinge liegen, ließ es preußische Gründlichkeit hierbei nicht bewenden. Auch auf praktischem Wege sollte er sich über seine Leistungen . ausweisen. Merkwürdigerweise geschah dies an einem hiesigen Gymnasium, in welchem er fast ausschließlich deutschnationale Schüler vor sich hatte? Er aber verstand es, gerade sie auf eine solche Weise mit sich zu reißen, daß der inspizierende Ministerialdirektor erklärte: angesicht deß fühle er sich verpflichtet, den Herrn Minister zu veranlassen, unfern Jubrlar persönlich kennen zu lernen. Das Ergebnis dieser Unterredung wak ein Vorschlag des Herrn Ministers, ihn an der theologischen Fakultät der hiesigen Universität für einen Lehrstuhl der hebräischen Sprache zu verwenden. Ich geh; in der Annahme kaum fehl, daß ein Jude, in unserem Falle gar noch ein orthodoxer, sich noch nie aus einen derartigen Posten gestellt sah. Um sich auf chm zu be- D e r/i I s r ad i 1 häupten, — wie muß man da in feiner äußeren Haltung schon sich zu beherrschen verstehen, das Wort bis m seine feinsten Abtönungen hinein einem stets zu Diensten sein! Zählt er doch lediglich angehende Theologen, — darunter auch Damen und Angehörige des hohen preußischen Adels zu seinen Zuhörern. Eine Entgleisung — und es wäre um ihn geschehen! Dies alles zu einer Zeit, in welcher dieselbe Universität den Schauplatz immer wiederkehrender nationalsozialistischer Ausschreitungen bildet. Ihm aber sind seine Hörer mit größter Anhänglichkeit zugetan. Ist das klassische Hebräisch von Hause aus seine eigentliche Lehraufgabe, so muß er dem Drängen seiner Hörer nachgeben und ihnen auch Bibelexegese vortragen. Aus welche Weise in unserer Zeit die hebräische Bibel auf Universiäten eigentlich mißhandelt-wird, — davon haben die Leser des Israelit in jüngster Zeit zu ihrem nicht geringen Entsetzen eine Anzahl von Kostproben vorgesetzt erhalten. Unser Jubilar aber ist weit davon entfernt, sich dadurch irre machen zu lassen! Unter Anwendung der ihm wie nur einem zu Gebot stehenden Hilfsmittel, die da heißen: Grammatik, Syntax, Stilistik und Synonymik — versteht er es in scharfsinnigem geistsprühendem Zwiegespräch seine Hörer in Atem zu halten. Bei Ermittlung der Wahrheit versagen solche Faktoren niemals ihre Dienste. Diese Wirksamkeit unseres Jubilars kann mit Recht, namentlich im Hinblick auf die gegenwärtige Lage des deutschen Judentums, als ein von vmp ganz einziger Art bezeichnet werden. Es ist daher als eine besondere Gnade G'ttes zu preisen, daß ihm bis in unsere Tage hinein die ungebrochene Kraft des Körpers in ihrer Vereinigung mit dem hohen Schwung der Seele erhalten worden ist. Auch in diesem Punkte zeugt die Wahrheit am triftigsten für sich selbst. Gewiß keine alltägliche Erscheinung nach einem entsagungsreichen Lebensgange und dazu noch bei so schwerer, weil bahnbrechender Arbeit! Möge das deutsche Judentum nicht weiterhin ihm gegenüber in starrem Versagen verharren! Dann wird sein 70. Geburtstag für dieses den Ausgangspunkt eines Aufstieges bilden, von dessen Größe und Tragweite es sich kaum eine richtige Vorstellung zu machen vermag. In seiner Hand ist es gelegen, auf diesem Wege tonangebend und bahnbrechend für die Gesamtheit des Judentums dazustehen! In dieser Tatsache würde aber unser Jubilar die schönste Krönung seines Lebens und Schaffens, die Erfüllung seiner sehnlichsten Hoffnungen erblicken. Frau Rabbiner Sara yorovicz Frankfurt a. AI., 11. März. Still, wie sie gelebt, ging sie von uns. An der Schwelle des Monats der freudigen Hingabe an die Ewigkeit starb die Gattin des Herrn Rabbiners Jonathan Horovicz aus Jerusalem. Hier in Frankfurt suchte sie im Hause ihrer Kinder Genesung, aber der Allmächtige hat es anders beschlossen. Sie war eine große Frau. Als Kind eines vornehmen Rabbinerhaufes in Kezmarok hat sie die geistigen Werte des Judentums in sich ausgenommen und so ward ihr Haus ein gastliches im