Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 73 (1932)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1932)
- Date
- 1932-03-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450704-2450715--78619-2536319- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 6 Nr. 11 Der Israelit 10. nal, Parnes. Hendel es, N. Zcupag. urrd es wurde auch der Toten, an erster Stelle E. Kirschbrauns, gedacht. Längere Referate hielten David Rosenfelder und I. S. Friedman n. Vortreffliche Chöre und, Sologesänge des Herrn Oberkantor Z. Bornstein verschönten die Feier. Numerus claufus-Antrag im polnischen Sejm. Warschau, 4. März. Die Nationaldemokraten brachten in der Volksbildungskommission einen Antrag auf Einführung des Numerus clausus für jüdische Studierende an allen polnischen Hochschulen ein. Namens der Regierung erklärte Stipinsky, die Regierung lehne den Antrag ab, weil er dem in der Verfassung niedergelegten Prinzip der Gleichheit aller Bürger widerspreche. Von der Regierungspartei wurde darauf hingewiesen, daß die Annahme eines solchen Antrags lediglich zu einem Einspruch des Völkerbundes und zu einer Kompromittierung Polens vor der ganzen Welt führen würde. Die Sitzung wurde vertagt. (Siehe auch: „Die Woche".) Aus der Lemberczer Gemeinde. Lemberg, 1. März Die Nachricht, daß die Agudo-Dorsteher und Rats Mitglieder aus der Eemeindeverwaltungsmajorität in Lemberg ausgetreten sind, hat in allen Kreisen lebhaftes Interesse hervorgerufen. Die Gründe hierfür sind in einem Schreiben niedergeleat worden, das die Agudv-Bertreter dem Gemeindepräfes übermittelt haben. In dem Schreiben wird ausgesührt, daß die Unfruchtbarkeit der gegenwärtigen Verwaltung nun schon Jahre andauere und nicht mehr länger gedeckt werden könne. Das Rabbinat bleibt immer und immer wieder .unbesetzt und die Verschleppungstaktik, die in dieser Hinsicht geführt wird, ist unerträglich. Die für die gesetzestreuen Kreise der Gemeinde unenb behrliche Wiederherstellung der größten Mikwe ist nicht durchgeführt. Die Agudo will daher keine Verantwortung mehr mittragen für eine so weitgehende Vernachlässigung der vitalsten Eemeindeinteressen. Hauptschuld an der ganzen Entwicklung und an der Unfruchtbarkeit der Gemeindearbeit tragen die sogenannten „Unparteilichen", denen die Agudo zu ihren Sitzen verholfen hat, um nachher den krassesten Undank zu ernten. Man darf hoffen, daß der entschlossene Schritt der Agudo- Vertreter einen gewissen Eindruck auf die öffentliche Meinung machen und vielleicht doch zu einer Krisis führen wird, die dann die Gesundung und die endliche Wahl des berufenen geistigen Oberhauptes der Gemeinde herbeiführen wird. Frankreich. Erneuerung der Einschränkung der Einwanderung nach Brasilien. Paris, 1. März. Die Direktion der Hias-Jca-Emigdirekt (Hicem) teilt mit: Am 12. Dezember 1930 war von der Bundesregierung Brasiliens eine Verordnung erlassen worden, laut welcher die Einwanderung für Emigranten 3. Klasse auf folgende Kategorien beschränkt wurde: a) Ausländer, dis in Brasilien ihren ständigen Wohnsitz haben; b) Inhaber von speziellen Erlaubnisscheinen des Arbeitsministeriums, die zu bestimmter Beschäftigung in der Landwirtschaft ins Land kommen oder Landwirtefamilien, die Affidavits von ihren Verwandten erhielten, c) Familien von Landwirten oder Handwerkern, die ins Land vermittelst Gesellschaften oder Vereinigungen gekommen sind und den Bedingungen der Verordnungen von 1924 entsprechen. Allen anderen Emigranten sollte die Einwanderungserlaubnis erst dann erteilt werden, wenn sie einen Besitz von drei Kontos pro Person Nachweisen. Nunmehr erhielt die HiceM'Direktion von ihrem Komitee in Rio de Janeiro die Nachricht, daß das Dekret vom 12. Dezember 1930 durch eine spezielle Verordnung für e'nte wettere Jahresdauer verlättgert wurde. Somit werden 1932 für die Eirrwanderung nach Brasilien die gleichen Beschränkungen wie 1931 gelten, mit der einzigen Ausnahme, daß der Betrag von drei Kongos pro Person, der von allen Emigranten — ausgenommen die Kategorien a, b und c — verlangt wurde, in gewissen Fällen auf die Hälfte herabgesetzt werden könne. (ITA.) Iugoflavien. Sabbat-Schuldispens in Jugoslavien. S u b o t i c a, 6. März. Angeregt durch eine Enquete des Weltverbandes für Sabbatschutz