Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1932)
- Date
- 1932-03-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 12 Der Israelit 17. März 1932 J.G. Heuser jr.seei. Will nacM. Liebfrauenstrasse 5 Ausstattungs-Wäsche zu den neuesten Preisen in grosser Auswahl tllins als wahre Crlösungsbotschaft unter öle Völker getragen. Sie reichen sich die Hände und es ist» als ob sich die Grenzen zwischen jan -rrw und raria *]nD im purimrausch verwischten» und hinter den wolkenschleiecn» die den Genfer See verhüllen» wie eine strahlende Sonne die jesajanische Vision vom Völkerbund auftauchte» der die Katzenmusik der g'ttentfremdeten, machttrunkenen und darum verzweifelnden Kationen in Harmonien auslöst. Cs ist Purim. Der G'tt der Geschichte lädt die Kationen der Lröe an seinen Tisch ... An Purim ist's erlaubt» Koas Spuren zu folgen und dann — zu träumen. „Mehr Licht". Goethes Vermächtnis: „Mehr Licht!" — sofern dieses letzte Wort des Dichterfürsten am 22. März 1852 wirklich den Sinn gehabt haben sollte» den ihn: die Kachwelt gegeben hat — ist in hundert Jahren nicht zur Ausführung gekommen, wenn Goethe heute in der Fürstengruft zu Weimar die Augen öffnete, ec würde sie schleunigst wieder schließen. Schon die Tatsache» daß man zu dem Genius heute nicht aus dem rein Geistigen kommt» sondern aus politischer Niederung sich Hinaufringen muß» bezeugt den harten Kampf des Lichtes mit der Finsternis. Cs ist vielleicht gut» daß das deutsche Volk nicht einen Jahres tag, sondern ein ganzes Goethej a h r angesetzt hat. Das Volk braucht ein volles Jahr» um darüber nachzudenken, was es seinem Genius schuldet» was es ihm in einem Jahrhundert schuldig geblieben ist . . . Unser seelischer Anteil an der Jahrhundertfeier als Juden ist nicht mehr und nicht weniger als der aller deutschen Staatsbürger» als der der menschlichen Kulturgeineinschaft, Als Juden wissen wir ihm Dank für die innige Liebe» die er unserer Bibel» dem Buche der Bücher, bekundet» aus dem er bewußt und unbewußt schöpft. Zu den Juden mußte sich das Kind aus dem Frankfurter Hirschgraben erst mählich und mühsam durch das ganze Geröll der alten Vorurteile feiner Zeit durcharbeitcn. Lange, so berichtet er in „Dichtung und Wahrheit" (Buch 4), habe er sich nicht in die zwischen Stadtmauer und Graben wie in einem Zwinger cingeklemnrte Iudengasse allein hingewagt. Die Schauermärchen über die Juden» die aus Gottfrieds Chronik in Wort und Bild auf ihn einwirkten, wuchsen mit dem Knaben auf. wenn er am Tore vorübergehend in die Gasse hineinschaute» sah er Schmutz» Enge» Gewimmel» zudringliche schachernde Menschen und hörte den „Akzent einer unerfreulichen Sprache." wenn er aus Sachsenhausen über die Brücke nach Frankfurt ging, sah er auf einem Bogen des Brückenturms ein Schand- und Spottgemälde zur Verunglimpfung des Juden. Wie rasch mußte aber später der .Jüngling umlernen» als er den Menschen hinter dem dunklen Tore etwas näher trat. Cr fand sie „freundlich und tätig und von einem Cigensinn" bei der Wahrung ihrer alten Bräuche» der ihm höchste Achtung einflößte. „Kinder des auserwählten Volkes und lebendige Denktnäler aus ältesten Zeiten" waren sie. Cr besuchte ihre Schulen (Synagogen und Bethäuser), wohnte Beschneidungcn und Hochzeitsfeierlichkeiten bei, saß in ihren Laubhütten. Cr ward überall wohl ausgenommen» gut bewirtet und zum wiederkommen eingeladen» denn Männer von Cinflnß waren es» die ihn hrnführten oder empfahlen: Damit hatte aber der Dichter das wahre und eigentliche Gesicht des Frankfurter Ghetto in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts» dem ein Rabbi Pinchos Hurwitz und Rabbi Kathan Adler das Gepräge gaben» noch lange nicht gesehen. Wohl erzählt er im gleichen Buche, mit welcher Begeisterung er Hebräisch lernte» die Bibel im Urtexte las» wie er auch das „barocke Iudendeutsch" in Wort und Schrift beherrschte. 'Aber bis auf den tiefen Grund des jüdischen Geistes zu schauen» war ihm doch nicht gegeben» um alle in die neuere Zeit aus dem finsteren Mittelalter noch hineinragenöe Vorurteile gänzlich abzustreifen. Die glühende Liebe zum Alten Testamente begleitet ihn aber auf den Dichterthron» von dem aus der Faustdichter bald die gesamte geistige Welt beherrschte.