großen Stil. Ihr Leben an der Seite ihres Gatten eine Welt von Hingabe, die Erziehung ihrer Kinder ein Lebendigwerden jüdischer Ideale. Die Armen in Jerusalem verlieren an ihr eine Mutter. Die '"*> bezeugte das. Herr Gemeinderabbiner H o - r o v i tz entwarf in markigen Strichen das Bild der Verklärten an der Hand einer Schilderung des Elternhauses, in denk neben all dem stillen Frieden alle Stimmen aus der großen jüdischen Welt einen Widerhall fanden. Der tiefgebeugte Gatte gabin keuscher Zurückhaltung das Bild der Gattin und Mutter und der großen Frau, ihr Verwachsensein mit jedem Schlag des Menschenherzens, mit Jerusalem und seinen Hoffnungen. Herr Oberrabbiner Grünburg aus Kezmarok gab als Bruder dem Schmerze der Familie Ausdruck, indem er das tiefe Weh schilderte, das die ganze jüdische Welt in ihrer Verbundenheit mii dem Heimgang dieser Edlen getroffen. Als die Sonne sich dem Zenith zuneigte, waren die irdischen Reste der Edlen bestattet. Ihr Angedenken ist und bleibt ein Segen. - Butzbach (Hessen), 14. März. Einer Esches chail, die es verdient hat, sollen an dieser Stelle einige Worte des Andenkens und des Nachrufs gewidmet werden: Frau Juli Engel geb. Heß r\"v, die Gattin des Herrn Louis Engel. Die im Alter von 70 Jahren Verstorbene war eine durch ihre Frömmigkeit und Bescheidenheit in weiten Kreisen beliebte und geachtete Frau, was Herr Robb. Dr. H i r s ch f e l d aus Gießen auf dem rra in beredten Worten zum Ausdruck brachte. Ihre Kinder hat sie zur Thoratreue erzogen und so werden sie auch im Sinne der Mutter weiter wirken und die Traditionen des Elternhauses heilig halfen. Möge das Sechus dem Gatten und der Familie und uns allen in der Gemeinde beistehen. Gerolzhosen, 13. März. Am Donnerstag, den 24. ds, Mts. vollendet n">n Frau Jette Reiter in Hainsfarth in Bayern das 80. Lebensjahr. Die Jubilarin, eine V>n rwx nach altem Schlage, erfreut sich noch der vollen körperlichen und 'geistigen Kräfte und nimmt an allen Tagesfragen regsten Anteil; sie ist noch unermüdlich tätig und läßt es sich auch nicht nehmen, jeden mnn auszufasten. Dank ihrer hervorragenden ron» verstand sie es, alle Schickuhgen und Widerwärtigkeiten des Lebens zu meistern im' Sinne eines echten vvn wnp- Möge es ihr bestimmt sein, noch viele glückliche Jahre zu sehen im Sinne des Psalmwortes: •vn» D’jasn'» trjsn rnnpn juii’ *ny Dieburg. 14. März. Herr Lehrer David Kaufmann, Dieburg, feiert am 26. ds. Mts., f. G. w., fein : Nr. 12 Seite 9 50jähriges Dienstjubiläum in der Gemeinde Dieburg. In seiner großen Bescheidenheit hat der Jubilar, gebeten, von einer großen öffentlichen Feier absehen zu wollen. Schenklengsfeld, 15. März. Mit Ende dieses Monats tritt unser Lehrer, Herr Grünewald, in Pension, nachdem er die Altersgrenze erreicht hat. Auf Anregung des zuständigen Schulrates und des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Cahn in Fulda findet am 30. März, nachm. y23 Uhr, eine Abschiedsfeier statt, an der nicht nur die Gemeinde, sondern auch seine Kollegen der näheren und weiteren Umgebung teilnehmen werden. Eine Würdigung seines Wirkens als Lehrer und Führer seiner Gemeinde bringen wir in einer der nächsten Nummern von „Erziehung und Lehre". Vermischtes. Berlin, 15. März. Der Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums veranstaltet am Sonnabend, den 19. März, 8.45 Uhr, im Vortragssaal des Gemeindehauses, Fasanenstraße 79, einen Vortragsabend. Es werden sprechen: Herr Rabbiner D. Jakobovits über die „Stellung der Frau im jüdischen Religionsgesetz": Herr Assessor James Rosenthal über „Lebensfragen des thoratreuen Judentums in Welt und Gemeinde" mit besonderer Berücksichtigung der Agudas Jisroel. — Die Veranstaltung wird von gesanglichen Darbietungen des Herrn Oberkantor Ahlbeck umrahmt sein. Berlin, 14. März. Der Synagogenverein Ahawas Scholaum und Mögen Dowid, Berlin, Kleine Auguststraße 10, veranstaltet am Sonntag, den 20. März (12. Adar) nachm. 