über die internationale Regelung des Sab- Die Woche. Berlin, i! Der Ünterrichtsausschutz des Landtages ich mit der Beratung des vom Kultusminister vorgelegten neuen Studentenrcch!s beschäftigt. Der Gesetzentwurf schafft eine unabhängige Instanz, Vereinfachung des Slra'fystems und Ausdehnung der Disziplinarvorfchriften auf alle wissenschaftlichen Hochschulen. — Der Ober* amtsanwalt Luedtke in Schneidemühl hat die öffentliche Strafanzeige gegen den Nationalsozialisten Schmidt, der im Dezember den jüdischen Kaufmann Hopp ohne jeden Grund überfallen und ermordet hat, abgelehnt, weil kein öffentliches Jntere'se vorliegt. Der Oberstaatsaitwalt in Schneioemühl hat anerkannt, daß das Verhalten des Oberamtsanwaltes unsachgemäß und zu mißbilligen sei und daß er das Erforderliche veranlaßt habe. — Der Zentraloerein deutscher Staatsbürger entfaltet zur Zeit, den Erfordernissen des Tages entsprechend, eine besonders große Tätigkeit. Es fanden große Versammlungen statt in Stolp (Pommern), tit1 Danzig, Friedberg i. H., Nordhausen, Kassel Dresden und Leipzig. — Der Ausschuß für dre Schaffung eines Verfassungsentwurfs des Reichsver'oa^.drs der jüdischen Landesverbände hat seine Arbeit beendet, lieber den Namen des Verbandes ist noch keine Uebereinstimmung erzielt. Man hofft, den Entwurf dem im März stattfindenden Verbandstag des Preutzi'chm Landesverbandes oorlegen zu können. Amsterdam. Infolge des. Treibens der Nationa'.sozialisten in Holland, das immer unangenehmere Formen annimmt, hat die holländische Regierung dem Parlament einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Bildung bewaffneter und militärische Hebungen abhaltender Organisationen verbietet. London. Ein hiesiges Blatt meldet, daß der chinesische General Mosche Cohen ein Kind jüdischer Eltern in Manchester ist. Er lebt seit vielen Jahren in China, hat aber erst vor 2 Jahren seine Eltern in Manchester besucht und beim Aufrufen Lst. 35.— für die Synagoge gespendet. — Der neue 10 Proz. Einfuhrzoll in England gilt auch für Waren aus Palästina. Indessen erwartet man, daß zu einem späteren Zeitpunkt das Mcistbegünstigungsgefetz Anwendung finden und Palästina-Waren von Einfuhrzöllen befreit werden. — Colonel Moore brachte eine neue Tierschlachtbill im Unterhaus ein, die den Betäubungszwang vors'eht, jedoch die Schlachtungen nach jüdi'chem Ritus ausnimmt. — Der Innenminister, Sir Herbert Samuel, hat ein Komitee zur Ueberprüfung der Fälle von Ausweisungen von Ausländern aus England eingesetzt. Es wird damit endlich einer alten Forderung des Board vf Deputier genügt, der sich immer darüber beschwert, daß Ausländer ohne jede Möglichkeit einer Berufung oder Nachprüfung wegen der geringfügigsten Dinge des Landes verwiesen werden. Madrid. Die spanische Negierung beabsichtigt eine Kontusion zu ernennen, die alle ssardischen jüdischen Gemeinden in den Balkanländern besucht, um ihnen das Wohlwollen und die Freundschaft des neuen Spaniens zum Ausdruck zu bringen. Kairo. König Fuad. von Aegypten beabsichtigt demnächst iin Begleitung des Premierministers Palästina zu besuchen. Jerusalem. In Aleppo ist wieder einmal eine Ritualmordhetze ansgebrcchen. Der verhaftete Araber hat jedoch das Geständnis abgelegt, er sei gedungen worden, den Leichnatn^eines Kindes in einem Sack vor die Türe der Synagoge hinzulegen, damit daraus eine Ritnalmyrdankläge konstruiert werden könne. — Am 3. März begann die Gerichtsverhandlung gegen 12 Studenten, die die Antrittsvorlesung von Norman Bentwich für Internationales Friedensrrcht am 10. Februar störten. Die Universität beabsichtigt infolge des Vorfalls einen neuen Dis?iplinargesetzentwurf zu schaffen. — Die arabische Exekutive beschloß endgültig von der Ernennung eines arabischen Beraters für den Landentwicklungsdirektor French abzusehen. Warschau. Am zweiten Tag der Debatte über den numerus clausus-Antrag der Nationaldemokraten wurde nach einer großen Rede des Sejmdeputierten Mmzberg (Agudo) uttd des . Deputierten Sommerftein (Zionist) beschlossen, über den Antrag der Nationaldemokraten zur Tagesordnung überzugehen. Newyork. Am 5. März haben weitere 159 amerikanische Juden die Reise nach Erez Jisroel angetreten, um sich dort dem Orangenbau zu widmen. Paris. Die