*) Cinzelnen Juden stand er vorsichtiger, kühl und kritisch gegenüber. Ludwig Börne liebte noch weniger als Heinrich Heine. Die aus dem Ghetto hinaussiredenden» im steten Kampfe für sich und die Klenschheit sich aufbrauchenden Freiheitsstürmer hatten ihrerseits auch wenig Verständnis für den Patriziersohn» der, aus der Sonnenseite des Lebens geboren» von allen Musen vorgezogen» für seine eigene Person nie „sein Brot mit Tränen aß . . ." Cs fröstelte diese Männer» die ihr Herz an die Menschheit verpfändet hatten — sie hat es ihnen nicht gedankt — in den Cisregionen Goethe'scher Höben. Der große Goethe wiederum war in diesem Punkte menschlich sterblich und er liebte seine Kritiker nicht. Andere Juden» wie Zsachar Beer F a l ck e n s o h n» *) Siehe Leo Deutschländer.' Goethe und das Alte Testament. Omonuth-Brrlag, Frankfurt a. M.-Tel-Awiw. der Verfasser der „Gedichte eines polnischen Juden"», ebenso Gskar Ludwig Wolfs» der jüdische Stegreifdichter» erfreuten sich seines Wohlwollens. Allein nicht darauf kommt es heute an. Cs' ist uns Chrenschuld» zu betonen» daß Deutschlands ' größter., Dichter itf seiner Dichtung wie in seiner Lebensanschauung oft verwandte Töne in unserer Brust anschlägt» als wäre er bei unseren großen Meistern in die Schule gegangen. Und daraus kommt es an, mit Schmerz zu konstatieren» daß Goethes letztes Lichtvermächtnis noch der Ausführung harret; daß Millionen des Volkes, als dessen Genius ihn die Welt ansteht» sich heute - nicht vom Geiste» sondern vom Ungeist» nicht von Dichtern und Denkern» sondern von Trommlern und Tribunen leiten lassen. Mehr Licht! ruft es heute mehr denn damals aus dem Sterbezimmer in Weimar» in dem die Zeiger der Uhr bei der Todesstunde ftehengeblieben sind. Sie sind nicht weitergerückt ... wenn wir aber verzagend glaubeit sollten»:die Zeiten seien noch nie so schlimm und trübe gewesen,, wie heute» so sagen wir mit Tasso: „Die goldene Zeit, die schölte Zeit» Sie war» so scheint es mir» so wenig als sie ist. Und war sie je» so war sie nur gewiß» wie sie uns immer werden kann! «Auge um Auge". Frei,bearbeitet nach dem „Doroth Harischonim" Ic. 6. 423 — 430. Von Sr. 5. Halevy in Leipzig. I. Die Schwierigkeit des Satzes von py nnn pr in der min ist bekannt. Man braucht nur die Worte- „Auge um Auge" auszusprechen, und schon türmen sich vor unserem Auge ganze Berge von Schwierigkeiten auf. Am allermeisten erregt unsere Gemüter die ethische Seite des Problems. Die orientalischen Völker huldigten im Altertum dem Prinzip des Jus Talionis. Diese Strafe ist eine Art Vivisektion, wir sträuben uns mit allen Fasern gegen eine solche rechtliche Vergeltung, von der sich z. T. auch schon die alten Völker in der späteren Zeit abwanöten. Befiehlt aber nicht auch die Thora die gleiche Grausamkeit? Der einfache Wortlaut der Thora läßt gar keine andere Deutung zu. Die Thora verlangt von uns kategorisch die uneingeschränkte vivisektorische Vergeltung: py Ans pz?' Auge um Auge» nwy V? nir?y p wie er verfahren hat. so soll mit ihm verfahren werden. Ciite deutlichere Sprache gibt es kaum. Die mündliche Ueberlieferung gebietet uns allerdings, unter py nrm py die Geldstrafe zu verstehen. wir können uits jedoch, mit dieser Erklärung, welche die mündliche Tradition uns aufzwingt» logisch daß von der Leitung der „Makkablade" (so nennt man die turnerischen Olympspiele, die jetzt in Tel-Awiw von den neuen „Makkabäern" veranstaltet werden) die feste Zusage gemacht wurde, während der Olympspiele in Tel-Awiw die Heiligkeit des jüdischen Sabbats zu beachten. Das wäre unzweifelhaft ein begrüßenswerter Fortschritt im Verhalten der „Makkabäer" gegenüber dem Judentum und entschieden ein schöner Erfolg der Schweizer Zionisten, die diese Bedingung gestellt haben. Demgegenüber muß bedauerlicherweise abermals festgestellt werden, daß im Gegensatz zu den Schweizer Zionisten unsere tschechoslowakischen Zionisten in bezug aus Me. Sabbatschändung unausgesetzt sehr gelehrige Schüler ihrer palästinensischen Makkabäergenossen bleiben und auch jetzt noch dem tschechoslowakischen Judentum mitten in