5 Uhr aus Anlaß des leider erfolgten Hinscheidens seines langjährigen Vorsitzenden, Herrn S. A l m u s n"y und des Vorstandsmitgliedes und langjährigen Bal-Kaure Herrn Josef Lewinski i>~sr einen Hefped (Trauerfeier), zu dem zahlreiche Beteiligung erwartet wird. Fulda. 14. März. Der Brith Chaluzim Dathiim bittet um Veröffentlichung nachfolgender Notiz: Von dem neuen Rundschreiben des Brith Chaluzim Dathiim (Hattenhof-Fulda-Land) sind noch einige Exemplare gegen Einsendung von 50 Pfg. in Briefmarken zu haben. Das Rundschreiben enthält u. a. Artikel von Dr. Leibowitz, Unna, sowie interessante Berichte über die Arbeit in Erez Jisroel und den augenblicklichen Stand der Hachschara-Arbeit in Deutschland. Diez, 14. März. Das Deutsch-Israelitische Kinderheim zu Diez (Lahn) hat allen Gemeinden wieder seinen Aufruf zur Purimspende übersandt. Zu keiner Zeit war der Bestand des Hauses, das in mehr als vier Jahrzehnten wertvolle Erziehungsarbeit an Waisen, Halbwaisen und verlassenen jüdischen Kindern leistete, so dringend notwendig als in unserer erschütterten Gegenwart. Die jüdische Oeffentlichkeit möge es durch regste Beteiligung an der Purimspende beweisen. (Postscheckkonto Frankfurt a. M. 2871.) Saunas, 9. März. Die Jawnc-Zentvrale in Litauen beruft auf die Tage nach Purim eine allgemeine Konferenz der Jawne-Lehrer nach Kowno ein. Abgesehen von dem Bedürfnis nach allgemeiner Aussprache, handelt es sich um einige aktuelle dringende Fragen, insbesondere um die Organisation der Schuljugend, mn Vorschläge zur Aenderung des Lehrprogramms für den jüdischen Anfangsunterricht und um die Vorbereitung der Organisation eines Ferienkurses für die Lehrer. Berlin, 10. März. Ende September hat das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde Berlin den Versuch mit der Einrichtung einer Mittelklasse unternommen. Sie sollte solchen e i n h e i m i s ch e n Kranken, denen-die Kosten für den Aufenthalt in der I. oder II. Klasse schwer erschwinglich sind, die aber doch aus gesonderte Unterbringung und pflegerische Betreuung außerhalb der größeren Krankensäle Wert legen, dienen. Durch einen mäßigen, die Selbstkosten kaum deckenden Pslegesatz, werden Aufenthalt, ärztliche Behandlung, einschließlich etwaiger Operation bezw. Entbindung, abgegolten. Daß eine solche Einrichtung den heutigen Bedürfnissen entsprach, lehrt die lebhafte Inanspruchnahme der Mittelklasse in der Zeit ihres Bestehens. Es sind täglich im Durchschnitt etwa 15 Patienten aus der Abteilung: im ganzen haben bis zum 1. März 1932 115 Kranke die Mittelklasse ausgesucht, und zwar: 16 Kaufleute, 8 Angehörige des Handwerkerstandes, 4 Akademiker, 2 Beamte, 15 in der Ausbildung begriffene Personen und 70 Personen ohne Berus, meistens Ehefrauen. Berlin. 10. März. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums e. B. hielt gestern ihre Hauptversammlung ab. Den Vorsitz' führte Rabbiner Dr. Leo V a e ck, den Geschäftsbericht erstattete Prof. Dr. E l b o g e n. Im Anschluß an die Hauptversammlung hielt Herr Dozent Dr. L e v k o w i tz, Breslau, einen Vortrag über die Stellungnahme zum Judentum in der Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts. Der Redner erörterte die Mendelssohn'sche Auffassung vom Judentum als eines religiösen Organismus und die Kant'sche, der das Judentum als eine Staatsform und seine Thora als politisches Gesetz betrachtete. Der Referent wies die bisherige wissenschaftliche Auffassung, daß diese Stellungnahme Kants auf den Einfluß Spinozas zurückzufürhen sei, zurück und suchte die merkwürdige Hypothese zu erweisen, daß Kant mit seiner Darstellung den Zweck verfolgt habe, den liberalen Juden die Tradition zum Schreckgespenst zu machen und sie dadurch. leichter für das mit der Vernunftreligion gleichgestellte Christentum zu gewinnen. Redner ging dann auf die Geistesarbeit