Internationale Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus nahm in einer von mehr als 5000 Personen besuchten Kundgebung eine Resolution gegen den Judenmord von Soroko und gegen die Aeußerungen des Judenhasses in Oesterreich, Deutfchlattd, Polen und Ungarn an. März 1932 bat-Schuldispenses hat der orthodoxe Gemeindeoerbänd' Iugostaviens erneut Schritte beim zuständigen Ministerium unternommen, um für die Kinder religiöser Clterrr Befreiung vom Schulunterricht an Sabbaten und Feiertagen zu erwirken. Die jüdischen Vertreter erhielten die feste Zusicherung, daß ihre Wünsche erfüllt werden würden. Der diesbezügliche Ministerialerlah wird täglich erwartet. In früherer Zeit hatten ähnliche Versuche ein positives Ergebnis nicht erzielen können. Litauen. Furchtbare Not unter den Juden Litauens. Kowno, 6,, März. Führende Juden Litauens, die sich als vorläufiges' Präsidium eines Rettungskomitees konstituiert haben, veröffentlichen einen Aufruf zur Linderung der Not im litauischen Judentum, in welchem es u. a. heißt: Im jüdischen Kowno wächst die Not von Tag zu Tag und ergreift immer weitere jüdische Schichten. Hunderte Är-. beitslosenfamilien hungern buchstäblich, Kleinkrämer und- Handwerker gehen unter und sogar früher angesehene Kaufleute, die eben noch ihre armen jüdischen Brüder unterstützt hatten, ringen jetzt um ihre Existenz. Es wird an diejenigen, die sich noch auf eigenen Füßen halten können, appelliert, die Arbeit des Röttungskomitees zu. unterftützen. palöstina. Oie „Affefath-haniwcharim". Ierufalem, 2. März. Die Delegiertenversammlung der Kneses Israel (Affefath-haniwcharim) wurde am 29 .Februar in Tel-Awiw durch B e n - Z w i eröffnet. Er verlas zum Schluß eine Botschaft des High Commifsioner, worin dieser die Versammlung begrüßt und ihr gute Wünsche entbietet. Es folgten Ansprachen von H. F a r b st e i n, Bürgermeister Dizengoff, Oberrabbiner Jacob Meir sowie Referate von Rabbiner Ostrowski über Gemeindetätigkett und von Henriette S z o l d über die soziale Fürsorge. Die- Revisionisten beteiligten sich nicht an der Wahl des Präsidiums. In der Abendsitzung sprach Dr. A r l o s o r o f f üben die politische Lage des Zionismus. Er beschwerte sich darüber, daß die in dem Briefe Macdonalds an Dr. Weizmann angekündigte Politik in keiner Weife durchgeführ-t werde, vielmehr fei systematische Zurücksetzung der Juden aus der ganzen Linie zu konstatieren. Det7 Bericht des Landentwicklungsdirektor French, den die Jewish Agency bisher nicht kennt, wird sich nach Ansicht des Redners ungünstig auswirken. Der Redner schloß mit dem Wunsche nach engerer Zusammenarbeit mit der britischen Regierung und nach einer Herbeiführung eines modus vivendi mit den Arabern, der durchaus möglich fei. In der Diskussion erklärte Rabbiner Ostrowski, der Misrachi werde die Kneses Israel verlassen, wenn die religiösen Forderungen des Misrachi nicht befriedigt und wenn insbesondere kein ausreichendes Budget für das Rabbinat gesichert werde. An der weiteren politischen Aussprache beteiligten sich Mossinsohn, Berr Gurion und Ussischkin. - Jerusalem, 6. März. . Die Assefath-haniwcharim wählte in ihrer Schlußsitzung den neuen Waad leumi, der sich aus io Vertretern der Arbeiterschaft, 5 Revisionisten, 2 allgemeinen Zionisten, 2 Misrachisten und je einem Sfardi, einem Jemeniten und einer Vertreterin der Frauen zusammensetzt. Die Teilnahme der Revisionisten wurde herbeigeführd durch Annahme einer Resolution, in der mit Bezugnahme auf die neuerlich bekannt gewordenen Pläne einer Vertändigung mit den Arabern erklärt wird, der Jischuw werde keine parlamentarische Institution anerkennen bezw. an ihr teilnehmen, die die Tendenz verfolgt, die Entwicklung des jüdischen Nationalheims zu hemmen. Inzwischen hat übrigens der ehemalige König von Aegypten, Abas H i l m i, erklärt, daß er von den ganzen mit ihm in Verbindung gebrachten Plänen einer Einteilung Palästinas in Zonen und einer arabisch-jüdischen Round-table-Konferenz keinerlei Kenntnis habe. Frauenwahlrecht in pethach-Tikwa. Petach-Tikwa, 6. März Pethach-Tikwa war bisher diejenige Kolonie, die im großen Ganzen, soweit das öffentliche Leben in Betracht kommt, an ihrer historisch gegebenen gesetzestreuen Grundlage festhielt, wie sie in der Gründungsurkunde der Kolonie