seinem Kampfe um den Sabbat durch öffentliche und ostentative Mißachtung dieses heiligen Gutes unter Führung des Abgeordneten Dr. Angelo Goldstein in den Rücken fallen. Wie uns berichtet wird, haben die „Makkabäer" von Olmütz, Mährisch-Ostrau, Brünn, Proßnitz, Ungarisch-Hradisch, Oderberg, Reutitschein, Kojetein, Kremsier, Jägerndorf, Hruschau, Prag, Witkowitz und Zilina unter Protektorat des Abgeordneten Dr. Angelo Goldstein nud begrüßt von dem Zionistenführer Dr. März aus Mährisch-Ostrau und anderen maßgebenden Zionisten am heiligen Sabbat vom 20. Februar und den, darauffolgenden Sonntag in Bad Karlsbrunn in Gegenwart von mehr als 600 Personen (darunter auch zahlreichen Juden) eine allerdings wegen des schlechten Wetters teilweise mißglückte große wintersportliche Veranstaltung inszeniert. Wie dürfen wir erwarten, daß man an den entscheidenden Stellen und überhaupt in verständigen nichtjüdischen Kreisen unsere Wünsche zur Wahrung der Sabbatheiligung ernst nimmt, wenn sie von demselben Dr. Goldstein vecteten werden sollen, der zugleich als Protektor der Sabbatentweihung auftritt?! (Prinzessin Hatasu soll die Ziehmutter Moses' gewesen sein.) „Daily Mail" bringt eine Mitteilung von Sir Charles Marston, unter dessen Aegide die Mraston Archeological Expedition unter der Leitung von Prof. John Garstang gegenwärtig in Palästina Grabungen vornimmt, wonach Funde in den Königsgräbern von Jericho es möglich machten, mit ziemlicher Sicherheit jene ägyptische Prinzessin festzustellen, die vor mehr als 3300 Jahren das Kind Moses im Schilfe des Nil aufgefunden hat. Es handelt sich bei den Funden um Töpferwaren und Skarabäen, deren Aufschriften den Auszug der Juden aus Aegypten auf das Jahr 1440 v. ü. Ztr. datieren. Dieses Datum stimmt mit dem in der Bibel angegebenen überein. Der Auszug fand kurz nach dem Tode von Thotmes Hl., dem Nachfolger von Thotmes II. statt. Während der 13jährigen Regierungsdauer von Thotmes ll. und den ersten 14 Jahren der 53jährigen Regierungsdauer von Thotmes III. war die eigentliche Herrscherin des Landes Hatasu, die mächtigste Prinzessin der ägyptischen Geschichte. Sie war die Schwester von Thotmes II. Aus den Jericho-Funden geht hervor, daß Prinzessin Hatasu diejenige war, die Moses im Schilf fand. Sie verhaft ihrem Schützling zu Macht und Einfluß, aber als sie starb, mußte Moses nach Midian fliehen, wo er die letzten 40 Jahre der Regierung von Thotmes lll. verbrachte. (Ein Whitechapel-Jude chinesischer General.) „Daily Mail" verösfentlicht aus Grund von Mitteilungen des in Manchester lebenden Kaufmanns Cohen, des Bruders des chinesischen Generals Maurice Abraham Cohen, einen Abriß aus der erstaunlichen Lebensgeschichte dieses einstigen Whitechapeler Judenjungen, der heute als General der chinesischen Armee an der Schanghai-Front kämpft und den vordringenden Japanern schwer zu schassen macht. Cohen hat zuerst in Kanada Chinesen als Siedler kennen gelernt und wurde ihr Freund. Bei Ausbruch des Weltkrieges schuf er ein chinesisches Arbeiter-Bataillon, das er in Frankreich befehligte. Cr kam in Kontakt mit hohen chinesischen Beamten, die ihn bewogen, nach China zu ziehen. Er wurde ein intimer Freund Dr. Sunyatsens und übernahm einen Teil der Führung der chinesischen nationale» Bewegung, in der er ausschlaggebenden Einfluß gewann. Große Verdienste hat . er sich als Reorganisator der chinesischen Armee erwoben. „Empire News" teilt mit» Cohen hatte in China eine Zeitlang eine Position, die der des Schatzkanlers entspricht. Er wurde der „ungekrönte König" Chinas genannt. England habe in Moishe Cohen einen ergebenen Freund. Ing. S. Jacobi, der als Bevollmächtigter von Ortose-Emigdirect im Fernen Osten gewirkt hat, teilt der ITA mit, daß er in China durch General Cohen, der an den Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde stark Anteil nimmt, sehr unterstützt wurde. Wochevkalender. vom 19. - - 88. März 1932 / er p 3 — 18. Weadar 6692 I '»!' ep n’noB T37 'Q XNp'1 Samstag 19 11 vs Sonntag 20 12 X Montag 'S p: 21 13 XX nnox maw» Dienstag 22 TW! 14 3X D’TS Mittwoch 23 15 rx D’TS JBW Donnerstag 24 16 ns Freitag 25 17 t!S' Samstag 26 181 « ms 's nx